Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

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janaquinn
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon janaquinn » 29. August 2011 16:07

wir haben ca. 3 Jahre gebraucht bis wir sagen konnten, wir haben uns eingelebt. Die Sprache war gerade bei mir das Hauptproblem, mittlerweile spreche ich gut schwedisch, nicht fehlerfrei, aber ich spreche flüssig und verstehe 99%. Meine Kinder gehen hier zur Schule, gestern hatten wir 6 Kinder im Haus, davon waren 4 nicht unsere und die hatten riesig Spass. Die Nachbarschaft hat keine Probleme mit uns oder unserer Nationalität, eigentlich ist es ihnen egal, dass wir Deutsche bzw. Amerikaner sind. Eigentlich trat man uns hier von Anfang an ohne jegliche Fremdenfeindlichkeit oder ähnlichen entgegen, also hier in Järna, wir quatschen mit den Nachbarn über den Gartenzaun, unsere Tochter wird zu Kindergeburtstagen eingeladen und ab und an taucht auch mal ein weitläufigerer Nachbar auf und es wird gequatscht...nein, wir haben keine Probleme hier und fühlen uns wohl. Die Anfangsprobleme traten nur auf, weil die Sprache nicht sass und keine Verständigung möglich war.

Grüsse JANA
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Maibier

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Maibier » 29. August 2011 17:21

Denkt ihr dass ihr auf der Strasse als Nicht-Schweden überhaupt erkannt werdet?
Ich vermute dass die eigenen Erfahrungen sehr davon abhängen werden.

go:borg

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon go:borg » 29. August 2011 19:25

Hej,
Schweden ist vielerorts tiefste Provinz und die Mentalität ist zumeist bieder, kleinbürgerlich und provinziell. Leider auch in den Städten. Es gibt ja nur eine einzige Grossstadt, der Rest sind Kleinstädte (inkl. und besonders Göteborg!). Vergleichbar ist das, als wenn man in ein kleines Dorf nach z. B. Bayern zieht. Dort dauert es auch Jahre bis man akzeptiert wird oder bis man gar Freunde findet.
In unserer heutigen globalisierten Gesellschaft ist das natürlich kein Vorteil. Leider wird es aber noch Jahre dauern, bis auch die Schweden einsehen werden, dass das Fremde auch normal sein kann und es durchaus Vorteile haben kann, einen internationalen Umgang zu pflegen. Schweden ist ganz und gar nicht so modern, wie es sich nach außen gerne vermarktet. Daher wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die Fremdenfeindlichkeit abnimmt. Von politsch korrekt bis wirklich weltoffen ist leider ein langer und langsam fortschreitender Prozess.

unbekannt

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon unbekannt » 29. August 2011 20:19

Hallo Herbert,

dein Tonfall ist aber völlig untypisch für Schweden und führt regelmäßig zur Ausgrenzung, denn die Schweden vermeiden die Konfrontation und ziehen sich zurück. Auf dem Land, wo ich wohne, ist ja genug Platz dafür.

Ich habe nie behauptet, die Schweden hätten keinen Humor. Der ist nur anders, und ist mir sehr angenehm. Dass es es in Schweden schon im Mittelalter Städte gab, weiß doch jeder. Und dass vor 200 Jahren etwa 90% der Bevölkerung Bauern waren, ist Schülerwissen. Also stammt fast jeder von Bauern ab. Ich übrigens auch. Mit solchen Wiederholungen wollte ich hier niemanden langweilen.

Ich bin mit einem pensionierten Lehrer für Schwedisch, Geschichte und Ahnenforschung sehr eng befreundet. Und das ist genau auch seine Einschätzung, die ich in meinem letzten Beitrag wiedergegeben habe. Außerdem habe ich schon vor 30 Jahren als Student auf einem schwedischen Bauernhof gearbeitet. Der Sohn des Bauern, mit dem ich seitdem befreundet bin, hat mich dann vor ein paar Jahren auf seiner zweiten Hochzeit eingeladen. Das schwedische Landleben mit seinen ölverschmierten Fingern vom Reparieren der Traktoren und die Verzweiflung bei einer verregneten Getreideernte habe ich nicht aus Büchern, sondern hautnah miterlebt.

Ich bin nicht so anmaßend zu behaupten der allwissende Schweden-Guru zu sein. Ich habe keine Ahnung von Göteborg, Malmö oder Stockholm - nur das, was in der Zeitung steht, aber meine Ecke in Schweden kenne ich. Und deshalb fühle ich mich hier wohl und geborgen in meiner schwedischern Nachbarschaft, die auf unsere Katzen aufpassen, wenn wir mal verreist sind.

