Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

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jörgT
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon jörgT » 10. Oktober 2010 12:13

Klasse Volker, Du hast wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen! Kann ich voll unterschreiben!
Nach gut 7 Jahren bin ich schon einen Schritt weiter, aber ich habe es genau wie Du erlebt.
Aber ist es in Bayern wirklich anders? Es ist schon so: In Deutschland kennt man die gängigen Rituale, in Schweden muss man genau die erst erlernen ...
Jörg

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Mioletta » 10. Oktober 2010 19:22

Oh je!!
Hätte ich die Frage mal gestellt, bevor ich nach Schweden auswandere. Aber Mio hat mal wieder zu voreilig gehandelt "wird schon gut gehen" dachte ich mir "hatte ja niemals Probleme andere Menschen kennen zu lernen"
Also ganz ehrlich, hätte ich das alles vorher gewusst... :cry:

Habe mich durch viele Beiträge dazu entschieden mit SAS weiter zu machen, in der Hoffnung ausländische Bekanntschaften zu machen...

Schade, dass mein Sambo kein Deutsch spricht, ich würde ihm so gerne die Beiträge lesen lassen.
Er meint nämlich, dass es meine Schuld sei, ich würde nicht initiativ genug sein...
Er glaubt mir nicht, dass die Schweden so auf mich reagieren. :|

Bis bald!! und danke!!

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Mioletta » 11. Oktober 2010 09:19

[quote][/quote] gamla gubbe

kann man dir keine PN schicken??

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Imrhien » 11. Oktober 2010 18:26

Hej Mio,

PN kannst Du nur jemandem schreiben, der selber angemeldet ist. Weiss nicht ob das in dem Fall so ist..
Was Deinen Sambo angeht, ich finde es nicht besonders nett, dass er so eingestellt ist. Gerade das macht es doch noch schwerer. Leute die sagen, bist selber schuld. Das machen auch viele Deutsche, am ehesten noch wenn sie selber noch in Deutschland wohnen. SO nach dem Motto: Wie es in den Wald schallt ... und so weiter.
Ich finde, man kann das nicht so pauschal sagen. Klar stimmt das auch. Aber wer in Deutschland nie Probleme hatte Menschen zu treffen, verändert sich doch nicht und wird auf einmal unfreundlich oder so.
Es ist tatsächlich eine andere Situation. Was viele auch total unterschätzen ist, wie schwer und anstrengend sogar smalltalk auf schwedisch ist, wenn man die Sprache noch am Lernen ist. Am Anfang hatte ich Abends Kopfschmerzen und war total fertig. Teils gar körperlich, ohne Arbeit. Das war einfach die Psyche, die sich an die Veränderungen gewöhnen musste. Und das Hirn kommt teils kaum nach mit den vielen neuen Infos. Das braucht Zeit. Und vor allem auch Hilfe und Geduld vom Umfeld. Und wie Du dich im urlaub hier gefühlt hast, ist nicht vergleichbar. Ich kenne leider andere bei denen das nicht geklappt hat. Da ist der Schwede letztenendes mit nach Deutschland, weil sie hier total unglücklich und einsam war. Obwohl sie eine der aufgewecktesten und offensten Personen ist, die ich kenne. Hab sie spontan im Flieger kennen gelernt und wir wurden gute Bekannte. Wir haben uns oft getroffen, so lange sie noch in Schweden waren.
Selbst er meinte, dass er in Deutschland mehr Freunde bekommen hat als sie hier.
Ich drück Dir die Daumen. Wird schon schief gehen. Viele andere haben es auch geschafft.

Liebe Grüße
Wiebke

Maibier

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Maibier » 28. August 2011 22:52

Distanzbleibt hat geschrieben:"Wenn ich nur tüchtig Schwedisch lerne und immer nett bin, dann geht's aber los mit den Freundschaften " ist sicher liebenswert, aber unrealistisch.


