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Die vierziger Jahre

1945 wurde zu einem literarischen Grenzjahr. Viele Dichter hatten den Krieg in wunder Erinnerung. Pessimismus herrschte, Themen wie Angst und Schuld waren allgegenwärtig. Die modernistischen Strömungen hatten sich erst jetzt richtig durchgesetzt. Die entstehende neue Literatur wurde immer experimenteller. Es gab eine Diskussion nach der anderen über die Unverständlichkeit der Literatur.

Vor allem Lars Ahlin (1915–1997) vertrat den Aufbruch gegen die realistisch abgebildete Wirklichkeit. Er schilderte lieber eine assoziative Welt, wie beispielsweise in dem Roman Om (Über), 1946, und im späteren Natt i marknadstältet (dt. Nacht im Marktzelt). Nach einer Pause von vielen Jahren erschien Anfang der achtziger Jahre wieder ein Roman von ihm, und er schrieb dann bis zu seinem Tod.

Eines der jungen, zu früh verstorbenen Genies war Stig Dagerman (1923–1954). Schuld und Angst waren die Themen, um die seine symbolistischen und grotesken Romane kreisten, z.B. Ormen, 1945, (dt. Die Schlange), De dömdas ö (dt. Die Insel der Verdammten), Bränt Barn (dt. Gebranntes Kind) und Bröllopsbesvär (dt. Schwedische Hochzeitsnacht). Seine Qualitäten als Dramatiker wurden u.a. auch in dem Stück Den dödsdömde (Der zum Tode Verurteilte) deutlich.

Führende Vertreter der Lyrik der vierziger Jahre waren Erik Lindegren und Karl Vennberg. Erik Lindegrens (1910–1968) Gedichtsammlung Mannen utan väg (Mann ohne Weg), 1942, mit den »zersprengten Sonetten« stieß bei vielen Kritikern auf wenig Verständnis. Lindegren wollte mit der fragmentarischen Form eine brüchige Gegenwart wiedergeben. Inspiriert wurde er von den französischen Surrealisten sowie von der verdichteten Bildsprache Eliots und Pounds. Vinteroffer (Winteropfer), 1954, war seine letzte Gedichtsammlung.

Karl Vennbergs (1910–1995) Lyrik, die an Eliot erinnert, enthält eine ähnliche Zeitkritik wie die Lindegrens. Vennberg war ein analytischer Skeptiker und bestrebt, poetische und politische Wahrheiten zu überprüfen. Er debütierte 1937 mit Hymn och hunger (Hymne und Hunger) und schrieb bis zu seinem Tod Gedichte.

Einer der Adepten Karl Vennbergs war der Modernist Werner Aspenström (1918–1997), der auch als Dramatiker erfolgreich war. Ihm gelang 1946 mit der Sammlung Skriket och tystnaden (Der Schrei und die Stille) der Durchbruch, aber er wurde vielleicht vor allem mit den fünfziger Jahren in Zusammenhang gebracht. Er ist einer der am meisten gelesenen schwedischen Lyriker und war bis zu seinem Tode produktiv.

In den vierziger Jahren machte auch eine Reihe weiblicher Autoren auf sich aufmerksam. Die Lyrikerin und Prosaschriftstellerin Elsa Grave (geb. 1918) schrieb ein deftig groteskes und wütendes Gedicht über Themen von der Mutterschaft bis zur Atomwaffenbedrohung. Rut Hillarp (geb. 1914) schuf eine Art erotischen Surrealismus mit Frauenfiguren aus der antiken Mythologie. Sie wurde zum Vorbild für mehrere literarisch tätige Frauen.

Stina Aronson (1892–1956) gelang der literarische Durchbruch mit dem modernistischen Roman Hitom himlen (Diesseits des Himmels), 1944, der auch beim Publikum gut ankam. In ihm geht es um einsilbige Frauen auf dem kargen Bauernland Nordschwedens.
Die weibliche Identität zieht sich auch wie ein roter Faden durch das Werk Ulla Isakssons (geb. 1916), die 1940 debütierte. Ihre Darstellung der Mütterlichkeit im Roman Paradistorg (Paradiesmarkt), 1973, erschien vielen Feministinnen als überholt, was Anlaß zu Diskussionen gab. Sie hat Drehbücher für Ingmar Bergman geschrieben, u.a. Die Jungfrauenquelle, und 1994 erschien ihr vielbeachteter autobiographischer Roman, Boken om E (Das Buch über E), der von ihrer Beziehung zu ihrem sterbenden Mann handelt.

Kommentare  

# Fridhem Skolhuset / Anne-Margarete und Frank 2011-01-21 14:19
"Die Autoren Lars Gyllensten und Tora Dahl, wie auch die Lyriker Majken Johansson, Göran Printz-Påhlson, Folke Isaksson, Bo Setterlind und Sandro Key-Åberg waren in den fünfziger Jahren ebenfalls von großer Bedeutung."

Sandro Key-Åberg (geboren 6.Mai 1922 in Dresden, Deutschland):
ER hat zusammen mit seiner Frau Gudrun (Malerin) lange Zeit in dem alten Schulhaus von der Gemeinde Lönneberga gelebt.
Dieses Haus haben wir 2009 gekauft und zu einem Restaurant mit Bed & Breakfast umgebaut. Neueröffnung war am 25.Juni 2010 (Midsommar)!

Alle, die neugierig sind, wie Sandro und seine Frau hier gelebt haben, Originalbücher von ihm lesen will oder einfach nur die wunderschöne Natur hier geniessen will, ist herzlich eingeladen: [link].

Herzlichste Grüsse aus Schweden senden
Anne und Frank

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Antwort: Hallo Anne und Frank, danke für die Info! Meldet euch doch einfach mal für eine gegenseitige Verlinkung mit dem Schwedentor.
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