"Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsystem

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frasimi74
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"Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsystem

Beitragvon frasimi74 » 28. Januar 2008 12:35

Hallo zusammen,

habe folgenden Artikel zum Thema auswandern gefunden. Mal eine etwas andere Sichtweise.

"Wir sind dann mal fort"
von Wolfram Weimer

Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land.

Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land. An jedem Tag verliert Deutschland ein ganzes Dorf, womit die Zahl der Auswanderer Dimensionen erreicht wie seit 120 Jahren nicht mehr. Man muss kein Pessimist sein, um in der Massenflucht ein Misstrauensvotum gegen die Zukunftsfähigkeit des Landes zu erkennen.
Was die Angelegenheit so heikel macht: Es sind die Besten und Jüngsten, die genug haben und gehen. Im Gegensatz zu den Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts verlassen nicht etwa Analphabeten, Bauern und verzweifelte Arbeiter das Land. Wir erleben keine Elendsflucht, sondern einen Exodus des gebildeten Mittelstands. Das Durchschnittsalter unserer Auswanderer beträgt 32 Jahre, es sind junge Ärzte und Ingenieure, Wissenschaftler und Facharbeiter, Handwerker, Techniker und ehrgeizige Dienstleister. Nach Angaben der OECD verliert derzeit kein anderer Staat so viele Akademiker.
Inzwischen gibt es kaum eine Familie mehr, die nicht betroffen ist, kaum ein Fernsehabend mehr ohne Serien wie „Umzug in ein neues Leben“ (Kabel 1), „Goodbye Deutschland“ (Vox), „Die Auswanderer“ (Pro7) und „Deutschland ade“ (RTL). Nach einer Allensbach-Umfrage würde jeder fünfte Deutsche es den Fernsehvorbildern gerne gleichtun.
Der Migrationsforscher Klaus Bade warnt unmissverständlich: „Wir befinden uns in einer migratorisch suizidalen Situation.“ Während unser Sozialstaat Hunderttausende Unqualifizierter aus den Randzonen Europas anzieht, fühlen sich die jungen Vertreter des Leistungsmittelstands hierzulande immer fremder. Der Handwerksmeister, der in Australien nicht vom Bürokratenstaat bedrängt wird, der Arzt, der in Norwegen nicht zum Medizinbeamten degradiert wird, der Wissenschaftler, der in den USA bessere Forschungsbedingungen hat, die Hotelfachfrau, die in der Schweiz das Doppelte verdient und dabei auch noch weniger Steuern zahlt, der Bauingenieur, der in China sein Können vergoldet bekommt – die Motive wechseln. Aber eines eint sie alle: Anderswo geht es ihnen besser als daheim.
Das ist für die Deutschen, die sich jahrzehntelang als die Wirtschaftswunder-Klassenbesten gefühlt haben, eine schockierende Erfahrung. Auf einmal arbeiten sie als Gastarbeiter in fremden Ländern, und wenn die Wirtschaftselite der Welt sich in Davos trifft, dann sind die Hotelkellner die Deutschen.
Man spürt bei Auslandsreisen, dass die Dinge sich anderswo besser entwickeln als bei uns, dass unser zivilisatorisches Vorsprungsgefühl verloren ist. Man muss nicht gleich von „Ausbluten“ und „Argentinisierung“ schwarzmalen, aber beim Mittelstand verfestigt sich doch der Eindruck, das Land sei langsam geworden und seine Substanz erodiert.
Die Überlegenheitsgewissheit, die jeden Urlaub im Süden zu einem Selbstbestätigungs-Event gemacht hat, ist verschwunden. Avantgarde spürt man nicht mehr daheim, sondern in der Fremde. Doch damit sind die Kategorien der Orientierung für die nächste Generation der Talentierten vertauscht. Die Fremde wird zum Ort der Verheißung.
Wenn die Autobahnen in Andalusien inzwischen besser sind als im Ruhrgebiet, unsere Schulen neben denen in Skandinavien wie Baracken aussehen, wenn ein deutscher Krankenhausarzt nur noch so viel verdient wie ein Pförtner in Dubai, wenn eine Facharbeiterfamilie so hohe Steuern und Sozialabgaben zahlt, dass ihnen weniger übrig bleibt als einem Koch in Zürich, dann gehen sie eben. Immer mehr Menschen merken, dass ihnen Deutschland immer weniger bietet.
Während die Politzirkel Berlins noch selbstgefällig über Zuwanderungsquoten streiten, ist die Abwanderungsquote das eigentliche Problem. Wohlstandswahrung in der Globalisierung heißt vor allem, Intelligenz zu binden. Deutschland gelingt das immer schlechter. Alleine 16000 Ärzte haben das Land verlassen. Ihre teure Ausbildung ist damit zu einer Subvention der Schweiz, Norwegens, Englands, der USA geworden.
Während wir endlos über die Extreme von oben (Topmanager und deren Gier) und unten (Mindestlohn-Empfänger und gewalttätige Migrationsjugendliche) diskutieren, vollzieht sich ein Bruch der Gesellschaft in der Mitte. Man erörtert über Jahre, wie man den Wohlstandskuchen noch ein bisschen gerechter verteilen könnte, doch unterdessen flüchten diejenigen aus der Küche, die den Kuchen backen sollen. Unser Problem sind nicht 100 maßlose Manager oder 100000 türkische Familien in vermeintlicher Armut. Es sind die Millionen der Mittelschicht, die die Gesellschaft tragen, sich aber von ihr zusehends weniger getragen fühlen. Sie zahlen immer höhere Abgaben, erleben Wohlstandsverluste, werden bevormundet, müssen ihre Kinder in schlechte Schulen schicken und werden dem Wettbewerbsdruck der Globalisierung mit viel weniger Schutz ausgesetzt als die ganz unten und ganz oben.
Die Flucht aus der Heimat ist eine Volksabstimmung mit den Füßen geworden, ein Alarmsignal aus der Mitte der Gesellschaft. Die Auswanderer revoltieren nicht und krakeelen nicht, sie haben keine Gewerkschafts- oder Partei-Kampagne hinter sich, sie gehen einfach still und leise fort. Leider."