Die letzten 10 Jahre hat sich viel in Schweden verändert. Damals hätte ich dem widersprochen mit zahlreichen Beispielen wie nett und unvoreingenommen und freundlich die Menschen sind, beinahe überall und immer und jederzeit. Ich hatte schnell viele Bekannte, die auch auf mich zu gingen, ohne selbst danach gesucht zu haben. Auf Bildern haben wir in Deutschland und Schweden viel Spass gehabt. Inzwischen macht mir die versteckte Fremdenfeindlichkeit in Schweden zu schaffen. Es ist viel wichtiger wie man aussieht - nicht Kleidung sondern Gesicht - wichtiger als wer man als Mensch ist und wie man sich verhält. Ist ja nicht so dass ich dumm angelabert werde oder angegriffen oder als Europäer deutlich anders aussehe, aber regelmässig behandelt zu werden wie Luft oder Mensch 2ter Klasse während andere mit Freunlichkeit umworben werden, tja, das lernt man nach Jahren immer genauer zu deuten. Irgenwann wirkt sich das so aus, dass man damit rechnet anders behandelt zu werden und dann wird man sich wenig später auch als Mensch 2ter Klasse fühlen. Als Tourist merkt man nicht, dass sich Schweden anders zu Einheimischen verhalten, gerade wenn man aus Deutschland kommt wo der Umgangston rauher ist wird man die zarten Zeichen erstmal nicht herauslesen. Ich bin weder dunkelhäutig noch arabisch noch besonders optisch auffällig um Rassismus anzuziehen, jedoch mein Aussehen reicht aus in die Kategorie Nicht-Schwedischer gesteckt zu werden. Ich bin mir auch sicher dass die wenigsten Schweden das bemerken oder bösartig meinen. Hat man Pech gehabt wenn man auch in Schweden wohnen will, richtig Pech wenn man die schwedische Mentalität mag und sich eigentlich zuhause fühlt.

Auf die Strasse in Jogingklamotten traue ich mich gar nicht mehr raus aus Angst in die falsche Kategorie gesteckt zu werden... ist jemand unfreundlich zu mir dann vermute ich automatisch er hat mich als Einwanderer erkannt... ein freundliches Wort zu Unbekannten lasse ich aus Angst dass er sich belästig von mir fühlt... abends weggehen ist eine Qual weil man sich Orte suchen muss wo die Bedienung nicht "freundlich-ignorant" zu einem ist oder erträgt es und sucht später Ausreden warum man da nicht mehr hin gehen möchte... neue Leute kennenlernen was ein Stress wenn die Hälfte einen nicht mal beim Essen anschaut und das Gefühl gibt man sei unerwünschter je mehr man in seinem nicht-perfektem-Schwedisch etwas zu sagen bemüht... frage ich jemand Fremdes um Hilfe erwarte ich grundsätzlich dass er ablehnend ist um nicht entäuscht zu werden... eine Einladung nach Hause von Schweden da wundere ich mich tagelang über welchen dankbaren Umweg ich dazugefunden habe. Krass.

Dabei baumelt das alte Schweden immer vor der Nase: Wenn ich innerhalb einer Gruppe Schweden weggehe oder mit einem deutschen Freund der blond und-oder hübsch ist und dann sehe wie freundlich der behandelt wird "wie du bist gar nicht aus Schweden, das hätte ich gar nicht gedacht von dir".... oder ab und zu wenn Leute einen einfach unverhoft wieder ganz normal behandeln und die schönen Erinnerungen von früher zurückkommen. Trivs ni i Sverige? Hängt davon ab wie man aussieht und ob man gleich als Nicht-Schwede erkannt wird. Zukunft in Schweden....? Kann ich momentan nicht beantworten. In Deutschland war auch nicht alles perfekt.

Speedy
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon Speedy » 29. August 2011 07:23

Hi,

das hast Du gut geschrieben. Genauso empfinde ich es auch.

Unsere Nachbarin und gleichzeitig Vermieterin spricht mit mir kein Wort, erwartet aber immer das ich sie freundlich gruesse ansonsten beschwert sie sich bei meinem Mann. Der ist Schwede und mit ihm wird immer gerne "Smalltalk" gemacht, auch ueber mich. Ich frage mich immer warum fragt sie mich nicht selber??? Aber das hat wohl etwas mit mir als Ausländer und dann auch noch deutsche zu tun. Deutsch und deutsche mag sie nähmlich nicht, hat sie mal gesagt.

