Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

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Dietmar
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Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Dietmar » 23. Oktober 2006 22:54

Hallo Schwedenfans,

bin eben wieder zuhause angekommen, und natürlich voll frischer Eindrücke aus Schweden :P Ein paar davon möchte ich gern weitergeben:

1. "Uppsala är bäst!" Dieser Fakt, von Wennerberg seinerzeit bereits in den Gluntarne besungen, hat sich wieder einmal bewahrheitet: Zum Studieren gibt es in Schweden meiner Meinung nach keine bessere Stadt als Uppsala.
Wir hatten ein wunderbares Studententreffen im festlichen Ballsaal des Snärke nationshuset; die Herren stilvoll im Frack, die Damen herausgeputzt, kunstvoll frisiert und im schönsten Abendkleid.
Natürlich gab es die gewohnte Menge an "sprit, sång och tal", den immer wiederkehrenden Zwischenruf "Jag tycker att det sjungs för lite på den här festen!", snaps och punsch, und das obligatorische "O gamla klang- och jubeltid" zum Abschluß der Festtafel. Übrigens ein im Original deutsches Lied, von 1825!
Vielleicht stelle ich ja mal ein paar Fotos online.

2. Ich hatte Gelegenheit, mit einigen Auswanderern zu sprechen, Freunde von früher, oder Bekannte von Freunden. Vielleicht für manche Forumsteilnehmer interessant: Der eine oder andere hat genug von Schweden und möchte wieder zurück in sein Heimatland! -- Nicht nach Deutschland; sondern zum Beispiel nach Rumänien, Ukraine, und andere osteuropäische Staaten.

Die Gründe waren, zusammengefaßt und verallgemeinert gesagt, etwa folgende:
    - Es ist schwierig, soziale Kontakte zu den Einheimischen zu knüpfen und voll als ihresgleichen anerkannt zu werden.
    - Es besteht der Eindruck, dass der fremde (nichtschwedische) Nachname ein Hindernis auf dem Arbeitsmarkt ist, und dass bessere Jobs eher an "richtige" Schweden vergeben werden.
    - Die schwedischen Freunde werden als zu kühl empfunden, man kann nicht richtig mit ihnen feiern oder warm werden.

Insgesamt also soziale Isolation, und wenig Aussicht auf finanziellen Wohlstand. Über die Natur allgemein hat sich übrigens niemand beklagt :wink:; wohl aber über zu wenig Sonne, speziell über zu viele dunkle + triste Herbst- und Wintertage.

Das sind einzelne subjektive Eindrücke von Ausländern, die teilweise seit vielen Jahren in Schweden leben und die allesamt die Sprache beherrschen. Ob das objektive Wahrheiten sind (gibt es so etwas überhaupt?!), kann ich natürlich nicht beurteilen. Zumindest kann man über diese möglichen Probleme ja auch mal nachdenken.

Grüße,
Dietmar

sweport

Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon sweport » 23. Oktober 2006 23:14

Willkommen daheim kann ich ja nicht sagen :D

Gabs eigentlich dort auch schon Schnee?

- Es ist schwierig, soziale Kontakte zu den Einheimischen zu knüpfen und voll als ihresgleichen anerkannt zu werden.
- Es besteht der Eindruck, dass der fremde (nichtschwedische) Nachname ein Hindernis auf dem Arbeitsmarkt ist, und dass bessere Jobs eher an "richtige" Schweden vergeben werden.
- Die schwedischen Freunde werden als zu kühl empfunden, man kann nicht richtig mit ihnen feiern oder warm werden.


Die Aussagen kenne ich auch von anderen, wobei ich sie absolut nicht teile und bis auf den Punkt mit dem Nachnamen nicht persönlich bestaetigen kann. Meinen kann auch keiner aussprechen :lol: Aber man kann das ja als schwedischer Staatsbuerger dann aendern...

Ich glaube, das groesste Problem ist, so doof es klingt, sich zu integrieren. Dazu zaehlt sicher erst einmal die Sprache, aber halt nicht nur. Vielmehr auch, sich regional in Vereinen, Parteien usw. zu betaetigen, Braeuche und Traditionen zu achten und auch selbst mit dabei zu sein.

Ich kenne auch hier Deutsche, die diese drei Kernaussagen treffen wuerden. Aber diese Leute leben dann auch mehr oder weniger sehr zurueckgezogen.

Und das der Schwede nicht feiern kann, das kann man wirklich nicht sagen... :wink:

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Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Dietmar » 23. Oktober 2006 23:25

sweport hat geschrieben:Gabs eigentlich dort auch schon Schnee?

Hallo Andreas!

Nein... ich war auch viel zu warm angezogen mit meinem Wintermantel! Trüb und regnerisch, ja, aber Temperaturen waren 10-15 Grad.

Die Schweden können schon feiern (wie man es ja auf den Studentenfeten sieht, oder mittsommer usw); aber es ist doch vom Temperament her ein ganz anderes Feiern, als es etwa Brasilianer oder Georgier oder Einwohner anderer warmer Länder praktizieren. Und richtig locker werden die Schweden erst wenn Alkohol ins Spiel kommt (meine Erfahrung).

