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Die Schwedische Kirche – eine offene Volkskirche

Die Schwedische Kirche erfuhr in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Volkskirchengedankens eine Vitalisierung. Die Mitgliedschaft in einer Kirche oder Glaubensgemeinschaft sollte auf nationaler und geographischer Gemeindezugehörigkeit basieren und nicht auf persönliche Bekenntnisse, wie in Freikirchen üblich. In späteren Zeiten machten sich Einflüsse der anglikanischen Kirche bemerkbar und führten zu einer erheblichen liturgischen Erneuerung und Stärkung der Stellung des Abendmahls. Im Jahr 2000 wurde eine völlig neue Übersetzung der Bibel eingeführt.

1960 wurden in der Schwedischen Kirche erstmals Frauen zu Pastorinnen geweiht. Heute stellen die Frauen ein Drittel aller aktiven Geistlichen, darunter auch weibliche Bischöfe.

Die heutige Schwedische Kirche hat zirka 2 000 Gemeinden in 13 Diözesen unter Leitung je eines Bischofs. Der Erzbischof mit Sitz in Uppsala ist der oberste Vertreter der Kirche. Die Synode ist das höchste beschließende Organ und besteht aus 251 gewählten Mitgliedern und tagt einmal im Jahr mit dem Kirchenvorstand als geschäftsführendem Gremium.

Seit 1996 wird man grundsätzlich durch die Taufe Mitglied der Schwedischen Kirche. Früher genügte es, wenn ein Elternteil Mitglied war, um das Neugeborene automatisch als Mitglied einzutragen; gut 70 Prozent aller Neugeborenen werden in der Schwedischen Kirche getauft, und gut 40 Prozent aller 15-Jährigen werden konfirmiert. Etwa zwei von drei Trauungen werden nach dem Ritus der Schwedischen Kirche durchgeführt. Gut 85 Prozent aller Verstorbenen werden von einem Pastor der Schwedischen Kirche beerdigt.

Die zum 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Gesetzesänderungen brachten nicht nur Veränderungen für die Schwedische Kirche, sondern auch für die anderen christlichen und nicht-christlichen Glaubensgemeinschaften; Glaubensgemeinschaft wird hier als „Gemeinschaft für religiöse Aktivitäten und mit der Möglichkeit, Gottesdienste abzuhalten“ definiert.

Die von den Mitgliedern der Schwedischen Kirche früher gezahlte „Kirchensteuer“ wird jetzt „Kirchenabgabe“ genannt, sie wird jedoch wie bisher über die Finanzämter erhoben, d. h. durch den Staat. Wie bereits früher ist die Abgabe einkommensabhängig. Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit der Steuererhebung auch für andere Religionsgemeinschaften, die nach Beantragung und Überprüfung durch das Zentralamt für Rechts-, Vermögens- und Verwaltungsregelung als Glaubensgemeinschaften eingetragen sind.

Die Mission der Schwedischen Kirche (SKM) und die Lutherhilfe (Lutherhjälpen) sind die internationalen Organe für Mission, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe, während sich die Schwedische Auslandskirche (SKUT) um die im Ausland lebenden Schweden kümmert.

Ökumene

Die Schwedische Kirche gehört dem Weltkirchenrat und dem Lutherischen Weltverband an, und in Schweden dem Christlichen Rat. 1925 wurde mit der gegenseitigen Anerkennung der kirchlichen Glaubensgemeinschaften sowie ihrer Amts- und Würdenträger im so genannten Übereinkommen von Borgå das ökumenische Engagement eingeleitet. Damals fand auf Initiative und unter Leitung von Erzbischof Nathan Söderblom sowie unter großer Beteiligung der anglikanischen und lutherischen Kirchen Nordeuropas eine ökumenische Begegnung in Stockholm statt.

1992 kam mit dem Christlichen Rat Schwedens (SKR) ein ökumenisches Gremium für die Zusammenarbeit der verschiedenen Kirchenfamilien hinzu. Heute gehören diesen Kirchenfamilien 25 Mitgliedskirchen an, vier haben Beobachterstatus. Der Beirat für die Zuschüsse an Glaubensgemeinschaften ist eine staatliche Behörde mit der Aufgabe, staatliche Zuschüsse zu vergeben.

Ein konkretes Ergebnis der Ökumene ist das von insgesamt 14 Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Bewegungen 1986 angenommene gemeinsame Gesangbuch.

Säkularisierung und Pluralismus

Im internationalen Vergleich wird Schweden als eines der am stärksten säkularisierten Länder der Welt angesehen. Eine 1999 angefertigte Studie über alle Religionen und Konfessionen ergab, dass an einem Septemberwochenende 5,7 Prozent der Bevölkerung an einem Gottesdienst teilnahmen. Addiert man zu den Gottesdienstbesuchern noch diejenigen hinzu, die an besagtem Wochenende ein religiöses Programm im Radio oder Fernsehen hörten bzw. sahen, dann nahmen ungefähr eine (1) Million oder 11,5 Prozent der Bevölkerung in irgendeiner oder vielfältiger Form am organisierten religiösen Angebot jenes Wochenendes teil. Nichtsdestotrotz ist die Säkularisierung sowohl auf der Ebene des Einzelnen als auch auf der der Gesellschaft deutlich wahrnehmbar, wie auch ein stärkerer Pluralismus bezüglich Kirche und Religion in Schweden.

 

Herausgegeben vom Schwedischen Institut.

Kommentare  

# Nathasha 2011-11-29 13:45
schöner tex konnte ich gut für meinen Vortrag brauchen
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