Was ist besser in Schweden?

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Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Auswanderer » 20. November 2006 17:38

Ich lasse Sachen weg, die zwar einem ein schönes Gefühl geben, in
Schweden zu leben, aber keine wirklich praktische Bedeutung haben, wie
die schöne Flagge, das Königshaus, Maribou, ABBA, IKEA, Astrid Lindgren,
Ingmar Bergman, Carl Larsson, die Sprache, Midsommer, Nobelpreise. Ich
lasse auch Sachen weg, die natürlichen Ursprungs sind, wie die Seen, die
lange Küste, den Wechsel der Jahreszeiten, die Wälder, die Elche. Es
folgen zwei Listen von Sachen, von denen ich der Meinung bin, dass sie
in Schweden besser sind. Die erste Liste beinhaltet Sachen, die wohl
auf keinen Fall von der Regierung abhängig sind (wenn doch, dann will
ich es wissen!) und die zweite beinhaltet Sachen, die die Regierung
ziemlich leicht ändern könnte.

Ich möchte folgende Meinungen erfahren: Liege ich richtig in meiner
Einschätzung, dass diese Sachen wirklich in Schweden besser sind?
(Manche Sachen sind eher Geschmackssachen, worüber man nicht streiten
kann, aber bei anderen liege ich vielleicht falsch.) Welche Sachen wird
die neue Regierung wohl ändern? (Ich gehe davon aus, dass jede Änderung
eine Verschlechterung sein wird, lasse mich aber eines besseren
belehren.) Wird die Sache nach der Änderung immer noch besser sein als
in Deutschland? Was unsere mögliche Auswanderung betrifft bin ich sehr
an Kommentaren zu der zweiten Liste interessiert..



Die erste Liste:


Filme und Fernsehen im Original mit Untertiteln

Jedermansrecht

mehr Rauchverbote

Systembolaget

Schlangen mit Nummern überall statt krampfhaft in der Schlange,
womöglich am langsamen Schalter, stehen zu müssen

Öffentlichkeitsprinzip (Zugang zu behördlicher Information,
taxeringskatalog usw.)

billigerer Strom

billigeres Wohnen

weniger Vandalismus, Graffiti usw.

weniger "verrückte Strömungen" wie z.B. Impfgegner

freundlichere und Hilfreichere Behörden

ombudsmän

besseres Verhältnis zur Nation (gesunder Patriotismus)

kaum Einfluss der Kirche(n) im öffentlichen Leben



Die zweite Liste, wobei sehr gut für uns wäre, für jeden Punkt zu
wissen, ob die neue Regierung Änderungen plant und wenn ja welche (aus
der Länge sieht ihr, wieviele Bedenken ich wegen der neuen Regierung
habe):


keine NATO-Mitgliedschaft

höhere Geburtenrate

weniger Zusammenhang zwischen Einkommen der Eltern und Bildungschancen der
Kinder

weniger Unterschiede zwischen arm und reich

eigene Währung

bessere Umwelt- und Verbraucherschutz

bessere und billigere Kinderbetreuung für Vorschulkinder

Ganztagsschulen

kostenloses Mittagessen in der Schule

keine Studiengebühren

bessere Schulen

bessere Krankenversorgung

gerechtere Steuern und einfacheres Steuersystem

bessere Rentenversicherung

kein Ehegattensplitting

es ist leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren

die Gesellschaft ist insgesamt kinderfreundlicher

die Eisenbahn ist nicht privatisiert worden

bessere Integration von Einwanderern



Zum Schluss einige Sachen, die vielleicht doch in Deutschland besser
sind? (Nur die ersten beiden Punkte bringen uns aber in der Praxis
Vorteile, und der zweite nur bedingt, denn in Schweden würden wir es
vielleicht doch, in Gegensatz zu Deutschland, vorziehen, in einer
Kleinstadt (wegen leichterer Kontakt, vor allem am Anfang wichtig) oder
doch ganz isoliert (wegen der Nähe zur Natur) zu wohnen.)