Wie Jana schon schrieb, sollte man in Schweden ein paar Jahre Geduld mitbringen. Die Schweden brauchen Zeit, um aufzutauen. Ich bin übrigens auch nicht jemand, der schnell Freundschaft schließt. Ich brauche auch Zeit. Und Schwedisch lernt man nicht über Nacht. Die Schweden haben dafür Verständnis. Auch nach vielen Jahren lernt man immer noch was dazu. Man muss nicht akzentfrei und fehlerfrei Schwedisch können, nur fließend sollte es mit der Zeit werden, um integriert zu werden. Und wenn das Herz auf dem richtigen Fleck sitzt, geht das um so leichter.

Vor allen Dingen sollte man sich die schwedische Bescheidenheit anlegen und diese deutsche Besserwisserei und Aufschneiderei ablegen. Das mögen Schweden überhaupt nicht. Es gibt Kurse für international tätige schwedische Projektleiter, wie man mit Franzosen, Deutschen und so weiter umgeht. Da lernen sie, dass man den Franzosen ab und zu ins Wort fallen soll, um sein Interesse zu zeigen. Da lernen sie auch, dass man mit Deutschen knallhart verhandeln muss und sich anmaßendes Verhalten nicht gefallen lassen darf. Ich hoffe ich habe mich deutlich ausgedrückt.
Zuletzt geändert von unbekannt am 29. August 2011 20:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon maxfritzi » 29. August 2011 20:48

Volker hat geschrieben:Vor allen Dingen sollte man sich die schwedische Bescheidenheit anlegen und diese deutsche Besserwisserei und Aufschneiderei ablegen.

Ein Satz, den ich nicht dick genug unterstreichen kann!!! :smt023
Max :smt006
PS. Deine Beiträge, Volker, lese ich nach wie vor und immer wieder mit dem größten Vergnügen! :danke:
Gut leben statt viel haben! (Felix Ekardt)

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Schwedendea » 29. August 2011 20:56

Mioletta hat geschrieben:Oh je!!
Hätte ich die Frage mal gestellt, bevor ich nach Schweden auswandere. Aber Mio hat mal wieder zu voreilig gehandelt "wird schon gut gehen" dachte ich mir "hatte ja niemals Probleme andere Menschen kennen zu lernen"
Also ganz ehrlich, hätte ich das alles vorher gewusst... :cry:

Habe mich durch viele Beiträge dazu entschieden mit SAS weiter zu machen, in der Hoffnung ausländische Bekanntschaften zu machen...

Schade, dass mein Sambo kein Deutsch spricht, ich würde ihm so gerne die Beiträge lesen lassen.
Er meint nämlich, dass es meine Schuld sei, ich würde nicht initiativ genug sein...
Er glaubt mir nicht, dass die Schweden so auf mich reagieren. :|

Bis bald!! und danke!!


Hej Mioletta,

als ich zufällig deinen Kommentar hier im Forum gefunden habe, habe ich genau eines meiner eigenen Probleme gesehen! Es ist wirklich nicht einfach am Anfang, wenn man nach Schweden kommt Kontakte zu knuepfen! Zuerst ein mal ist die Sprache ein grosses Hinderniss. Wobei ich da nur den Tipp geben kann, einfach weiter zu kämpfen.

Ich hoffe dass es gut fuer dich ging im SAS kurs. Ich bin vor einem halben Jahr mit meinem SAS B kurs fertig geworden. Ich weiss nicht, es war toll so viel schwedisch reden zu können, aber leider war das Niveu bei SAS B nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Es gab Leute dort, die schon 9 Jahre lang in Schweden waren und man dennoch raten musste, was sie da eigentlich genau sagen. Aber ich hoffe dass es bei dir besser war.

Ich selbst wohne jetzt seit 2 Jahren in Schweden und habe mir nach viel hin und her, das Herz genommen und bin einem Volleyballclub beigetreten. Und nach ca. einem halben Jahr kann ich sagen, dass ich ein bisschen Kontakt zu anderen Schweden bekommen habe - keine richtigen Freunde, aber ich bin ein Teil der Gruppe und werde auch so behandelt. :-) Freundschaften zu knuepfen ist nicht ganz so leicht hier, aber man muss es hier glaube ich sehr langsam angehen und immer weiter kämpfen. Ich behaupte sogar fast, dass es leichter ist mit dem Papst eine Audienz zu bekommen als dass eine Schwedin mal Zeit hat etwas mit einem zu unternehmen. Aber ich habe das auch unter den Schweden festgestellt. Deshalb wuerde ich sagen, dass man sie wohl so nehmen muss wie sie sind und einfach versuchen muss jede Chance zu nutzen, so weit es geht Kontakt mit anderen Schweden zu knuepfen. Also nie aufgeben!

