Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Übernachten in Schweden. Ferienhäuser, Camping, Stellplätze für WoMo und WoWa. Empfehlung von Hotels, Pensionen und Jugendherbergen.
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Riika
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Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Beitragvon Riika » 29. Oktober 2017 21:07

Hallo liebe Schwedenprofis,

wir (w37, m39 und unsere 3 Kinder mit 5, 3 und 1 Jahren) würden gerne nächstes Jahr Ende Juni/Anfang Juli 3 Wochen lang Südschweden mit einem Wohmobil unsicher machen. Wir dachten entweder an eine Rundreise von/nach Stockholm oder aber eine Tour von Malmö nach Stockholm oder umgedreht.

Nun hört und liest man ja in diesem Zusammenhang sofort vom "Jedermannsrecht", was ja im ersten Moment auch super klingt.
Vorab: dass man die Natur achtet, nichts zerstört und alles wieder verlässt wie vorgefunden halte ich für selbstverständlich!

Nun habe ich auch begriffen, dass man mit einem Wohnmobil nicht überall, sondern nur auf Parkplätzen oder an Straßen für eine Nacht stehen bleiben darf.

Meine Frage wäre nun aber: was bedeutet das? Darf ich auf jedem x-beliebigen Wanderparkplatz (sofern nichts anderes vermerkt) für eine Nacht stehen bleiben? Und wie häufig ist es verboten? Wie voll ist es Ende Juni/Anfang Juli (nicht, dass sich dann auf jedem Parkplatz 10 Wohnmobile drängeln...)?

Hintergrund meiner Frage sind meine Australien-Ostküste-Erfahrungen von vor vielen Jahren, wo uns vorab auch immer gesagt wurde, dass das "überhaupt kein Problem ist, denn da kann man sich problemlos überall hin stellen" und im Endeffekt war alles privat, bebaut oder sonstwie verboten... mit 3 Kindern im Schlepptau möchte ich ungern in eine solche Situation kommen...

Haltet Ihr das Vorhaben "Wildcampen im Wohnmobil" in Südschweden im Juni/Juli für durchführbar oder schlagt Ihr die Hände über dem Kopf zusammen?

Liebe Dank für Eure Hilfe!!!

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Re: Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Beitragvon Infosammler » 29. Oktober 2017 22:08

Hej,
wir waren schon öfter mit dem Womo in Schweden unterwegs. Allerdings mehr im Norden. Dort ist es einfacher mit dem autarken Übernachten. Uns wurde gesagt, nicht in sichtweiten von Häusern. Es ist auch nicht ratsam an irgendwelchen Raststätten zu übernachten, denn dort passieren auch schon Überfälle mit Narkosegasen die ins Womo eingeleitet werden. Es gibt auf vielen CP in Schweden auch einen Quickstop. Man kommt erst nach 21 Uhr an und fährt vor 9 Uhr wieder weg. Die Plätze sind meist vor der Schranke, aber es können alle Sanitären Einrichtungen genutzt werden. Vielleicht für die eine oder andere Nacht auch nicht schlecht. Irgendwie muss man ja auch ent- und versorgen. Viel Spaß in Schweden.

Gruß Claudia

P.S. Wir haben auch mal am Abend kurz vor Feierabend bei einem Geschäft gefragt ob wir über Nacht dort stehen könne. Da kam nie ein nein.
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Re: Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Beitragvon Sumac » 30. Oktober 2017 08:20

Übernachten

Auf unkultiviertem Land erlaubt das Jedermannsrecht jedem das Zelten für ein bis zwei Nächte. In der Nähe von Wohnhäusern muss jedoch immer die Erlaubnis des Grundbesitzers eingeholt werden; dieses gilt ebenfalls für gruppenweises Zelten. In dünn besiedelten Gebieten gestattet das Jedermannsrecht das Zelten an einer Stelle sogar für mehrere Nächte. Es dürfen für die Übernachtung keine zusätzlichen Aufbauten getätigt werden. Auch darf man den Boden nur soweit aufgraben, dass sein Erscheinungsbild nicht wesentlich verändert wird.

