Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Tipps und Infos, Fragen und Antworten, Kultur - Menschen - Studium - Leben: Alles über Schweden!
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 705
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon Volker » 4. März 2015 13:19

Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt - Geschichten über die schwedische Stromversorgung und Heizungstechnik

Heute morgen ist es wieder mal passiert. Stromausfall im halben Haus. Wir kennen das schon. Es ist mal wieder die Hauptsicherung rausgeflogen. Wir heizen übrigens teilweise mit Strom. In Schweden ist alles etwas anders.

Mehr: http://elektronikbasteln.pl7.de/wenn-ma ... chnik.html

Benutzeravatar
stavre
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1899
Registriert: 25. September 2006 19:15
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden
Kontaktdaten:

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon stavre » 4. März 2015 13:52

was hast du denn fuer einen alten "ritter" ?

Speedy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 616
Registriert: 20. März 2009 11:38
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon Speedy » 4. März 2015 14:01

Hallo Volker, wirklich wunderbar beschrieben. Wir haben hier mittlerweile Eine moderne Anlgage wie man sie aus D kennt.

Gruss Erika

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 905
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon EuraGerhard » 4. März 2015 15:58

Hallo Volker,

interessanter Bericht!

Die Hauptsicherungen in unserer Hausinstallation (Baujahr 2012) sind übrigens immer noch als Schmelzsicherungen ausgeführt.

Steckdosen ohne Schutzkontakt gibt es bei uns allerdings nicht mehr. Ich weiß nicht wie lange die in Schweden in Neubauten schon nicht mehr zulässig sind. Meines Wissens waren die Niederländer die Letzten in Europa, die sie verboten haben. In unserem ehemaligen niederländischen Haus (Baujahr 1995!) hatten wir noch etliche Steckdosen ohne Schutzkontakt.

Noch eine Anmerkung zur Erdwärme. Wir haben ja eine Erdwärmepumpe mit 170 Meter tiefem Bohrloch. Was da rauskommt, hat allerdings bestenfalls am Ende eines langen, warmen Sommers eine Temperatur von +10°C. Im Laufe des Winters sinkt die Temperatur unweigerlich ab, derzeit sind es etwa +4°C. Und bei der Genehmigung kommt es auch höchstens indirekt auf die Grundstücksgröße an. Vielmehr muss von anderen Bergvärme-Bohrlöchern in der Nachbarschaft ein Mindestabstand von 20 Meter eingehalten werden.

MfG
Gerhard

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 705
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon Volker » 7. März 2015 13:59

Hallo Gerhard,

vielen Dank für deine Hinweise, die ich derweil eingebaut habe. Was ich aber nicht ganz verstehe, ist, warum das Wasser in der Bohrung sich auf 4 °C absenkt im Winter. Hängt dies damit zusammen, dass das die Wärmepumpe dieses Wasser kühlt?

An anderer Stelle habe ich gelesen, dass Versuche laufen, bei denen Sonnenkolllektoren auf dem Dach im Sommer warmes Wasser erzeugen, das dann in das Bohrloch geleitet wird. Angeblich soll sich die Investition an Orten mit wenig Grundwasser rentieren.

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 905
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon EuraGerhard » 7. März 2015 15:46

Volker hat geschrieben:Was ich aber nicht ganz verstehe, ist, warum das Wasser in der Bohrung sich auf 4 °C absenkt im Winter. Hängt dies damit zusammen, dass das die Wärmepumpe dieses Wasser kühlt?

Richtig, genau so ist es. Die Wärmepumpe entzieht der Sole (von Wasser kann man eigentlich nicht sprechen) Wärme und kühlt sie somit um ungefähr 2-4 °C ab, je nach Einstellung. Die abgekühlte Sole wird dann wieder in die Bohrung hinuntergepumpt und vom Erdreich wieder aufgewärmt. Im Winter kühlt sich auf diese Weise natürlich auch das Erdreich in der Umgebung der Bohrung langsam ab.

Volker hat geschrieben:An anderer Stelle habe ich gelesen, dass Versuche laufen, bei denen Sonnenkolllektoren auf dem Dach im Sommer warmes Wasser erzeugen, das dann in das Bohrloch geleitet wird. Angeblich soll sich die Investition an Orten mit wenig Grundwasser rentieren.

