Wir brauchen Ideen ....

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MichaD
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Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon MichaD » 15. Juli 2008 13:34

Hallo liebe Schwedenfreunde,

ich habe mich ein wenig durch das Internet gesucht und bin letztlich auf dieses schöne Forum gestoßen. Ich habe eine etwas komplexere Frage/ Anregung/ Ideen - Wirrwarr mitgebracht und werde es euch mal präsentieren.

Meine Freundin (25) und ich (29), wollen gern nach Schweden auswandern. Diesen Plan hegen wir seid wir zusammen sind und nun sind wir an einem Punkt, an dem wir etwas Hilfe gebrauchen. Sie schreibt gerade an ihrer Magisterarbeit und ich bin mit meinem Lehramtsstudium so weit fertig (noch eine Prüfung im Oktober). Zusätzlich habe ich eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Ich habe somit das erste Staatsexamen und versuche mir dafür noch einen Masterabschluss anerkennen zu lassen (wenn möglich). Soweit zu unserer momentanen Situation.

Unsere Sprachkenntnisse sind trotz Schwedisch-Grundkurse noch rudimentär, da wir durch unsere Abschlüsse wenig Zeit zum Üben haben und viel nebenbei arbeiten müssen um uns überhaupt was leisten zu können. Die Englischkenntisse sind bei mir für einfach Kommunikation geeignet, meine Freundin ist etwas besser.

Wir sind nun also soweit, dass wir uns direkt ins Arbeitsleben stürzen wollen, wenn da nicht unser Traum der Auswanderung wäre. Wir stehen nach unserem Studium finanziell sehr schlecht da, haben kaum bis keine Rücklagen, sodass wir überlegen, ob wir uns in Deutschland Arbeit suchen und hier erst einmal eine Basis für unser zukünftiges Leben schaffen.

Momentan sind wir aber noch ungebunden und haben noch keine Kinder und würden mit der Auswanderung vor Augen natürlich auch nicht anfangen zu bauen oder so etwas. Dementsprechend würden wir unser Geld hier in Miete/ Auto (was wir nicht haben, aber wahrscheinlich bräuchten) investieren, welches im Grunde für die Auswanderung fehlen würde. Wir haben keinen großen Hausstand und könnten einen Umzug momentan noch kostengünstig selbst managen. Aus diesem Grunde überlegen wir nun, ob wir den Sprung nach Schweden mit unseren wenigen Mitteln schaffen würden, da wir unser Leben auch dort beginnen könnten und wollen.

Wir würden allerdings nur gehen, wenn einer von uns einen festen Job hätte (im besten Fall natürlich beide). Hierbei sind natürlich unsere mangelnden Sprachkenntnisse ein wahnsinnig großes Hindernis. Wir können es uns leider auch nicht erlauben mal ein paar Monate, um die Sprache perfekt zu lernen, nicht zu arbeiten, weil wir dann im buchstäblichen Sinne verhungern würden. Wir (besonders ich) würden auch erst einmal jegliche Tätigkeiten annehmen, die möglich wären, so dass wir erst die Sprache richtig lernen könnten.

Achso, wir würden gern nach Uppsala oder Umgebung gehen.

Habt ihr irgendwelche Tipps für uns, wie wir den Sprung schaffen könnten? Was wir tun könnten? Ob überhaupt eine Chance besteht, unter diesen Umständen, auszuwandern oder würdet ihr abraten?

Danke für eure Ideen.
Liebe Grüße
Micha

tilmann

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon tilmann » 15. Juli 2008 15:59

Hej!

Von mir kommt erstmal nur ein Sprachtipp: In Stockholm, vielleicht auch in Uppsala, gibt es spezielle Schwedischkurse für ausländische LehrerInnen: http://www.sfp.edu.stockholm.se/

Viel Erfolg!
Tilmann

Let it be

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Let it be » 15. Juli 2008 18:37

Hej,

ich bedaure, das sagen zu müssen, aber nach meiner Kenntnis des Landes (12 Jahre fest in Schweden) muss ich es so ausdrücken:

Leider müsst Ihr vermutlich gleich im Anschluss an Euer langes anspruchsvolles Studium in in Deutschland im schönen Schweden jahrelang Würstchen oder Hamburger verkaufen, Taxi fahren oder putzen gehen. Wenn Ihr Glück habt, dürft Ihr vielleicht als persönlicher Assistent einem behinderten Menschen assistieren, aber nur, wenn sich keine Schwede dazu findet und vermutlich auch nur im Sommer, wo dringend Ferienaushilfen gesucht werden. Im Winter hat man aber auch Hunger....und braucht Wärme, die kostet.....

Wenn Ihr als Lehrer in Schweden arbeiten wollt, geht es nicht ohne Schwedisch.

