Yes we can

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nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 16:28

Hier noch eine Anekdote aus meinem schwedischen Party-Leben:

Vor gut einem Jahr waren wir zu einer Hauseinweihungsparty eingeladen - super schönes Haus, wunderbare Lage mit strahlendem Meeresblick - Cateringessen vom Feinsten und natürlich nur tolle Leute ...

Ich wusste zwar schon, dass der Hausherr eine für schwedische Verhältnisse außerordentliche Karriere hingelegt hatte und die Familie sich schon in den 60er-Jahren einen neuen Namen (von -son auf adlig klingend) zugelegt hatte, was mir aber auffiel war, dass mit dem neuen Haus auch ein Wappen an der Tür aufgetaucht ist und auf allen Kaffeetassen :roll:

Als ich dann nachfragte, woher das Wappen stammte und was die Geschichte dahinter wäre, wurde dann stolz verkündet, die hätten sich das kürzlich wieder zugelegt weil sie sog. släktforskning betrieben und sie hätten nun fortan auch einen Wahlspruch ...

Ich muss sagen, ich war ziemlich sprachlos über so viel Geschmacklosigkeit und so viel Angeberei ... und dazu noch ohne jeglichen Hintergrund und hab dann nur noch gedacht:

It is not easy to be a SNOB and you will never ever become a CNOB!

Snob = sine nobilita
Cnob = cum nobilita

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 16:42

Hallo S-Nina,

das hört sich sehr nach Neureich an. Oft sind es doch eher Leute, die es nötig haben, anzugeben, wenn sie denn aufschneiden.

Der Verkäufer unseres Hauses in Röllese (über 60 Jahre alt) war wahrhaftig kein armer Mann, er hatte ein gutgehendes Friseurgeschäft in Kinna besessen. Seine Kleidung war Boss, Joop und andere teure Marken, das war aber total unauffällig. Man merkte ihm zwar an, dass er nicht aus ganz ärmlichen Verhältnissen kam, aber andererseits war er kein bißchen abgehoben. Er hat sich in Espevik direkt am Kattegat ein Haus gekauft, deshalb hat er sein Haus in Röllese verkauft. Als wir fragten, ob er denn dort beim doppelten Preis des Hauses mit halber Wohnfläche auch einen schönen Seeblick habe, meinte er ganz bescheiden, nein, nur ein kleines bißchen. Er erzählte auch, dass er Golf spielt, trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass er damit angeben wollte.

Grüße Aelve
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Re: Yes we can

Beitragvon vinbär » 23. März 2009 17:13

Er erzählte auch, dass er Golf spielt, trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass er damit angeben wollte.

Das Golf Spiel ist in Schweden nicht so "abgehoben" wie oft in D. Scheint mancherorts ein Volkssport zu sein.

Tommy3

Re: Yes we can

Beitragvon Tommy3 » 23. März 2009 17:28

Hej,

mit Golfspielen kann man hier schonlange nicht mehr angeben. Kreti und Pleti, sowie 10 jährige Bengels spielen Golf, und seitdem das nicht mehr so hipp ist, gehen die teureren Golfklubbs reihenweise pleite.

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Re: Yes we can

Beitragvon blueII » 23. März 2009 17:57

hiihihi

also bei Euren Berichten komme ich nicht aus dem schmunzeln....jajaja genauso ist...
ich müßte eigentlich ganz viele Zitate heranziehen aber das übertrifft jetzt meine Geduld.

Im Grunde genommen habe ich ja nix gegen Karriere, nur dass das in diesen Kreisen so eine Rolle spielt wundert mich doch arg.
Warum dieses hervorgehebe von beruflichen Erfolgen?Und man merkt halt und das finde ich so schrecklich, dass gerade bei den häufigen Quereinsteigern, der Beruf nicht gerade mit entsprechender Persönlichkeit erfüllt ist.
Also wenn ich früher mit leitenden Personen zutun hatte, waren es Menschen mit hoher Kompetenz, Weltgewandheit, Wissen, Softkills wie soziale Kompetenz usw...
Mein Mann und ich haben es uns zum Spaß gemacht ein wenig zu schockieren.
Auf die gestellte frage, was ich den hier in Schweden machen will...gemeint natürlich, welchen Beruf ich ergreifen möchte, antworte ich nur noch mit...ich will in Schweden NUR leben
Und man Mann setzte dann einige Male noch mit toternster Miene nach...meine Frau könnte sich auch vorstellen eine kleine Eselzucht zu betreiben oder das Handwerk eines Bootsbauers zu erlernen.
Die Gesichter sind unbeschreiblich und man wechselt häufig schnell das Thema :lol: :lol:

Aber es gibt natürlich auch noch andere.
Wie gesagt, der andere Teil der Insel, mehr im Norden, wird mehr von Menschen bewohnt, die sich bewußt für die ursprüngliche Lebensweise entschieden haben. Die teilweise unter schweren Bedingungen sehr bewußt leben, aber die das sind wie sie leben und nicht wie sie ihr Geld verdienen. Dort ist viel tiefstapelei...nicht auf dem Gebiet der Berufe, denn sie sind meist Arbeiter oder Bauern, aber sie können meistens andere wirklich schöne Sachen, die man herausfinden muß.

LG
Heike

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Re: Yes we can

Beitragvon Imrhien » 24. März 2009 11:20

Hej,
ich habe das Gefühl, dass Gleichmacherei das oberste Gebot ist, wenn man einen Schweden fragt. Alle sind gleich, keiner ist besser. Das ist überaus wichtig. Diskriminierung ist der schlimmste Fehler den man begehen kann und öffentlich über jemanden zu lästern weil er ärmer oder schlechter ist, das ist ein Tabu. Im kleinen engen Kreise dann, da sieht es ganz anders aus. Hinter vorgehaltener Hand kann man durchaus über genau diese Leute lästern was das Zeugs hält. Man will nicht angeben und will es doch. Alle sind gleich aber man selber ist halt doch etwas besser. Daher muss man aufpassen wie man das zur Sprache bringt. Nur nicht zu sehr und nicht zu auffällig. Leider schaffen das nicht alle einzuhalten.
Fragt man sie danach, sind materielle Dinge nicht wichtig. Geht man nach ihrem Verhalten, sind sie enorm wichtig.
Natürlich, wie immer, nicht jeder Schwede ist so. Nur viele :)
Ich habe da übrigens auch das Gefühl, dass das recht stark davon abhängt in welcher "Klasse" man sich tatsächlich befindet. Hat man eine gewissen Menge Geld und einen gewissen Lebensstandard, dann muss man dies nicht mehr zur Schau tragen. Wie Aelve schon sagte: Neureiche haben das eher nötig. Dabei meine ich nicht mal richtigen Reichtum nach deutschem Standard. Aber von meinen Kollegen und Chefs ist niemand dabei der wirklich richtig angeben würde. Die leben aber alle nicht wirklich schlecht. Der eine oder andere hat sicher seine Sorgen. Je höher die kommen in der Firmenstruktur, desto besser verdienen sie aber. Und auch wenn da mal über Ferienhäuser, Urlaube, Autos und Boote geredet wird, es klingt nie nach angeben. Sie sind sich durchaus bewusst, dass es ihnen gut geht und so. Aber sie leben einfach mit dem was sie haben und stellen es nicht dar. Das ist sehr entspannend, denn ich habe leider schon genug andere Beispiele getroffen (im Kindergarten).
Ich verfolge einige Blogs von Teenagern hier in Schweden um zu sehen was die Jugend so bewegt. In der Regel stehen Markenklamotten weit oben... (nicht nur das sondern natürlich auch andere Sachen)
Das dürfte aber nicht nur hier so sein...