Eingelebt in Schweden habe ich mich unter diesen Umständen natuerlich nie.

Gruss Speedy

skerry
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon skerry » 29. August 2011 12:02

Hallo :schwedentor2:
habe das auch schon in Schweden erlebt-eigentlich hat man nur Kontakt zu anderen "Ausländern".
Leider hatte ich damals kein Forum ,denn darüber kann man doch gute Kontakte finden.
Habe einmal ein Ferienhaus in Småland gehabt.Das übernächste Haus wurde als Ferienhaus vermietet.Wir deutsche Nummernschilder,die Feriengäste aus D.Ich habe freundlich gegrüßt,aber die haben uns zu 80%völlig übersehen.Also Deutsche wollten in Schweden mit Deutschen nichts zu tun haben. :roll:
Aber ob´s ihr glaubt oder nicht.Bin mit einem Österreicher verheiratet und nach Ö ausgewandert.
Da ist es genauso wie in Schweden.Ich bin Ausländer,keinen besonderen Kontakt,zu anderen Frauen auch nicht,alles oberflächlich,den Humor verstehe ich auch nicht,an der Wand neben meinen Spind bei der Arbeit hat ein Komiker "Piefges raus"gekritzelt. :smt064
Also es kann einem überall so gehen-es liegt vielleicht am Horizont der Leute.Viele wollen immer nur die eigene Kirchturmspitze sehen,können sich nicht vorstellen irgendwo anders zu wohnen.
Und "wir"Auswanderungswillige sind einfach Fremdlinge,Eindringlinge und passen so gar nicht ins "Schema".
Ich habe mir ein dickes Fell zugelegt,ignoriere das völlig und mache meinen eigenen Kram.Mein Mann kümmert sich um den Rest :lol: sprich:Behördengänge,Elternsprechtage....
Unsere "Alterszeit"werden wir aber wieder in S verbringen :D
Puntigamer gibts beim Systembolaget in Värnamo :lol: -so spricht nichts mehr dagegen.

goteborgcity
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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon goteborgcity » 29. August 2011 12:24

Einwandern in einem Land ist immer mit gewissen Problemen verbunden, die aber umso grösser werden, wenn man die "Identität" seines alten Landes mitbringt. Man muss vollkommen neu beginnen, denn wenn man die ersten beiden Jahre "den Anschluss" verpasst, so wird es sehr schwierig die verlorenen Kontaktmöglichkeiten wieder einzuholen und bleibt "der Fremde".

Jemand, der in ein anderes Land auswandert, sollte sich daher vorher mit der Mentalität des Landes auseinandersetzen, vorher die Sprache lernen, vorher bereits die gröbsten Eigenheiten des neuen Landes erkunden, denn sonst riskiert man für immer der Ausländer zu bleiben. Auswandern sollte sehr gut vorbereitet werden, was viele vergessen.

Dann muss man natürlich auch unterscheiden zwischen den verschiedenen Charakteren der Menschen, die man trifft, denn so mancher "Idiot" ist nicht gegen Ausländer, sondern gegen alle und jeden. In der Strasse, in der ich wohne, leben auch zwei "Vollidioten" und ein "Halbidiot", und wenn ein Ausländer an sie gerät oder gar das Haus neben ihnen kaufen würde, so käme der Einwanderer schnell auf den Gedanken, dass es sich bei den Personen um Ausländerhasser handelt, aber die sind zu allen so und waren dies auch während der letzten 40 Jahre. Natürlich spricht man mit ihnen, grüsst sich usw. (so lange man kein Einwanderer ist), da man sich nun mal sehr häufig sieht, aber man wird diese Personen nie einladen, wird dort nicht eingeladen und ohne ihr Beisein sind sich alle einig, dass es sich eben um "Idioten" handelt. Wenn man als Einwanderer an solche Leute gerät, so hat man natürlich nicht diese Vorkenntnisse, sondern neigt leicht dazu, dies als Ausländerfeindlichkeit zu sehen.

