Wolf während einer Elchjagd erschossen

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amarok
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Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon amarok » 21. Oktober 2008 21:47

Die Polizei untersucht im nördlichen Teil von Örebro Län eine grobes Jagdvergehen. Ein Jäger erschoss dort während einer Elchjagd einen Wolf. Der Wolf soll den Hund des Jägers gejagt haben. Der Jäger gab zunächst einen Warnschuss ab, als das nichts half erschoss er den Wolf.
http://www.na.se/artikel.asp?intId=1400346

:smt017
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon blueII » 21. Oktober 2008 22:08

Darf ich in diesem Zusammenhang mal ganz dumm Fragen.

Ich sehe sie zu meinem Entsetzen jetzt sehr häufig, die "Jäger". :evil:

Sie treffen sich, stehen an den Autos rum und es sind immer so unglaublich viele, also es stehen dann dort 6-10 Männer beisammen.
Wie ist es geregelt. Sind das dann alles Jäger...jedenfalls hat fast jeder ein Gewehr geschultert..und wer kontrolliert ob nur der schießt, der etwas davon versteht.
Wie stellt man fest, ob jemand weiß was er tut. Gibt es Prüfungen die evt. auch wiederholt werden?

Gestehe gerne direkt das mir diese Form der "Beschäftigung" sehr suspekt ist und ich bestimmt kein Freund davon bin, obwohl mir der ein odere andere Sinn darin schon einleuchtet.
Aber wie wird eigentlich sichergestellt, dass die Tiere nicht leiden müssen und dass vorallem nur freigegebene Tiere geschossen werden?
Dieses Jahr sollen doch wohl die männlichen Elche geschont werden und Kälber dürfen nur geschossen werden, wenn es Zwillinge sind..wer und vorallem wie wird darüber gewacht.
Solch ein Zwischenfall ist doch auch eine regelrechte Schande und ist doch bestimmt auf so einen dummen Hobbyjäger zurückzuführen, der einen wahrscheinlich schlecht ausgebildeten Hund dabei hatte.

Lg
Heike

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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon amarok » 21. Oktober 2008 23:03

Hej Heike,

hier einige Infos zu Deinen Fragen:

Jäger sind eine sehr heterogene Menschengruppe. Beweggründe zu jagen erfolgen aus den unterschiedlichsten Motivationen.
Die Jagd ist zum Teil notwendig; z.B. Regulierung der Schalenwildbestände, Dezimierung von "Schädlingen" (Waschbär und Marderhund), Bekämpfung von Wildschäden ... .
Die Jagd ist nicht notwendig; z.B. Trophäenjagd, Jagdtourismus ... .
Wer die Jagd auf Beutegreifer wie Bär, Wolf und Luchs betreibt und befürwortet, stellt den Sinn der Jagd selbst in Frage. Ausnahmen gibt es aber auch hierbei.
Wer jagen will, muss eine (amtliche) Jagdprüfung ablegen.
Jagdstrecken/Abschusspläne werden von den zuständigen Behörden auf Antrag bestätigt/festgelegt/kontrolliert. Dazu werden Jagd-Streckenbücher, Wildursprungsscheine und andere Nachweise geführt.
Das ein Tier bei dessen Tötung nicht leidet, muss der Jäger selber sicherstellen, in dem er es weidgerecht erlegt, z.B. durch einen Blattschuss (Herzschuss). Das ist ein sehr "hoher" Anspruch und eine Verpflichtung. Diesem Anspruch kann der Jäger, da er nicht unfehlbar ist aus, nicht in jeder Jagdsituation gerecht werden, dennoch muss er auch dann dafür Sorge tragen, dass dem Tier keine unnötige Qualen entstehen.
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon Mark » 22. Oktober 2008 02:57

amarok hat geschrieben:Die Polizei untersucht im nördlichen Teil von Örebro Län eine grobes Jagdvergehen. Ein Jäger erschoss dort während einer Elchjagd einen Wolf.


