Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

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sinlalu
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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon sinlalu » 3. November 2008 11:09

Hej zusammen,

stimmt schon, diese Debatte gab es bereits. Aber es wird sie auch immer wieder geben solange die Leute den Euro dafür verantwortlich machen, dass sie "weniger Geld im Beutel" haben. Sicher ist nicht nur der Euro schuld. Und sicher hast Du s-nina Recht mit Deinen Aussagen, aber ich wünschte mir, dass auch in Deutschland die Menschen gefragt worden wären, ob sie mit der Einführung des Euro einverstanden sind. Ich zumindest hätte gern mit abgestimmt (und zwar dagegen!). Jedenfalls könnte man nach einer erfolgten Abstimmung - wie die Schweden - sagen, das hat die Mehrheit so gewollt! Ich könnte mir vorstellen, dass es helfen würde die Konsequenzen zu akzeptieren. So hat man doch immer das Gefühl, dass einem der Euro übergestülpt wurde.

Ich find Hansbaers Postings übrigens auch qualifiziert!!!

Liebe Grüße Silke
Eine Umarmung ist ein großartiges Geschenk - passend für jede Größe...

glada

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon glada » 3. November 2008 12:01

Sicher ist nicht nur der Euro schuld. Und sicher hast Du s-nina Recht mit Deinen Aussagen, aber ich wünschte mir, dass auch in Deutschland die Menschen gefragt worden wären, ob sie mit der Einführung des Euro einverstanden sind. Ich zumindest hätte gern mit abgestimmt (und zwar dagegen!). Jedenfalls könnte man nach einer erfolgten Abstimmung - wie die Schweden - sagen, das hat die Mehrheit so gewollt!


Hallo Silke,

wir leben nun mal in einer repräsentativen Demokratie und überlassen unseren "Volksvertretern" solche Entscheidungen. Es lässt sich lang und breit darüber streiten, ob Volksentscheide demokratischer wären. Denn: schon bei den wenigen Wahlen in Deutschland schaffen es immer weniger, sich zu den Wahllokalen hinzuschleppen. Ob dann auch alle bereit sind, sich vor weiterreichenden Entscheidungen umfangreich zu informieren und sich nicht leichtfertig durch die Tagespresse beeinflussen lassen, ist eher zweifelhaft.

hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 13:07

Vielen Dank für das Lob!

Das Thema Währung und Wirtschaft ist ein unendlich weites.

Referenden sind ein sehr fragwürdigendes Instrument der Politik. Bei der direkten Demokratire glaubt man ja gerne, sie sei die reinere und besere Demokratie. Wenn man sich dann aber mal die Resultate anschaut, sieht man, dass sie nicht so funktioniert, wie man das gerne hätte. In der Schweiz hat es seit 1974 kein Referendum mehr mit über 70 % Wahlbeteiligung gegeben, und eine Beteiligung über 50 % wird schon als hoch angesehen. Das Land brauchte bis in die 1970er Jahre hinein, das Frauenwahlrecht einzuführen, und trat erst vor wenigen Jahren der UNO bei. Ein Land wie die Schweiz kann man so regieren, aber in größeren Ländern wäre das fatal. Zudem ist es eine Kapitalisierung der Demokratie, denn bei Referenden entscheidet nicht selten, welche Lobbygruppe die größte Wahlkampfkasse hat. In Ländern wie Frankreich werden Referenden oft dazu benutzt, die jeweilige Regierung abzustrafen. Vom Ideal, dass der wohlinformierte Bürger zur Urne geht, um eine Entscheidung danach zu treffen, was für das Land das beste ist, sind diese Lösungen weit entfernt.

Wenn es darum geht, eine Brücke zu bauen oder eine Straße, mag ein Referendum vernünftig sein, aber für die großen nationalen Fragen ist es ein ungeeignetes Mittel. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben gut daran getan, in Deutschland keine nationalen Referenden vorzusehen.

Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: dem Euro anzulasten, er wäre für steigende Preise oder sonst irgendwas verantwortlich, widerspricht einfach der Realität. Alle Untersuchungen, die über diesen subjektiven Eindruck hinausgehen, bestätigen dies. Wir würden heute mit der DM schlechter da stehen als mit dem Euro - bei der früheren Dollarabhängigkeit der deutschen Wirtschaft wären die letzten 12 Monate die reinste Achterbahn geworden. Die DM wird auch romantisch verklärt. Die DM hatte auch lange Phasen mit einer Inflation über 4 %. Was die DM ausmachte, ist, dass eine unabhängige Bundesbank die Währungspolitik bestimmte und nicht etwa die Regierung. Dieses entscheidende Element gilt auch für die EZB, und das ist letztendlich auch der Grund dafür, dass der Euro gut funktioniert.

