Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

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EuraGerhard
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Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von EuraGerhard »

Hallo,

hier nun wie versprochen eine kurze Geschichte des EPA-Traktors und seiner Nachfolger:

Ab den späten 1920er Jahren wurde die schwedische Landwirtschaft in großem Stil mechanisiert. Doch leider war es so, dass viele Bauern damals nicht genug Geld hatten, um sich einen eigenen Traktor leisten zu können. Da kamen findige Tüftler auf die Idee, normale Autos zu Traktoren umzubauen. Und ab 1930 gab es in Schweden eine Billig-Kaufhauskette namens EPA ("EnhetsPrisActiebolaget), weshalb diese "Billigtraktoren" im Volksmund bald "EPA-Traktoren" genannt wurden.

Ursprünglich wurden also EPA-Traktoren tatsächlich für landwirtschaftliche Zwecke entwickelt, und man könnte den Begriff vielleicht mit "Aldi-Traktor" übersetzen.

Doch natürlich konnte der schwedische Staat diesem Treiben nicht allzu lange zusehen, ohne regulierend einzugreifen. Im Jahr 1940 wurde daher die Rechtsverordnung 1940:440 erlassen, im Volksmund "EPA-Kungörelse" genannt. Diese Verordnung stellte unter anderem folgende Bedingungen:
  • EPA-Traktoren durften nur aus Fahrzeugen mit einem tragenden Fahrgestell gebaut werden, nicht aus selbsttragenden Karosserien
  • Es musste eine Anhängerkupplung vorhanden sein (sonst kein "Traktor")
  • Die Hinterachse durfte nicht gefedert sein
  • Das Übersetzungsverhältnis zwischen Motor- und Raddrehzahl durfte maximal bei 10:1 liegen, höhere Gänge mussten gesperrt werden
  • Die Höchstgeschwindigkeit war auf 20 km/h (ab den 1950er Jahren 30 km/h) begrenzt.
Zu den beliebtesten Automodellen für einen Umbau zählten zunächst das Ford Model A, später auch der Volvo Duett.

Aber schon in den 1950ern wurde der EPA-Traktor nach und nach aus dem landwirtschaftlichen Einsatz verdrängt, denn inzwischen konnten sich immer mehr Landwirte "richtige" Traktoren leisten. Schließlich machte die Einführung des Dreipunktaufhängung bei den "richtigen" Traktoren den EPAs endgültig den Garaus auf dem Acker.

Inzwischen hatten jedoch viele Jugendliche den EPA-Traktor als legales motorisiertes Fortbewegungsmittel entdeckt, weshalb die Anzahl der registrierten EPAs ab den 1960er Jahren wieder stark anstieg. Zwar hatte der Gesetzgeber bereits seit 1963 eine neue Verordnung über den Umbau von PKW in sog. "A-Traktoren" erlassen, für die auch Fahrzeuge mit selbsttragender Karosserie sowie gefederter Hinterachse zugelassen waren. Aber während bei den EPA-Traktoren lediglich das maximal zulässige Übersetzungsverhältnis eine technische Grenze für die Höchstgeschwindigkeit setzte, mussten A-Traktoren mit einem echten Geschwindigkeitsbegrenzer ausgestattet sein. Echte EPAs konnten also mit modernen Motoren, die höhere Drehzahlen erlaubten, durchaus schneller als 30 km/h fahren, sie durften nur nicht. A-Traktoren hingegen können es auch nicht. (Es sei denn, sie wurden "frisiert".) Viele Jugendliche versuchten also aus genau diesem Grund, an einen echten EPA-Traktor zu kommen.

Auch diesem Treiben wollte der schwedische Staat nicht allzu lange zusehen, weshalb schließlich zum 31. März 1975 die Neuzulassung von echten EPAs nach der Verordnung 1940:440 verboten wurde. Bereits zugelassene EPAs erhielten zunächst drei Jahre Gnadenfrist. Diese wurde später zunächst bis 1980 verlängert, und dann nach zahlreichen Protesten und Unterschriftensammlungen unbegrenzt verlängert.

Heutzutage handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der als EPA-Traktor bezeichneten Fahrzeuge in Wirklichkeit um A-Traktoren. Aber die noch vorhandenen echten EPA-Traktoren werden gehegt und gepflegt. Um die EPA-Szene hat sich eine Subkultur mit u.a. einem eigenen Musikstil, dem "EPA-Dunk", entwickelt.