Zu deinem Sambo: Ich finde es sehr ungerecht, dass er sagt, dass es deine Schuld ist, da es wirklich nicht so einfach ist am Anfang. Er sollte dich lieber unterstuetzen und mit dir Aktivitäten machen, wo ihr gemeinsam neue schwedische Bekanntschaften machen könnt - sozusagen als unterstuetzung. Wenn du willst kann ich dir ein paar der anderen Kommentare uebersetzen, damit er sie lesen kann. ;-)

Ich hoffe du hast inzwischen Anschluss gefunden!

Ha det bra!

Andrea

http://schwedischerschwabe.spotlife.se/

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon goteborgcity » 29. August 2011 23:10

Hej Volker,

falls ich Deine Erklärungen falsch verstanden haben sollte, so entschuldige bitte, aber ich habe alles mehrmals gelesen und finde nur Allgemeinaussagen und pauschale Werte. Es gibt nicht DIE SCHWEDEN und es gibt nicht DEN SCHWEDISCHEN HUMOR usw. Wie Du selbst schreibst, falls ich nicht wieder etwas falsch verstanden habe (da ich leider nicht jede Feinheit der deutschen Sprache kenne) so kennst Du Deine Gegend, aber nicht Schweden. Meine Verwandten wohnen zwischen Karlskrona, Göteborg, Kiruna und Haparanda, so dass ich denke, dass ich durch die vielen Besuche dort, die Reisen durch ganz Schweden und meine Zusammenarbeit mit den Verkehrsbüros nahezu des ganzen Landes doch einen Unterschied machen kann zwischen Skåne und Norrbotten. Und gerade deshalb, weil es hier in Schweden sehr unterschiedliche Mantalitäten gibt, fühle ich mich von deutschen Pauschalaussagen betroffen.

Wer Schweden kennen will, muss das ganze Land kennen oder er lebt in einem kleinen Kreis, der eben nicht Schweden repräsentiert, sondern nur ein Län oder auch eine Region. Man kann sich dort wohl fühlen oder nicht, aber es ist nicht SCHWEDEN, weder mit den verschiedenen Mentalitäten, noch mit den verschiedenen sprachlichen Eigenheiten, noch findet man die gleiche Natur oder einen sterotypen Schweden. Ich glaube nicht, dass Du einen Schwaben, einen Bayern, einen Norddeutschen und einen Rheinländer ähnlich pauschel beschreiben würdest wie einen Schweden, denn vermutlich kennst Du da die Unterschiede. Das Land Schweden und die Schweden sind ebenso unterschiedlich, wobei hier sogar mehr unterschiedliche Sprachen gebräuchlich sind als in Deutschland.

Ich möchte jetzt auch Deine Aussage zu den Bauern als Vorfahren nicht weiter ausführen, aber die ersten Schweden, und auch die ersten Deutschen, waren keine Bauern, da es mehrere Tausend Jahre gedauert hat bis die Menschheit lernte Landwirtschaft zu betreiben. Dazu braucht man keinen ehemaligen Lehrer in der Nachbarschaft um dies zu wissen, denn das steht in jedem Geschichtsbuch. Ich kenne die schwedische Geschichte von Beginn bis heute und kann leider relativ wenig über die deutsche Geschichte sagen, ausser den Epochen in denen sie mit der schwedischen kollidiert, aber für einen Einwanderer ist es nicht wichtig die Details zu kennen, aber man sollte sie auch nicht verfälschen, denn in Schweden haben verschiedene Bauweisen, verschiedene Traditionen und selbst unterschiedliches Essen eine Geschichte.

Ich habe in Schweden seit Ende der 60er Jahre immer wieder mit deutschen Einwanderern zu tun. Ein Teil wurde schwedisch, ein Teil ist nach 20 Jahren noch wie ein Fremder und andere kehrten zurück nach Deutschland, weil sie hier scheiterten. Die Gründe waren vielschichtig, aber Schweden wirklich verstanden haben eigentlich nur jene, die entweder schwedische Partner hatten oder über ihre Kinder Zugang zur Mentalität des Landes bekamen. Ich bin im übrigen auch einer der Coaches, die Einwanderern bei der Integration und der Firmengründung helfen, die Du mir (meine Interpretation!) zwischen den Zeilen anraten willst. Leider sind deutsche Einwanderer daran weitaus weniger interessiert als andere Einwanderer. Die Gründe kenne ich nicht, aber vielleicht liegt es daran, dass man in Deutschland glaubt alles zu wissen und in Schweden weiss man, dass man nie alles wissen wird. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Einstellung und Erfahrung.

