Lebensunterhalt realistisch?

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jörgT
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von jörgT »

janaquinn hat geschrieben: Im 1. Arbeitsjahr hat man in Schweden keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub, also heisst es entweder durcharbeiten oder auf Minusstunden gehen bzw. unbezahlten Urlaub...

LG JANA

Hej Jana!
Wo hast Du denn diese Weisheit her? Die stimmt nämlich definitiv nicht!

(Du hast übrigens eine PN!)

Nochmal zur Sache an sich, ohne meine Vorschreiber wiederholen zu wollen und nur, weil sich ähnliche Meinungen in letzter Zeit mehrfach wiederholen: Mit einem Einkommen von 30.000 kr im Monat gehörst Du zu den völlig normalen "Medelsvenssons", die alle in diesem Land (über-)leben. Die Wohnungs- bzw Hauskosten sind meiner Meinung nach zu hoch angesetzt - frage Deinen Arbeitgeber und bitte ihn um Hilfe bei der Wohnungssuche. Je nach Branche kannst Du oft mit viel mehr Unterstützung seitens des Arbeitgebers rechnen ...

Ich wünsche Euch jedenfalls viel Glück!

Schöne Ostern!

Jörg :wink:

Petergillarsverige
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von Petergillarsverige »

Ich würde sagen: Wage es.
wenn du es nicht wagst, wirst du dich bis zum Lebensende fragen ob es geklappt hätte.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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janaquinn
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von janaquinn »

Hej Jörg,
bei Rey war es in jedem Job so, dass er im 1. Jahr keinen bezahlten Urlaub hatte, sondern entweder auf Minusstunden gegangen ist oder unbezahlten Urlaub hatte.

LG JANA
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draussen
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von draussen »

Hallo,

und danke widerum für die zwischenzeitlich eingegangenen Beiträge - mein Eindruck wird immer besser.

@Jana: Die zuletzt von Dir angegebenen Kosten für Wohnung und Lebensmittel decken sich mit meinen Erwartungen. Das mit dem evtl. unbezahlten Urlaub im ersten Jahr ist Vertrags- und damit Verhandlungssache. Ich sehe darin derzeit (noch) kein Problem.

Um die Rechung bis hierher nochmal auf einen Punkt zu bringen:
Brutto: 30000SEK
Kindergeld:2000SEK
davon ab:
Lohnabzüge rund 8000SEK
Wohnung rund 12000SEK (warm)
Müll / Versicherung rund 2500SEK
Lebensmittel rund 5000SEK
Dagis: 860SEK
Telefon/Internet: 800SEK
Monatskarte: 600SEK
Auto:2000SEK

Macht Rest: 240SEK (das ist knapp)
(Elterngeld ist hierbei nicht berücksichtigt)
Rein theoretisch ist das machbar. Besser wirds wenn die Unterkunft billiger ausfällt - wie von Jörg angemerkt.

Auch die Diskussion hier zeigt, dass es mit 30000SEK eher knapp zu werden scheint. Hätte ja schließlich sein können, dass fünf Antworte in der Art "von 30000SEK kann man in der Stadtmitte von Göteborg zwei Familien durchbringen" kommen. Das ist nicht der Fall.

Generell finde ich den Ansatz von "Petergillarsverige" nicht schlecht. Aufgrund der knappen Verhältnisse kann es ja durchaus sein dass wir auch gut zurecht kämen. Getreu dem Motto wer nicht wagt der nicht gewinnt neige ich schon fasst es aus prinzip zu versuchen - wenn das Bewerbungsgespräch positiv verläuft.

Bleibt eigentlich nur das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Zumindest stärkt der Eindruck von der Diskussion hier, dass es mit dem Gehalt evtl. nicht klappt, die eigene Verhandlungsposition wenn es genau um diesen Punkt gehen sollte.

@Jörg: sind die 30000SEK in dem Fall pro Familie oder für jeweils beide Verdiener der Familie Medelsvensson zu sehen?

