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Gleichstellung im Arbeitsleben

In Schweden machen die Frauen fast die Hälfte der Berufstätigen aus. 1998 waren 76 Prozent der Frauen zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig, der entsprechende Anteil der Männer lag bei 81 Prozent. Der Anteil erwerbstätiger Frauen ist in Schweden höher als in den meisten anderen Ländern Europas. Dennoch ist ihre Zahl, und besonders die der älteren Frauen, in den letzten Jahren einerseits aufgrund langer Freistellungen und des Ausscheidens aus dem Arbeitsleben, andererseits aufgrund einer frühzeitigeren Pensionierung gesunken.

Seit 1990 sind mehr Männer als Frauen aller Altersgruppen arbeitslos. Dies ist vor allem auf weniger Arbeitsplätze im privaten Sektor zurückzuführen, in dem die Mehrzahl der Männer beschäftigt ist. Als sowohl der private als auch der staatliche und kommunale Sektor 1996 von Sparmaßnahmen betroffen waren, konvergierten die Arbeitslosenquoten bei den Männern (8,5%) und den Frauen (7,5%). Seitdem sind die Zahlen der weiblichen und männlichen Arbeitssuchenden gleichermaßen gesunken, die der Frauen auf 3 Prozent im Jahr 2002, die der Männer auf 4 Prozent.

Auch wenn die Schwedinnen fast die gleiche Beschäftigungsrate wie die Männer aufweisen, sind sie zu anderen Bedingungen angestellt. Frauen haben das gesetzliche Recht auf Beschäftigung in allen Berufen (Streitkräfte eingeschlossen), sind aber dennoch nur in einem begrenzten Sektor des Arbeitsmarktes und in weniger gut bezahlten Berufen zu finden. Auch die Arbeitszeiten unterscheiden sich. Obwohl sie berufstätig sind, erledigen die Frauen noch immer den Großteil der Hausarbeit und übernehmen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung. 25 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 64 Jahren gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach, während es bei den Männern nur 7 Prozent sind. Die meisten teilzeitbeschäftigten Frauen wählen diese Anstellungsform, um Berufstätigkeit und Kinderbetreuung vereinbaren zu können. Ungeachtet dessen haben Frauen in Teilzeitbeschäftigung ihre Arbeitszeit seit den 70er Jahren kontinuierlich erhöht.

Im Februar 2002 machten Frauen 69 Prozent der „Unterbeschäftigten“ aus. Das schwedische Zentralamt für Arbeit (AMS) wurde bereits damit beauftragt, die Teilzeitbeschäftigung zu senken. Darüber hinaus wurde es nun angewiesen, in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Arbeitsweltinstitut, dem schwedischen Büro des Europäischen Sozialfonds und der Kanzlei des Gleichstellungsombudsmanns im Zeitraum 2002–2004 jährlich 100 Mio. SEK einzusetzen, um eine Senkung der Teilzeitbeschäftigung zu fördern. Die Gleichstellungsperspektive ist natürlich in jeder Phase dieser Arbeit zu berücksichtigen.

Der Grundsatz der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit findet in Schweden schon seit langem Anwendung und ist auch in den Tarifverträgen über die Gleichstellung von Frauen und Männern verankert. Im internationalen Vergleich sind die Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern in Schweden gering, doch im Durchschnitt ist das Einkommen der Frauen niedriger als das der Männer. 1991 gab die Regierung eine Spezialuntersuchung der Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in Auftrag. Der 1993 veröffentlichte Bericht stellte fest, dass die Einkommensunterschiede größtenteils auf die hohe Zahl der Teilzeitbeschäftigungen von Frauen zurückzuführen sind. Auch ihr Anteil an der Überstundenvergütung und den Prämien für Schichtarbeit fällt geringer aus. Weiter lassen sich die Einkommensunterschiede mit der unterschiedlichen Verteilung von Frauen und Männern nach Alter, Beruf, Ausbildung und anderen Faktoren begründen. Doch 1–8 Prozent der Einkommensunterschiede sind nur mit dem Geschlecht zu erklären. Um diesen nicht gerechtfertigten Lohn- und Gehaltsunterschieden entgegenzuwirken, wurden bestimmte Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören die Entwicklung hochwertiger Lohn- und Gehaltsstatistiken, eine zusätzliche finanzielle Unterstützung des Gleichstellungsombudsmanns, um Fällen von Einkommensdiskriminierung nachzugehen, ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm von 1994 für Lohnbildung und Arbeitsplatzbewertung sowie eine Regierungsvorlage zur Verschärfung der Regeln über Einkommensdiskriminierung, die im Jahr 2000 im Reichstag eingebracht wurde.

 

Berufliche Strukturen

Als die Frauen in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in großer Zahl auf den Arbeitsmarkt strömten, wurden sie meist für die Berufszweige und Sektoren angeworben, die der traditionellen Rolle der Frau entsprachen, wie z.B. Kinderbetreuung, Kranken- und Altenpflege, Routinearbeiten in der Industrie und im Büro. Jetzt wurden Frauen für die Arbeit entlohnt, die sie bisher zu Hause umsonst geleistet hatten, und sie erwarben eine sichere Stellung auf dem Arbeitsmarkt. Das Vorhandensein von öffentlichen, subventionierten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und ältere Bürger sowie ein verbessertes System der öffentlichen Verkehrsmittel sind wichtige Faktoren, die zu der im internationalen Vergleich hohen Erwerbsrate von Frauen in Schweden beigetragen haben.

Doch dieser Prozess hatte auch einen großen Nachteil – die strikte Aufteilung des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern. Frauen und Männer arbeiten nicht nur in verschiedenen Sektoren, sie haben auch innerhalb der Sektoren unterschiedliche Aufgabenbereiche. Um dem entgegenzuwirken, hat die Regierung in den letzten Jahren umfassende Maßnahmen zur Stärkung der Stellung der Frau in Beruf und Ausbildung ergriffen. Sie hat Berufsberatungsprogramme für arbeitslose Frauen, Computer- und Wirtschaftskurse für Frauen, Projekte, die Frauen den Start in die Selbständigkeit erleichtern sowie Mentoren-Programme, die ihnen bei der Planung ihrer Laufbahn helfen sollen und Förderprogramme für die ersten Frauen, die in traditionell männlich dominierte Berufsbereiche eindringen, unterstützt oder eingerichtet. Andere Projekte hatten zum Ziel, die Anzahl der Männer in weiblich dominierten Berufen zu erhöhen. Dess Weiteren hat die Regierung dem Reichstag einen Vorschlag über das Verbot der Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten und Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen vorgelegt. Dieses Diskriminierungsverbot umfasst Löhne und Gehälter, Renten, den Arbeitsschutz, betriebliche Vergünstigungen und Fortbildungsmöglichkeiten. Teilzeitbeschäftigte (Frauen) werden so motiviert, sich in höherem Maße für eine Arbeit in den Sektoren des Arbeitsmarktes zu bewerben, in denen hauptsächlich Männer arbeiten und in denen Teilzeitbeschäftigung traditionell selten und vielleicht auch nicht vollständig akzeptiert ist. Ferner setzt sich die Regierung für mehr weibliche Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen ein. Im Zeitraum 2002–2004 werden nach Schätzungen der Regierung insgesamt 42 Mio. SEK für die Förderung weiblichen Unternehmertums bereitgestellt.

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