Auswandern. Nun. Echt.

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ferdy
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Auswandern. Nun. Echt.

Beitrag von ferdy »

Hej, hej,

nach zwei Jahren Vorbereitung und Herumforscherei hat uns das Schicksal nun in die folgende Situation geführt, von der ich hoffe, dass uns fachlich und menschlich Verständnis und Hilfe entgegengebracht werden kann. Ich versuche in der Situation, die ich unten beschreibe, ein gewisses Maß an Sicherheit zu bekommen. Leider sind PN-Wartezeiten von 2-18 Wochen nichts für Leute, die abschätzbare Fristen brauchen, um nicht in Versorgungslücken zu fallen...

Situation in Stichpunkten:
- Familie mit drei Kindern, zwei davon Schulpflichtig.
- Frau bislang noch mit drittem Kind "zu hause" gewesen, also Status: "Hausfrau" in Deutschland.
- Wir haben ein Haus in Schweden gekauft und sind schon mit Umgebung und Mitmenschen in Kontakt gekommen.
- Im Ort sind die Schulkinder schon vorangemeldet für den Schulbesuch ab 17. August. Unsere Große(12) war nach Ostern bereits "Probelernen".

- Ich bin Informatiker.
- Mein Arbeitsvertrag und Angestelltenverhältnis endet zum 31.8., da mein AG nicht in Schweden sozialversicherungspflichtig sein möchte. Aufhebungsvertrag wurde unterschrieben.
- Der Arbeitgeber schätzt mich aber sehr und so haben wir einen Freelancer-Vertrag schließen können. Ein unbefristeter Rahmenvertrag läuft ab 1.9. mit einem Assignment-Vertragszusatz und allem drum und dran. Er wird also mein erster Kunde sein und hinsichtlich "Scheinselbstständigkeits"-Vorwürfen ist das soweit abgeklopft - nun, ich bin ja auch wirklich "raus" aus den meisten Prozessen und ich habe bereits Kontakt zu weiteren Kunden.
- Der Krankenkasse (TK) sind unsere Pläne bekannt. Sie haben uns deshalb das S1 gegeben.

Jetzt die Herausforderungen: (ich dachte wirklich, es wird schon nicht so wild werden...)

a) Wenn die PN zu beantragen 2-18 Wochen dauert, dann geht uns das Geld aus, spätestens wenn wir an Woche 11 vorbeischrammen. Da unerwartete Ausgaben nicht einkalkuliert sind, muss aus Sicherheitsgründen nach spätestens 6-8 Wochen der Rubel rollen.

b) Ich muss also Geld verdienen, was ich auf zwei Weisen machen kann:

b1. Ich arbeite als Freelancer in Deutschland.
b2. Ich gründe eine enskild firma und werde in Schweden sole trader.

Ich sehe hier b1) als Rückfall-Variante, wenn b2) nicht rechtzeitig möglich ist, oder außerplanmäßiges geschieht. Aus dem Grund habe ich gestern kurzer Hand meine Familie im freistehenden Obergeschoss meiner Eltern (also in Deutschland) wohnsitzend angemeldet. (Hintergrund ist wie immer Sicherheit: - Kindergeld läuft weiter, Freelancing ist möglich, ja und die Krankenversicherung...) Dort kann man sich dann auch wieder abmelden, wenn in Schweden alles klar ist (PN, Försäkringskassan)

Die Krankenversicherung scheint mir jetzt so das Hauptproblem zu werden. Die Versicherung sagte mir, dass das S1 bei einer Anmeldung in Deutschland ungültig würde. Dann wären auf einen Schlag meine Kinder, meine Frau und ich nicht mehr versichert, da: Familienversicherung bisher in D. Aber die Versicherung ist ab 1.9. auch kaputt und ich muss "versuchen" eine freiwillige Weiterversicherung zu bewerkstelligen, solange der Prozess bei den schwedischen Behörden noch dauert.

Aber der Nachweis der Versicherung ist ja auch Voraussetzung für die PN. Ob das Anmelden der enskild firma dem Skatteverket als Nachweis über das Einkommen (vielleicht in Verbindung mit dem unterschriebenen Freelancer-Vertrag) genügt, steht in den Sternen, bzw. obliegt wohl dem relativ gut gespreizten Arbeitsethos schwedischer Behördenmitarbeiter (was man so hört).

Im Moment tendiere ich dazu nächste Woche dem Skatteverket meinen aktuell noch gültigen Arbeitsvertrag, mein aktuell gültiges S1 und die ganzen anderen Dokumente hinzubringen und den Prozess anzustoßen. Sicher wird das Skatteverket dann wissen wollen, ob die Firma in Schweden registriert ist, wegen Sozialversicherung usw.

Sollte dann irgendwas schief gehen oder noch nicht so weit sein, schreibe ich die erste Rechnung Ende September als deutscher Freelancer.

Dieser Zustand ist jedenfalls großer Mist, da ich nicht möchte, dass meine Kinder oder meine Frau plötzlich ohne KV dastehen. Und mir ist auch zu unsicher, ob das Skatteverket uns nun zulässt und uns die Försäkringskassan aufnimmt.

Ziemlich komplex, die Situation jetzt. Hat jemand Kommentare dazu, die uns weiterhelfen könnten?

VG,
ferdy