Yes we can

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vinbär
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Re: Yes we can

Beitragvon vinbär » 23. März 2009 14:23

bissl Ironie, aber es kommt doch immer wieder vor, dass Abschluesse in S nicht anerkannt werden.

blueII
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Re: Yes we can

Beitragvon blueII » 23. März 2009 14:27

vinbär hat geschrieben:bissl Ironie


:wink: hatte ich auch so verstanden :wink:

nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 14:45

Habe gerade am Wochenende eine geballte Ansammlung von solchen auf einer Party kennen lernen "dürfen".
Da wurde die Telefonisten mal schnell in einem Jahr zur Riskmanagerin ausgebildet und soll jetzt für unzählige öffentliche Gebäude in Göteborg für alle Sicherheitsfragen alleine zuständig sein, eine Krankenschwester wurde zur Pharmareferentin ausgebildet und ein Sachbearbeiter ist jetzt Chef einer wissenschaftlichen Abteilung in einem Chemiekonzern.
Man rühmt sich damit und feiert seine Erfolg und seinen Lohn. Protzt mit Geld und erzählt, dass man ja tolle Ehen führen kann, da man ja abwechselnd dauernd auf Dienstreisen sei und so max. 1 Woche im Monat gemeinsam mit Partner und Kindern verbringt.


... auf solchen Partys wird es mir schon seit Jahren nur noch "übel" bzw. ich spiele halt mit (lächle und sage dauernd "fantastiskt" "underbart" "fint" ) ... noch bevor du gefragt wirst, wie du heißt, wirst du schon damit konfrontiert, was die Leute für tolle "CHEF"-Positionen inne haben und wie erfolgreich sie sind - manche warten noch nicht mal die Antwort auf ihre eigene Frage "Was machst du beruflich?" ab - sondern sie legen gleich selbst damit los - intensivst ...

bla, bla, bla ... und alle sind sie irgendwie in leitenden Positionen tätig - sogar der Mann/die Frau, der bei ICA für das Nachfüllen der Tomaten zuständig ist, ist ein CHEF oder mindestens PROJEKTLEDARE ...

In Schweden - und das meine ich erst - muss man von diesen sagenhafen Erfolgsgeschichten besonders auf Partys immer pauschal 70 % abziehen - nur 30 % ist dann noch Realität - so ist die Projektleiterin im richtigen Leben eben eine bessere Sekretärin und die Gruppe der "gruppchefs" besteht dann gerade mal aus ihm selbst und noch einem Assistenten ...
Jeder der in irgendeiner Weise selbständig ist, nennt sich "Unternehmer" - auch wenn sein Unternehmen eine Ein-Mann-Show ist.

Mir kommt es so vor, als müsste man hier immer andauernd übertreiben - eben auch mit den Jobs und wenn ein Schwede etwas macht oder ins Ausland geht, dann ist das nochmal was viel Tolleres, Einmaligeres.

In der GP kann man das dann immer unter der Rubrik "Namn" oder "Svenskar i världen" nachlesen. :wink:

Ich habe selten so viel Dummheit in teuren Klamotten verpackt gesehen.


... ja, da könnte man/frau in der Münchner Schickeria noch dazu lernen - das dortige Bussi-Bussi-Getue ist im Vergleich richtig harmlos und fast schon nett ...

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 14:54

Hallo Wiebke, hallo S-Nina,

aber das widerspricht sich dann doch mit der viel gerühmten Ansicht, dass Schweden eher tiefstapeln als hochstapeln? Dass sie mehr für Gleichheit sind als für Angeberei?

Ist das hauptsächlich im beruflichen Bereich so oder stapeln sie auch in anderen Bereichen so hoch? Es ähnelt vom Aufzählen her doch ein wenig den Berufen in der damaligen DDR, wo auch jeder einfache Arbeiter studiert hatte.

Grüße Aelve
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Re: Yes we can

Beitragvon HeikeBlekinge » 23. März 2009 15:04

aber das widerspricht sich dann doch mit der viel gerühmten Ansicht, dass Schweden eher tiefstapeln als hochstapeln? Dass sie mehr für Gleichheit sind als für Angeberei?


Naja, irgendwann muessen sie ja mal durchdrehen bei so viel Gleichmacherei ;-)
Mein Gefuehl ist, entweder oder - und beides äusserst ausgeprägt.
Ich denke aber, das dies eher eine juengere Generation betrifft, oder?
So zwischen 25 und 40?

LG
Heike
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nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 15:09

aber das widerspricht sich dann doch mit der viel gerühmten Ansicht, dass Schweden eher tiefstapeln als hochstapeln?


Ich finde: die meisten stapeln eher HOCH als tief!
Sie progagandieren "wir Schweden sind immer lagom und ödmjuk" und in Wirklichkeit geben Sie an, wo immer sie können.

Immer wieder liest man darüber, wie wichtig es ist, seinen STATUS kund zu tun - entweder dadurch, wie man sich kleidet oder wie/wo man wohnt usw. Das hört sich dann so an:
"alla vill tillhöra någon eller något, grupptillhörigheit kallas det" (Jeder möchte zu etwas/jemandem gehören - Gruppenzugehörigkeit nennt sich das) oder "Vi lever i ett tekniskt och komplicerat samhälle där det är viktigt att snabbt kunna klassifiera varandra" (Wir leben in einer technische komplizierten Gesellschaft, wo es wichtig ist, einander schnell klassifizieren zu können) oder "Vad skall jag fylla mina 38 m2 med för att berätta vem jag är och smälta in i den grupp jag vill tillhöra?" (Mit was soll ich meine 38 m2 füllen, um zu erzählen, wer ich bin oder in die Gruppe einzuschmelzen, zu der ich gehören möchte) ...

