Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

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svenska-nyheter
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Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon svenska-nyheter » 22. September 2014 10:42

Das Wildschwein breitet sich immer mehr aus in Schweden. Jäger erlegen mit jedem Jahr mehr Tiere und das Landwirtschaftsministerium hat es mit einer großangelegten Lebensmittelkampagne zur Chefsache erklärt, den Wildschweinbraten zum festen Bestandteil der schwedischen Küche zu machen. Gleichzeitig spuken noch immer die Spätfolgen der Tschernobyl-Katastrophe von 1986, viele Tiere sind radioaktiv verseucht.

(Die Tickermeldung musste auf Wunsch von sr.se stark gekürzt werden. Wir bitten um Verständnis.)

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(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

Petergillarsverige
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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon Petergillarsverige » 22. September 2014 15:44

Zu der Radioaktivität:
Interessant ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Mineralwasser. z.B. in Meran:
http://www.thermemeran.it/nav_alt.php?id_a=343

Hier sind es 481 Bq/l, man badet drin.
Früher schrieb man auf die Flaschen, dass es über 1200 Bq/l sind, die man da trinkt.

Interessant ist: Es gibt dort eher weniger Krebskranke.

1500 Bq/kg in schwedischen Wildschweinen dürften kein Problem sein, es sei denn man ernährt sich fast ausschließlich davon.
Grenzwerte von unter 100 sind reichlich versponnen. Dann dürfen wir vieles andere auch nicht mehr essen.
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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon vibackup » 22. September 2014 18:20

Petergillarsverige hat geschrieben:Zu der Radioaktivität:
Interessant ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Mineralwasser. z.B. in Meran:
http://www.thermemeran.it/nav_alt.php?id_a=343

Hier sind es 481 Bq/l, man badet drin.
Früher schrieb man auf die Flaschen, dass es über 1200 Bq/l sind, die man da trinkt.

Interessant ist: Es gibt dort eher weniger Krebskranke.

Das ist interessant: woher hast du die Zahlen die diese niedrigere Prävalenz (davon nehme ich an redest du?) belegen?
Schaut man in die Literatur, so sieht man für Italien in der Regel höhere Prävalenzraten für Krebs als in anderen Ländern [1]?

Petergillarsverige hat geschrieben:1500 Bq/kg in schwedischen Wildschweinen dürften kein Problem sein, es sei denn man ernährt sich fast ausschließlich davon.
Grenzwerte von unter 100 sind reichlich versponnen. Dann dürfen wir vieles andere auch nicht mehr essen.

Dann hat das Livsemedelsverket etwas verpasst?
I Livsmedelsverkets dricksvattenföreskrifter finns gränsvärden för radon i vatten. Vatten som innehåller mer än 100 Bq/l klassas som tjänligt med anmärkning medan vatten med mer än 1 000 Bq/l bedöms som otjänligt för användning som livsmedel.
Quelle: Radon i vatten - Strålsäkerhetsmyndigheten

//M

1 E. Crocetti, R. De Angelis, C. Buzzoni, A. Mariotto, H. Storm, M. Colonna, R. Zanetti, D. Serraino, M. Michiara, C. Cirilli, A. Iannelli, G. Mazzoleni, O. Sechi, M. E. Sanoja Gonzalez, S. Guzzinati, R. Capocaccia, L. Dal Maso, and AIRTUM Working group,
“Cancer prevalence in United States, Nordic Countries, Italy, Australia, and France: an analysis of geographic variability,”
Br. J. Cancer, vol. 109, no. 1, pp. 219–228, Jul. 2013.

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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon Rwitha » 22. September 2014 19:32

Über die Grenzwerte lässt sich ganz sicher streiten.
Ich wunder mich nur über die Meldung, die vor knapp vier Wochen kam.

Tschernobyl-Nachwirkungen
Strahlungsmessung eingestellt

Fast 30 Jahre nach dem Super-GAU in Tschernobyl haben die Behörden im nordschwedischen Sundsvall die Kontrollen auf radioaktiven Gehalt in der Natur eingestellt.

Die gemessenen Cäsium-Werte in Pilzen, Beeren, Fischen und Wild seien wieder normal, wurde mitgeteilt. Nach dem Atomunglück 1986 waren weite Teile Mittel- und Nordschwedens durch radioaktiven Niederschlag schwer belastet. In der Folge mussten regelmäßige Messungen durchgeführt werden und es wurde vom Verzehr der belasteten Nahrungsmittel abgeraten.

Quelle: Sverige Radio


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Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon EuraGerhard » 23. September 2014 10:06

Petergillarsverige hat geschrieben:Interessant ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Mineralwasser. z.B. in Meran ...

Dazu würde ich ja gerne mal klinische Studien sehen, die über das Niveau einer reinen Behauptung hinausgehen. Gilt natürlich nicht nur für Meran, sondern auch für alle anderen Radon-"Heilbäder".

Petergillarsverige hat geschrieben:Hier sind es 481 Bq/l, man badet drin.
Früher schrieb man auf die Flaschen, dass es über 1200 Bq/l sind, die man da trinkt.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. :wink: Man mag zur angeblich gesundheitsfördernden Wirkung von Radon stehen wie man will, mit Cäsium-137 darf man es nicht vergleichen. Cs-137 kommt im Gegensatz zu Radon in der Natur eigentlich nicht vor, die gesamte Cs-137-Belastung in der Natur stammt ausschließlich aus Kernreaktoren und Kernwaffentests.

Petergillarsverige hat geschrieben:1500 Bq/kg in schwedischen Wildschweinen dürften kein Problem sein, es sei denn man ernährt sich fast ausschließlich davon.
Grenzwerte von unter 100 sind reichlich versponnen. Dann dürfen wir vieles andere auch nicht mehr essen.

Und im Unterschied zu Radon wird Cs-137 aufgrund seiner großen chemischen Ähnlichkeit zu Kalium in den Organismus eingebaut. Es ist daher durchaus vernünftig, speziell für Cs-137 sehr niedrige Grenzwerte zu fordern. Ob das heutzutage angesichts der weit verbreiteten Cs-Belastung noch realistisch ist, ist allerdings eine andere Frage.

MfG
Gerhard

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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon Petergillarsverige » 23. September 2014 17:12

Ja und Kalium 40 ist radioaktiv und im Körper eingebaut. Davon haben wir immer etwas. Ca 50 Bq pro kg Körpergewicht bedeutet bei mir eine ständige Quelle von 5000 Bq, d.h. 5000 Zerfälle pro Sekunde. Das ist völlig natürlich und nicht zu ändern.
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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon EuraGerhard » 24. September 2014 08:13

Hallo nochmal,

meine Strahlenschutzausbildung liegt zwar schon etliche Jährchen zurück, aber das ALARA-Prinzip hat meines Wissens nach auch heute noch Gültigkeit. ALARA steht für "As Low As Reasonably Achievable", also übersetzt etwa "so niedrig wie vernünftigerweise machbar". Die Strahlenbelastung durch Kalium-40 ist natürlich völlig unvermeidlich, aber die zusätzliche, alleine durch menschliche Aktivität hervorgerufene Belastung durch Cäsium-137 sollte man dennoch auf das mögliche Mindestmaß beschränken.

Dass für die Cs-137-Belastung von Wild in Schweden ein vergleichsweise hoher Grenzwert gilt, vor allem aber, dass die Einhaltung dieses Grenzwerts noch nicht einmal systematisch kontrolliert wird, ist daher reine Vogel-Strauß-Politik.

MfG
Gerhard

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Re: Wildschweine in radioaktiv belasteten Gebieten

Beitragvon Petergillarsverige » 24. September 2014 09:08

-->so niedrig wie vernünftigerweise machbar"

Genau, das ist richtig. Es ist unvernünftig Grenzwerte beliebig tief anzusetzen. Ich möchte auch in Zukunft noch Backpulver, Pottasche etc. zum Backen verwenden. Letztere bringt es auf 17.000 Bq/kg. Ich verwende aber nur 8 g für ein Lebkuchenhaus.
Es ist unvernünftig Grenzwerte so anzusetzen, dass die zu erwartende Belastung durch z.B. Wildschweinfleisch in der natürlichen regionalen Schwankung untergeht. Deshalb sind 1000 Bq durchaus im Sinne von ALARA
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