Urlaub auch in der Coronazeit

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Gast

Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von Gast »

In NRW ist die Quarantäne für deutsche Einreisende aus der EU gekippt worden. In Niedersachsen ist das schon vor ein paar Tagen passiert. So wie ich gelesen haben hat das Saarland nachgezogen.

Urlaub steht nichts mehr im Wege. Zur Zeit. Aber das kann sich jeden Tag ja wieder ändern. Abwarten und weiter hoffen.

Engelefeu
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von Engelefeu »

Hej Jaktanot, mein Ministerpräsident (Thüringen) hatte mir das Urteil umgehend zukommen lassen. D.h. dass Thüringen dem gleich am nächsten Tag folgte, wie auch gestern den Nachrichten zu entnehmen war, alle anderen Bundesländer inzwischen ebenfalls.
Sicher gelten OLG Urteile immer in dem Bundesland in dem sie gesprochen wurden. Allerdings bei Normenkontrollklagen besteht immer die Chance, wie auch in diesem Fall, dass andere OLGen folgen (ausser Lüneburg ;) )
Um weitere Prozesse zu vermeiden können die anderen Länder dann auch politisch im Sinne des Spruches entscheiden. Das ist hier geschehen.
Aber danke für die Klarifizierung in Bezug auf Gültigkeit von OLG Urteilen, auch wenn der Kommentar dazu implizit eine Wertung enthielt;)
Ha en trevlig helg Gaby

vibackup
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von vibackup »

Hej!

Ich lasse mich hier selten sehen, noch seltener schreibe ich... sorry.
Heute aber habe ich eine Bitte: ich bin in unserer Region als klinischer Pharmakologe im läkemedelscentrum tätig und habe damit mit Hilfe unserer Apotheker einen Überblick, was wir an Medikamenten kaufen, nicht kaufen und im Moment vor allem nicht oder nur schwer bekommen. Dazu gehören im Prinzip alle Narkosemittel.
Wir treffen uns wöchentlich mit unseren Anaesthesisten und Intensivmedizinern um uns abzustimmen.
Ausserdem bin ich jetzt auch als medizinischer Berater für die nationale Gruppe tätig, die die Verteilung dieser für die Intensivmedizin kritischen Medikamente koordiniert (wegen das Mangels ist eine solche Gruppe eingerichtet worden).
Und nun kommt meine Bitte: bitte akzeptiert diese Empfehlung der folkhälsomyndigheten, wir sind hier in Schweden bereits führend, was die täglichen Toten/capita betrifft (an manchen Tagen macht uns GB den Platz streitig, aber nicht oft), gleichzeitig bauen wir eine enorme Bugwelle auf, was andere medizinische Behandlungen betrifft, die im Moment nicht stattfinden.
Unser Gesundheitssystem ist im Moment in vielen Regionen weit über das Normale ausgelastet, bei uns stehen keine Intensivbetten leer, sondern andere Abteilungen sind zu Intensivabteilungen umgebaut worden.
Wenn es euch irgend möglich ist: bleibt in D, kommt nicht her, bis das hier vorbei ist.
Das wird vermutlich (jetzt kommt die Glaskugel) und hoffentlich im Sommer 2021 der Fall sein, eventuell bereits im Frühjahr, aber wohl nicht vorher.

//M

Engelefeu
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von Engelefeu »

:danke:, Du bringst es auf den Punkt,Vibackup. Da mein Familienbesuch nur aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen besteht, erlaube ich ihm zu kommen.
Frage, wenn Narkotika so knapp sind, was ist es noch? Ich überlege für den Fall der Fälle ein kleines Depot anzulegen. Fall meine Nachbarschaft oder ich etwas benötigen sollten, könnten wir es in die Klinik mitbringen.
Was fehlt besonders?
Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag Gaby

Gast

Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von Gast »

Ok, eine zusätzliche Bitte: hamstert keine Medizinen!
Das hat am Anfang zu Mangelsituationen beigetragen und die Medizinen liegen dann in Privathaushalten, wo sie nicht erreichbar sind.
Im Moment sehen wir nicht mehr, dass das in grösserem Masse geschieht, aber wenn, dann kann das direkt Leben kosten.
Dieses Video ist gut:
https://youtu.be/BUNRFc-0DxM
Unspektakulär, aber dafür sinnvoll.