Die Schweden haben übrigens keine Entscheidungsgewalt über die Euro-Einführung. Zum einen sind Referenden nicht bindend, zum anderen hat Schweden schon mit der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages (per Referendum bestätigt) schon die Euro-Einführung zugesichert. Alles, was seither kam, sind Verfahrenstricks. Kein anderes "altes" EU-Land nimmt sich eine derartige Freiheit heraus.

Noch ein Wort zum Wechselkurs: der derzeit schlechte Wechselkurs wird bestimmt nicht der Kurs sein, wenn Schweden einmal dem WKM2 beitritt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit Zustimmung der EZB die fixen Wechselkurse nachzujustieren. Die Slowakei, die 2009 den Euro einführt, hat den eigentlichen festen Wechselkurs zweimal nachkorrigieren dürfen - der Kurs soll ja in jedem Fall auch die realen Werte widerspiegeln.

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Aelve » 3. November 2008 14:37

Hallo Hansbaer,

ich lese sonst auch gerne Deine Beiträge, aber das an Banana gerichtete posting kann ich nicht gutheißen, denn auch Du hast nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und ich finde es absolut unpassend, andere Forumsmitglieder derart abzuqualifizieren, die sich evtl. nicht so gut ausdrücken können wie Du.

Und Tatsache ist, dass gleich nach der Umstellung der DM auf Euro einige Dinge doppelt so teuer ausgezeichnet waren, das habe ich selbst erlebt. Insofern ist die Aussage von Banana nicht so unqualifiziert, wie sie Dir vorkommt.

Gruß Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 3. November 2008 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 14:43

Dieser Beitrag tut mir auch leid - normalerweise bemühe ich mich, wenn ich etwas zu einer Sache schreibe, dies auch einigermaßen fundiert zu tun. Jeder hat auch mal seine schlechten Tage.

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Aelve » 3. November 2008 14:48

Hallo Hansbaer,

schön, dass Du Dich wegen des Ausrutschers entschuldigst.
Und Banana wird sicherlich darüber erleichtert sein.

Liebe Grüße Aelve :danke:
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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 15:01

Hallo Aelve,

muss man auch mal können :-)

Deiner "Tatsache" möchte dennoch widersprechen. Es waren in der Tat "einige Dinge" deutlich so teuer - was man den Einzelhändlern auch irgendwo nachsehen muss, denn die meisten von denen waren bei der letzten Währungsumstellung 1948 noch nicht im Geschäft. Der Markt reguliert so etwas aber nach - dass sich die Preise einfach so erhöhen, kann sich nur ein Händler mit Monopolstellung erlauben, und die hat zum Glück nichtmal eine der großen Ketten. Aldi und Lidl kloppen sich ja teilweise um einzelne Cent beim Milchpreis. Die Inflation machte im Januar 2002 einen kleinen Sprung und kehrte schon im ersten Halbjahr zu sehr niedrigen Werten zurück.
Der Teuro bleibt ein von der Bild-Zeitung forciertes Märchen.

Apropos Milchpreis: habe gerade das hier gefunden: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Preise/ThemenkastenMilchpreiseSommer2007,property=file.pdf - das ist schon sehr interessant. Demnach war der Milchpreis die letzten fünf Jahre konstant auf einem Preisniveau von ca. 5 % über dem Preis von 1992.