Das ist eine sehr anstrengende und mühsame Seite Schwedens - diese Gruppenzugehörigkeit und dieses ständige Kundtun, wer/wie/was man ist/sein möchte.

Und auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr hierherziehen würde.

... doch wenn du das jetzt glauben würdest - Aelve - dann wäre ich ECHT SUPERPLATT!! :D

@HeikeBlekinge: würde das so auf die Gruppe der 35 - 50jährigen beziehen - wobei ich meine eigene Altersgruppe am mühsamsten finde (40+). :wink:

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Re: Yes we can

Beitragvon vinbär » 23. März 2009 15:39

Hier hat doch jeder studiert :) und das Hochstapelphänomen erlebe ich in der Altersgruppe 30-50.

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Re: Yes we can

Beitragvon Aelve » 23. März 2009 15:40

Hallo S-Nina,

so leichtgläubig bin ich nun doch nicht, dass ich denke, dass nun alle Schweden eher angeberisch als zurückhaltend mit ihrem Status sind.
Und was ich in einem Forum lese, das glaube ich ohnehin nicht unbedingt, dazu kenne ich die einzelnen Forumsmitglieder zu wenig und da habe ich schon die dollsten Dinger erlebt, was den Wahrheitsgehalt betrifft.

Das mit der Angeberei der Schweden müßte ich selber erst einige Male erlebt haben, um davon überzeugt zu sein. Ich kenne auch eine Frau, die viel von ihrem Sohn in Schweden erzählt, was er beruflich alles bereits erreicht hat. Bisher habe ich das eher als übertriebene Mutterliebe abgetan, weil ich den jungen Mann selber noch nicht von seiner beruflich exellenten Karriere sprechen gehört habe.

Ich überlege nur, woran das liegen könnte, wenn es sich so darstellt, wie Ihr berichtet. Wollen die Schweden damit wirklich angeben oder wird es ihnen überall so vorgelebt, dass es wichtig ist, seinen Beruf und das damit erreichte Niveau hervorzuheben? Kann man in Schweden damit punkten, wenn man
sich in teuren Markenklamotten hinstellt und andere mit seinem Beruf übertrumpfen will?

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 23. März 2009 15:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Yes we can

Beitragvon BettinaZ » 23. März 2009 15:51

Dass hier in Schweden eine arge "Mein Haus, Mein Boot, Mein Auto" Philosophie herrscht, ist mir auch sofort aufgefallen, als ich hergezogen bin. Mein Auto (nix Besonderes, ein kleines Cabrio und schon lange nicht mehr neu, jeder normale VW Golf wäre teurer) war schon Gegenstand zahlreicher Diskussionen und auch die Tatsache, dass alle "Erstbesucher" eine ausführliche Hausbegehung mehr oder weniger aufgezwungen bekommen, kann ich mir nur damit erklären, dass die Schweden sehr gerne zeigen, was sie haben. Ich habe mich immer noch nicht damit abgefunden, dass mehr oder weniger Fremde durch mein Schlafzimmer spazieren, aber mein Mann lässt sich nicht davon abbringen. Privat ist hier in Schweden wenig :lol:

Die Frage nach dem "warum" kann ich leider auch nicht erklären (ich möchte ja nicht in Spekulationen ausarten) aber vermutlich hat es wirklich damit zu tun, dass man aus dem allgemeinen Gleichheits-Zwang ausbrechen möchte?

nysn

Re: Yes we can

Beitragvon nysn » 23. März 2009 16:02

Ich überlege nur, woran das liegen könnte, wenn es sich so darstellt, wie Ihr berichtet.


Ich glaube, das geht darauf zurück, dass Schweden z. B. vor der "Du"-Reform in den 70er-Jahren eigentlich nie eine Gesellschaft war, in der alle "gleich" waren - das war nur ein Ziel, eine Wunschvorstellung des Bildes "Wohlstand für alle" oder "Folkhemmet".

In den 60er- und auch noch 70er-Jahren, als man sich in Schweden noch gesiezt hat, wurden z. B. noch die Lehrer mit "Herr Lehrer", die "Direktoren" mit "Herr Direktor" und in der 3. Person angeredet.

Schweden ist/war zwar ein homogenes Land, was seine Bevölkerung angeht. Doch muss man auch wissen, dass der überwiegende Teil aus dem "freien Bauernstand" stammt - das heißt es gab immer eine relativ kleine Oberschicht, vorzugsweise in Stockholm. Mit zunehmendem Wohlstand hat man sich dann an den Sitten der Oberschicht orientiert und wohl auch deren Tendenz zur "Überheblichkeit" adaptiert, wenn man zum Ausdruck bringen wollte, dass man es in die nächste "Klasse" geschafft hatte.

Ein beliebtes Thema in den schwedischen Medien oder in der Literatur ist auch immer wieder die "överklass" und die "klassresa" - zurzeit ja auch wieder aktuell mit dem Fitness-Trainer aus Ockelbo ...

Hierzu kann ich ein Buch empfehlen: En spricka i kristallen - Cecilia von Krusenstjerna
(Cecilia v. K. ist die Tochter des ehemaligen Volvo-Chefs Per Gyllenhammar)

Da unser "deutsches" positives Schweden-Bild ja meist aus den Wohlstandsjahren (Olof Palme) und dieser Folkhemmet-Periode stammt und man in Deutschland geradezu von phantastischen Nachrichten aus Skandivanien überschüttet wurde, hat sich das festgesetzt.


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