Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

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Aelve
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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Aelve » 3. November 2008 21:42

Hallo Hansbaer,

Theorie ist, wenn man alles weiß, aber es klappt nicht und Praxis bedeutet, es klappt, aber man weiß nicht warum.

Bei Deiner theoretischen Darstellung ist es so, dass sie nicht stimmt, denn in der Praxis ist tatsächlich alles sehr viel teurer geworden und dass nicht nur durch die normalen Steigerungen des Lebenskostenindexes. Bedingt auch dadurch, dass anfangs viele Leute versucht haben, den halben Wert durch Umrechung auf die Hälfte zu negieren. Der Zulauf bei den günstigen Discountern ist die Folge davon, ebenso ist die Folge der enormen Verteuerung in den Restaurants, dass Hotel- und Gaststättenbesitzer stöhnen, dass die Gäste wegbleiben. Deshalb sind die Probleme mancher Branchen hausgemacht.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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nysn

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon nysn » 3. November 2008 22:05

Eigentlich wollte ich hierzu nicht so viel sagen - sicher stimmt es, was hansbaer schreibt.
Ich bin auch nicht gegen den Euro und würde es gut finden, wenn Schweden ihn auch hätte.

Wenn ich mich aber zurückerinnere, als wir das erste Mal nach Einführung des Euro in ein Euro-Land fuhren, war ich schon geschockt - alles schien tatsächlich um das doppelte teuerer geworden zu sein. Wo früher noch eine Kugel Eis in Italien 1.000 Lire gekostet hatte, waren es dann plötzlich 1 Euro. Eine kleine Flasche "Aqua minerale" = 2 Euro. Wir waren damals in Rom und die Italiener haben schon überall ganz großzügig umgerechnet - das haben wir "Schweden" auch ganz deutlich am Geldbeutel zu spüren bekommen - also nicht nur psychologisch. Das Gleiche erlebten wir dann teilweise auch in Deutschland und Frankreich - eine Kugel Eis für 2,50 Euro an beliebten Touristenorten war keine Seltenheit - wo wir früher noch Münchener Restaurants als günstig im Vergleich zu Schweden erlebten, fanden wir plötzlich alles teuerer.

Inzwischen hat sich das aber ausgeglichen - wir empfinden das nun eher wieder so, dass die Preise in Deutschland günstiger sind als in Schweden und wir rechnen eben auch großzügig 1:10 um. Wenn man aus Schweden kommend einfach eine Null weglässt, dann findet man die Preise in den meisten Euro-Ländern dann auch wieder ganz ok.

Die meisten meiner Bekannten in Deutschland finden inzwischen auch, dass die Preise im Verhältnis zu den Einkommen wieder ungefähr auf dem gleichen Niveau sind, wie damals eben mit der DM - man verdient heute ungefähr wieder das Gleiche wie damals - nur eben in Euro.

So viel halt zum "Gefühl".

S-nina

hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 22:09

Nur weil ich meine Ausführungen mit einem Exkurs erweitert habe, heißt das noch lange nicht, dass sie falsch sind. Wirtschaftswissenschaften sind ja angewandte Wissenschaften, die nach der Realität geformt werden und nicht umgekehrt.

Ich finde es immer wieder amüsant und befremdend, dass generell alle Leute, die 40 Stunden in der Woche und mehr damit verbringen, die komplexe Welt da draußen in allgemeine Kennziffern zu gießen, als blöd hingestellt werden. Die Leute vom Statistischen Bundesamt (und die von Eurostat, den statistischen Landesämtern...) machen ihre Statistiken ja nicht beim Monopoly-Spielen, sondern gehen in real existierende Geschäfte, und zwar in mehr davon, als jeder Durchschnittsbürger jemals besuchen wird. Die Zahlen die dabei herauskommen, sind belastbarer als jede Zahl, die man im Alltag selbst feststellen könnte.
Und wer jetzt Voreingenommenheit vermutet: nein, ich kenne keine solchen Menschen persönlich.