Das mit der Integration stimmt, wobei man das selbst nur zu einem guten Teil (aber nicht zu 100%!) beeinflussen kann. Ich habe damals z.B. auch regelmäßig im Verein Schottis und Hambo getanzt; "Ausländer" blieb ich aber irgendwie trotzdem...

Torgum

Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Torgum » 24. Oktober 2006 09:20

und woran das liegt, kann man doch prima sehen in D selbst, wenn man sich anschaut, wie ein "zugezogener" hier auch nach Jahren noch behandelt wird...
Wo ist der Unterschied?

Hanse

Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Hanse » 24. Oktober 2006 09:58

Hej Torgum

der Unterschied? Ich sehe ihn in dem Punkt, dass Du - vermutlich als Deutscher? - in Deutschland lebst! Und somit kann man´s, glaube ich, nicht so recht beurteilen.
Wenn Du aber als Deutscher in Schweden lebst, sieht es vielleicht schon wieder etwas anders aus. Allerdings dürfte es natürlich einen grossen Unterschied machen, ob Du irgendwo im Norden auf dem "weiten Land" oder in der Mitte/im Süden in doch dichter besiedelten Gegenden wohnst. Ich denke, in der Mitte/im Süden geht,s doch etwas distanzierter zu.
Ausserdem merkst Du die "Isolierung" auf Grund der räumlichen Distanz im Norden vielleicht nicht so extrem. Kann ich aber nicht so beurteilen, weil mir die Erfahrungen fehlen.

Vor einiger Zeit habe ich übrigens in meinem Beitrag "Die Schweden - erst Freund dann Feind?" ähnliches geschrieben. Da habe ich aber sinngemäss zur Antwort gekriegt: "Wie man in den Wald hineinschreit kommts zurück"!?

Über die von Dietmar beschriebenen Punkte hinweg, kommen bei uns derzeit noch ein paar andere hinzu. Habe sie als Antwort in Janas Thema
"Eure Gründe für´s Auswandern" geschrieben (auch das Thema Sprache usw.)

Hejdå - Hanse

orsatjej
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Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon orsatjej » 24. Oktober 2006 11:36

hej!
kann ich alles nicht bestaetigen: ich lebe seit etwas mehr als 2 jahren in schweden und fuehel mich voellig integriert! alllerdings studiere ich, und das leben da, mit leuten in dem alter, mag das etwa anders sein als im berufsleben. aber meine eltern fuehlen sich ebenfalls gut integriert! mnan muss die handreichnungen der schweden verstehen und sie annehmen... mir fehlt wirklich nur der schwedische pass, den ich so schnell wie moeglich haben will, ansonsten bin ich schweden! allerdings musste ich das meinen freunden auch erst klarmachen, denn sie sahen mich auch immer als deutsche - trotzdem voll integriert - und haben immer gefragt: und faehrste nach deutschland? oder wenn ich gesagt hab, ich fahr nach hause, kam: nach deutschland? aber ich hab ihnen klargemacht, dass ich mit dltd herzlich wenig zu tun hab und auch nicht haben will! das haben sie jetzt verstanden! wir haben mehrere auslaender in der klasse, und die anderen gelten eher als "auslaender", da sie eben wirklich nur zum studium da sind - also haengt etwas ab, wie man in schweden ist und sein will! die schweden sind unglaublich stolz auf ihr land und wollen auch gern im ausland mit schweden zu tun haben, sehen sich dort al schweden - und daher koennen sie oft nicht verstehen, dass man mit "seinem" land eben nichts zu tun haben will! das kann es auch sein, aber integriert kann man trotz allem gut sein!
und feiern: ja, man mag das eben mit unterschiedlichen massstaeben und erfahrungen messen, aber fuer uns deutsche, dinf ich, koennten wir uns schon mal was abgucken von den schweden und ihrem feiern, allerdings ist mir das manchmal etwas zu viel alkohol :)

Kittybones

Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Kittybones » 26. Oktober 2006 15:19

Tjena Dietmar!

Erstmal willkommen zurück und schön zu lesen, dass Du eine gute Zeit in Svealand hattest.

Was mich nach wie vor überrascht, ist dass viele Deutsche hier in Schweden eine vollwertige Akzeptanz erwarten. Warum? Ich kann meine Identität und meine Herkunft als Deutsche doch nicht mit einem Umzug in ein anderes Land ablegen. Ganz gleich, ob ich die Landessprache fließend und akzentfrei beherrsche oder für meine neuen Nachbarn beim Einzug ein Grillfest gebe - ich bin hier Deutsche und damit Ausländerin.

Ich lebe hier mit einem Schweden zusammen, bin in seinen Familien- und Freundeskreis voll integriert und bekomme deshalb die Ansichten und Einschätzungen der Schweden möglicherweise unmittelbarer mit als jemand, der ohne soziale Bindungen in diesem Land ankommt.

