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Überblick

Die schwedische Gesellschaft hat sich – historisch gesehen – in sehr kurzer Zeit von einem relativ homogenen Land in eine multiethnische und multikulturelle Gesellschaft verwandelt. Eine Entwicklung, die in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für Schweden dargestellt, aber auch Anlass zu Spannungen und Problemen gegeben hat. Darüber hinaus wurden bezüglich der Integrationsfragen auch viele neue Anforderungen an einzelne Bürger, Organisationen, Behörden, politische Parteien und verantwortliche Politiker auf allen Ebenen gestellt, einen neuen und wirkungsvolleren Ansatz zu wählen. Vor einigen Jahren befasste sich die schwedische Öffentlichkeit mit der Frage der Zugewanderten. Heute geht es nicht mehr nur um die Zuwanderung und die Zugewanderten, sondern vielmehr um die Integration und die »neuen Schweden«.

Schweden ist seit dem 12. Jahrhundert, als viele deutsche Kaufleute und Handwerker nach Schweden kamen, ein Einwanderungsland. Die deutsche Einwanderung bedeutete einen Aufschwung für Handel, Handwerk und Bildung und prägte Schweden in so hohem Maße, dass im Stockholm des 14. Jahrhunderts die deutsche Sprache beinahe zur offiziellen Sprache ausersehen wurde. Doch die jahrhundertelange, bis ins 19. Jahrhundert erfolgte Zuwanderung hatte die Bevölkerungsstruktur nicht entscheidend verändert. In der Volkszählung des Jahres 1910 hieß es, Schweden sei eines der Länder Europas »in denen die Zahl der Fremden am niedrigsten ist, was wohl mit der Entlegenheit Schwedens zu erklären ist«.

Die große Auswanderungswelle nach Amerika in der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als etwa 1,2 Millionen Schweden emigrierten, sollte jedoch in Schweden für die Bevölkerungsentwicklung der nachfolgenden Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen. Aufgrund der Auswanderungswelle entstand in den meisten Wirtschaftszweigen ein großer Arbeitskräftemangel, was zu einer ersten Einwanderungswelle von Arbeitskräften führte. Damals war die Reise nach Schweden einfach, es gab keine Grenzkontrollen, wer wollte, konnte sich überall im Land niederlassen. Indessen wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr Stimmen laut, die eine restriktivere Einwanderungspolitik forderten.

Geschichte der Einwanderung nach Schweden

Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erhielt Schweden sein erstes Ausländergesetz, das Einschränkungen des Aufenthaltsrechts von Ausländern zur Folge hatte. Doch im Gesetz stand auch, dass eine Person nicht ausgewiesen werden konnte, wenn besondere Umstände vorlagen »wie die weite Entfernung des Heimatlandes oder die Tatsache, dass er von dort ausgewiesen oder dort aller Wahrscheinlichkeit nach wegen eines politischen Verbrechens angeklagt oder verurteilt würde«. Damit wurde zum ersten Mal das Asylrecht in die schwedische Gesetzgebung aufgenommen.

Doch schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland sollte das Gesetz auf die Probe gestellt werden. Schweden führte eine äußerst restriktive Flüchtlingspolitik und nahm bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 nur etwa 5 000 Flüchtlinge aus Deutschland auf. Danach wurden Einwanderungspolitik und Kontrolle von Ausländern noch weiter verschärft. Angesichts des sich abzeichnenden schlimmen Kriegsverlaufs und einer immer höheren Zahl von Flüchtlingen wurde die schwedische Haltung jedoch aufgeweicht. Ab Ende 1942 durften alle Asylbewerber im neutralen Schweden bleiben.

In Schweden in der Nachkriegszeit herrschte ein nie dagewesener Arbeitskräftemangel. Mit dem »Import« ausländischer Arbeitnehmer in den 40er Jahren begann die moderne schwedische Einwanderungsgeschichte. In den 50er Jahren betrug die jährliche Zuwanderung durchschnittlich 10.000 Personen. Um 1955 arbeiteten etwa 116.000 Beschäftigte ausländischer Abstammung in Schweden. Sie entsprachen 3,7% der erwerbstätigen Bevölkerung. Die 60er Jahre waren das Jahrzehnt der großen Einwanderungswelle, mit einer jährlichen Zuwanderung von Arbeitskräften in Höhe von 30.000–60.000 Menschen. Darunter waren nur wenige Flüchtlinge.

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