Aldi und Lidl sind schon in DM-Zeiten zu weltweit agierenden Ketten aufgestiegen, und die Deutschen haben schon vor 1999 mit Freuden bei ihnen eingekauft. Dass Leute statt ins Restaurant zu Aldi gehen, ist jetzt auch ein bisschen großer Sprung :-)

Die Gastronomen haben damals eine Gelegenheit gesehen, sich etwas Luft zu schaffen. Das Gewerbe ist aber seit jeher sehr schnelllebig, und Gastronomen jammern immer, dass es ihnen schlecht geht.

@S-Nina: bei Auslandsreisen wird es mit dem Gefühl ganz schwierig. Ich war letzte Woche erstaunt, dass ein Bier in Paris so viel (oder noch mehr) kostet wie in Stockholm - aber hier gibts eben auch kein Bier mit Blick auf Notre Dame :-)

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon sinlalu » 3. November 2008 22:31

hansbaer hat geschrieben:Die Gastronomen haben damals eine Gelegenheit gesehen, sich etwas Luft zu schaffen. Das Gewerbe ist aber seit jeher sehr schnelllebig, und Gastronomen jammern immer, dass es ihnen schlecht geht.


Klar, und die Bauern auch und die Lehrer und die Anwälte und die Ärzte und überhaupt jammern ja alle - und das, ich geb es zu bei uns auf hohem Niveau. Aber Wirtschaft wird nicht nur an der Rechenmaschine und am Reißbrett gemacht!

LG Silke
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hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 22:38

sinlalu hat geschrieben:Aber Wirtschaft wird nicht nur an der Rechenmaschine und am Reißbrett gemacht!


Ja eben - sage ich ja. Wirtschaft ist etwas, das einfach passiert, weil jeder meistens das macht, was er für sich für am vorteilhaftesten hält.
Was passiert, wenn man Wirtschaft zu planen versucht, durften gut 16 Millionen Deutsche von 1949 bis 1989 tagtäglich miterleben.

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon sinlalu » 3. November 2008 22:48

Das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein!!!

So hab ich das (!) nicht gemeint!

Und irgendwie hab ich den Eindruck, dass Du eben gerade nicht das meinst, was ich meine!!!

Und mit DDR & Co hat das nichts zu tun!

LG Silke :twisted:
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hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 22:51

Dann habe ich das wohl falsch verstanden. Ich hatte es auch auf die vorigen Einwände in Sachen Theorie vs. Praxis bezogen.

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Krümel7 » 5. November 2008 20:37

Hej hansbaer,
bei meinen Bemerkungen zum Euro handelt es sich durchaus nicht um billige Polemik, sondern Prognosen von Autoren, die sich wiederum ausführlich mit der Geschichte der Finanzpolitik beschäftigt haben und dies nicht für unwahrscheinlich halten.
Ich hoffe nicht, dass diese Situation eintreten wird, sondern wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass dies auch passieren könnte! In der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation ist ´ne ganze Menge möglich!
Im weiteren Sinne bin ich übrigens ebenfalls in der Finanzwirtschaft tätig und interessiere mich daher für diese Themen, auch wenn es für Frauen nicht unbedingt typisch ist!
In einem anderen Thread zu diesem Thema hatte ich übrigens bereits geschrieben, dass ich auch nicht der Meinung bin, dass der Euro zu einer Erhöhung der Preise im großen Stil geführt hat. Der Eindruck ist entstanden, da die Preissteigerungen der letzten Jahre in keiner Weise den Gehaltssteigerungen entsprechen. Es gibt einige wenige Bereiche wie: Gastronomie, Blumenhandel, Vermietung von FW ( wie von Aleve bereits beschrieben) wo dies meines Erachtens nach tatsächlich zutrifft. Hat man früher für eine einfache Tasse Kaffee ca. 2 DM gezahlt, sind es jetzt 1,80 € und mehr. Übrigens geht es, von einigen Szeneecken abgesehen, tatsächlich vielen Gastronomen schlecht. Das liegt natürlich auch an der wirtschaftlichen Situation der Haushalte!
Viele Menschen können es sich schlichtweg nicht mehr leisten in ein Restaurant zu gehen. Im Gegensatz zu S-ninas Erfahrungen haben nämlich viele meiner Bekannten bereits seit Jahren keinen Cent Gehaltssteigerung gehabt, teilweise sogar Gehaltskürzungen von 8 % hinnehmen müssen und das bei stetig wachsenden Kosten. Von den Rentnern will ich erst gar nicht reden.
Fakt ist, dass wir uns aufgrund der Globalisierung egal ob in Schweden oder in D damit abfinden müssen, dass unser Lebensniveau sinken wird! Es ist ein Prozess der Anpassung der Lebensverhältnisse, der sich über Jahrzehnte hinziehen wird. Es traut sich nur leider niemand der Politiker, die Wahrheit laut zu sagen. Es ist auch kein Geheimnis, man möchte die die breite Masse eben nicht verunsichern. Damit verpassen wir jedoch die chance einer echten Neuorientierung unserer Gesellschaft und der Veränderung der Wertevorstellungen.
Und seien wir mal ehrlich, bei all dem Gejammere, verglichen damit, wie ein Großteil der Menschen auf der Erde lebt, geht es uns doch, selbst als Sozialfall immer noch gut! Man sollte nur immer wieder versuchen, das Ganze in einer anderen Relation zu sehen.
Grüße Krümel

hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 5. November 2008 21:33

Hej Krümel,

das Problem mit der Wirtschaft ist, dass es eine angewandte Wissenschaft ist - Thesen kann jeder aufstellen, und manche stehen ewig im Raum. Bis heute ist beispielsweise nicht klar, ob der Keynesianismus eine gute Idee ist oder nicht.
Mir erscheint die Vorstellung einfach deswegen annähernd apokalyptisch, weil der denkbare Schaden einer Euro-Abschaffung deutlich größer wäre als jeder Nutzen davon. Man müsste neues Geld emittieren, was wilde Schwankungen auslösen dürfte wie dereinst beim Übergang der ehemals sozialistischen Staaten in die Marktwirtschaft. Die volkswirtschaftlichen Kosten und vor allem die Risiken sind enorm. Der Euro-Verbund als gesamtes kann die Schwächen einzelner Staaten durchaus abfedern. Dazu gibt es auch noch die Stabilitätskriterien, die auch nur wirtschaftlich gesunde Staaten in die Euro-Zone lassen - Litauen wurde vor einigen Jahren abgelehnt, weil die Inflationsrate nur minimal zu hoch war. Man darf auch nicht vergessen: der Euro ist u.a. Leitwährung für weite Teile Afrikas und musste in seiner kurzen Geschichte das Platzen der New-Economy-Blase, den 11. September und die aktuelle Finanzkrise überstehen. Dafür steht er wirklich sehr gut da. Die EZB macht ihren Job anscheinend nicht schlecht, und der Euro wird als Reservewährung immer wichtiger - es handelt sich ja nicht um ein kleines lustiges Projekt mit gemeinsamen Münzen, sondern um den Aufbau einer bedeuten Währung, die eine wichtige Rolle für die ganze Weltwirtschaft spielt.

Was die Preissteigerungen angeht, kann ich nur voll zustimmen. Der Euro ist der preispsychologische Sündenbock für wirtschaftliche Fehlentwicklungen. Die Fakten sprechen ja bekanntermaßen dagegen, aber der Euro ist im Zweifelsfall an allem schuld. Ich sehe auch die Reallohnentwicklung als ein Hauptproblem. Die Arbeitgeber predigen seit fast 10 Jahren durchgehend, dass man doch bitte jetzt gerade keine Lohnerhöhung geben könne. Mal, um den Aufschwung nicht abzuwürgen, mal, um doch in dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation die Firma nicht unnötig zu belasten.

Ich weiß nicht, ob die Lebensqualität sinken wird, aber wir müssen uns damit abfinden, dass es nicht auf ewig so sein wird, dass die reichsten 10% alles besitzen, während der Rest von dem leben muss, was übrig bleibt. Sicherlich können wir uns da irgendwie behaupten, aber dafür müssen wir endlich verstehen, dass wir nur durch die pfiffigen Ideen überleben. In Deutschland glauben ja viele, wir könnten einfach bis in alle Ewigkeiten die Autos selbst produzieren, und alles wäre gut. Da müssen wir uns echt noch warm anziehen.

Grüße,

Fabian

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon sinlalu » 5. November 2008 21:35

Ich benutz ihn einfach weiter - den Euro!

Das wird mir hier zu komplziert... Hoffe noch!

Tut mir Leid

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