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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Aelve » 3. November 2008 15:16

Lieber Hansbaer,

ich persönlich empfinde es anders. Es stimmt schon, dass der Markt einiges reguliert, wenn auch einige Firmen glaubten, gleich nach der Umstellung den großen Reibach machen zu können. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass durch die sofortige Teuerung eine Preisspirale entstand, zuerst merkten viele Leute es gar nicht, dass sie plötzlich doppelt soviel zahlten. Ich weiß es deshalb, weil wir Ferienwohnungen in der Ostsee vermieten, wir rechneten kursgenau um und rundeten nur auf den nächsten Euro um. Anfangs sagten viele Anfragende, dass der Preis ja sehr niedrig sei, den wir dann forderten, sie hatten es noch nicht realisiert, dass ja das Einkommen sich auch halbiert hatte. Das jetzige zurückgegangene Kaufverhalten und die Zurückhaltung beim Kauf teurer Gegenstände sind meines Erachtens mit auf die viel zu schnell gestiegenen Preise zurückzuführen. Ich selber kaufe an Einrichtungsgegenständen so gut wie nichts mehr regulär, da es mir viel zu teuer geworden ist. Große Kaufhäuser haben erhebliche Absatzschwierigkeiten, kein Wunder bei den teuren Preisen, erst wenn 50 % Nachlaß angesetzt sind, greifen die Käufer wieder zu, das sehe ich hier in Hamburg Tag für Tag. Fast jeder Laden muß mit Prozenten winken, um überhaupt noch Absatz zu haben.
Mir gefällt dieses nicht, ich selber kaufe jetzt viel in Schweden, ist billiger und entspannter. Oder über ebay, neue Waren oft zum 1/3 des regulären Preises.
Ob das ganze für die Geschäfte und für die Angestellten nun so toll ist, wage ich zu bezweifeln, denn hier stehen jede Menge Geschäfte leer. Der Markt hat dieses so geregelt, wie Du es richtigerweise sagst, aber zum Nachteil für die Beschäftigung.

Grüße Aelve
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hansbaer

Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon hansbaer » 3. November 2008 16:16

Eine Preisspirale kann es nur dann geben, wenn es eine Verknappung am Markt gibt. Ich bin zwar kein Ökonom, aber die Zusammenhänge zwischen Angebot und Nachfrage sind uns alle geläufig. Nur bei einem Monopol oder Oligopol kann das passieren, was in der Teuro-Debatte immer wieder kolportiert wird - und solche Zustände gibt es nirgendwo in Europa, wenn man mal von gewissen Gegenden Süditaliens absieht. Dass sich alle Gastronomen und Supermarktketten in nie an die Öffentlichkeit gelangter Absprache gegen die Verbraucher verschworen haben, ist mehr als nur unwahrscheinlich.

Ich denke, man muss hier klaren zwischen der Psychologie und den harten Zahlen trennen. Natürlich fiel den Leuten auf, dass bestimmte Preise nach oben gingen. Das wäre ihnen nie aufgefallen, wenn es die Umstellung nicht gegeben hätte. Außerdem gibt es den Effekt, dass einem natürlich immer nur die Sachen auffallen, die teurer geworden sind. Gleich bleibende und gesunkene Preise werden meist gar nicht registriert. Dass eine Währungsumstellung für viele Menschen verwirrend ist, ist verständlich. Das Gefühl muss aber nicht stimmen.

Ich weiß, dass Du ihn nicht magst, aber die Jungs beim Statistischen Bundesamt haben sich eine Menge Gedanken gemacht, um ihren Warenkorb zusammenzustellen. Dieser enthält ziemlich genau das, was ein Bundesbürger so im Durchschnitt kauft. Darin enthalten sind eben nicht nur die teurer gewordenen Restaurantbesuche, sondern auch die gleich teure Milch und viele massiv billiger gewordene Gesprächsminuten am Telefon.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: auch wenn wir das Gefühl haben - die Teuerungsrate ist nicht höher als zuvor mit der DM.

Hier in Schweden werden wir bald auch zu spüren bekommen, was es heißt, eine kleine unabhängige Währung zu haben. Der Welthandel findet in Euro und Dollar statt, und die schwedische Krone ist massiv abgesackt. Das wird auf die Inflationsrate durchschlagen.

Krümel7
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Re: Zahl der Euro-Gegner nimmt ab

Beitragvon Krümel7 » 3. November 2008 16:24

Hej,
vielleicht müssen sich die Schweden in einigen Jahren keine Gedanken mehr darüber machen, ob sie den Euro haben werden, da der Euro dann vielleicht nicht mehr existiert???
Angesichts der weltwirtschaftlichen Lage und der schwachen wirtschaftlichen Leistung einiger Länder, welche den Euro bereits haben, könnte auch dieser Fall eintreten!
Lassen wir uns überraschen was kommen mag, denn Einfluss haben wir darauf ja eh keinen.
Krümel


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