Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

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Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon Aelve » 20. Oktober 2008 07:36

Hallo,

in Deutschland nehmen immer mehr Schüler aus ärmeren Familien Abstand vom Studium wegen der erhobenen Studiengebühren.

Die Bundesregierung verfügt über ein Papier, welches aussagt, dass immer mehr Abiturienten auf das Studieren verzichten, weil sie sich die teuren Studiengebühren nicht leisten können. Einerseits wird davor gewarnt, dass es Kräftemangel in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften gibt, andererseits hält die Bundesrepublik an den Studiengebühren fest und schließt dadurch sehr viel Potential an guten Kräften von einem Studium aus. Einige Bundesländer wie z.B. Hessen haben die Gebühren schon wieder zurückgenommen.

Für mich ist es ein Armutszeugnis für Deutschland, dass Studieren hauptsächlich nur Akademikerfamilien vorbehalten bleibt.

Hier ist der Artikel:
http://nachrichten.t-online.de/c/16/57/ ... 71124.html

Viele Grüße Aelve
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glada

Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon glada » 20. Oktober 2008 08:27

Welchen Bezug zu Schweden hat dieser Beitrag jetzt?

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Aelve
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Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon Aelve » 20. Oktober 2008 08:30

Hallo Glada,

zum einen den Bezug, dass in Schweden das Studieren nicht mit derartigen Gebühren belastet wird, zum anderen paßt es in die Diskussionen die sich hier um Bildung, Ausbildung und Studium drehen.

Hierzu paßt auch wunderbar der folgende Artikel:
http://www.tagesspiegel.de/politik/deut ... 22,2551660

Auch daraus ist erkennbar, dass in Schweden die Möglichkeit ein Studium aufzunehmen, mehr in Anspruch genommen werden kann als in Deutschland.
Gerade für Familien mit Kindern kann dies Thema wichtig sein, wenn ich meinem Kind eine bessere Zukunft geben möchte.


Grüße Aelve
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glada

Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon glada » 20. Oktober 2008 08:44

Die Ausbildungssysteme von Deutschland und Schweden sind nicht so ohne weiteres vergleichbar. In Schweden werden viele Berufe an Universitäten gelehrt, die in Deutschland über klassische Ausbildungen erfolgen, z.B. Krankenschwestern.

Schweden denkt darüber nach, einige Berufe wieder - wie in Deutschland - über Lehrlingsausbildungen zu lehren, weil offenbar viele Jugendliche bei den schulischen Ausbildungen nicht den Anforderungen der Betriebe genügen. Deshalb gibt es überdurchschnittlich viele jugendliche Arbeitslose, trotz staatlicher Förderprogramme, bei denen ein Teil der Löhne vom Staat gezahlt wird.

hansbaer

Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon hansbaer » 20. Oktober 2008 09:08

Nicht dass ich mich jetzt zum Fürsprecher von Studiengebühren machen möchte, aber Schweden ist eine ziemliche Ausnahme in Europa mit den Studiengebühen. Deutschland aber auch, denn obwohl auch andere Länder Studiengebühren haben, ist in Deutschland die soziale Spreizung größer als anderswo.
Ich würde es also nicht auf die Studiengebühren reduzieren. Das ist nur eine von mehreren Ursachen.

In Schweden gab es übrigens auch Diskussionen, Gebühren einzuführen. Allerdings sollten diese dann für Ausländer erhoben werden - und da man EU-Ausländer nicht diskriminieren darf, gilt das dann höchstens für Nicht-EU-Bürger.

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Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon Aelve » 20. Oktober 2008 09:13

Hallo Glada,

ich halte die Lehrlingsausbildungen mit 3 jähriger Lehre und Berufsschule für viele Berufe auch besser in Deutschland geregelt als in Schweden. Nur Theorie zu lernen und evtl. ein Praktium in dieser Zeit zu absolvieren ist sicherlich nicht das Wahre, um danach gleich in die Berufstätigkeit entlassen zu werden. Drei Jahre in einem Betrieb zu lernen und dabei in der Berufsschule die notwendigen theoretischen Kenntnisse zu erlangen halte ich persönlich für effektiver. Die Seite der Ausbildung gefällt mir in Deutschland auch besser als in Schweden, aber die Schulseite sowie die Studiumseite ist nach meiner Auffassung in Schweden besser geregelt. Deshalb hängt ja viel für ein Kind davon ab, ob es handwerklich begabt ist oder eher geeignet ein Studium aufzunehmen. Diese Überlegungen würde ich mit in meine Entscheidung einbeziehen, wenn ich mit Kindern oder Jugendlichen auswandere und abschätzen kann, wohin die Kinder tendieren.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 20. Oktober 2008 09:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon Imrhien » 20. Oktober 2008 09:22

Zum Artikel:
In der Zeit gab es vor ein paar Monaten genau die gegenseitige Aussage. Darin wurde, obwohl der Autor ebenfalls ein Gegner der Gebühren war, bestätigt, dass die Zahlen der Studienanfänger eben nicht gesunken waren, trotz der Gebühren. Und noch interessanter war, dass eine Umfrage ergab, dass sich der Großteil der Studenten sehr wohlfühlt und gut betreut wird. Trotz der vielen Meldungen, dass alles sooo schlimm ist in Deutschland.