MfG

Georg

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janaquinn
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von janaquinn »

Georg, es ist knapp, aber es wäre durchaus möglich! Ich drücke euch fest die Daumen, dass es klappt und wünsche viel Glück beim Vorstellungsgespräch. Ihr könnt es schaffen, so wie wir es damals geschafft haben. Ich habe halt auch nach dieser Zeit immer noch Bauchweh, wenn ich an diese Zeit denke
und ich denke nicht wirklich gern daran zurück. Lycka till!
Jana
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draussen
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von draussen »

@Jana: tack sa mycket!!! Ich denke wenn das Gespräch positiv ausfällt soll es schon so sein dass wir es versuchen. Das werde ich hier im Forum aber bestimmt mitteilen. Zuletzt weil dann bestimmt noch ganz andere, konkrete Fragen auftrauchen, an die ich jetzt noch nicht denke :-D.

MVH

Georg

auch Neuling

Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von auch Neuling »

Hallo Georg!

Danke fürs Lob. :D Hier ist ja während meiner Abwesenhet viel gesagt worden! Ich habe zwar alles gelesen, aber da es so viel ist, enthällt meine Antword evtl. einiges was schon erwähnt worden ist.

Zu Elterngeld: Habe vergessen dass 60 Tage für den Vater reserviert sind. Deshalb kann deine Frau nur Maximal 420 Tage pro Kind bekommen.

Zu Bostadsbidrag: Rechne nicht damit. Es stimmt zwar, dass viele Faktoren berücksichtigt werden, aber ein Faktor ist, dass für Familien mit nur einem Verdiener die Berechnung schlechter ausfällt als für Familien mit dem gleichen Einkommen und 2 Verdiener.

Zu Dagis: Gebühren richten sich nach Einkommen. Rechne für das 1. Kind 3 % des Bruttoeinommens der Eltern. Aber: Dagisplats gibt es nur wenn beide Eltern arbeiten, studieren oder als arbeitslos gemeldet sind. Kinder ab 3 Jahre haben jedoch Recht auf kostenlose "allmän förskola" 15 Std/Woche. Kinder unter 1 Jahr bekommen kein Dagisplats, es ist also gar nicht möglich so kleine Kinder abzugeben.

Zu Hauspreis/Wohnkosten:
Ein Preis von 1650000 für ein 150m2 Haus in Partille scheint mir unrealistisch. Bist du Dir da sicher? War es nicht ein "bostadsrätts-"Haus? Oder ein Renovierungsobjekt? Wenn ich nur schnell mal die Angebote durchschaue finde ich z.B. dieses Reihenhaus mit 116 m2 in Partille:
http://www.hemnet.se/bostad/villa-6rum- ... -1-3698917
Ausganspreis: 2 100 000 (Wie schon erwähnt wurde, werden Wohnobjekte oft versteigert, und manchmal wird der Ausgangspreis bewusst etwas niedrig gesetzt, um die Versteigerung anzukurbeln, also weiss man nicht wie der Endpries dieses Objekt sein wird.)
Lt. einer der Wohnkalkülen des Maklers: 10 255,-/Monat einschl. Amortisation, alle Ausgaben für Heizung, Strom, Müllabfuhr etc, Zinsen, Grundsteuer, bei 315000 Bareinlage.
Das passt ja auch in dein Kalkül, nur sind es keine 150 m2 und bei nur 160 m2 Grundstück fällt der Gemüseanbau wohl aus. Und Reparaturkosten die ja immer bei einem nicht neuen Haus anfallen, sind auch nicht drin.

Zu der Idée der Selbstversorgung sage ich nur: Sehe zu dass du dir ein Haus auf dem Land mit keinen oder nur einigen gleichgesinnten Nachbarn kaufst, denn in besiedelten Gegenden ist weder Hühner- noch Hasenzucht zugelassen. Streit mit den Nachbarn ist in diesem Fall auch eine Gefahr. Anstatt die paar Eier und den gelegentlichen Hasen könnt ihr sicher viel mehr sparen wenn ihr alles was ihr isst von Grunde auf herstellt (Brot backen, keine Halbfabrikate, nur Säsongemüse kaufen und vielleicht auch Einkochen/-Einfrieren).

30 000, würde ich sagen, ist schon ein etwas höherer Gehalt als das von Medelsvensson. Nur, eine schwedische Durchsnittsfamilie hat 2 Verdiener die etwa 20 - 25000 pro Person verdienen. Damit kommt man gut aus, und das Nettoeinkommen wird auf grund des Steuersystems auch höher als wenn nur eine Person 40 - 50000 verdient.