Wenn Ihr länger als 3 Monate in Schweden bleiben wollt, müsst Ihr Euch in Schweden anmelden und glaubhaft nachweisen, dass und wie Ihr Euch versorgen könnt

z.B. Anstellung - oder Selbständigkeit - oder reich sein

Es ist die Frage, was Ihr wollt. Ganz unten anfangen (s.o) und lange Würstchenverkäufer oder Taxifahrer bleiben und Euch viele Jahre so durchwurschteln und hoffen dass das Geld auch noch für's Benzin reicht (denn ein Auto braucht man hier immer, wenn man nicht grade ungefähr in Stockholm, Göteborg oder Malmö wohnt, aber da kriegt man ja keine Wohnung, erst nach ca. 10 Jahren Warteschlange)

Mein Rat, wenn ich diesen geben darf, lautet: Beginnt lieber nach Möglichkeit einen Eurer Ausbildung angemessenen Job in Deutschland, spart soviel Geld wie Ihr könnt, lernt soviel Schwedisch wie Ihr könnt, kauft Euch ein kleines Ferienhaus in Schweden (lasst es von einer schwedischen Bank finanzieren, dann braucht Ihr nicht amortisieren, nur Zinsen zahlen) und fahrt oft hin, und wenn das finanzielle Polster dann irgendwann dick und tragfähig genug ist und Ihr fliessend Schwedisch sprecht und alle notwendigen Ausbildungs-Anerkennungen vom schwedischen Amt für Hochschulwesen sowie einen adäquaten Job in Schweden in der Tasche habt - dann wandert aus!

Viel Glück!

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Imrhien
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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Imrhien » 15. Juli 2008 19:34

Hej,
viele des unbekannten Vorredners genannten Bedenken sind richtig und sollten bedacht werden. Trotzdem ist es nicht ganz so schlimm wie er/sie (anonym schwer zu sagen) es ausdrückt. Als Lehrer hast Du tatsächlich kaum Chancen. Ausser Du hast gerade das riesen Glück in einer Gegend zu landen in der Lehrer mangelware sind und sie gerade zufällig einen Deutschlehrer suchen. Aber auch dann wirst Du vermutlich nichts festes bekommen und weniger Gehalt bekommen.
Ich weiss nicht in welchem Fach studierst, sollte es Deutsch sein, starte mal eine Anfrage in Stockholm beim Goethe-Institut. Ich kenne einen Lehrer der darüber recht gut in Irland leben konnte. Die bieten auch in Schweden Deutschkurse an. Könnte allerdings sein, dass Du dazu vorher eine Ausbildung (Deutsch für Ausländer...) machen musst, das hängt von denen ab und von Deinem Studium. Der den ich kenne musste es nicht, wie gesagt, Irland.

Was macht Deine Freundin??? Jenachdem was sie macht könnte sie bessere Chancen haben. Es gibt auch gefragte Berufe. Wenn Ihr nicht das Risiko eingehen wollt nach 3 Monaten zurück zu gehen und nichts zu haben, dann sucht doch erst mal eine Stelle in Deutschland, lernt schwedisch und bewerbt Euch nebenbei in Schweden.

Es gibt Menschen die nach Schweden ausgewandert sind, die Sprache noch nicht wie ein Schwede konnten und trotzdem in einem sehr guten, ihrer Ausbildung entsprechenden Beruf arbeiten. Man muss dazu die entsprechende Ausbildung haben die gesucht wird, aktiv bei Bewerbungen sein und ein klein wenig Glück haben.

Entscheiden müsst Ihr selber, denn es kann Euch keiner sagen ob Ihr was findet. Wenn Du aber erst mal alles machen willst, dann hast Du durchaus Chancen wirklich einen einfachen Job zu finden. Natürlich nicht fest und nicht besonder gut bezahlt...
Man kann aber recht schnell die Sprache im SFI lernen, so dass man für viele Berufe qualifiziert ist. Bei mir im SFI hatten erstaunlich viele Jobs. Verkäuferin im Cafe, Schreiner, Maurer, Sekretärin, Lagerarbeiter, Ärzte... alles dabei. Meine Lehrerin meinte mal, dass es viel von der Nationalität abhängt und davon wie motiviert man ist und wie sehr man sich zu schade ist was zu machen. Sie meinte, sie hätte in all ihren Jahren noch nie welche von den Philipinen gesehen, die es nicht irgendwie geschafft hätten. Die Sprache fällt ihnen extrem schwer, sie sind aber immer gut gelaunt, freundlich und hochmotiviert selbständig zu sein. Sie machen jeden Mistjob und wurschteln sich durch. Viele haben es nach ein paar Jahren geschafft.
Geschenkt bekommt man aber auch in Schweden nichts.

Ich wünsche Euch viel Erfolg. Lasst Euch nicht total verunsichern, denkt aber einfach gründlich drüber nach was Ihr machen wollt.

Grüße
Wiebke

blueII
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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon blueII » 15. Juli 2008 21:52

Hej Micha,

deine Schreibeweise - sehr vorsichtig , en wenig unsicher - fordert die Ratschläge alles zu überdenken und zu prüfen geradezu heraus. Wiebke hat das schön detailiert gemacht, die allgemeine Schwarzmalerei von Anonymus kann ich nicht so ganz folgen -hat wahrscheinlich auch einen Grund es Anonym zu schreiben.

