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Kirchen und Religion in Schweden

Der 1. Januar 2000 stellt in der Geschichte der schwedischen Kirchen und Religionsgemeinschaften ein historisches Datum dar. Nach vier Jahrzehnten parlamentarischer Untersuchungen und vorbereitenden Arbeiten wurde die jahrhundertealte Stellung der Schwedischen Kirche als Staatskirche abgeschafft. Die Schwedische Landeskirche ist nunmehr eine von mehreren Glaubensgemeinschaften – wenn auch die allergrößte. Von den ca. 9 Millionen Einwohnern des Landes sind gut 80 Prozent Mitglieder der evangelisch-lutherischen Glaubensgemeinschaft, die sich jetzt als offene Volkskirche definiert.

 

Christianisierung des Landes

Ab dem neunten Jahrhundert machte sich der christliche Einfluss in den nordischen Ländern immer stärker bemerkbar, was eine Vielzahl gut erhaltener Runensteine belegen kann. Dazu trugen einerseits die auf den Wikingerzügen in Ost und West aufgenommenen Kontakte mit den christlichen Kulturen bei, und andererseits die beginnende Christianisierung Skandinaviens.Der erste bekannte Missionar war Ansgar. Um 830 kam er nach Birka, einem damaligen Handelsplatz auf der Insel Björkö im Mälarsee, um zu predigen. Danach vollzog sich, ausgehend von Mitteleuropa und den britischen Inseln, eine aktive Christianisierung. Der Überlieferung nach ließ sich Olof Skötkonung, König der Göter und Svear, um 1000 taufen. 1164 wurde Uppsala Sitz des Erzbischofs und Schweden eine eigene Kirchenprovinz, die in den westlichen Zweig des Christentums mit Rom als Mittelpunkt integriert war. Insbesondere über die Klöster konnte die geistliche und weltliche europäische Kultur Fuß fassen. Die heilige Birgitta (1303–1373) gründete in Vadstena ein Kloster, das zum religiösen und kulturellen Zentrum des Landes werden sollte. Von ihrer großen Bedeutung zeugt nicht zuletzt ihre Ernennung zur Schutzpatronin Europas.

 

Schweden wird protestantisch

Als Martin Luther Anfang des 16. Jahrhunderts in Wittenberg seine Lehre der Rechtfertigung aus Gnade, durch den Glauben – und nicht durch Taten – zu verkünden begann, zog dies auch in Schweden ungeahnte religiöse und politische Folgen nach sich. Die herausragendsten Reformatoren waren die Brüder Olaus und Laurentius Petri, die beide in Deutschland studiert hatten. Sie unterstützten Gustav Wasa, der nach einem Befreiungskrieg gegen die Dänen 1523 zum König gewählt wurde. Der König wiederum unterstützte die Reformation. Auf dem Reichstag zu Västerås im Jahre 1527 trat Gustav Wasa als Oberhaupt der Kirche auf. Die Reichtümer der Kirche wurden nach und nach dem Staat, bzw. dem König, übertragen. Schwedisch wurde zur Predigtsprache erklärt und 1541 kam die Bibel in einer schwedischen Übersetzung heraus. Auf einem Treffen in Uppsala 1593 wurde die Augsburgische Konfession als schwedisches lutherisches Glaubensbekenntnis angenommen.In Schweden, wie auch in vielen anderen europäischen Staaten des 17. Jahrhunderts, entwickelte sich allmählich eine nationale Einheitskirche. In einer Zeit eines allumfassenden Strebens nach Einheit gab es keinen Platz für eine individuelle Religionsfreiheit.

 

Neue Strömungen

Im 18. Jahrhundert kamen auch in Schweden religiöse Strömungen wie Pietismus und die aus ihm hervorgegangene Herrnhuter Brüdergemeine auf. Bei diesen Erweckungsbewegungen sollten der Einzelne und die eigene religiöse Erfahrung betont, die Bibel häufiger verwendet und die Verantwortung der Laien gestärkt werden. Man konnte im eigenen Heim zum Beten und zum Bibelstudium zusammenkommen. 1726 wurde eine Verordnung erlassen, die derartige Versammlungen verbot.Das freiheitliche Gedankengut der Aufklärungszeit konnte sich in Schweden allmählich durchsetzen und führte 1741 zur freien Religionsausübung für die Anhänger der reformierten Kirche, 1781 für die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche und 1782 für die mosaischen Glaubensbekenner.

Kommentare  

# Nathasha 2011-11-29 13:45
schöner tex konnte ich gut für meinen Vortrag brauchen
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