Wir brauchen Ideen ....

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Let it be

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Let it be » 16. Juli 2008 11:02

Ich male nicht schwarz und ich sehe nichts negativ. Aber realistisch. Schweden hat das grösste akademische ausländische Proletariat der Welt, sprich ausländische Hochqualifizierten jobben sehr häufig als Taxifahrer, Putzfrau usw. Wer regelmässig die schwedischen Zeitungen liest, weiss das.

Micha D schreibt folgendes:

"Wir können es uns leider auch nicht erlauben mal ein paar Monate, um die Sprache perfekt zu lernen, nicht zu arbeiten, weil wir dann im buchstäblichen Sinne verhungern würden. Wir (besonders ich) würden auch erst einmal jegliche Tätigkeiten annehmen, die möglich wären, so dass wir erst die Sprache richtig lernen könnten."

(Ich würde Micha und seiner Freundin halt nicht wünschen, zu verhungern. Vom Sozialamt in Schweden kriegen sie nämlich nichts, wenn ihr Geld alle ist und kein Job da.)

DAS bedeutet: Würstchen verkaufen. Meinetwegen auch Kanelbullar. Oder ähnliches. Die Chance auf einen qualifizierten Job (ohne Sprachkenntnisse) gleich zu Anfang muss doch wohl auch vom allergrössten Schweden-Optimisten als ziemlich unbefindlich eingestuft werden?

Mit gar keinem Geld und viel Hoffnung ohne Job just am Ende einer hochqualifizierten Ausbildung ohne Aussicht auf Job und Geldwerb nach Schweden zu gehen, halte ich für ziemlich leichtsinnig und undurchdacht, Jugend hin oder her. Aber natürlich: notfalls kann man ja jagen gehen oder fischen, auch Pilz- und Beerensaison ist ja bald....

Im übrigen ist grade in Uppsala die akademische Konkurrenz riesig, und die besteht anzunehmenderweise vor allem aus Schweden, die ihre Muttersprache perfekt beherrschen.

Hoffnung verleiht zwar Flügel, aber Bodenhaftung ist auch ganz gut und vertreibt den Hunger....

MichaD
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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon MichaD » 16. Juli 2008 18:53

Hallo liebe Leute,

vielen Dank für eure Beiträge. Wie ihr selber an Hand der Diskussion gemerkt habt, ist es eine schwierige Sache, sich einfach so in dieses Abenteuer zu stürzen und eben genau die Punkte, die von euch angesprochen wurden, sind relevant.

Könnt ihr uns vielleicht paar Tipps geben, wie wir die Auswanderung am besten anfangen können. Wir haben uns bereits umfangreich im Internet informiert und wollen in der nächsten Woche zur zentralen Auslands- und Fachvermittlung, hier in Deutschland und erstmal dort unsere Unterlagen abgeben, aber gerade die mangelnden Sprachkenntnisse werden uns hier natürlich im Weg sein.

Wie gehen wir denn am günstigsten vor, um in Schweden Tätigkeiten zu finden, die man trotz fehlender Sprachkenntnisse machen könnte? Die werden ja kaum im Internet veröffentlicht oder ausgeschrieben. Vielleicht gibt es ja auch deutsche Firmen, die dort Niederlassungen haben und deutsche Mitarbeiter suchen. Für uns ist es nur schwer von hier aus etwas zu finden.

Es ist schon so, dass wir es vorziehen würden, in Schweden zu starten, da wir davon ausgehen, dass wir egal wie viel Schwedisch wir hier haben, nie so gut vorbereitet sein würden, um dort einen Job zu bekommen, der unserer Qualifikation entspricht.

Meine Freundin wird dann übrigens einen Magisterabschluss in Pädagogik mit den Nebenfächern Psychologie und BWL haben. Nicht zu vergessen ist auch meine kaufmännische Berufsausbildung.

Lieben Gruß
MichaD

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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Imrhien » 16. Juli 2008 19:57

