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Parteien in Schweden – Überblick

Im Reichstag, dem schwedischen Parlament, sind gegenwärtig sieben politische Parteien vertreten: Die Moderate Partei (Moderaterna, M), die Christdemokraten (Kristdemokraterna, KD), die Liberale Partei (Folkpartiet, FP), die Zentrumspartei (Centerpartiet, C), die Grünen (Miljöpartiet de Gröna, MP), die Sozialdemokratische Partei (Socialdemokraterna, S) und die Linkspartei (Vänsterpartiet, V). Die größte ist die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die auch in den letzten hundert Jahren die führende Rolle in der schwedischen Politik gespielt hat.

Traditionell wurden die Parteien in einen rechten (nichtsozialistischen) und einen linken (sozialistischen) Block gruppiert. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts traten jedoch besonders Umwelt fragen und die wirtschaftliche und politische Integration Europas als zum Teil neue Trennungslinien in den Vordergrund. Heute stehen die Parteien vor neuen Herausforderungen, dazu gehören das zunehmende Problem, neue Mitglieder zu gewinnen, sowie ein allgemeines Misstrauen gegenüber etablierten politischen Einrichtungen

 

Die Entstehung der Parteien

Im Reichstag, der seit 1971 nur aus einer Kammer besteht, gibt es heute sieben Parteien. Das schwedische Parteiensystem stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es drei Parteiengruppierungen im Reichstag: eine konservative, eine liberale und eine sozialdemokratische. Die Liberalen wurden von den selbstständigen Kaufleuten und Handwerkern der Städte wie auch von den Kleinbauern und ländlichen Handwerkern unterstützt, die wiederum von den Freikirchen und der Abstinenzlerbewegung dazu ermuntert wurden. Die Anhängerschaft der Konservativen setzte sich aus Bauern, Industriebourgeoisie, Beamtenschaft, Adel und Militär zusammen. Die Basis der 1889 gegründeten Sozialdemokratischen Partei schließlich bildeten hauptsächlich die Gewerkschaften und andere Teile der Arbeiterbewegung. 1902 wurde die heutige liberale Partei und 1904 die heutige konservative Partei gegründet.

Etwas später entstanden zwei neue Parteien. 1917 wurde die Kommunistische Partei von der sozialdemokratischen Jugendbewegung und den Parteiintellektuellen gegründet, die den politischen Pragmatismus missbilligten, der den Standpunkt ihrer Partei in ideologischen Grundsatzfragen kennzeichnete. Auch begannen die Bauernvertreter sich von anderen Parteien zu distanzieren, weil es ihnen zunehmend schwer fiel, sich beispielsweise im konservativen Lager Gehör zu verschaffen. Im Jahr 1922 wurde der Bauernbund, die Vorläuferin der heutigen Zentrumspartei, gegründet.

In den 1930er Jahren errangen die Sozialdemokraten die Vorherrschaft und blieben bis 1976 an der Macht. Seitdem gab es einige Machtwechsel zwischen den Blöcken. Jedoch erst 1988 gewann eine neue Partei, die Grünen, Mandate im Reichstag und bekam bald Gesellschaft. Von 1991 bis 1994 genoss die Neue Demokratie, eine rechte Protestpartei, kurz das parlamentarische Rampenlicht. 1991 erhielt die Christlich-Demokratische Partei genug Stimmen, um zum ersten Mal eigene Mandate im Reichstag zu erhalten.

 

Trennungslinien

Die schwedischen Parteien identifizieren sich ziemlich stark mit ideologischen Grundwerten in einem Spektrum von rechts bis links. Die deutlichste ideologische Trennungslinie besteht zwischen den sozialistischen (Sozialdemokraten und Linke) und den nichtsozialistischen (Moderate, Liberale, Zentrum und Christdemokraten) Parteien. Während der sozialistische Block die Notwendigkeit betont, besonders durch die staatliche Kontrolle der Wirtschaft nationale Ressourcen umzuverteilen, konzentriert sich der nichtsozialistische Block auf persönliche Freiheit und die Verantwortlichkeit des Einzelnen in einer stärker liberalisierten Marktwirtschaft. Aber die Konfrontation zwischen den beiden Blöcken hat das politische Leben nie paralysiert. Konsens ist ein wesentliches Kennzeichen schwedischer Politik der Nachkriegszeit.

Abgesehen von der Gruppierung in rechts und links zeichnen sich in den letzten Jahren andere Trennungslinien zwischen den Parteien ab. Beobachter haben auf eine grün-graue Dimension hingewiesen, in der sich Umweltbewusstsein und die Konzentration auf potentielles Industriewachstum gegenüberstehen. Auch haben die Parteien in der Debatte über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union unterschiedliche Standpunkte zur europäischen Integration eingenommen. Einigen Politikern zufolge sollte sich Schweden ganz aus der EU zurückziehen, während andere der Auffassung sind, dass die EU-Mitgliedstaaten in einer Reihe von Fragen das Entscheidungsrecht behalten sollten. Wieder andere befürworten eine stärkere EU Integration mit weniger nationaler Selbstbestimmung.

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