Neben EPA- und A-Traktoren gibt es inzwischen auch in Schweden Leichtfahrzeuge mit maximal 45 km/h, die mit dem Mopedführerschein gefahren werden dürfen und hier "Mopedbil" genannt werden. Aber auch wenn diese schneller fahren dürfen als EPA- und A-Traktoren, so haben sie doch längst nicht deren Kultstatus. Außerdem haben gerade A-Traktoren einen entscheidenden Vorteil: Sie lassen sich mit relativ wenig Aufwand wieder in einen normalen PKW zurückverwandeln. Z.B. wenn der Fahrer 18 geworden ist und einen B-Führerschein gemacht hat.

MfG
Gerhard

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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Frankenbauer »

Servus !

Vielen Dank für deine Arbeit Gerhart !
Ist recht informativ !
Nun nur noch eine Frage ; wie werden diese A - Traktoren versichert und versteuert ?

Schönen Sonntag noch an Alle Dirk :elch:

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Rollo
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Rollo »

Moin Gerhard,
das war ein interessanter und guter Bericht. Habe ihn mehrmals und gerne gelesen. Schon fast schade, dass man die Dinger nicht mehr zugelassen bekommt. Aufgrund von Angebot und Nachfrage müssten die echten alten EPAs doch inzwischen recht wertvoll sein. Es ist schon erstaunlich, dass ein Traktor damals teurer war, als einen Ford A anzuschaffen + Umbauarbeiten. Waren die Umbauten in der Landwirtschaft vollwertig einsetzbar oder mehr ein Provisorium?

Hallo Dirk,
die Frage ist gut, aber ich frage mich, was du vorhast. Willst aus deinem Transit einen EPA bauen? =))

Allen einen guten Rutsch und ein gutes Jahr 2026
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Frankenbauer »

Servus !

Nö - einfach nur aus Interesse.
Wenn ich mir vorstelle, was ich vor 40 Jahren an Versicherung für meine 80ger bezahlt habe. Trotz einer Altbestand Versicherung mit 45% Freiklasse.

Und wegen den Umbau von einem Ford A Model zum EPA .
Der war bis zum VW Käfer das meistgebaute Auto der Welt.
Den hast du in den 40gern -50gern in den USA für 5 bis 10 Dollar bekommen.
Das hat mir der Vater meines Amionkels in den 80gern erzählt.
War ja Technik, die damals keiner mehr haben wollte. Starrachse, Blattfedern, 3 Ganggetriebe (unsynchronisiert), Trommelbremsen vorne und hinten ohne Bremskraftverstärker, keine Servolenkung usw.
Wenn das so ein Teil umgebaut und dann Maschinen, z.B. Wender, Schwader, Egen, Pflüge, Rechen usw., die vorher von Pferden gezogen wurden und dadurch keine Dreipunktaufnahme und Zapfwellenantrieb brauchten betrieben wurden, war das Technisch und vom Einsatz überhaupt kein Problem.
Solche Maschinen habe ich noch mit meinem Sierra Allrad verwendet, als ich noch keinen Schlepper hatte.
Einfach ein Kugelkopfanhängerkupplung angeschweißt und los.
Ein Schlepper mit 9 bis 24 PS ( Eicher, Porsche, Lanz, Allgeier usw.) hat in Deutschland Anfang der 50gern auch schon in die Tausend DM gekostet.
War in Schweden bestimmt nicht günstiger.
Mein Vater hat 1962 aus Landmaschinenverkäufer gelernt.
Ist in Deutschland ja so, dass ein Landwirt der seinen Führerschein abgeben musste mit dem größten Schlepper auf seinem Land fahren und arbeiten darf ist ja auch Gesetz.
Auf eine öffentliche Straße darf er halt nicht.
Wir haben unseren einen Kleinschlepper auch nicht angemeldet und dann ohne TÜV.
Wenn wir irgend eine Arbeit machen, wird er auf dem Hänger auf die Wiese oder Acker gefahren.
Versichert ist er tatsächlich über meine Landwirtschaftliche Hofversicherung.
Geht tatsächlich.


Grüße an Alle im Forum Dirk :elch:

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Rollo
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Rollo »

Hallo Dirk,
danke für die zahlreichen Infos. Allerdings waren die 80er zu meiner Zeit nicht so teuer in der Versicherung. Die großen 50er waren mit 1000 DM / Jahr um ein vielfaches teurer. Man argumentierte damals damit, dass die großen 50er (Kleinkrafträder) zu viele Unfälle hatten. Die 80er waren schließlich auf 85 km/h begrenzt, während die 50er keine Obergrenze hatten und nur durch ihren Hubraum limitiert waren. Alles nur blödes Gequatsche, um die 50er vom Markt zu bekommen, was ja scheinbar auch gelungen ist. Danach ist dann auch die Versicherung für die 80er angestiegen. Mit meiner alten Führerscheinklasse 4 hätte ich eh beides fahren dürfen. Durch illegales Tuning (75 ccm – Satz) lief meine 50er (Hercules Ultra) echte 125 km/h. Das konnte ich damals beweisen, weil ich geblitzt worden bin. In der Praxis war eine normale 50er aber auch kaum schneller als eine 80er.