Grüsse
Wiebke

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Re: Yes we can

Beitragvon Distriktläkare » 24. März 2009 17:42

Ja, schon ein Dilemma, wenn man staatlich verordnetes lagom und medienpropagierten Selbstdarstellungszwang hat (insbesondere als "eher langweilig angesehenes Volk aus einem kleinen Land weit weg"). Wen wundert es, dass manche die Synthese nicht gebacken kommen? Aber wie heißt es so schön: Det ordner sig :-)

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 24. März 2009 19:08

Hallo,

um das zu verstehen, muß man sich mal vorstellen, dass es in der Natur des Menschen liegt, besser als andere sein zu wollen.
Wozu strengt man sich denn an, wenn man nicht etwas aus der Masse hervorstechen will? Es ist im Grunde ganz normal, dass der Mensch dazu strebt, besser zu werden oder besser zu sein als der Durchschnitt. Sonst wäre ja gar kein Ansporn vorhanden, etwas schaffen zu wollen. Das war schon immer so und das wird auch immer so sein. Wenn man sich unterscheiden will, dann kauft man sich entweder schönere Kleidung als der Durchschnitt oder man ragt aus der Masse heraus, indem man mehr erreicht als der normale Durchschnittsbürger. Ich denke mal, dass da auch die Schweden nicht anders sind als alle anderen Menschen auch.
Sie wollen vielleicht nur nicht, dass es so ungerecht zugeht, dass jemand der intelligent ist, aber aus einfachem Elternhaus ist, nicht die gleichen Chancen geboten bekommt wie ein Kind, welches aus reichem Elternhaus kommt. Obwohl es nie ganz gerecht zugehen wird, denn jemand der genug Geld hat, hat ganz andere Möglichkeiten, wie jemand der schlicht arm ist.

Solange jemand, der etwas erreicht hat, nur ein wenig stolz darauf ist, finde ich persönlich es nicht verwerflich. Ich finde es verwerflich, wenn derjenige dann andere unterdrücken will oder andere herabqualifiziert oder die Leistung des anderen nicht anerkennt, sondern nur sich selber lobt. Man wird es aber leider nie ganz ausschließen können, dass es auch Personen gibt, die sich als was besseres vorkommen und es den anderen auch spüren lassen. Aber man weiß auch nicht, ob der damit glücklicher ist.

Grüße Aelve
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Re: Yes we can

Beitragvon amarok » 24. März 2009 19:48

Aelve hat geschrieben:um das zu verstehen, muß man sich mal vorstellen, dass es in der Natur des Menschen liegt, besser als andere sein zu wollen.

So, so. Woher hast Du denn diese Weisheit?
Aelve hat geschrieben:Wozu strengt man sich denn an, wenn man nicht etwas aus der Masse hervorstechen will?

Für seine persönliche Zufriedenheit, Erfüllung ... zum Beispiel.
Aelve hat geschrieben:Es ist im Grunde ganz normal, dass der Mensch dazu strebt, besser zu werden oder besser zu sein als der Durchschnitt. Sonst wäre ja gar kein Ansporn vorhanden, etwas schaffen zu wollen.

Es gibt viele verschiedene Menschen, unzählige Durchschnitte sowie vielfältigen Motive bzw. "Ansporne" anders sein zu wollen. Und "anders" muss nicht "besser" sein.
Der Wald lebt, er kann atmen und sprechen und erzählt die Sage von der Urmutter allen Lebens. (jakutisch)

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 24. März 2009 20:05

Hallo Amarok,

entweder man weiß, dass es so ist oder man weiß es nicht. Ich weiß z.B., dass sich sehr viele Menschen aus der Masse heraus heben wollen. Es müssen ja trotzdem nicht alle so sein, Dir mag es genügen, wenn Du im Wald Dein Glück findest.

Natürlich gibt es vielleicht auch welche, die sich wohl fühlen, wenn sie alle einheitlich sind, alle das Gleiche anziehen, aber die Regel ist es nicht.

Natürlich kann man sich auch für sich selber anstrengen, weil man sich freut, wenn man was geschafft hat, trotzdem wollen die meisten Menschen die Anerkennung durch andere haben. Und niemand sagt, dass anders besser ist, aber vielleicht empfindet sich derjenige dann als besser. Und selbstverständlich gibt es unterschiedliche Gründe, aber die Aufzählungen, die in den vorherigen postings standen, dass mit Haus, Garten, Meerblick und Emblemen geprahlt wird, sieht doch sehr danach aus, dass sich diese Leute vom normalen Volk abheben wollen.

Grüße Aelve
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