Wir haben Sonnenkollektoren auf dem Dach, und ich könnte die Wärmepumpe so programmieren, dass sie, wenn die Temperatur im zentralen Akkumulatortank aufgrund von Sonnenwärme einen bestimmten Wert übersteigt, Wärme ins Bohrloch pumpt. Habe ich aber nicht gemacht, und bisher war das auch nie nötig. Im Sommer decken die Kollektoren zwar unseren Warmwasserbedarf vollständig ab, die Wärmepumpe springt einige Wochen lang gar nicht an. Aber überhitzt hat sich der Akkumulatortank bisher noch nie.

Was bei uns aber gemacht wird, ist Folgendes: Wir haben eine FTX-Lüftungsanlage, also ein System, bei dem im Winter die abgesaugte Abluft ihre Wärme über einen Wärmetauscher an die zugeführte Frischluft abgibt. Im Sommer, wenn es draußen wärmer ist als drin, kehrt sich dieses Prinzip um. Und wenn es sehr heiß ist und die Kühlung durch den Wärmetauscher nicht ausreicht, dann wird die Frischluft zusätzlich mit Hilfe der Sole aus dem Bohrloch der Wärmepumpe gekühlt. (Dabei ist der Kompressor der Wärmepumpe selbst nicht aktiv, lediglich die Umwälzpumpe für die Sole.) Aber die dabei der Frischluft entzogene Wärme wird natürlich dazu genutzt, das Bohrloch zu erwärmen. (Der Aufheizeffekt ist allerdings minimal, Sinn der Sache ist es auch nur, das Haus an heißen Sommertagen angenehm kühl zu halten.)

MfG
Gerhard

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 905
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Wenn mal wieder die Hauptsicherung rausfliegt

Beitragvon EuraGerhard » 7. März 2015 16:43

Hallo Volker,

habe mir gerade nochmal das Kapitel zur Erdwärmepumpe in Deinem Bericht durchgelesen: So wie Du es beschreibst, stimmt es nicht.

Bei einer Erdwärmepumpe gibt es immer drei völlig getrennte Kreisläufe:

Erstens den normalen Warmwasserkreislauf der Heizung. Hier fließt gewöhnliches Wasser, ggfs. noch mit einem Korrosionsschutzmittel versetzt.

Zweitens der Solekreislauf der Wärmepumpe: Dieser führt durch das Bohrloch bzw. die Erdwärmekollektoren. Hier zirkuliert eine Mischung aus Wasser und Frostschutzmittel, ähnlich dem Gemisch in einem Autokühler. Einfaches Wasser kann man hier nicht verwenden, weil die Wärmepumpe es durchaus mal auf Temperaturen unter 0°C abkühlen kann.

Und drittens schließlich der Kältemittelkreislauf der Wärmepumpe. Hier zirkuliert heutzutage noch in aller Regel ein fluorierter Kohlenwasserstoff, ähnlich dem Kältemittel in einer Klimaanlage.

Die Wärmepumpe arbeitet nun im Prinzip wie ein Kühlschrank: Beim Kühlschrank wird - unter Energieaufwand - dem Kühlschrankinneren Wärme entzogen und auf einem höheren Temperatur über die Kühlrippen an der Rückseite an die Umgebung abgegeben. Die Wärmepumpe entzieht mit Hilfe des Kältemittels dem Solekreislauf Wärme, kühlt die Sole also ab, und gibt diese Wärme auf einem höheren Temperaturniveau an den Heizkreislauf ab. Natürlich begibt sich die Wärme nicht freiwillig auf das höhere Temperaturniveau, deshalb muss die Wärmepumpe ebenso wie der Kühlschrank Energie aufwenden.

Je größer der Temperaturunterschied, den die Wärmepumpe (bzw. der Kühlschrank) überbrücken muss, desto mehr Energie muss sie aufwenden, desto unwirtschaftlicher arbeitet sie. Deshalb kombiniert man eine Wärmepumpe idealerweise mit einer Fußbodenheizung, weil hier die Vorlauftemperatur sehr niedrig gehalten werden kann.

MfG
Gerhard


Zurück zu „Schweden“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste