Zweisprachige Erziehung

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Manty

Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Manty » 29. August 2007 20:16

An alle mit Kindern. Ich weiß nicht, ob das hier schonmal diskutiert wurde, aber mich würde interessieren, wie ihr so mit der Zweisprachigkeit umgeht!? Oder was für Erfahrungen ihr so gemacht habt!? Wir reden mit unserem Kind zu Hause nur deutsch. Unterwegs bin ich aber immer unsicher, ob ich mit ihm auch "draußen" nur deutsch reden sollte. Soll man ja so machen. Oder nicht? Ist das aber nicht unhöflich den Schweden gegenüber, die kein deutsch verstehen!?

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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon janaquinn » 29. August 2007 20:41

Hej Manty, bei uns ist es ein wenig komplizierter :wink: . Mein Mann spricht mit Taima, unserer Tochter, englisch, mit unserem Sohn, aufgrund der Behinderung, deutsch. Sind meine Schwester und ich mit den Kindern zusammen wird nur deutsch gesprochen, einfach um Taima auch die Muttersprache zuerhalten und es Yannic einfacher zumachen. In der Schule sprechen die Lehrer mit Yannic schwedisch, ist klar, aber da geht auch viel über Gesten und Gefühle.Außerdem nutzen sie Gebärden-und Zeichensprache, jeder Lehrer und Schüler hat sein eigenes Zeichen.
Unser Vermieter spricht mit beiden Kindern sowohl englisch als auch schwedisch. Im Moment sprechen wir, wenn wir unterwegs sind, mit den Kindern deutsch, sobald das schwedisch richtig sitzt, wird schwedisch gesprochen, sobald wir draussen sind.
Ich finde Taima´s dreisprachige Erziehung sehr gut, sie kommt damit sehr gut zurecht, sie ist ja auch noch am sprechen lernen. :lol:

Unterm Strich denke ich, jeder sollte es für sich selber ausmachen, welche Sprache er spricht, wenn er unterwegs ist. Mein Mann spricht 3 Sprachen, switcht zwischen Deutsch-Englisch und Schwedisch hin und her, was manchmal recht kompliziert ist.
Gerade der normale Smalltalk untereinander, auch wenn es draussen ist, geht in der Muttersprache einfacher, als in der noch neuen Sprache. Aber vielleicht gibt sich das im Laufe der Jahre.

LG aus Stuvsta
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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Lisaflisa » 30. August 2007 07:53

Hier kann ich einen Beitrag aus eigener Erfahrung leisten. Ich bin selber Schwedin und mit drei Jahren von Schweden nach Deutschland gezogen. Da meine Eltern damals kein Deutsch sprachen haben sie mit mir und meiner Schwester nur schwedisch gesprochen, egal ob zuhause oder "draussen". Wir haben dann beide Deutsch "auf der Strasse", Kindergarten und Schule gelernt und das was nie ein Problem. Nach ein paar Wochen habe ich mich schon auf Deutsch mit der Nachbarstocher unterhalten und sowohl meiner Schwester und ich haben immer gute Noten in der Schule und dem Fach Deutsch gehabt.
Ich würde Euch nicht empfehlen euch mit euren Kindern auf einer Sprache zu unterhalten, die ihr selber nicht einwandfrei könnt. Die Kinder lernen Schwedisch fehlerfrei von anderen Kindern und viel wichtiger ist, dass sie von Euch Deutsch oder Englisch lernen. Bei uns war es sogar so, dass meine Eltern von uns Deutsch gelernt haben...
Macht euch da nicht so viele Gedanken, bleibt ruhig bei Euren gewohnten Sprachen, damit ihr Euch weiterhin ohne Sprachhindernisse mit euren Kindern unterhalten könnt. Das ist viel wichtiger und ihr werdet froh sein Euch bei der Kommunikation mit Euren Kindern nicht so anstrengen zu müssen....

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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Skogstroll » 30. August 2007 08:12

Es wird viel davon geredet, man bekäme die zweite Sprache geschenkt und gratis. Ganz so ist es nicht. Abgesehen davon dass das spielend leichte Lernen der Sprache nur bei vorpubertären Kindern funktioniert, liegt die Schwierigkeit im Beibehalten und Entwickeln der Muttersprache.
Unsere Tochter war beim Umzug fünf, nun ist sie acht Jahre alt und spricht fliessend und akzentfrei Schwedisch. Aber ihr Deutsch! Sie liesst inzwischen einigermassen gut deutsche Texte, mit dem Schreiben sieht es nicht ganz so gut aus. Sie verwendet beim (deutsch) Sprechen oft schwedische Grammatik (Satzstellung) oder übersetzt schwedische Idiome 1:1 ins Deutsche, was natürlich niemand ausser uns versteht.
Es ist also wichtig, dass ihr zu Hause konsequent deutsch sprecht und auch andere Sprachquellen (Fernsehen, Radio, Bücher, Zeitschriften...) nutzt. Achtet auch auf fehlerfreies Sprechen. Zur Motivation ist ein Besuch bei Oma und Opa in Deutschland auch immer gut.

Theoretisch haben die Kinder ein Recht auf Unterricht in ihrer Muttersprache, aber das steht meist nur auf dem Papier. Wer soll den Unterricht erteilen? Die Chancen auf Unterricht in Russisch oder Persisch sind meist besser. Wir lösen das Problem in Eigenregie, aber das ist nicht wirklich gut, und wir versuchen, die Schule da mehr in die Pflicht zu nehmen, aber das ist nicht leicht.