Insgesammt denke ich so: Wenn ihr vor habt, dass deine Frau, wenn euer Kind 1-1,5 Jahre alt ist, arbeiten geht und wenn sie eine realistische Möglichkeit hat in Schweden Arbeit zu finden, müsst ihr ja nur in den ersten 1- 1,5 Jahren um die Runden kommen und das wäre machbar, jedefalls wenn ihr etwas Spargeld habt. Wenn deine Frau erst arbeiten geht, habt ihr keine finanzielle Probleme mehr.

Veil Glück beim Vorstellungsgespräch
Ingrid

auch Neuling

Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von auch Neuling »

Hallo Georg,

Noch zu deinen Zahlen vom 5. April:
Von Wohnung habe ich schon in meinem vorigen Beitrag geschrieben.
Müll/Versicherung: Müll sollte in den Kalkülen der Makler einbegriffen sein. Hausversicherung ist nicht so teuer. Ich bezahle ca 350,- pro Monat, aber das liegt an der Lage, Hausgrösse etc.
Lebensmittel: Bei einer 3-köpfigen Familie bezahlen wir 5000 - 6000 für Lebensmittel und Verbrauchsartikel, aber wir sparen an nix und gönnen uns auch mal was.
Dagis: muss 0 sein. Der allgemeine Kindergarten für Kinder ab 3 ist kostenlos und Dagis bekommt ihr erst wenn deine Frau auch arbeitet, aber dann habt ihr ja auch das Einkommen dafür.
Telefon/Internet: kann so etwa stimmen. Kommt natürlich darauf an wie oft ihr nach Deutschland anruft. Handy ist aber nicht drin.
Monatskarte: Lt Homepage von Västtrafik 1 085,- wenn z.B. Partille umfasst sein soll. Kommt aber auf Abstand an.
Auto: Ich bezahle ca 500,-/Monat für Versicherung, Steuern und TÜV (aber sehr unterschiedlich je nach Automodel, Schadensfreiheitsrabatt und Ort). Resliche Kosten kennst du ja selbst. Benzinpreis: 15-16 kronen/liter und ständig steigend.
Viele Grüsse
Ingrid

unbekannt

Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von unbekannt »

EuraGerhard hat geschrieben:Hallo!

[zitat="janaquinn"]... und kein Makler wird euch für´s Budgivning zulassen, es sei denn, ihr habt die komplette Kaufsumme auf dem Konto und könnt dies nachweisen.[/zitat-ende]
Also das kann so nicht stimmen. Ich habe 2010 an mehreren Budgivning-Verfahren teilgenommen (und schließlich auch ein Grundstück "ersteigert"), und es hat kein Hahn danach gekräht, ob ich das Geld nun auf dem Konto hatte, oder eine Kreditzusage etc.

MfG
Gerhard
Wir wurden, als wir noch im Ausland wohnten, bei einigen Gebotsabgaben einfach übergangen. In einem Fall bekamen wir vom Makler die mündliche Zusage für den Hauskauf. Drei Tage später teilte uns die Maklerfirma mit, der Hauseigentümer wolle nicht an Ausländer verkaufen. Das muss man sich mal vorstellen. Wenn die Nachfrage nach Immobilien groß ist, kommen erst einmal die Schweden an die Reihe.

EuraGerhard
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Re: Lebensunterhalt realistisch?

Beitrag von EuraGerhard »

Volker hat geschrieben:Wir wurden, als wir noch im Ausland wohnten, bei einigen Gebotsabgaben einfach übergangen. In einem Fall bekamen wir vom Makler die mündliche Zusage für den Hauskauf. Drei Tage später teilte uns die Maklerfirma mit, der Hauseigentümer wolle nicht an Ausländer verkaufen. Das muss man sich mal vorstellen.
Man darf das Bieterverfahren bei schwedischen Immobiliengeschäften nicht mit einer regulären Auktion verwechseln: Das Bieterverfahren ist für beide Seiten völlig unverbindlich! Bevor nicht ein Vertrag unterschrieben ist, können sowohl Käufer als auch Verkäufer jederzeit die Sache abblasen. Der Verkäufer ist auch keineswegs verpflichtet, an den Meistbietenden zu verkaufen, er kann auch ein niedrigeres Gebot akzeptieren, wenn ihm vielleicht die Nase des Käufers besser gefällt.

MfG
Gerhard

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