Svordomar - Flüche

Fluchen? In Schweden an der Tagesordnung!

Nicht, dass man in Schweden besonders ungehobelt wäre. Die meisten Leute denken sich einfach nichts dabei, und Flüche sind ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden.

Zumeist drehen sich Sprüche und Redewendungen um den Beherrscher der Unterwelt (man kann unter mehreren Bezeichnungen wählen) oder um dessen Behausung, und der Fluch wird in völlig normalem Ton vorgebracht, ohne erkenntliche Spur von Aufgebrachtheit.

Da sitzt der Schwede entspannt vor dem Fernseher und meint, als eine Werbesendung des Kabelkanals den Film unterbricht, freundlich: Vad fan är det nu igen? ("Was zum Teufel ist jetzt schon wieder los?")
Ein Satz, der in Deutschland unweigerlich das Bild eines übelgelaunten, aufgebrachten und unbeherrschten Mannes heraufbeschwören würde, wird hier von ausgeglichenen Menschen mit engelsgleicher Gemütsruhe geäußert.

Ein lautes Jävlar! ("Teufel!", im Plural) bedeutet gewöhnlich nicht, dass die Mächte der Finsternis angerufen werden; wahrscheinlich hat ein vergesslicher Student bloß seinen Kugelschreiber im Vorlesungssaal liegen gelassen und muss nun fünf Meter zurückgehen, um ihn einzustecken.

Flüche für Kronkorken und Katzen

Bekommt mein schwedischer Kommilitone den Kronkorken der starköl-Flasche auf unserem Fest nicht schon beim ersten Versuch mit dem Messer auf, kann man aus seiner Richtung ein wohlwollendes Helvete! ("Hölle!") vernehmen, oder vielleicht ein Jäklans! ("Des Teufels").

Eine Katze wird selten beim Namen genannt; Herr Medelsvensson redet sie gerne als misse ("Mieze") an, wenn Kinder in der Nähe sind. Ansonsten wird das arme Tier jedoch schnell zum kattjävel! ("Katzenteufel") - ein Ausdruck, der mit durchaus liebevollen Unterton verwendet wird.

Und wenn ein Jugendlicher dich samstagabends, leicht berauscht durch Stockholms Strassen ziehend, provozieren möchte, dann stänkert er nicht oder ist aufmüpfig; sondern han jävlas med dig, er "teufelt" mit dir.

Schwedisch fluchen als Kompliment?

Fluchen hat in bestimmten Situationen auch eine vollständig positive Bedeutung! Ein Schauspieler, Professor oder Gitarrist ist nicht okay, sondern jäkligt bra! ("teuflisch gut").

Und berichtet man seinen Freunden von einem besonders gelungenen Abend im Pub, dann erfahren die, dass es gestern skitkul! ("scheiß-lustig") war und das Mädel, das man dort kennengelernt hat, natürlich ebenso skitsnygg ("scheiß-hübsch") – eines der wenigen Beispiele übrigens, wo die Schweden einen Fäkalausdruck gebrauchen, anstelle der viel häufigeren Teufels-Schimpfworte.

Und was ist mit der 17...?

Wer eine bewusste Anstrengung unternehmen will, keinen wirklichen Fluch zu verwenden, kann in Schweden – so seltsam es klingt – auf eine Zahl ausweichen: sjutton också! ("siebzehn auch") drückt dasselbe aus wie ein saftiges "verdammt nochmal!", kommt aber ohne jegliches Schimpfwort und ohne Kraftausdrücke aus, und kann deshalb auch dort verwendet werden, wo empfindlichere Ohren zugegen sind. → schwedische Aussprache anhören

Wieso gerade die 17? Auf meine Frage erntete ich nur Achselzucken, keiner meiner neuen schwedischen Freunde konnte mir das erklären. Weißt DU es?

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