Die Zweisprachigkeit kommt nicht eben so von allein, sie will erarbeitet sein. Das Resultat ist im besten Fall das perfekte Beherrschen von zwei Sprachen auf Muttersprachniveau, im schlimmsten Fall können die Kinder am Ende keine Sprache richtig, was man auch in Deutschland oft genug beobachten kann.

Im Alltag sprechen wir also zu Hause konsequent deutsch, allerdings natürlich schwedisch, wenn Schweden dabei sind.

Lycka till!

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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Lisaflisa » 30. August 2007 08:33

Ja, das kan ich nur bestätigen... unser Problem war nie das Deutsch, sondern das Schwedisch. Als ich wieder nach Schweden gezogen bis war es echt ein Problem für mich mein "eingedeutschtes" Schwedisch zu verbessern.
Ich habe immer zusätzlich noch eine Schwedische Schule besucht und trotzdem war mein schwedisch immer beschränkt auf ein Familien-Vokabular.

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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Storstadstjej » 30. August 2007 09:09

Ich habe zuhause mit meiner Mutter immer eine Mischung gesprochen - sie hat in Ursprungssprache gesprochen und ich ihr auf Deutsch geantwortet, weil es für mich nach etwa einem halben Jahr einfacher war auch mit meiner Mutter Deutsch zu sprechen.
Das Ergebnis des Ganzen war es, dass mein Deutsch zwar akzentfrei wurde, dafür die Muttersprache ziemlich insofern "verkümmert" war, als dass ich zwar alles lesen und verstehen kann, der Wortschatz ist aber bis auf einige Worte, auf dem kindlichen Stand verblieben. Und neue Worte aktiv zu lernen und sie auch in den Wortschatz zu übernehmen ist vergleichbar schwer.
Daher würde ich jedem raten, bewusst richtiges Deutsch zu sprechen, auch wenn man irgendwann dazu tendiert die fremdsprachigen Worte in die Muttersprache einfliessen zu lassen. Beispielhaft hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschrussisch

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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon janaquinn » 30. August 2007 09:31

Hej,
ich denke, je jünger die Kinder sind, umso einfacher finden sie sich in die neue Sprache hinein. Trotzdem sollten auf jeden Fall grundlegende Regeln bestehen, was wo in welcher Situation gesprochen wird.Taima kommt mit den drei Sprachen gut zurecht, für Yannic wird es meist zuviel, was aber auf seine Behinderung zurück zuführen ist.
Mein Schwiegertiger wollte Taima noch Estnisch beibringen, dem haben wir aber einen Riegel vorgeschoben, aus 2 Gründen: 1. 4 Sprachen wären selbst für ein solch kleines Kind zuviel und 2. Sie sieht ihre Oma max.2x im Jahr, da kann man eine Sprache nicht vernünftig lernen. So kann sie mit ihr entweder englisch oder Deutsch sprechen.
Wie es später in der Schule wird, wenn es um das Schreiben und Lesen geht, werden wir sehen. Aber wahrscheinlich werden wir uns mit ihr hinsetzen und es beibringen. Aber bis dahin haben wir ja noch ein paar Tage :lol:

Hejdå JANA :wink:
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Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Storstadstjej » 30. August 2007 09:50

janaquinn hat geschrieben:Mein Schwiegertiger wollte Taima noch Estnisch beibringen, dem haben wir aber einen Riegel vorgeschoben,


Vollkommen richtig - wie kann man überhaupt auf die Idee mit einer 4ten Sprache bei einem so kleinen Kind kommen? :roll:

Ich denke es ist sinnvoll, wenn die ersten 3 sitzen, wobei deine Tochter schwedisch in null komma nichts wie ihre Muttersprache anwenden wird, auch schriftlich. Spätestens wenn sie tagtäglich mehrere Stunden mit schwedischen Klassenkameraden klarkommen muss. Und Englisch fliegt hier sowieso zu, v.a. wenn man fernsieht. Ich glaube ein Schwede, in unserem Alter, der kein relativ gutes Englisch spricht ist einfach sprachunbegabt.
Achtet auf ihr Deutsch - das kann ihr später im Beruf (und davor in der Schule) nur enorm weiterhelfen.

Manty

Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Manty » 30. August 2007 13:47

Danke für eure ausführlichen Antworten, es ist gut auch mal andere zu hören, die eben auch das Problem der Zweisprachigkeit haben und auch zu sehen, daß man das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen kann, eure Antworten haben mich bestätigt und bestärkt so wie bisher weiterzumachen. Wir sprechen deutsch mit unserem Sonnenschein, das schwedisch holt er sich von "draußen."
Ich bin aber auch etwas ängstlich, daß unser Sohn vielleicht Probleme bekommen könnte in der dagis, wenn er nicht gleich schwedisch kann, das die schwedischen Kinder ihn ausgrenzen könnten. Ich weiß, das hört sich vielleicht total dämlich an, aber solche Ängste kommen einem als Mutter/Eltern so in den Sinn.
Wie reagieren eigentlich schwedische Kindergärtnerinnen auf andersprachige Kinder? Wird auf das Kind eingegangen oder muß es "verkümmern."

Storstadstjej

Re: Zweisprachige Erziehung

Beitragvon Storstadstjej » 30. August 2007 13:54

Hej Manty,

ich glaube kaum, dass Du Dich um die Sprachentwicklung eines Kindes, das noch in die Dagis geht sorgen musst. Ich kann die Sorge verstehen, aber sie ist bei einem Kind in dem Alter recht unbegr¨undet - dein Sohn wird schneller fliessendes Schwedisch sprechen als Du!

Wie die Erzieher hier reagieren weiss ich nicht, aber ich würde behaupten das unterscheidet sich von Fall zu Fall, es sind schliesslich auch nur Menschen.


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