Wer hat nun recht?

Ich bin ebenfalls gegen Gebühren, bin aber der Meinung, dass das ganze Thema viel zu sehr politisiert und emotional aufgeputscht wird. Beide Seiten nutzen nur die Statistiken die gerade nutzen.

Obs in Schweden anders ist? Weiss ich nicht mit Bestimmtheit. Denke aber, dass es auch seine Probleme hier geben wird. Vielleicht anders gelagert. Schweden ist nicht besser, nur anders.

Grüße
Wiebke

nysn

Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon nysn » 20. Oktober 2008 09:49

Obs in Schweden anders ist? Weiss ich nicht mit Bestimmtheit. Denke aber, dass es auch seine Probleme hier geben wird. Vielleicht anders gelagert. Schweden ist nicht besser, nur anders.


Habe jetzt leider auch keine Vergleichszahlen zur Hand - rein gefühlt und darauf bezogen, was hier zu diesem Thema öfters in den Zeitungen steht - gibt es in Schweden wohl auch nicht sehr viel mehr Studenten aus Abeiterfamilien, die sich für ein Studium an der Uni entscheiden. Es gibt auch in Schweden einen starken Zusammenhang zwischen Familienherkunft und Ausbildung.

Auch wenn in Schweden keine Studiengebühren erhoben werden, haben die allermeisten Schweden sehr hohe Studiendarlehen, die mit Zinsen auch zurückgezahlt werden müssen.

Ebenfalls ein Unterschied: In Schweden kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass man später als Akademiker ein höheres Gehalt beziehen kann und sich somit das Studium irgendwann "bezahlt" macht. Ein Studium in Schweden ist eher eine Sicherheit dafür, einen guten, interessanten und sicheren Arbeitsplatz zu bekommen oder ins Ausland zu gehen, was viele Schweden auch gerne tun - z. B. ist Deutschland oder Großbritannien äußerst beliebt, was Ingenieure anbelangt.

S-nina

nysn

Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon nysn » 20. Oktober 2008 10:25

nicht sehr viel mehr Studenten aus Abeiterfamilien


Sorry, falls jetzt jemand auf den Ausdruck "Arbeiterfamilien" reagiert - in Deutschland sagt man wohl eher
"aus bildungsfernen Elternhäuser".

Ich habe das wörtlich aus dem Schwedischen genommen - in diesem Zusammenhang spricht man in Schweden immer von Kindern aus der "arbetarklassen" im Gegensatz zu Kindern von "Angestellten" - "tjänstemannabarn".

Hier übrigens eine Studie gerade zu diesem Thema:
http://www.lo.se/home/lo/home.nsf/unidv ... knaden.pdf

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Re: Weniger Studenten in D wegen Gebührenerhebung

Beitragvon sinlalu » 21. Oktober 2008 18:21

Hej zusammen,

im Grunde gebe ich Dir ja Recht Aelve. Ich habe von dieser Studie auch gelesen. Es ist aber nicht so, dass die Studiengebühren von der Bundesrepublik erhoben werden. Zuständig sind (auch) hier die Bundesländer. Es ist aber keineswegs so, dass alle Bundesländer Studiengebühren erheben.

In Mecklenburg-Vorpommern wie in einigen anderen Bundesländern noch "ohne" studieren. Der Vollständigheit halber sei angemerkt, dass auch hier über eiune "verwaltungsgebühr nachgedacht wird - ca. 50 Euro/Semester. Das hat zu einer "Völkerwanderung der Studenten geführt. Ergo: Es kann immernoch jeder studieren, auch ohne Gebühren, nur woanders. Und das wird auch wahrgenommen. Allerdings kann es sein, dass nicht mehr gebührenfrei und heimatnah studiert werden kann. Das ergibt andere Kosten.

In anderen Ländern sind Studiengebühren an "Vorzeigeunis" normal. Die Elite läßt grüßen. Keiner regt sich drüber auf. hier ist das halt noch neu. Dann eben nicht die Wunschuni, sondern die, die man sich leisten kann?

Aber Chancengleichheit gibt es sowieso nicht.

Weder in der Schule noch im Studium.

Und das hat viele Gründe...

Liebe Grüße Silke
Eine Umarmung ist ein großartiges Geschenk - passend für jede Größe...


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