"Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsystem

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glada

Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon glada » 1. Februar 2008 16:19

Wenn diese Familie nach einem halben Jahr aufgab, war sie doch noch gar nicht richtig da!? Das als gescheitert zu bezeichnen naja...welche Gründe waren denn die Hauptursache?


"Scheitern" habe ich nur als Zitat gewählt, weil ein anderer Schreiber in diesem Beitrag bereits diesen Begriff angewendet hatte. Deshalb auch der Kommentar in Klammern.
Über deren Gründe weiß ich nicht so sehr viel. Besonders den Kindern ist es schwer gefallen, sich zu verabschieden und jetzt in Deutschland in der Schule Fuß zu fassen, da mit dem Umzug ein Wechsel von der Vorschule in eine Grundschule einherging. Ich bitte aber um Verständnis, dass ich mich dazu aber nicht weiter öffentlich im Forum äußern möchte.

Oliver

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Aelve » 1. Februar 2008 17:45

Hallo,
da hier ja so gerne diskutiert wird, habe ich mal gegoogelt, welche Gründe die Leute zum Auswandern aus Deutschland antreibt:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23918/1.html

Übrigens finde ich es auch nicht schlimm, wenn jemand aus Schweden zurück nach Deutschland geht, weil es ihm doch nicht so gut dort gefällt oder ihn andere Gründe zurück gehen lassen. Auch innerhalb Deutschlands wird ja oft umgezogen, warum soll es innerhalb der EU anders sein? Die Gründe für eine Auswanderung können viele Ursachen haben, genauso wie umgekehrt eine Rückkehr. Auch ich kenne einige Personen, die sich in Schweden doch nicht so wohl gefühlt haben, denen es zu ruhig dort war, zu langweilig oder die sich mehr erhofft haben. Ein Umzug muß ja keine Sackgasse sein.

Warum ich in meinen postings Leute angegriffen haben soll, nur weil ich auf Angriffe reagiert habe, ist mir ein Rätsel. Meine Devise lautet eher leben und leben lassen, aber es gibt in allen Foren Leute, die zwar austeilen können aber nicht einstecken.

Grüße Euch Aelve
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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon s-nina » 4. Februar 2008 12:51

Habe mit Interesse diesen Strang gelesen und es scheint sich wieder einmal zu bestätigen - wer aus welchen Gründen auswandert, es ist immmer individuell. Man kann wohl nicht generell sagen, dass das schwedische Schulsystem besser ist oder Schweden allgemein im Vergleich zu Deutschland.
Leben seit 15 Jahren mit einem schwedischen Mann hier in Schweden in der Nähe von Göteborg und habe auch ein Kind in der Grundschule. Was die Schule anbelangt, so muss ich feststellen, dass das Niveau viel nieriger ist als eine vergleichbare Schule in Süddeutschland. Das ist auch ein Grund, warum wir noch in Schweden sind - eine Rückkehr wäre für uns jetzt aus Rücksicht auf unser Kind nicht möglich, da er im deutschen System auf jeden Fall zurückgestuft werden würde - hier in Schweden zählt er allerdings zu den Klassenbesten.
Was die "Gleichheit" der Gesellschaft anbelangt, das kann ich auch nicht bestätigen. Göteborg und Umgebung ist zum Wohnen/Leben sehr teuer, wenn man in den richtigen "Stadtteilen" leben möchte. Die "richtigen" Stadtteile sind dann wieder wichtig, wenn es darum geht, später ein Gymnasium zu wählen. Es herrschen auch in der schwedischen Schule klare Abgrenzungen - es ist wichtig, wo man zur Schule geht, dass man in der Schule die richtigen Markenkleidung trägt, damit man dazu gehört, den richtigen Hintergrund zu haben usw. Die Schweden unterscheiden sehr wohl - und Migrantenhintergrund ist meistens nicht gerade von Vorteil!

