Yes we can

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Tulipa
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Yes we can

Beitragvon Tulipa » 22. März 2009 23:02

Guten Abend,
heute bei unserem Sonntagsausflug gerieten wir zufällig in eine muntere schwedische Runde:

Ein Politikstudent, der eine versierte und in meinen Augen durchaus kompetende Führung in einem Kunstmuseum bot. Ein Dagis-Fröken, das nun - qualifiziert durch einen 1jährigen Aufenthalt in Österreich - technische übersetzungen bei einer Hydraulikfirma macht. Eine End40erin, die nach über 20 Jahren Unterrichten nun so eine Art Lehramtsstudium begonnen hat.

Und ich dachte, vielleicht ist Schweden ja doch der Traum aller Auswanderer und Arbeitssuchenden. Jeder scheint alles zu können, vom Tellerwäscher zum Millionär, hier wird niemand wegen fehlender Ausbildung diskriminiert.

Oder was meint ihr ?

LG
Tulipa
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hansbaer

Re: Yes we can

Beitragvon hansbaer » 22. März 2009 23:23

Die Artikelserie über Schweden als Einwanderungsland (http://www.schwedentor.de/forum/uber-schweden-als-einwanderungsland,14182.html) illustriert eigentlich das Gegenteil. Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern werden oft nur verwaltet, aber nicht ihrer Qualifikation entsprechend eingesetzt. Der Tellerwäscher ist eine sehr amerikanisierte Vorstellung. In Schweden winkt einem normalerweise nicht das große Geld, egal wie gut man ausgebildet. Dass das lebenslange Lernen hier eher stattfindet, ist schon richtig. Ich hatte auch schon Mitstudenten jenseits der 40. Allerdings fördert dies auch, eine Ausbildung zu verschleppen. Manche eiern nach dem Abi jahrelang herum, auch wegen der teilweise schlechten Studienplatzsituation. Vor einiger Zeit habe ich irgendwo gelesen, dass Medizinstudenten zu Beginn ihres Studiums im Schnitt fast 30 Jahre alt sind. Bis die also in den Beruf gehen, ist schon viel Zeit verstrichen.

nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 22. März 2009 23:36

hier wird niemand wegen fehlender Ausbildung diskriminiert.


... doch! Und zwar immer dann, wenn du kein Schwede bist.
Bist du Ausländer - hochqualifiziert - und möglicherweise aus einem nicht-europäischen Land, dann nutzt dir nicht einmal ein Doktortitel, um eine Stelle bei McDoof zu bekommen ...

Bei Schweden ist das anders - da wird das Dagis-Fröken nach 1 Jahr Auslandsaufenthalt als Aupair zur Sprachspezialistin und der Schreiner nach einigen Jahren Berufserfahrung und kurzer Zusatzausbildung zum Berufsschullehrer ...

Mit Amüsement lese ich immer in der Göteborgs Posten die Seite mit "Namen" - dort werden von Zeit zu Zeit Schweden vorgestellt, die im Ausland "Großes" geleistet haben (Svenskar i världen - z. B. die Reiseführerin in Thailand, die Sekretärin in Deutschland) ... Diese Seite gibt es sicher auch in der Hallands Posten oder sonstigen Provinzblättchen, meist im Anschluss an die Fotos der Kinder, neu Verheirateten usw.

vinbär
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Re: Yes we can

Beitragvon vinbär » 23. März 2009 09:39

Kenne beruflich bedingt einige hochqualifizierte "Ausländer" in Schweden, die keine Chance in ihren Berufen haben. Als Nichtschwede ist es fuer sehr viele verda... verda... hart.

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 10:17

Hallo,

ich denke, dass man als guter Handwerker in Schweden noch Fuß fassen kann. In Büros, Banken, Versicherungen usw. wird es meiner Meinung nach immer schwer sein, eine Anstellung in Schweden zu finden, da man dort ja auch besonders gute Sprachkenntnisse benötigt und auch das System sehr gut kennen muß. Die deutschen Handwerker, die wir kennen und die in den letzten Jahren nach Schweden ausgewandert sind, haben durchweg sehr gute Arbeitsstellen gefunden und auch bei ihren Firmen sofort eine große Anerkennung ihrer Leistungen erzielt. Es mag im Moment nicht gerade die beste Möglichkeit sein, eine Arbeitsstelle zu finden wegen der allgemeinen Finanzkrise, aber vor kurzem waren die Chancen noch ausgesprochen gut, im handwerklichen Bereich Fuß fassen zu können.
Mein Mann hätte beispielsweise im letzten Herbst sofort Tätigkeiten für einen Inhaber eines Baugeschäfst ausüben können, nachdem der gesehen hat, wie er in Eigenarbeit unseren Stall neu gestaltet hat. Nur, dass mein Mann keine Zeit für diese Arbeiten mehr hatte, hat ihn von dem Auftrag abgehalten, aber gesucht werden Leute mit guten Handwerksausbildungen bestimmt immer noch.

Grüße Aelve
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hansbaer

Re: Yes we can

Beitragvon hansbaer » 23. März 2009 10:35

Irgendwie ist das etwas am Thema vorbei.

Es geht ja nicht darum, dass Leute etwas machen, das sie nachweislich können, sondern eben darum, dass sie etwas machen, wozu sie keinerlei Ausbildung haben.

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 10:48

Hallo Hansbaer,

dann gingen auch bereits die vor meinem Beitrag geschriebenen postings am Thema vorbei.