„Hofversicherung“ ist gut. Wahrscheinlich wird der Kleinschlepper als mobiles Arbeitsgerät bewertet und nicht als Fahrzeug, keine Ahnung.

Meine Frage nach deinen Umbauambitionen kam einfach dadurch, dass ich mir dachte, dass sich beim Transit der Aufwand in Grenzen hält. Zumindest muss die Höchstgeschwindigkeit nicht gedrosselt werden. :smt064 =))

Guten Rutsch
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Frankenbauer »

Servus !

Bei meiner Fahrweise mit unseren Autos könntest Du Recht haben.

Ich habe 1985 für meine Hercules XE 9 1200 DM nur an Versicherung bezahlt.
In den 2 Jahren die ich das Teil gefahren bin, war das fast der Kaufpreis.
Ich habe für die Maschine neu im Winter 84 nur 2 900 DM bezahlt.
"Babas" Beziehungen hat !
Der hat Gott und die Welt gekannt !

Und Du hast Recht - der Kleinschlepper ist tatsächlich als Selbstfahrende Arbeitsmaschine gemeldet.
In der Versicherung ist auch unser Dumper, Mähbalken, Aufsitzrasenmäher, Kehrmaschine, die Pferde, Velvet und was Weiß ich noch Alles mitversichert.
Selbst wenn ich meinen Geburtstag feire und das Hoffest anmelde sind alle Gäste und Helfer versichert.
Geht 2 X im Jahr.
Ist eine Komplettversicherung speziell für Klein und Hobbylandwirte wie ich. Haftpflicht - Weidetierhaltung !
Max. 12 Ha., 12 Großtiere ( Kühe, Pferde) und 49 Kleintiere (Schafe, Ziegen, Schweine). Versicherungstechnisch.
Bei der Tierseuchenversicherung sieht es wieder anders aus.

Euch Allen einen guten und ruhigen Beschluss wünscht Dirk :elch:

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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Engelefeu »

Hej, das war ja spannend. Ganz lieben Dank für die Mühe und Euch allen einen guten Jahresabschluss und kommt gut rüber ins neue Jahr mit hoffentlich viel Frieden.
Herzlich Gaby :smt006

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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Frankenbauer »

Servus !

Bin ja froh, dass ich mit meinen Geschichten keinen Langweile !
Alex sagt aber auch immer, es gibt doch nix, wozu ich keine Geschichte weiß oder etwas erlebt habe.

Stimmt so ganz und gar nicht, aber hier im Forum werden tatsächlich meistens Fragen gestellt oder Themen aufgemacht, die aber genau meine Welt sind.
Und dann sind wir ja noch bei unserem Problem -- vom Kuchenbacken zu den Arschbacken zu kommen. =))

Alle im Forum schöne Grüße und einen guten Rutsch ins Jahr 2026 Dirk :elch: :bisbald:

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Rollo
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Rollo »

Hallo,
dann bleibe ich mal bei den Arschbacken. Ich wusste gar nicht, dass du Kühe hast. So richtig mit Melkmaschine? Oder hast du eine Rasse für die Fleischerzeugung? Der Verein der ostfriesischen Stammviehzüchter hat auch Besamungstechniker im Einsatz, falls du bei deinen Kühen vernünftigen Nachwuchs haben möchtest. ;)

Mögen bei euch alle Wünsche für 2026 in Erfüllung gehen
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Re: Die EPA-Traktoren und ihre Geschichte

Beitrag von Frankenbauer »

Servus !

Wir besamen unsere Viecher selber !
Da brauchen wir doch keine Ostfriesen dazu.
Wie Otto schon so schön gesagt hat;" wenn ein Ostfriese hinter einer Kuh steht, meint die Kuh sie hat gekalbt!"
Ist tatsächlich von Otto.
Nein ich habe außer unsere Velvet und den zwei Kaltblutdamen keine andere Tier mehr.
Alles was ich aufgezählt habe, ist der maximal Bestand, den ich Besitzen dürfte.

Auf alle Fälle wünsche ich euch allen einen guten Rutsch !
Dinner for One ist vorbei und auch Ekel Alfred.
Das Pflichtprogramm ist gesehen und um 4 Uhr ist bei uns die Nacht rum.

Liebe Grüße Dirk :elch:

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