Also - wenn man meint nach Schweden auswandern zu müssen, weil hier alles so nett und freundlich oder lebenswert ist, der hat sich geirrt. Das gilt möglicherweise auf dem Land - in den Großstädten wie Göteborg oder Stockholm ist die Konkurrenz am Arbeitsmarkt auch hart und wer am besten ausgebildet ist - den richtigen Hintergrund hat (am besten Schwedisch), der bekommt den Job. Eine Ausnahme sind wohl die Berufsgruppen, wo es zurzeit einen Mangel gibt, das sind dann vor allem Ärzte und die sind in Deutschland ja auch Akademiker mit guten Arbeitschancen.

Meiner Meinung nach, jammern die Deutschen viel zu viel - dabei ist in Deutschland vieles auch verda... gut und das Gras ist anderswo nun einmal nicht grüner!

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Skogstroll » 4. Februar 2008 13:43

Hej S-nina,

treffender kann man das kaum sagen. Bei uns in Gällivare kommt noch dazu, dass man auf einen Zahnarzttermin 5 Jahre (kein Witz, sondern offizielle Aussage der folktandvård) wartet.
Schweden hat seine Vorzüge. Es ist z.B. ein kinderfreundliches Land, weil die gesellschftliche Akzeptanz von Kindern grösser ist. Die Vorstellungen potentieller Auswanderer sind aber schon manchmal recht realitätsfern. Aber das ist ein Prozess, den ich selbst durchlaufen musste, und ich bleibe heute in Schweden nicht mehr aus den gleichen Gründen, aus denen ich hergezogen bin. Einer davon ist auch bei mir der, dass meine Tochter, die hier die Schule schon ein Jahr später begonnen hat, in D sicher ein weiteres Jahr zurückgestuft würde.

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Skogstroll » 4. Februar 2008 13:48

Aelve hat geschrieben:Hallo,
da hier ja so gerne diskutiert wird, habe ich mal gegoogelt, welche Gründe die Leute zum Auswandern aus Deutschland antreibt:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23918/1.html



Danach kann man aber auch nicht in der EU bleiben. Was bleibt dann noch? Gods own country, George-W-Land? Asien? Afrika?
Oder sollte man gleich den Planeten wechseln?

Daraus kann man eigentlich nur eins lernen: Das irdische Paradis ist noch unentdeckt. Bis dahin müssen wir - wo auch immer - mit der einen oder anderen Unzulänglichkeit leben.

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Imrhien » 4. Februar 2008 13:50

Wenn das nicht mal ein schönes Schlusswort wäre! Und so richtig noch dazu.

Skogstroll hat geschrieben:
Daraus kann man eigentlich nur eins lernen: Das irdische Paradis ist noch unentdeckt. Bis dahin müssen wir - wo auch immer - mit der einen oder anderen Unzulänglichkeit leben.

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon janaquinn » 4. Februar 2008 14:31

Zumal: Wer will schon im Paradies leben? Wenn man der Bibel oder war es die Bild(?) glauben darf, haben es Adam und Eva getan und sich trotzdem nicht wohlgefühlt. (auch wenn sie es später, lt. nicht bestätigter Zeitungsberichte, auf die Schlange geschoben haben :lol: :lol: )
Der Link war interessant, aber es waren auch extrem viele Stammtischparolen dabei, teilweise von Mensche, die wahrscheinlich noch nie über die Stadtgrenze ihres Heimatortes waren oder einfach nur notirische Nörgler sind.

In diesem Sinne
JANA
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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon nysn » 4. Februar 2008 14:40

Hallo Skogstroll!

Danke für deinen Kommentar. Ich denke halt nach einiger Zeit legt sich ja auch eine gewisse anfängliche Euphorie in dem neuen Land und man merkt recht schnell, dass das, was man zurückgelassen hat, durchaus nicht nur negativ war.

Stimme dir auch zu, dass die Akzeptanz von Kindern hier höher ist und ich habe es auch geschätzt, dass ich meinen Sohn problemlos in einen Kindergarten geben konnte, wo er gut versorgt war und er sich wohlgefühlt hat.