War der König in der Nähe?
Sorry das war das erste an was ich denken musst. :)

/M

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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon sinlalu » 22. Oktober 2008 07:53

Mark hat geschrieben:War der König in der Nähe?
/M



:lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2:
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon sinlalu » 22. Oktober 2008 08:06

blueII hat geschrieben:Gestehe gerne direkt das mir diese Form der "Beschäftigung" sehr suspekt ist und ich bestimmt kein Freund davon bin, obwohl mir der ein odere andere Sinn darin schon einleuchtet.
Aber wie wird eigentlich sichergestellt, dass die Tiere nicht leiden müssen und dass vorallem nur freigegebene Tiere geschossen werden?


Hej Heike,

das hab ich mich auch schon hin und wieder gefragt. Wie das in Schweden ist, das weiß ich nicht. In Deutschland muß der verantwortliche Jagdpächter sicherstellen, das z.B. auf einer Treibjagd nur schießt, wer auch einen Jagdschein hat. Ob das dann immer so stimmt - man kann nur hoffen.

Grundsätzlich müssen alle eine Prüfung ablegen um einen Jagdschein zu erhalten. Aber heute macht man halt mal einen Wochenendkurs und schwupps hat man das nötige know how. Am nächsten Wochenende dann die Prüfung uns schon können diese schußgeilen Idioten (sorry :oops: ) auf die Tiere losgelassen werden. Ob die dann immer so genau wissen, auf was sie da ballern? Da kann man schon mal ´nen Wolf mit ´nem Elch verwechseln... Oder wie in Mecklenburg-Vorpommern ein Wildschwein mit ´nem Jagdkollegen... Das ist hier mehr oder weniger an der Tagesordnung. Ich hab den Eindruck, wer hier zur Treibjagd geht geht bewußt das Risiko ein, dabei erschossen zu werden - so oft passiert das hier.

Schade um den Wolf!

Wenn die Jagd aber verantwortungsbewußt und umsichtig betrieben wird, und nicht nur gejagt wird, um "irgendwas" abzuknallen, dann spricht meiner Meinung nach nichts dagegen.

Liebe Grüße Silke
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon Nyckelpiga » 22. Oktober 2008 09:17

@ silke

Sorry aber den Jagdschein bekommt hier in Deutschland nicht an 1-2 Wochenenden...
Man muß über ein halbes Jahr zum Unterricht ( Wochenende) , und eine Prüfung ablegen.

Liebe Grüßen Anja :smt006
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon Sápmi » 22. Oktober 2008 09:43

amarok hat geschrieben:Die Jagd ist zum Teil notwendig; z.B. Regulierung der Schalenwildbestände, Dezimierung von "Schädlingen" (Waschbär und Marderhund), Bekämpfung von Wildschäden ... .


Naja, die Sache mit der Regulierung ist wohl auch Ansichtssache.
Für mich (bin allerdings Laie :wink: ) besteht die einzige Rechtfertigung des Jagens in der Nahrungsbeschaffung. Das ist dann der natürliche Lauf der Dinge. Andere Fleischfresser töten auch andere Tiere, um sie aufzufressen. Wobei der Mensch ja eigentlich nicht unbedingt Fleisch braucht, aber darüber will ich jetzt nicht lästern, da ich selbst auch hin und wieder Fleisch esse (wenn auch nicht täglich, manchmal sogar wochenlang nicht), und zugegeben oftmals solches, das nicht bis zu seinem Tod glücklich im Wald rumgesprungen ist. :wink:
Andere Lebenwesen zu töten, nur um sie loszuwerden, finde ich irgendwie pervers (ich selbst praktiziere diese Untugend eigentlich hauptsächlich bei Spinnen, im kleineren Stil auch bei einigen wenigen Kleininsekten wie Motten oder Fliegen, selten Mücken :wink: )
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon Gottfried » 22. Oktober 2008 10:33