//M

vibackup
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von vibackup »

Engelefeu hat geschrieben:
17. Mai 2020 05:17
:danke:, Du bringst es auf den Punkt,Vibackup. Da mein Familienbesuch nur aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen besteht, erlaube ich ihm zu kommen.
Hmmm... Ich bin selber Arzt und habe in meinem bisherigen Leben nicht feststellen können, dass mir das (und auch nicht meine zwei Facharzttitel) irgendeinen erhöhten Schutz vor Unfällen oder Infektionen gegeben hat; ausserdem gibt es Studien, die zeigen, dass Ärzte, was bestimmte Erkrankungen betrifft, sogar häufiger erkranken als Angehörige anderer Berufsgruppen. Bis zum beweis des gegenteils würde ich also davon ausgehen, dass wir Ärzte einfach Menschen sind und damit gibt es keinen rationalen Grund, uns in dieser Frage anders zu behandeln als alle anderen Menschen.
Daher meine klare Einstellung: die Empfehlung gilt auch für Ärzte.
Engelefeu hat geschrieben:
17. Mai 2020 05:17
Frage, wenn Narkotika so knapp sind, was ist es noch?
Erstmal ein Mißverständnis: es geht nicht um Narkotika (Drogen) sondern um kritische Medikamente für die Behandlung auf einer Intensivstation, unter anderem Narkosemittel, also Mittel, die für eine Betäubung von Menschen zB während einer Operation benötigt werden.
Engelefeu hat geschrieben:
17. Mai 2020 05:17
Ich überlege für den Fall der Fälle ein kleines Depot anzulegen. Fall meine Nachbarschaft oder ich etwas benötigen sollten, könnten wir es in die Klinik mitbringen.
Was fehlt besonders?
Das ist nett gemeint, wäre aber kontraproduktiv. Aus folgenden Gründen:
  • Wir fassen im Moment Beschlüsse, die ich nie erwartet habe, in Friedenszeiten in einem zivilisierten westlichen Land fassen zu müssen, das ist richtig. Auch in der Forschung und in der Entwicklung von Medikamenten werden Prozesse beschleunigt, weil die Situation dazu zwingt. Aber: es gibt Mindeststandards. Die Medikamente, um die es hier geht, benötigen spezielle Aufbewahrungsarten, haben unter verschiedenen Bedingungen unterschiedliche Haltbarkeiten und müssen daher verfolgbar sein. man muss wissen, dass diese Medikamente immer so aufbewahrt worden sind, dass man sie einem Menschen geben kann. Das kannst du als Privatperson nicht leisten.
  • Diese Medikamente sind von Privatpersonen nicht legal erwerbbar. Auf dem Schwarzmarkt erworbene Medikamente unterliegen nicht denselben Qualitätskontrollen
  • Sollte es dir wirklich gelingen, diese Medikamente zu erwerben, entziehst du sie dem Gesundheitswesen; wir werden wieder Lager anlegen nach dieser Krise, aber diese Lager sind "lebende" Lager, d.h. es fließen Medikamente ein und es werden welche entnommen, so daß wir nicht irgendwann eine Menge verfallener Medikamente haben.
So: wenn du helfen willst: bitte deinen Besuch, in D zu bleiben, die dortigen Regeln, die effektiv waren, einzuhalten, auf ihre Politker einzuwirken, der zu schnellen Lockerung entgegenzuwirken, mach das Gleiche hier.
Und lass uns im Gesundheitswesen unsere Arbeit machen.
Das hilft wirklich.

//M

rappa
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von rappa »

Engelefeu hat geschrieben:
17. Mai 2020 05:17
:danke:, Du bringst es auf den Punkt,Vibackup. Da mein Familienbesuch nur aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen besteht, erlaube ich ihm zu kommen.
Frage, wenn Narkotika so knapp sind, was ist es noch? Ich überlege für den Fall der Fälle ein kleines Depot anzulegen. Fall meine Nachbarschaft oder ich etwas benötigen sollten, könnten wir es in die Klinik mitbringen.
Was fehlt besonders?
Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag Gaby
Das ist die beste Begründung, die ich je gelesen habe.