Gemischte Saunen sind häufiger als in Schweden? Oder gilt dies
heutzutage nicht mehr? (Meine Frau und ich gehen beide gern in die
Sauna und sehen keinen Grund, uns dabei zu trennen. In Schweden haben
wir unsere Sauna-Erfahrungen meist auf FKK-Campingplätzen gesammelt, wo
sie natürlich nicht getrennt sind, diese sind aber vielleicht nicht
typisch. Wie ist es sonst, z.B. in Freizeitbädern (zu normalen Zeiten,
nicht zu besonderen FKK-Zeiten) oder Privatsaunen?)

Es gibt richtige Dörfer in Deutschland. In Schweden sind sie ja durch
den Bodenreform durch Rutger McLean abgeschafft worden. Das war ja zu
der Zeit wegen der Seuchenbekämpfung sinnvoll, aber dadurch hat man
nicht mehr die Möglichkeit, im gemütlichen Dorf zu wohnen, sprich auf
dem Lande aber in der Nähe von anderen Menschen.

(Noch) gibt es begrenzte Öffnungszeiten für Läden. (Es geht mir hier
mehr um Vorteile für die Leute, die dort arbeiten, nicht für die Leute,
die einkaufen. Da die Sparquote in Deutschland eher zu gering ist, kann
man wirklich nicht behaupten, das Ladenschlussgesetz hindert die
Deutschen daran, genug Geld auszugeben.) In Schweden scheinen die
längeren Öffnungszeiten auch die Beschäftigten nicht so sehr zu stören;
gibt es einen Grund dafür?

Prostitution ist erlaubt (und seit einigen Jahren nicht mehr
sittenwidrig). Persönlich ist mir dies egal (bin glücklich verheiratet)
und ich verstehe die Begründung, weshalb man in Schweden die Kunden (das
Wort "Freier" ist negativ) (und nicht die Huren!) kriminalisiert.
Trotzdem glaube ich, dass es auch in Schweden einen Bedarf an
Prostitution gibt. Wenn die Huren die Arbeit freiwillig machen (bzw.
genau so freiwillig wie jeder, der nicht reich genug ist, nicht arbeiten
zu müssen) was ist daran schlecht? Wenn es sich um Zwangsprostitution
handelt (und dies ist wohl einer der Gründe für die einmalige
schwedische Haltung in dieser Frage), die man wohl bekämpfen will, dann
glaube ich, dass man sie mit legaler Prostitution aus drei Gründen
besser bekämpfen kann. Erstens, wenn Prostitution an sich für den
Kunden illegal ist, dann kann es den Kunden egal sein, ob die Hure
freiwillig arbeitet oder nicht. Er hat keine Motivation (und keine
Möglichkeit), legal zu handeln. Zweitens, wenn es keine legale
Prostitution gibt, wird dadurch erst einen Markt für Zwangsprostitution
geschaffen bzw. viel größer gemacht. Drittens kann ein Kunde nicht auf
Zwangsprostitution aufmerksam machen, ohne sich selbst damit anzuklagen.
Da die Gesetze zur Pornographie nicht so streng sind wie in Deutschland,
glaube ich nicht, dass "moralische" Gründe für das Prostitutionsgesetz
ausschlaggebend sind. Es ist nicht nur so, dass ich der Meinung bin,
dass das Gesetz nicht richtig ist (und vielleicht das Gegenteil dessen
bewirkt, was es bewirken soll), sondern ich kann mir nicht einmal eine
Mentalität vorstellen, nach der das Gesetz einen Sinn ergibt. (Es sei
denn, man ist der Meinung, dass ALLE Prostitution GRUNDSÄTZLICH
Zwangsprostitution sein muss. Glaubt das der schwedische Gesetzgeber?)
Aber vielleicht habe ich hier etwas übersehen---ich habe mich nicht sehr
intensiv damit beschäftigt, dies ist mir aber als etwas aufgefallen, was
ich in Schweden nicht auf Anhieb für besser hielt als die deutsche
Rechtslage.)