Norwegen: Beim Zelten ist zu bewohnten Häusern und Hütten so viel Abstand zu halten, dass deren Bewohner nicht gestört werden, mindestens jedoch 150 Meter.[14]*

*https://de.wikipedia.org/wiki/Jedermannsrecht#Schweden

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Re: Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Beitragvon EuraGerhard » 30. Oktober 2017 09:23

Hallo Riika,

wir sind selbst seit über 15 Jahren begeisterte Wohnmobilfahrer, hauptsächlich in Skandinavien unterwegs. (Und nur äußerst selten auf regulären Campingplätzen zu finden.) Die Lage in Schweden ist so:

Das oft genannte "Jedermannsrecht" gilt nur für nichtmotorisierte Reisende, also Wanderer, Radfahrer und Reiter. Nicht für Wohnmobile oder Caravans! Mit Kraftfahrzeugen darf man auch nicht außerhalb von Straßen oder Parkplätzen fahren oder parken.

Allerdings zählen Wohnmobile in Schweden als PKW, und zwar als PKW der Klasse 2 ("Personbil klass II"), und als solche dürfen sie wie alle anderen PKW dort parken, wo dies durch das Straßenverkehrsrecht zulässig ist. Und was man im geparkten Fahrzeug so anstellt, geht niemanden was an, so lange sich diese Aktivitäten nicht über das Fahrzeug hinaus störend auswirken. Im Gegensatz zu Deutschland gilt allerdings auf öffentlichen Straßen und Parkplätzen, wenn nicht explizit anders ausgeschildert, eine maximale Parkzeit von 24 Stunden, an Wochenenden bzw. Feiertagen bis zum nächsten Werktag. Das ist die sog. 24-Stunden-Regel.

Für den wohnmobilen Alltag bedeutet das:

  • Eine einzelne Übernachtung im Wohnmobil am Straßenrand oder auf einem öffentlichen Parkplatz ist im Normalfall zulässig, wenn die örtliche Beschilderung nichts anderes vorschreibt, man keine Markisen runterrollt, keine Campingmöbel auf dem Parkplatz aufstellt und keine Wäscheleinen aufspannt, o.ä.
  • Natürlich darf man auch keine Abfälle oder Abwässer zurücklassen und auch die Umgebung nicht mit überflüssigem Lärm belästigen.
  • Befindet man sich in unmittelbarer Sichtweite eines bewohnten Hauses oder auch einer Ferienhütte, so sollte man vorher die Bewohner höflich fragen. Wir sind - in Schweden jedenfalls - dabei noch nie abgewiesen worden. Sollte das aber mal passieren, so sollte man dies natürlich respektieren und sich einen anderen Platz suchen.
  • In Naturschutzgebieten kann auch das Jedermannsrecht für nichtmotorisierte Reisende eingeschränkt sein. Mitunter gilt dann auch ein Übernachtungsverbot für Wohnmobile. Hier muss man auf die örtlichen Infotafeln achten. (Nicht selten ist es allerdings so, dass die zum Naturschutzgebiet gehörenden Parkplätze sich knapp außerhalb der Reservatsgrenze befinden. In solchen Fällen gilt dann wieder die o.g. 24-Stunden-Regel.)
  • Vom Übernachten auf Rastplätzen an den Fernstraßen rate ich grundsätzlich ab, auch wenn einige der schwedischen Rastplätze dafür sehr einladend aussehen. Zwar halte ich die Sache mit den "Gasüberfällen" für ein Schauermärchen (und mehrere mir bekannte Anästhesisten haben mich auch darin bestätigt), aber "konventionelle" nächtliche Einbrüche, in der Regel verübt durch reisende Banden aus Osteuropa, kommen leider auch in Schweden immer wieder vor.
  • Unter der dem Deutschen entlehnten Bezeichnung "Ställplats" sind in den letzten Jahren in Schweden zahlreiche offizielle Übernachtungsplätze für Wohnmobile, oft auch für Caravans, eröffnet worden. Manchmal gebührenpflichtig, oft auch kostenlos.
Speziell in Südschweden und hier insbesondere in Küstennähe, noch dazu im Monat Juli, könnte es allerdings eng werden. Da macht ganz Schweden Urlaub und zugleich sind Schulferien in einigen norddeutschen Bundesländern. Da sind dann nicht selten auch zumindest die strandnahen Campingplätze ausgebucht. Schon ein paar Kilometer im Hinterland wird es allerdings deutlich besser.

MfG
Gerhard

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Re: Wohmobiltour Südschweden und Jedermannsrecht

Beitragvon Riika » 4. November 2017 20:51

Dann werden wir wohl besser eine genaue Route inkl. Campingmöglichkeiten planen... erscheint mir mit den Kindern dann doch sicherer!

Ganz lieben Dank für Eure Hilfe!!!


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