Da es Euch anscheinend eh lieber ist so vorzugehen, würde ich folgendes vorschlagen. Schafft Euch ein Polster (finanziell) um damit für ein paar Monate leben zu können. Sucht Euch übers INternet günstige Ferienwohnungen, die halbwegs winterfest sind... denn es wird bald kalt werden :)
Kommt her und bewerbt Euch vor Ort. Man kann hier in Bibliotheken ins Internet, ich weiss nicht wie das ohne PN ist, aber es müsste machbar sein. Vielleicht auch Internetcafe. Da könnt Ihr Infos nach Firmen in der Umgebung suchen. Natürlich müsste das alles halbwegs gut vorbereitet sein....
Dann besucht die Firmen gleich selbst. Fahrt zweigleisig. Sucht einfache Aushilfsstellen. Um bei McDonald in der Küche zu arbeiten muss man kein perfektes Schwedisch können, oder wieso gibt es da so viele die kein schwedisch können?
Ich kenne welche die in Cafes arbeiten, in der Küche, und nur hinreichend die Sprache können. Sie haben den SFI mehr oder minder knapp bestanden. Auf die Menschheit (Verkauf) würde man sie nicht loslassen aber um auszuhelfen reichts.
Es gibt auch Fabriken in denen Ihr Eurer Glück suchen könnt. Weiter würde ich versuchen in den angestrebten Berufen zu schauen. Das ist in Eurem Fall wirklich sehr schwer. Für Schweden "nichts gescheites" dabei. Ich meine, nichts wo man so gefragt ist, dass man (wie mein Mann) ohne die Sprache auch als Akademiker einen guten Job bekommt (gibts nämlich auch tatsächlich). Es ist bei Euch aber wirklich nicht soooo leicht. Ich vermute, dass Ihr nur Aushilfsjobs bekommt und nichts als Festanstellung. Die gibt es nämlich in solchen Jobs auch oft nicht so...
Aber nichts ist unmöglich. Trotzdem müsst IHr die Möglichkeit (wahrscheinlichkeit) einkalkulieren, dass Ihr nach 3 Monaten das Land verlassen müsst. Spätestens dann sollte eine Ausweichmöglichkeit Deutschland vorhanden sein...
Ich will Euch nicht den Mut nehmen, aber es wird eben nicht leicht werden.
Sollte es irgendwie machbar sein, informiert Euhc und schaut es Euhc vor Ort an. Ansonsten, plant eine Weile in Deutschland, lernt die Sprache und noch wichtiger, lasst Eure Zeugnisse schon mal anerkennen und schaut was Ihr braucht um in Schweden eine Stelle zu bekommen.
Wie gesagt, Du könntest als Lehrer versuchen diese Ausblidung Deutsch für Ausländer zu machen und dann darüber eine Stelle zu finden. Das macht Dich nicht reich, reicht nicht mal zum Leben, ist aber ein Anfang und hilft weiter zu suchen...

Grüße
Wiebke

Zschirli

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Zschirli » 16. Juli 2008 20:00

Hallo Micha,

ich wuerde mich dem grossen Teil meiner Vorschreiber anschliessen:

zu verlieren habt ihr nichts! Also warum nicht ein Leben in Schweden versuchen?
Dass das einen Job vorraussetzt habt ihr ja selber richtig erkannt, muss also nicht betont werden.

Zu Uppsala kann ich nicht so viel sagen - ist ziemlich weit weg von uns.
Jedoch habe ich ueber den Norden Schwedens folgendes gehört:

Es werden immer wieder Mitarbeiter mit pädagogischer Ausbildung gesucht, die Kinder und Jugendliche betreuen, die nach Schweden einwandern. Mit Eltern oder ohne. Dass es in solchen Auffangstätten die verschiedensten Problemsituationen gibt, ist sicher klar. Auch aus diesem Grund werden Leute gesucht, die vorzugsweise Englisch und/oder Deutsch sprechen und sich mit den anderen Mitarbeitern auf Schwedisch verständigen können. Wie ausgeprägt die Schwedischkenntnisse sein muessen, hängt wohl vom jeweiligen Notstand und dem jeweiligen Leiter der Einrichtung ab. Aber vielleicht ist das ja was fuer euch???
Seht einmal bei http://www.ams.se (Platsbanken) nach - ob es das fuer Uppsala gibt, weiss ich nicht. Gelesen hab ich es fuer Storuman, Sorsele und Norsjö...

Wuensche euch viel Glueck!!!

Let it be

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Let it be » 16. Juli 2008 20:07

Ihr könnt Euch bei der schwedischen Handelskammer in Düsseldorf das aktuelle Jahrbuch bestellen. Da sind alle deutschen Firmen in Schweden drin und alle schwedischen Firmen in Deutschland. (Aber natürlich nur die, die in der schwedischen Handelskammer Mitglied sind. Dennoch sind es etliche)

Link:
http://www.schwedenkammer.de/front_content.php?

Das Jahrbuch kostet 25 Euro.

Tip: Vielleicht könntet Ihr (im Sommer) in Vimmerby im Themenpark Astrid Lindgrens Welt arbeiten, da brauchen sie immer deutschsprachige Mitarbeiter für die Cafés oder zum Biljettverkauf oder im Restaurant.

Link:
http://www.alv.se/index-ger.asp

Ansonsten stelle ich mir hier in Schweden so ziemlich jeden Beruf ohne schwedische Sprachkenntnisse schwierig vor. Kunden, Kollegen, Chefs - die kann man ja nicht nur anschweigen oder mit Händen und Füssen bedienen. Oder sehe ich hier was gänzlich falsch?


Weiterhin könnt Ihr bei der schwedischen Arbeitsvermittlung suchen (deren Homepage leider komplizierter geworden ist, und zwar nach: Jobb utan krav på yrkesutbildning (Jobs ohne Ausbildung)

Link:
http://www.ams.se

Generell gilt (leider?) : In Schweden ist die Berufserfahrung wichtiger als ein akademischer Titel. Titel beeindrucken hier, im Gegensatz zu Deutschland, niemanden.