Auch dass es Jahre dauert bis, wieder ganz allgemein, DIE SCHWEDEN auftauen, das hängt doch von der Gruppe ab mit der man zu tun hat, von den Arbeitskollegen, von der Gegend, von den Sprachkenntnissen und wie man sich den Schweden nähert. Wer nach Schweden auswandert, kann diesen Anschluss, Sprachkenntnisse vorausgesetzt, über Kindergarten oder Arbeitsplatz in wenigen Monaten haben oder auch nie, aber das hängt nicht von den Schweden ab, sondern von der eigenen Annäherung und der Bereitschaft sich zu ändern und zu entwickeln.

Ich war in mehreren Ländern in der Entwicklung von Tourismus aktiv und habe festgestellt, dass gerade Deutsche sehr häufig schwedisches Essen kritisieren, Vorfeste kritisieren, das Verhältnis zum Alkohol, die Doppelmoral zur Prostitution und anderes mehr, während ein Franzose oder ein Spanier versucht zu verstehen. Wer hier einwandert, wandert nicht in ein Traumschweden ein, sondern in ein Land, dass sich über Jahrhunderte zu dem entwickelt hat was es heute ist und bei dem die Bewohner nur eines fordern, nämlich dass man die Eigenheiten dieses Landes akzeptiert und es nicht ändern will. Ich bin bei weitem nicht mit jedem Gesetz, mit jeder Bestimmung und jeder Eigenheit des Landes einverstanden und kein Schwede wird alles gut finden, aber ich akzeptiere diese Dinge, weil sie von der Mehrheit so entschieden wurden. Und wenn ich gegen Kernenergie bin, so werde ich nicht, wie in Deutschland, zu Blockaden oder ähnlichem aufrufen, sondern bei Wahlen meine Stimme geltend machen und in der Presse entsprechende Artikel veröffentlichen.

Schweden ist ein einzigartiges Land bei dem ein Leben nicht ausreicht alles zu sehen und zu entdecken, aber ich reagiere grundsätzlich negativ auf DAS SCHWEDEN, DIE SCHWEDEN und ähnliche verallgemeinerte Aussagen, die zeigen, dass man Schweden bisher nicht wirklich verstanden hat. Ich kenne Deutschland kaum, da ich im Jahr maximal eine Woche dort verbringe, aber ich habe beruflich sehr viel mit Deutschen zu tun und kenne daher eine ganze Menge an Vorurteilen, die manche mitbringen und dann auch weiterverbreiten. Ich meine dabei jedoch nicht nur Einwanderer, sondern auch Touristen, die in Schweden dann unbedingt eine Bratwurst essen wollen.

Ich hoffe, dass ich mich verständlich und korrekt ausgedrückt habe, aber mein Deutsch ist etwa 35 Jahre alt und kann bei meinen kurzen Aufenthalten dort kaum modernisiert werden.

Grüsse aus Göteborg

Herbert

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon goteborgcity » 29. August 2011 23:23

@miolette

Ich wollte nur zu Deiner folgenden Aussage etwas sagen:

"Schade, dass mein Sambo kein Deutsch spricht, ich würde ihm so gerne die Beiträge lesen lassen.
Er meint nämlich, dass es meine Schuld sei, ich würde nicht initiativ genug sein...
Er glaubt mir nicht, dass die Schweden so auf mich reagieren."

Dass Dein Sambo nicht Deutsch spricht, das ist eigentlich nicht so wichtig. Im Gegenteil, denn dadurch kannst Du weitaus schneller Schwedisch lernen, da Du die Sprache ja rund um die Uhr verwenden musst.

Deine Schuld ist es bei weitem nicht, denn wie sollst Du die schwedische Mentalität kennen? Es wäre aber doch viel einfacher, wenn Dir Dein Sambo eben erklärt was man in der Gegend unternimmt, in der Ihr lebt, wenn er Dir die Eigenheiten einfach erklärt, damit Du eben einen besseren Einstieg in das schwedische Leben bekommst. Natürlich musst Du Initiative zeigen, aber Du musst erst einmal wissen wie Du Dich Schweden näherst.