unbekannt

Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon unbekannt » 29. August 2011 15:20

Hallo zusammen,

durch eine Reihe von Landreformen haben noch vor wenigen Generationen die allermeisten Schweden verstreut auf einsam gelegenen, kleinen Bauernhöfen gewohnt. Ohne Auto war es zum nächsten Nachbarn weit. Das Leben beschränkte sich deshalb gezwungenermaßen auf den engsten Familienkreis. Andere Verwandte und Nachbarn traf man nur gelegentlich bei bestimmten Anlässen wie auf Märkten und bei bestimmten Festtagen. Seine Nachbarn kannte man zwar, obwohl man sie nur alle paar Monate gesehen hatte und man half sich auch gegenseitig. Man half sich auch dann, wenn man sich nicht besonders mochte. Dies war auch überlebensnotwendig in der kargen Einsamkeit. Geselligkeit und Freundschaften nach deutschem Verständnis, die Stammkneipe und der Verein um die Ecke konnten sich nicht entwickeln, da die dörfliche Nähe, wie man dies in Deutschland zur Regel hat, fehlte. Aus diesem Grunde konnte sich auch keine rechte Gesprächs- und Diskussionskultur entwickeln, wie sie der Deutsche erwartet.

Schweden können zum Beispiel überhaupt nicht verstehen, warum z.B. Spanier sich während der Arbeit pausenlos unterhalten können und warum ihnen nie die Themen ausgehen. Sie müssen erst lernen, dass es vordergründig nicht um die angesprochenen Themen geht, sondern darum, wie die Gesprächspartner emotional mit kleinen Provokationen und Sticheleien umgehen, um entsprechend mit Humor und Witz zu reagieren, um auf diesem Wege das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern. Was für Spanier nette Unterhaltung ist, wirkt dann auf Schweden wie ein handfester Streit. Vieles, was wir als Witz und Wortspielerei meinen, nehmen die Schweden wörtlich. Und dann hat man schon ein Problem.

Humor kennen Schweden auch. Nicht ganz ohne Stolz bringe ich die Schweden auch zum Lachen, aber bitte fragt mich nicht, wie ich das mache. Ich weiß es selbst nicht. Es ergibt sich meistens aus der Situation heraus. Am besten lacht man über seine eigenen Missgeschicke, die man zugibt und dann lachen die Schweden mit.

Ich habe mal gelesen, das viele Schweden abgesehen von der familiären Bande keinen großen Wert auf Freundschaften legen, da ja zumindestens in der Vergangenheit sich der Staat um die soziale Sicherheit allumfassend gekümmert hatte. Erst in den letzten Jahren erkennen immer mehr Menschen, wie wichtig ein soziales Netzwerk und damit Freundschaften sind.

Viele Schweden fühlen sich auch tatsächlich zuhnemend einsam. Scheidung, Wegziehen der eigenen Kinder und Verwitwung sind häufige Gründe. Sie suchen dann nach Kontakten, wissen aber nicht so recht, wie sie es anstellen sollen, weil dazu der kulturelle Unterbau fehlt. Diese Einsamkeit wird auch gerne in schwedischen Filmen thematisiert. Eine typische Figur z.B. ist die Rolle des Kommisar Beck http://de.wikipedia.org/wiki/Kommissar_Martin_Beck

Aber inzwischen gibt es ja das Internet mit seinen zahlreichen Kontaktbörsen, die bereits nach Zielgruppen sortiert sind. Die allermeisten suchen dann dort wieder ihr Glück in der Zweisamkeit und nicht etwa in einem netten Freundeskreis. Es reicht doch, wenn man ein paar nette Nachbarn und Arbeitskollegen hat, ist die schwedische Lebenshaltung.

Wer nach Schweden auswandern will, sollte sich vergegenwärtigen, das Schweden ein anderer Planet ist. Hier ist einfach fast alles anders oder umgekehrt. Das fängt ja mit der gesalzenen Butter und dem gesüßten Brot schon an.

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Re: Wie schnell habt ihr euch eingelebt?