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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Drottning » 16. Juli 2008 20:11

@ "Let it be": Warum nur schreibst du anonym?! :roll:
Hälsningar
Dorothea

tilmann

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon tilmann » 16. Juli 2008 20:22

Hej!

Ich vermute auch, dass man im Land die Sprache besser lernt, aber irgendwie muss man das ja auch finanzieren. Ihr könntet vielleicht auch erstmal in D weiter Schwedisch lernen, Berufserfahrung sammeln und Sprachurlaube in Schweden machen.


Hattet Ihr eigentlich schon geschrieben, warum Ihr nach Schweden (Uppsala) wollt?
Welche Fächer hattest Du studiert?

Ich finde auch, dass die Webseiten des schwedischen Arbeitsamtes sich nach dem Update verschlechtert haben. Suchen könntet Ihr dort auch nach tysk, tyska, tyskland, tyskspråkig usw.

Tilmann

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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Rüdiger » 16. Juli 2008 20:50

Hej Micha!

Ich selbst kann keinerlei Erfahrungen beisteuern, da ich Schweden (leider) nur als Tourist bereise. Aber ich lese schon ziemlich lange in diesem und anderen Schwedenforen, kenne auch einige Deutsche, die in Schweden leben, und habe von deren Problemen erzählt bekommen.

Du hast aufgrund der vielen Postings zu Deinem Thema gemerkt, daß es sowohl unterschiedliche Betrachtungsweisen als auch unterschiedliche Erfahrungen gibt. Mal bekommt ein Schlecht-Schwedisch-Sprechender einen seiner Ausbildung entsprechenden Job, mal gar Sprachfeste keinen.

Ich denke, daß es für Euch mindestens drei Kriterien geben sollte:

1. Werden Eure Ausbildungen bzw. Abschlüsse in Schweden anerkannt?
2. Werden Menschen mit Eurer (anerkannten) Qualifikation in Schweden gesucht?
3. Sprecht Ihr Schwedisch?

Dabei, so habe ich den Eindruck, spielt eine große Rolle, ob in Eurem jeweiligen Fach das Beherrschen der Sprache Voraussetzung ist. Warum sollte beispielsweise eine deutsche Firma in Schweden Mitarbeiter suchen, die zwar Deutsch, aber kein Schwedisch sprechen?

Das Zweite, was es m.E. zu bedenken gilt: Solltet Ihr tatsächlich in Eurem Lebenslauf gezwungen sein, "Würstchen" oder anderes zu verkaufen, so wird in Euren CVs ebendieses zu lesen sein, wenn es darum geht, einen solchen bei potentiellen Arbeitgebern vorzulegen. Ich wage zu bezweifeln, daß dies karrierefördernd ist.

Zum Dritten: Abgesehen von der Frage einer (staatlichen) Anerkennung Eurer in D erworbenen Ausbildungen scheinen mir in Schweden berufliche Erfahrungen eine große Rolle zu spielen. Die könnt Ihr aber wohl noch nicht vorweisen, da Ihr in Euren Berufen noch nicht gearbeitet habt und noch keine Berufspraxis habt sammeln können.

Ach, oder habe ich es überlesen (?): In welchen Fächern hast Du auf Lehramt studiert?

Ich wünsche Euch in jeden Fall den richtigen Weg, und es grüßt
Rüdiger

Let it be

Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon Let it be » 16. Juli 2008 21:00

Hej Drottning,

weil ich diesen ewigen Passwörter-Kram leid bin, ich vergesse die nämlich immer. Man muss sich ja schon geradzu ein Passwörter-Lexikon für seine verschiedenen Interessen anlegen heutzutage (welches war das noch, welches gehört wohin usw). För tråkigt! That's why.

Wer was besseres erfindet, hat meinen Segen!

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Re: Wir brauchen Ideen ....

Beitragvon july » 16. Juli 2008 22:01

Hi!

Ich werde ab April nach Stockholm gehen, und habe mich vorher bei BTC in Rostock beworben. Das ist eine staatlich unterstützte Organisation, die Leute aus Deutschland nach Schweden rekrutiert. Ihr müsst euch mal erkundigen, ob sowas bei euch beruflich in Frage kommt, da der Ablauf für Auswanderer perfekt organisiert ist.
Zuerst absolviert man in Rostock einen 12wöchigen schwedisch Kurs mit Abschluß (5 Tage die Woche, 8 Sunden tgl.), in den 3 Monaten bekommst du ein Stipendiumgehalt von 1500 Euro und bist schon bei deinem schwedischen Arbeitgeber versichet. Bei gutem Abshluß wirst du dann deinen Job dort beginnen. Zusätzlich bekommst du Geld für den Umzug und sie helfen dir bei den Behörden Gängen, ach ja, und um die Wohnung kümmern sie sich.
Ich bin Krankenschwester, inwiefern sie das noch in anderen Berufsgruppen machen müsst ihr euch mal erkundigen. Vielleicht erreichst du was erstmal über deine kaufmännische Ausbildung!
btcweb.de
gruß
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