Das die Schweden Deiner Umgebung so auf Dich reagieren wie Du beschreibst ist zwar merkwürdig und sicherlich beruht das auf irgendwelchen Vorurteilen, denn dass Du in einer ausländerfeindlichen Ecke wohnen solltest, das wäre doch merkwürdig, oder Dein Sambo hätte es wissen müssen. Ich denke, dass in diesem Fall wirklich nur Dein Sambo helfen kann, indem Ihr eben eine gemeinsame Position bei der Nachbarschaft einnehmt. Dein Sambo sollte Dir dabei eher helfen als Dir die Schuld geben.

Grüsse aus Göteborg

Herbert

Mioletta
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Mioletta » 30. August 2011 10:53

Liebe Leute,

nach langer Zeit schaue ich wieder in das Forum und lese meinen Beitrag.

Ich lebe noch und ja! ich lebe noch in Schweden.
Der Kampf war sehr anstrengend und es sind viele Tränen geflossen, aber nun
bin ich tatsächlich soweit, dass ich in Schweden bleibe, sogar, falls mein Sambo
und ich uns trennen sollten. Ich habe die Vorzüge Schwedens kennengelernt, besonders
die, wenn man Kinder hat.
Nach wie vor habe ich noch keine großartigen Freundschaften geschlossen, mache aber
eine schulische Ausbildung und freue mich über den schüchternen Kontakt, den ich dort
zu meinen "Mitschülern" habe. Den Rest der Zeit widme ich meinen Sohn und Sambo+seiner Familie.
Ich muss auch gestehen, das leben fällt mir hier ETWAS leichter, seitdem ich besser Schwedisch sprechen
kann, das war ein großes Manko, welches mich sehr zurückhaltend leben lies.

So richtig glücklich bin ich aber noch nicht, aber das liegt daran, dass ich ein Großstadtmensch bin
und mit dem schwedischen Kleinstadtleben nicht zurecht komme, ich vermisse hier das kulturelle und freizeitliche Angebot. DAS werden wir aber auch ändern-mein Sambo hat es endlich begriffen-nach der Ausbildung gehts nach Linköping. Ist zwar für uns Deutsche keine Großstadt, aber hier gilt sie als solche :lol:
Und ich denke, wenn es dann auch noch mit der Arbeit klappt, wird alles tutti.
An die schwedische Mentalität habe ich mich größtenteils(!) gewöhnt, bzw. muss sie halt akzeptieren.
Die Schweden sind halt so :smt064

Ich danke euch für eure Beitrage, Tipps, Ideen und seelische Unterstützungen!
Hat mir sehr geholfen! :danke:

Ha det så bra alla!

unbekannt

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon unbekannt » 30. August 2011 16:13

Hallo Mioletta,

zufällig wohne ich auch in der Nähe von sei einer Kleinstadt hier in Östergötland. Das ist ganz normal, dass junge Leute aus den Kleinstädten hier gleich nach dem Abi (studenten) den Wunsch hegen, nach Norrköping oder Linköping umzuziehen. Dort ist einfach mehr los als in so einem "Kaff". Und die Immobilien- und Mietpreise sprechen ja für sich, wo die Leute am liebsten hinziehen möchten. Bei uns stehen 300 Mietwohnungen leer, die Stadt hat schon Baugrundstücke für eine Krone angeboten, ein Werbefilm wurde gedreht, ein Spaßbad wurde gebaut, eine Fußgängerzone gibt es jetzt mit Straße-Cafe, ein neues Krankenhaus kommt in den nächsten Jahren hinzu, in der Innenstadt gibt es kostenlose Parkplätze im Überfluss. Nutzte alles nicht viel. Selbst die etwa 300 bis 400 Pendler, die hier arbeiten, fahren lieber eine Stunde, um in Norrköping oder Linköping wohnen zu können, obwohl ein Haus hier halb so viel kostet wie in Linköping.

Linköping ist schon recht groß für Schweden und hat als Uni- und Verwaltungsstadt eine angenehme Atmosphäre. Leider ist die Architektur vieler dieser Städte oft austauschbar, jedenfalls nach meinem Geschmack. Ich denke, ihr werdet Euch dort auf jeden Fall wohlfühlen, wozu ich Euch viel Glück und Erfolg wünsche. Wenn Euch das Stadtleben nicht mehr gefällt, könnt ihr ja wieder aufs Land ziehen. Das ist ja alles relativ einfach.

Mein Katze musste ich mal nach Linköping in die Tiernotaufnahme kutschieren. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. 70 km hin und 70 km wieder zurück. Die Fahrt hatte ihr überhaupt nicht gefallen und sie war dann drei Tage lang richtig sauer auf mich.


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