Engelefeu
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von Engelefeu »

Hej Vibackup, ich denke , da gibt es ein Missverständnis, Narkotika sind nicht unbedingt Drogen, sondern auch Narkosemittel in Deinem Verständnis und die meinte ich.
Ich war sicher unpräzise hinsichtlich der Beschaffung. Die sollte weder illegal und schon gar nicht hier das System belasten. Ich hatte eine ENTLASTUNG im Sinn. Wenn meine Verwandten die Mittel legal aus Deutschland einführen können, wäre es ein Zugewinn für Schweden und kein Nachteil. Wäre es in irgendeiner Form illegal hätte ich sicher nicht geschrieben, dass ich die Narkosemittel mit in die Klinik bringe ,um den dortigen Bestand nicht anzurühren. Letzteres hatte ich mir gedacht, leider nicht ausgeführt, weil ich dachte unzweideutig geschrieben zu haben.Erratum-sorry.
Die Frage , was sinnvoll ist von Deutschland aus nach Schweden zu bringen , um das System hier zu entlasten war ernst gemeint.
Da ich Heilberuflerin bin und die Familie ebenfalls gäbe es sicherlich auch legale Möglichkeiten des Importes. Andere wären mir gar nicht in den Sinn gekommen.
Die Problematik verfallender Arzneien ist mir ebenfalls bekannt. Mir ging es auch nicht um ein a) Riesenlager und b) eher um die Möglichkeit etwas zur Verfügung stellen zu können im Bedarfsfall.
Ja -und auch Ärzte können verunfallen.
Liebe Grüsse Gaby

rappa
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von rappa »

Ist Schweden jetzt schon so tief gesunken, dass es private Hilfslieferungen an Medikamenten bedarf?

Und als Beispiel Propofol (oder so ähnlich) ist auch in D-Land knapp. Warum es also dem einem Gesundheitssystem entziehen, um es in einem anderen System erstmal als Vorrat für den persönlichen Bedarf wegzusperren?

Auch in Schweden gibt es wohl Einfuhrvorschriften für als Betäubungsmittel klassierte Medikamente, incl. Herkunftsnachweis usw. Welcher Arzt wird das sich und seinem Arbeitgeber antun fremd beschaffte Medikamente anzuwenden?

vibackup
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Re: Urlaub auch in der Coronazeit

Beitrag von vibackup »

rappa hat geschrieben:
18. Mai 2020 12:33
Ist Schweden jetzt schon so tief gesunken, dass es private Hilfslieferungen an Medikamenten bedarf?

Und als Beispiel Propofol (oder so ähnlich) ist auch in D-Land knapp. Warum es also dem einem Gesundheitssystem entziehen, um es in einem anderen System erstmal als Vorrat für den persönlichen Bedarf wegzusperren?

Auch in Schweden gibt es wohl Einfuhrvorschriften für als Betäubungsmittel klassierte Medikamente, incl. Herkunftsnachweis usw. Welcher Arzt wird das sich und seinem Arbeitgeber antun fremd beschaffte Medikamente anzuwenden?
Genau so ist es.
Medikamente müssen, um am Menschen verwendet werden zu können, in bestimmter Weise verwahrt werden, ihre Herkunft und der Transport müssen nachvollziehbar sein, damit man sicher weiss, dass es sich
  1. tatsächlich um das angegebene Medikament handelt
  2. das Medikament in einer Weise aufbewahrt wurde, so dass es noch verwendet werden kann
Was man mit den eigenen Tabletten macht, ist Privatsache (und die sind hergestellt mit dem Wissen, dass sie in normalen Haushalten aufbewahrt werden), aber wenn du, Gaby, mit einem Medikament kommst, das nicht nur verschreibungspflichtig ist (und vorausgesetzt, du hast keine solche), das "nakotikaklassat" ist (OBS: narkotikaklassad ≠ Narkotika) und ausserdem nur durch "requisition" zu erhalten ist, dann
  1. ist eine Nachverfolgung, wie sie erforderlich ist, nicht möglich
  2. ist das per Definition lillegal, denn Privatpersonen dürfen diese Medikamente weder verwahren, ein- oder ausführen oder in den Verkehr bringen
  3. sind diese Medikamente nicht mehr am Menschen anwendbar.
Aber @Gaby: was genau meinst du mit "Heilberuflerin"?
Meinst du "Heilpraktikerin"?

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