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Musik und Literatur

Unter den Sami hat die mündliche Erzähltradition immer eine zentrale Rolle gespielt, und zu dieser Rolle gehört auch die samische Musik.

Die spezielle Form des samischen Sologesangs, der Jojk (Joik), ist sowohl eine Art des Erzählens und Sich-Erinnerns an Menschen und Ereignisse als eine Art der Naturbeschreibung. Es handelt sich dabei um eine Obertongesang-Technik und ist mit dem Jodler verwandt. Joiken erfüllt eine soziale, musikalische und religiöse Funktion. Man jojkt nicht über etwas oder von etwas; sondern man jojkt etwas. Der, der jojkt, tritt in eine spezielle Beziehung zu dem Gegenstand seines jojks. Besonders aufgrund dieser Identifizierung hat die Kirche den Jojk verteufelt und im 18. und 19. Jahrhundert streng bekämpft. In Gouvdageaidnu ist es für die samischen Kinder nach wie vor verboten, während der Schulstunden einen Joik anzustimmen. Traditioneller Joik wird nicht von Instrumenten begleitet.

Jojk-Beispiel zum Anhören, von Thomas Egemyr Ponga aus Kiruna: Rentier-Jojk (7MB)

Die Sami haben im vorigen Jahrhundert auch selbst angefangen zu schreiben. 1910 gab Johan Turi eine Erzählung über das Leben der Sami unter dem Titel “Mui’talus sámiid birra” heraus. Er war der erste Schriftsteller, der in samischer Sprache geschrieben hat, und legt in dem Buch die Geschichte der Sami dar.
Samisch gehört zur finnisch-ugrischen Sprachgruppe wie u.a. Ungarisch, Finnisch, Mordwinisch, Syrjenisch und Estnisch. Man unterscheidet drei Hauptdialekte, Süd-, Nord- und Ostsamisch. Je nach Dialekt gibt es sechs bis neun Kasus. Das Samische hat viele Wortbildungsendungen, so dass aus ein und demselben Wortstamm viele neue Wörter gebildet werden können (agglutinierende Sprache, wie z.B. Esperanto). Trotz verschiedener Dialekte können sich Nachbargruppen miteinander verständigen. Längst nicht alle Sami sprechen die samische Sprache. Beispiel für dialektale Unterschiede:

 

Vogel

fahren

ich komme

Tersamisch

lo´nde

vyy´jjed

poadam

Kildinsamisch

lå´nd

vuu´jjeđd

poadam

Skoltesamisch

lå´dd

vue´jjed

puädam

Enaresamisch

lodde

vyeijiđd

poađdám

Nordsamisch

loddi

vuodjit

boađdán

Lulesamisch

lådde

vuodjet

boadáv

Sydsamisch

ledtie

vuejedh

boatam


Wer in Lappland wandert, wird oft auf samische Wörter in den Namen von Orten, Bergen, Flüssen treffen. Das Samische kennt übrigens mehr als 100 Begriffe für “Schnee”.
Hier gibt es einen kostenlosen Online-Sprachkurs in Lulesamisch: Samisch-Sprachkurs

 

Handwerk und Kunst

Duodje, das samische Kunsthandwerk, ist auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Kunst ist Handwerk, und Handwerklich hergestellte Gebrauchsgegenstände sind auch ästhetisch ansprechend gestaltet.guksi, samische Trinkschale

Die Trommel des noaidi war außer einem Musikinstrument auch das Bild eines Künstlers von der Welt der Menschen und der Götter. Der kolt, das traditionelle Obergewand der Sami, ist nicht nur funktionell und warm, sondern mit seinen Stickereien und kräftigen Farben auch ein schönes Kleidungsstück.

Die Form und das Aussehen der Gebrauchsgegenstände, des Messers, der Schale oder des Zuggeschirrs, sind von ebenso großer Bedeutung wie ihre Funktionstüchtigkeit. Als Material verwendet man Rentiergeweihe, Holz und Leder.

 

Organisationen

Die Entstehung der modernen samischen Volksbewegungen fällt zeitlich mit dem Durchbruch der großen Volksbewegungen in Schweden Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen. Die samische Volksbewegung holte sich sowohl Ideen wie Inspiration von der Freikirchen-, der Antialkoholiker- und der Arbeiterbewegung. Die samische Organisationsarbeit kam jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Gang.

Mittags um 12 im Lapplandwinter bei -35°. Foto: (c) Dietmar Gerster
Eine feste zentrale Organisation entstand 1950 durch die Gründung des Verbandes der Schwedischen Sami (Svenska Samernas Riksförbund, SSR). Mitglieder sind Sami-Dörfer und Sami- Vereine in Schweden.

Sameätnam wurde 1945 gegründet und hat den Zweck, für samische Kultur und das Kunsthandwerk der Sami zu arbeiten. Der Landesjugendverband der Schwedischen Sami (Sáminuorra), wurde 1963 gegründet.

Unter der Parole „Die Sami — ein Volk“ sind die Dachorganisationen der Sami in Schweden Mitglieder des Rats der Sami (Sámiráddi), der seit 1956 ein Kooperationsorgan der Sami in Schweden, Norwegen, Finnland und jetzt auch Rußland ist. Der Sámiráddi ist im ECOSOC-System der UN als Nichtstaatliche Organisation (NGO) registriert und hat sich besonders für die Entwicklung von Schutzklauseln im internationalen Recht für die Rechte von Urbevölkerungen auf Existenz, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung engagiert.

(c) Dietmar Gerster, mit Informationen des Schwedischen Instituts.

Kommentare  

# Nina Michael 2010-04-09 02:25
Hallo,

bin dabei eine Liste mit Adressen und Kurzinfos zusammen zu stellen und möchte fragen ob ich Ihre Adresse dafür verwenden darf? Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, schreibe ich Ihnen gerne.
Ich verwende dann diese Adresse; http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/sami-lappland?start=3
MfG, Nina Michael in München

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Antwort: Hallo Nina, Verweise auf unsere Seiten und URLs sind natürlich immer willkommen!
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# tjhzj 2010-12-12 15:58
:-) gut beschrieben
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