Ausdruck von http://www.cicero.de/259.php?ress_id= &item= 10532


LG frasimi7
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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Die Vier » 28. Januar 2008 12:53

Dem ist (leider) nichts hinzuzufuegen!

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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Richard » 28. Januar 2008 13:08

frasimi74 hat geschrieben:
Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land.


Und wie viele kommen alle vier Minuten nach Deutschland?

jag undrar bara
Richard

Storstadstjej

Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Storstadstjej » 28. Januar 2008 13:10

Was für eine unglaublich dämliche, kurzsichtige bis blinde Polemik! Warum schenkt der Autor nicht einfach allen Deutschen ein Ticket in das Ausland der Wahl - also dahin, wo das Gras grüner erscheint? Schon die Anzahl der Rückkehrer würde den gesamten Artikel entrüsten und seinen polemischen Grundton offenbaren.
Ich streite nicht ab, dass es in Deutschland unzählige Probleme gibt (davon, dass es sie in der einen oder anderen For auch in anderen Ländern gibt will ich hier nichtmal anfangen), eines davon, ein riesiges ist das Vogel Strauss bzw das Antilopen-Verhalten der Deutschland. Entweder man schimpft laut und vergräbt seinen Kopf im Sand oder... man versucht abzuhauen. Dass dieses Verhalten zu nichts Positivem führt dürfte auch einem Dagiskind klar sein.
Übrigens exisiteren auch hier in Schweden solche reisserischen Artikel, schon erstaunlich, wo es ja offensichtlich tausende Deutsche nach Schweden zieht.

*kopfschüttelnd*[/b]

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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Richard » 28. Januar 2008 13:14

Zur Info ein paar Zahlen:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg ... p&pagenr=1

Mvh
Richard

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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Coopy » 28. Januar 2008 13:42

Unglaublich, wie treffend der Eingangsartikel geschrieben ist.

Storstadstjej

Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Storstadstjej » 28. Januar 2008 15:30

Seht ihr die Polemik wirklich nicht?

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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Gottfried » 28. Januar 2008 15:58

Hej!

Doch! Aber lohnt es sich wirklich auf so ein Geschreibsel zu reagieren?

Ich denke eher nicht........... :patsch: :sagnix: :patsch: :ohnemich:

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Skogstroll
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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Skogstroll » 28. Januar 2008 17:31

Wozu sich aufregen? Das Thema findet sich doch mit Variationen fast täglich wieder. Alle wollen Mobilität und das vereinte Europa und freie Arbeitsplatzwahl, und wenn die Leute das Geschwafele plötzlich ernst nehmen, ist der Jammer gross. Das ist wie mit Nokia: Alle propagieren das freie Europa und den freien Markt, der angeblich alles so prima regelt, und wenn Nokia plötzlich damit ernst macht, sind selbst ach so Freie Demokraten vergnatzt.
Nicht nur, dass man die Geister nicht mehr loswird, man will sie plötzlich auch gar nicht erst gerufen haben.
Meinen die, das merkt keiner?

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Steppenwolf
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Re: "Wir sind dann mal fort"

Beitragvon Steppenwolf » 28. Januar 2008 21:12

Wie gross ist eigentlich der tatsächliche Anteil der Rückkehrer. Gibt es da irgendwo Statistiken zu?


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