Wir hatten das Vergnügen mehrfach Jagdgesellschaften während der Elchjagd zu beherbergen.
Wenn man das Treiben der munteren Herren so anschaut, ist die Jagd auf den König der Wälder fast nebensächlich.
Man zieht sich morgens in aller Frühe seine munteren Jagdklamotten an, vergisst nicht das knallorange Band am Hut, nimmt seine Flinte und den Flachmann und verschwindet im Wald. Natürlich mit dem Geländewagen......
Dann bekommt man seinen „Ansitz“ und sein Schussfeld angewiesen und wartet auf den kapitalen Elch. Das dauert natürlich......
Also nimmt man erst mal einen Schluck „Feuerwasser“, das beruhigt ja bekanntlich die zitternde Schusshand.
Nach spätestens 3 Stunden geht es zur „fickarast“ an den Lagerplatz und dort wird Kaffe mit Schuss konsumiert. Frisch gestärkt, geht es mit dem Geländewagen wieder in den Wald.
Da Elche zwar ein bisschen blöde sind, aber nicht schwerhörig, zeigt sich die nächsten 3 Stunden wieder keiner von den blöden Biestern. Also das bekannte Ritual, Flachmann, frieren, warten, Flachmann ..... usw. Die Schusshand wird immer ruhiger........
Nun da der Elch sich nicht freiwillig seinem Unglück ergeben will ein schussbereiter Elch ( möglichst innerhalb der Quote) zu sein, kommen die Elchhunde zu Einsatz.
Diese treiben, zum Nachteil der Elche, die Viecher in das „Schussfeld“. Leider ist die Hand es Schützen so ruhig geworden, dass er trotz heftigem Nachladen keinen Treffer landen kann... der Elch zieht von dannen. Ins nächste Schussfeld......
Nun kommt der gefährliche Teil: Alle sind recht frustriert ob ihrer Schussergebnisse und man zieht gen Abendessen. Jedes Rascheln im Gebüsch könnte natürlich der heimtückische Elch sein..... Also wird erst mal geschossen und dann geschaut ob er ein knallorganges Band hat. Wenn ja, Jagdkamerad oder Elchhund Pech gehabt, wenn nein: Was ist es denn?
Im obrigen Fall war es wohl ein Wolf!
Diese armen Tiere werden gerade in Närke gnadenlos verfolgt, weil das Hasselforsrudel ( mit 1 alten Rüden und einer unerfahrenen Alfawölfin und max 1 überlebendem Welpen) drastisch den Bestand an Elchen gefährden!!! Die Jägerschaft behauptet allen Ernstes, dass dieses Rudel 60 – 70 Elche pro Jahr zur Strecke bringen! Und hier kommt wieder der Flachmann ins Spiel........ :shock:


:smt006

Gottfried

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Re: Wolf während einer Elchjagd erschossen

Beitragvon amarok » 22. Oktober 2008 11:05

Sápmi hat geschrieben:Naja, die Sache mit der Regulierung ist wohl auch Ansichtssache.

Ansichtssache ist eben fast alles.

Sápmi hat geschrieben:Für mich (bin allerdings Laie :wink: ) besteht die einzige Rechtfertigung des Jagens in der Nahrungsbeschaffung.

Ein Grund, aber nicht der einzige.
Sápmi hat geschrieben:Das ist dann der natürliche Lauf der Dinge. Andere Fleischfresser töten auch andere Tiere, um sie aufzufressen.

Richtig! Wenn es den natürlichen Lauf der Dinge noch geben würde. Dieser von Dir erwähnte "natürliche Lauf" funktioniert jedoch nur, wenn die Ökosysteme intakt sind. Aber das sind sie fast nirgends mehr. Dass es so ist, dafür trägt allein der Mensch die Verantwortung. So wurden Nahrungsketten zerstört, weil Raubtiere wie Bär, Wolf, Luchs ausgerottet oder dezimiert wurden. Dies hatte und hat erhebliche Auswirkungen auf die anderen Glieder der Kette (Pflanzenfresser, Pflanzen). Aber dieser Zusammenhang sollte ja weitestgehend bekannt sein und ich will hier keine Schlaumeierei draus machen.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: In der Rückkehr und Ausbreitung der großen Raubtiere in Europa liegt eine Chance, um die bestehenden Störungen der Ökosysteme wieder ein bisschen ins rechte Lot zu bringen. Deshalb halte ich es für wichtig, Engagement zu zeigen und auf Probleme etc. aufmerksam zu machen.

Ein slawisches Sprichwort besagt: "Wo der Wolf jagt, da wächst der Wald."

Sápmi hat geschrieben:Andere Lebenwesen zu töten, nur um sie loszuwerden, finde ich irgendwie pervers (ich selbst praktiziere diese Untugend eigentlich hauptsächlich bei Spinnen, im kleineren Stil auch bei einigen wenigen Kleininsekten wie Motten oder Fliegen, selten Mücken :wink: )

Klingt nach Selbstanklage. :wink:
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