Kenne beruflich bedingt einige hochqualifizierte "Ausländer" in Schweden, die keine Chance in ihren Berufen haben. Als Nichtschwede ist es fuer sehr viele verda... verda... hart.

Mein Mann ist übrigens auch kein gelernter Dachdecker oder Zimmermeister und hat auch alleine unseren Stall gedeckt, darüber hinaus noch einen Anbau gebaut und hätte für ähnliche Arbeiten schon einen Auftrag bekommen können.

Deshalb denke ich, dass man als Handwerker sehr vieles kann, was man nicht unbedingt als Lehre absolviert haben muß. Viele Leute können auch von sich aus viele Arbeiten ausführen, wenn sie geschickt genug sind.

Und ich habe mich auch alleine in die Vermietung von Häusern eingearbeitet, das hat mit meiner eigentlichen Ausbildung auch nicht viel gemeinsam.
Mein Sohn kennt sich total gut aus mit Webseiten und hat sich neben seiner Arbeit selbständig gemacht mit Gestellung von Lautsprechern und Mikrofonen usw. für Veranstaltungen. Seine Lehre hat er darauf aufgebaut, weil er sich mit diesen Dingen vorher schon sehr gut auskannte.

Als Betreuer von Ferienhäusern in Schweden könnten sicherlich viele Deutsche auch ihr Aufgabengebiet sehen. Denn wer selber ein Haus hat, kennt sich auch mit Gartenpflege und Reparaturen am Haus aus, wenn er es zuhause auch schon selber erledigt hat.

Also ich sehe kein Problem darin, etwas gut zu können, wenn man es aus eigenem Antrieb lernt und sich damit beschäftigt.

Grüße Aelve
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nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 11:11

Deshalb denke ich, dass man als Handwerker sehr vieles kann, was man nicht unbedingt als Lehre absolviert haben muß. Viele Leute können auch von sich aus viele Arbeiten ausführen, wenn sie geschickt genug sind.


Das mag sein und so denken sicherlich auch viele Schweden - wenn ich hier an den Baustellen der Neubauten für Einfamilienhäuser oder an Häusern vorbeigehe, die gerade renoviert werden (Verlegung von Bodenplatten, Anlegen von Pools, Malerarbeiten usw.) - dann sehe ich zumeist polnische Autos und Wohnwagen ...

Das heißt aber nicht, dass man diese Leute dann auch fest anstellen oder ihnen eine Karriere in Aussicht stellen würde - die sind einfach billig und handwerklich geschickt.
Letzten Freitag habe ich in unserem lokalen Hemköp auch eine Gruppe deutscher Handwerker gesehen - dem Dialekt nach wahrscheinlich aus Ostdeutschland ...

Nur glaube ich eben nicht, dass diese Leute auch nach Jahren in Schweden so richtige Karrierechancen haben - die wird man wohl zukünftig auch nicht als irgendwelche Chefs in schwedischen Unternehmen antreffen.

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 11:27

Tulipa hat geschrieben:Und ich dachte, vielleicht ist Schweden ja doch der Traum aller Auswanderer und Arbeitssuchenden. Jeder scheint alles zu können, vom Tellerwäscher zum Millionär, hier wird niemand wegen fehlender Ausbildung diskriminiert.

Hallo S-Nina,

wie Hansbaer bereit schrieb, es geht in diesem Threat nicht darum, ob jemand Karriere in Schweden machen kann, sondern vielmehr darum, ob jemand in Schweden wegen fehlender Ausbildung diskriminiert wird. Es mag sicherlich von Vorteil sein, wenn man über eine richtige Ausbildung verfügt, aber da es in Schweden ja keine Lehrzeit gibt wie in Deutschland, kann ich mir denken, dass es genügt, wenn man einige Dinge gut kann, die im Land Schweden gesucht werden. Ob man damit Karriere machen kann, ist eine andere Sache. Aber man kann sich ja vielleicht hocharbeiten oder sich damit später selbständig machen, wenn man erstmal Fuß gefaßt hat. Dabei denke ich, dass es immer Berufe gibt, in denen man schon eine gute Ausbildung benötigt, wie z.B. Krankenschwester oder Informatiker oder einige andere Berufe.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Dietmar am 23. März 2009 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Admin-Hinweis: Bitte keine Fullquotes! Zitat sinnerhaltend gekürzt.
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nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 11:42

Jeder scheint alles zu können, vom Tellerwäscher zum Millionär,


Also vom Tellerwäscher zum Millionär ist in Schweden ein Weg der Unmöglichkeit ...

und gerade darum geht es:

Dabei denke ich, dass es immer Berufe gibt, in denen man schon eine gute Ausbildung benötigt, wie z.B. Krankenschwester oder Informatiker oder einige andere Berufe.


dass man in Schweden eben mit guter Ausbildung - z. B. als Informatiker - kaum Chancen hat, wenn man nicht den richtigen ethnischen Hintergrund hat. Die allerschlechtesten Chancen haben Leute aus dem nicht-europäischen Raum. Das ist KLARE DISKRIMINIERUNG - nichts anderes!

Dagegen ist eine Karriere in umgekehrter Richtung durchaus möglich - z. B. vom Arzt zum Pfleger in "hemtjänst", vom Bauingenieur zum Tischler auf der Baustelle, von der Lehrerin zur Putzfrau in der Kommune ...

Wenn man diese Richtung anstrebt, dann ist Schweden GENAU RICHTIG - der andere Weg ist, wie schon öfters gesagt, äußerst schwierig und je nach Herkunft unmöglich bis ausgeschlossen.


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