Wie auch immer...wenn ich Familie hätte evt Haus und Auto, kann ich o.g. Tipps nur unterstreichen.
Andersum beschreibst Du selbst so schön, ihr seid noch ungebunden, habt werde Haus noch sonstige große Besitztümer - warum also nicht jetzt probieren. Später ist es finaziell vielleicht sicherer aber birgt andere Probleme und wenn es nur die eigene Unflexibilität ist, die bekanntlich im "fortgeschrittenen" :wink: Alter steigt.
Ihr seid noch jung und mit ein wenig Engagement und Abenteuerbereitschaft ist ein Land wie Schweden zu schaffen.
Vielleicht gibt es erstmal Alternativberufe für einen Leher (Kiga oder so) und ob ihr - rein plakativ gesprochen - erstmal in D jobt und Miete zahlt, warum nicht in Schweden eine Job suchen und Miete zahlen?

Ich würde sagen, nur Mut. Leistet Euch mal einen Tripp nach S mit Auto und Schlafsack und tingelt durchs Land um mal zu schnuppern. Dann hört auf Eurer Inneres und entscheidet.

Viel Glück
Heike

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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon linnea » 16. Juli 2008 06:19

Den Tipp von Blue, es erstmal im Kindergarten Vorschule etc. zu versuchen kann ich nur unterstreichen.

Wenn ich mich in eure Situation reinversetze, würde ich, lieber einen unterqualifizierten Job und Miete in schweden machen als die Zeit noch in Deutschland zu verbringen :)

LG Melanie

nysn

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon nysn » 16. Juli 2008 09:01

Wenn ich mich in eure Situation reinversetze, würde ich, lieber einen unterqualifizierten Job und Miete in schweden machen als die Zeit noch in Deutschland zu verbringen


Ich frage mich, warum es in Schweden besser sein soll, einen unterqualifizierten Job zu machen als in Deutschland? Du wirst auch in Schweden - vor allem auch mit gar keinen oder nur wenigen Sprachkenntnissen - am Rande der Gesellschaft leben. Was ist so besonders an Schweden, dass man bereit ist, sich freiwillig an den unteren sozialen Rand zu begeben?

S-nina

blueII
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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon blueII » 16. Juli 2008 09:23

Hej Nina

ich denke nicht dass der UNTERE SOZIALRAND gemeint ist. Niemand fordert auf ein "Trippelbruder" in Schweden zu werden.

Es wäre gelogen zu versprechen dass man als Lehrer in og. Situation eine Anstellung finden würde. Aber es wird sich schon was finden um die Zeit der Sprache lernen und des Neubeginns zu finanzieren und dass nicht als Klofrau. Ein unterqualifizierter Job als ausgebildeter Lehrer wäre ja z.b. Medhjälpare/Kiga-Helfer. Nichts anderes hat Linnea angesprochen.

Die Zwei sind jung und stehen am Anfang, die Ansprüche noch nicht hoch und keine Kinder die umsorgt werden müssen.
Ich finde es nicht verwerflich in ihrer Situation und Alter diesen Schritt jetzt zu wagen..vorausgesetzt sie trauen es sich selbst zu.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich am sozialen Abgrund wiederfinden werden.

LG
Heike
Heike

tilmann

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon tilmann » 16. Juli 2008 09:36

Hej S-Nina!
Unterqualifiziert bedeutet ja noch nicht, dass man einen schlechten Job macht und vor allem nicht für immer.
Die gesellschaftliche Position wird auch nicht nur durch das Einkommen bestimmt, soziales und kulturelles Kapital sind auch wichtig. Natürlich ist genügend Geld zu haben grundlegend, aber wieviel genügend ist, hängt sehr von der individuellen Situation ab. Die Sprache ist auf jeden Fall wichtig, aber Schwedisch kann man mit Deutsch als Muttersprache ganz gut lerne. Ich bin letztes Jahr im November nach Stockholm gezogen, konnte vorher kein Schwedisch und im August beginnt mein letzter Svenska som andraspråk Kurs (SAS B), danach hätte ich die formellen sprachlichen Voraussetzungen für einen Hochschulbesuch erfüllt.
Vielleicht noch ein bisschen mehr Hoffnung: Neulich habe ich einen Inder (Mathematiker) getroffen, der mit normalen Schwedischkenntnissen als Mathelehrer in Stockholm arbeitet, es kommt also sehr, wie andere schon geschrieben haben, auf die Fächerkombination an.

Liebe Grüße aus der schönsten Hauptstadt Skandinaviens nach Göteborg :-)
Tilmann

linnea
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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon linnea » 16. Juli 2008 10:01

Oje also mit unterqualifiziert meinte ich, dass man nicht als Lehrer sondern vielleicht erstmal im Kindergarten (Helfer oder ähnliches) anfangen kann/muss.

Und was es Schweden wert ist, etwas weiter unten Anzufangen als es eventuell (weiß man ob man in Deutschland direkt einen entsprechenden Job bekommt)in Deutschland der Fall ist, es kommt ja immer darauf an warum Mann/Frau auswandern möchte.


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