Beitragvon goteborgcity » 29. August 2011 15:58

Hej Volker,

ich weiss ja nicht wie lange Du schon in Schweden lebst, aber an Vorurteilen mangelt es Dir jedenfalls nicht. In Schweden gibt es nicht nur gesüsstes Brot, die freundschaftlichen Bande gibt es wie in jedem Land und sind auch eng (Es ist als Einwanderer nur schwierig daran teilzunehmen). Der Humor hier mag anders sein, aber ich habe bisher keinen Manel an Lachen und Lustigkeit erlebt, da man auch hier in Schweden sehr viel mit Freunden unternimmt und sehr herzlich lachen kann. Einsamkeit ist hier nicht grösser als in anderen Ländern.

Der einzige Punkt, in dem ich Dir zustimme ist, dass man hier "auf einem anderen Planet" ist, aber das ist ein Auswanderer auch in Italien, in Frankreich oder in Spanien ... von Asien ganz zu schweigen.

Ein echtes Problem ist, meiner Meinung nach, dass sich Einwander nicht vorher über Schweden erkundigen und oft auch die Sprache nicht lernen bevor sie hier ankommen. Viele verzichten auch auf die Aktivitäten nach der Arbeit, weil sie eben - wie in Deutschland - schnell nach Hause eilen wollen, aber genau so etwas verhindert die Integration.

Einwanderer, die hier bereits als Familie mit festen Meinungen ankommen, müssen am gesellschaftlichen Leben scheitern, zumindest überwiegend, denn eine Beziehung wächst auch in Schweden langsam und in keinem Land wird man Einwanderer bevorzugt behandeln. Wenn sie nach Schweden kommen, so ist es ihre Aufgabe sich anzupassen, nicht umgekehrt. Wir, das heisst meine ganze Familie zwischen Malmö und Haparanda, haben auch nur beruflichen Kontakt zu Deutschen, obwohl meine Tochter bei Schenker arbeitet und ich im Tourismus und als Journalist aktiv bin. Dies liegt aber nicht daran, dass wir etwas gegen Deutsche haben, denn wir haben Kontakt zu mehreren Nationalitäten, sondern es liegt daran, dass sich, nach persönlichen Erfahrungen, nur sehr wenige Deutsche die Mühe geben Schweden anders als über Pippi Langstrumpf, Wallander oder Bergman zu sehen, aber das ist NICHT Schweden. Wer dadurch etwas verpasst, das sind allerdings nicht die Schweden, sondern die Einwanderer, die dann die schwedische Mentalität nur am Rande streifen.

Als kleinen geschichtlichen Hinweis: In Schweden gab es nicht nur Land, sondern bereits ab dem Jahre 1000 sind auch mehrere Städte vorhanden gewesen, selbst in Nordschweden gab es schon sehr früh Städte. ... Du musst nur einmal nachsehen welche Städte Gustav II Adolf im 17. Jahrhundert dann gegründet hat oder warum geschichtlich im 14. und 15. Jahrhundert Städte abbrennen konnten, wie die Handelswege im 12. Jahrhundert aussahen usw. usw. Wenn Du dann bedenkst, dass Schweden vor 12.000 Jahren noch unter Eis lag, so hat sioch hier die Zivilisation weitaus schneller entwickelt als im südlichen Europa. Du musst die schwedische Geschichte so differenziert betrachten wie die deutsche und ein Land, das grösser als Deutschland ist nicht als einheitlichen Brei ausgeben.

Ich frage mich bei Deinen Erklärungen eigentlich nur, ob Du vor allem in deutschen Büchern und auf deutschen Sites Informationen suchst, oder ob Du Dich ernsthaft für die schwedische Warte - auf Schwedisch - interessierst. Ich fand Deine Erklärungen leider nicht sonderlich zum Lachen und frage mich, ob Du Dich in Schweden auch wirklich wohl fühlst.

Entschuldige, wenn meine Worte etwas agressiv klingen, aber ich würde es mir nie erlauben so oberflächlich über Deutschland zu argumentieren wie Du es Dir über Schweden erlaubst, denn Vorurteile sind schnell verbreitet und schaden der Integrationenmehr als man denken kann.

Grüsse aus Göteborg

Herbert


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