Mittlerweile ist er ein Teenager und wir merken nun auch, dass es nicht mehr so einfach ist, wie im jüngeren Kindesalter. Er muss sich jetzt intensiver um Freundschaften kümmern und wenn man nicht gerade Sport als Lieblingsbeschäftigung hat, dann ist das halt etwas schwieriger. Auch kommt nun langsam der "Leistungsdruck" in der Schule auf ihn zu - er hat noch 2 Jahre bis zum Gymnasium und die guten Gymnasien in Göteborg verlangen im Abgangszeugnis der Grundschule in fast allen Fächern MVG oder VG, damit man eine Chance hat, dort aufgenommen zu werden.

Daher kann ich auch nicht unbedingt sagen, das schwedische System wäre besser oder gerechter - der Leistungsdruck kommt einfach etwas später und dann wird hier in den Gymnasien genauso "aussortiert" wir in D.

Musste erst einmal nachschauen, wo Gällivare eigentlicht liegt. Und mit Schreck habe ich gesehen, das ist ja wirklich ganz weit im Norden - ist es bei Euch eigentlich jetzt am Nachmittag auch schon wieder hell?

Ich denke, das wäre auch noch ein Tipp für mögliche Auswanderer, sich erst einmal genau anzusehen, wohin man in Schweden geht. Mein Leben hier in Göteborg unterscheidet sich sicherlich nicht wahnsinnig von dem z. B. in Norddeutschland. Dagegen stelle ich mir Lappland doch etwas schwieriger vor, oder?

Hast du denn auch manchmal Heimweh?

:)

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Skogstroll » 4. Februar 2008 15:15

Hej S-nina,

ja, wir wohnen ein wenig weiter nördlich. So bis gegen vier ist es schon wieder hell bis dämmrig, und die Sonne sehen wir auch schon wieder. Aber es gibt Leute, die von hier nach Skåne gezogen und zurückgekehrt sind, weil sie die Dunkelheit im Süden nicht ertragen haben. Dank der (sehr!) geschlossenen Schneedecke ist es hier selten wirklich stockdunkel.
Klar, Gällivare ist anders als Göteborg. Ganz anders. Es hat Vor- und Nachteile. Bis jetzt konnte ich mich mit beidem arrangieren.
Nein, Heimweh habe ich eigentlich nicht. Nur ab und zu ein bisschen Kultur wäre schon nicht schlecht, danach muss man hier wirklich suchen.

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Re: "Wir sind dann mal fort" +Unterschiede Schulsy

Beitragvon Aelve » 4. Februar 2008 15:16

Hallo,

vielleicht liegt bei einigen Auswanderwilligen oder bereits Ausgewanderten auch der Grund vor, dass man es immer anders haben möchte, als man es hat. Da man ja immer wieder Ziele haben muss, ist es oft so, dass man nun gerade das haben möchte, was man bisher nicht hatte. Das ist eine ganz normale Sache. Hat man dann sein Ziel erreicht, ist es plötzlich gar nicht mehr so erstrebenswert als man glaubte. Wir haben unsere Probleme mit Schule, mit Leistungsdruck (allerdings als die Kinder noch klein waren und sehr sensibel), die Probleme mit der Pupertät der Kinder hinter uns gebracht, so dass wir sicherlich genügend abgehärtet sind, nun auch die skandinavischen Nachteile in Kauf zu nehmen. Nun ist unser erklärtes Ziel, dass wir uns im Ruhestand die Rosinen rauspicken können und mal dort und mal dort sein können. Auch ich sehe es so, dass man nicht alles Gute zusammen hat, aber man kann versuchen, für sich das Erstrebenswerte möglich zu machen und sich sein Leben nach seinen Prioritäten einzurichten.
Und wenn auch in der Liste der Gründe viele sind, die für uns nicht zutreffen, so könnte ich doch jede Menge aufzählen, die für uns gelten würden. Ebenso gibt es eine Liste der Gründe, die Leute haben, um nicht auszuwandern. Wenn jedoch der Leidensdruck so groß ist, dass man es nicht aushält, dann halte ich einen Neubeginn im anderen Land für eine gute Sache.
Grüße Aelve :flagge:
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