Gerade Deutsche, die nach Schweden einwandern, erwarten häufig, als "Ausländer erster Klasse" behandelt zu werden. Sehr zur Verwunderung der Schweden. Hier ist ein Einwanderer ein Einwanderer - ganz gleich ob Westafrikaner, Türke oder Deutscher.

Es gibt einen weiteren Faktor, der nicht zu unterschätzen ist: als Deutscher trägt man einen Rucksack voller Geschichte mit sich herum. Das ist leider, auch nach 60 Jahren, immer noch ein großes Thema - und ein Fakt, mit dem man sich auch als 2. Nachkriegsgeneration einfach abfinden muss. (Übrigens nicht nur in Schweden, sondern überall auf der Welt.)

Wir haben hier Freunde, die in einem kleinen Ort zwischen Örebro und Nora wohnen. Deren Nachbarn sind "die Deutsche und der Holländer". Die beiden sind in den 60er Jahren hierher gezogen. Soviel zum Thema Integration.

Doch schauen wir doch einmal andersherum nach Deutschland. Wie verhält es sich da mit euren internationalen Kontakten? Wie viele polnische, türkische oder dänische Freunde habt ihr vor Ort? Wie betrachtet Ihr Zuwanderer? Sind sie Euch willkommen, behandelt ihr sie gleichwertig und ladet sie zu Besuch zu Euch nach Hause ein?

In diesem Sinne viele Grüße aus dem verregneten und trüben Örebro!

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Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Dietmar » 26. Oktober 2006 16:46

Kittybones hat geschrieben:Doch schauen wir doch einmal andersherum nach Deutschland. Wie verhält es sich da mit euren internationalen Kontakten?


Womit wieder einmal deutlich wird: "Jeder ist Ausländer -- fast überall!"

Außer halt im eigenen Land & Kulturkreis. Und sogar wer als Deutscher nach Schwaben zieht, obwohl er dort nicht aufgewachsen ist, bleibt ein paar Jahrzehnte lang erst mal ein "Rei'gschmeckter" ;-)

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Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon janaquinn » 26. Oktober 2006 16:47

Hej Kittybones,

wir werden ebenfalls im April nach Schweden auswandern, aber eines erwarten wir sicher nicht: "Ausländer erster Klasse" zu sein. Die Idee mit dem Grillfest kam von unserer Seite, um uns zumindest den Nachbarn vorzustellen, denn es gehört einfach zum guten Ton dazu, ist jedenfalls meine Ansicht. Mein Mann ist auch in Deutschland ein Ausländer, wenn auch einer "Erster Klasse", er ist Amerikaner, auch wenn er in Deutschland geboren und aufwachsen ist. Somit ist er auch in den Staaten ein Ausländer, denn da ist er der Deutsche. Sowie meine Kinder, halb-deutsch und halb-amerikaner. Aber in meinen Augen ist es Respekt vor den Menschen, wenn man zumindest die Sprache spricht und so den Willen sich zu integrieren zeigt. Natürlich haben wir Deutsche unseren Rucksack Geschichte zu tragen, der ist nicht gerade leicht, aber ich trage ihn und werde ihn aúch nicht ablegen, nur weil ich das Land wechsle.

Was unsere internationalen Beziehungen betrifft: Wir haben jede Menge Freunde, aber wir achten nicht auf die Nationalität, denn nicht der Paß zählt sondern der Mensch. Gerade unsere Arbeit in der internationalen Hotelerie hat uns viele Freundschaften eingebracht, welche zwar nicht immer Vorort sind, da sie in USA, England ect.., aber wenn man sich sieht ist es sehr schön.

Außerdem, warum sollte ich meine Freunde unterschiedlich behandeln, nur weil einer Deutscher, eine Türke und der andere Pole ist. Oder behandelst du deine Freunde in Deutschland anders als die Schweden?

Sorry, mußte etwas "unfreundlicher"sein, aber jeder von uns hier, hat einen Grund Deutschland zu verlassen und sein Glück in Schweden zu suchen, und jeder von uns hat sicher keine falschen Vorstellungen von Schweden. Es ist nicht einfach in einem anderem Land Fuß zu fassen, aber wenn man nicht auftritt wie ein Elefant im Porzellanladen und den großkotzigen Deutschen raushängen lässt, hat man auch die Chance eine Integration zu schaffen. Und wenn wir vielleicht nicht eine vollkommene Akzeptanz erreichen, und in 60 Jahren immer noch die Deutsche und der Ami sind, zumindest haben wir unseren Kindern eine Chance geboten, die sie hier in Deutschland nicht haben.

JANA
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Re: Weg aus Schweden - Zurück aus Uppsala

Beitragvon Lejon » 26. Oktober 2006 22:38

@ Dietmar

ja ja, die Schwaben ;-)
Det är bara med hjärtat som man kan se ordentligt. Det viktigaste är osynligt för ögonen. (A. de Saint-Exupéry)


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