Man ißt in Deutschland die größte Mahlzeit zur Mittagszeit. Dass dies
früher auch in Schweden der Fall war, sieht man an dem Namen "middag"
für das (große, warme) Abendessen. Klar, wegen der Ganztagsschulen und
des höheren Anteils berufstätiger Frauen (beide Sachen finde ich ja gut)
ißt die Familie eine große warme Mahlzeit eher abends zusammen.
Trotzdem, ich glaube, es ist gesunder, dies zur Mittagszeit zu tun.
(Vielleicht auch aus diesem Grunde scheinen Werkskantinen in Schweden
weniger üblich zu sein als in Deutschland.)
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon jörgT » 20. November 2006 18:34

Hej Auswanderer!
So ganz teile ich Deine Listen nicht.
Über Systembolaget kann man geteilter Meinung sein, dämmt die Existenz der staatlichen Läden doch den Alkoholgenuss nicht ein, sondern ist nur eine staatliche Einnahmequelle, die in immer grösserem Masse unterlaufen wird, durch den Einstrom billigen Alkohols aus dem Ausland.
Genauso ins Land der Märchen gehört (leider) der billige Strom. Warum gehen immer mehr Leute zu jordvärme oder bergvärme über?
"Weniger Graffiti" trifft wohl nur noch auf Kleinstädte im Hinterland zu, deren Bekämpfung (z.B. durch Schutzanstriche) ist aber wohl effektiver.
Zu "freundlicheren Behörden" könnte ich Dir mal die Ansicht von Schweden dazu mitteilen, die nämlich meinen, Bürokratie ist eine schwedische Erfindung.
Zum Einfluss der Kirche im öffentlichen Leben gibt es wohl auch in Deutschland in unterschiedlichen Gegenden unterschiedliche Traditionen - wie auch hier in Schweden!
Zu Deiner zweiten Liste musst Du wohl Herrn Reinfeld persönlich befragen. Selbst Kenner der politischen Szene wagen sich nicht an Prognosen. Allerdings wurde das Thema schon heftig im Forum diskutiert.
Ich kann nur wiederholen: man verlässt ein Land wohl nicht wegen einer für vier Jahre gewählten Regierung ...
Derzeit ist diese Regierung z.B. dabei, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erheblich anzuheben und die Leistungen gleichzeitig zu senken. Damit sollen Steuersenkungen finanziert werden.
So weit erstmal.
Wir denken trotzdem nicht darüber nach, nach Deutschland zurück zu gehen!
Jörg

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon didi » 21. November 2006 07:14

Hej Jörg

da muss ich Dir voll zustimmen. Wenn ich auswandern will muss ich mir schon einige Gedanken über verschiedene Sachen machen. Haben wir auch getan. Aber wenn ich mir so viele Gedanken wie Dein Vorredner machen wollte, na ja, dann wäre ich besser in Deutschland geblieben.
Ich habe immer Angst daß viele Einwanderer in das schöne Schweden zum Teil auf Annehmlichkeiten aus Deutschland pochen und diese auch hier einführen würden (wollen). Wenn das dann klappen würde, wären auch hier in Schweden über längere Zeit gesehen Zustände wie in Deutschland. Wenn ich so in den Foren herumlese mss ich immer wieder feststellen daß es Menschen gibt, die möchten nur die schönen Seiten von Schweden nutzen und wenn möglich die noch wenigen schönen aus Deutschland hier auch durchsetzen. Wie denken diese Leute eigentlich über Menschen aus östlichen Staaten, welche in Deutschland sind und dort z.B. Ihre Sitten und Bräuche durchsetzen wollen?

mvh
didi.... der sich immer wieder über diese Dinge aufregt.
Besucht uns doch mal auf unserer Homepage http://www.kornsjoegarden-camping.com

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 21. November 2006 07:40

Hej och God Morron,
ich, persönlich, halte nicht viel von Listen,in welchen nur positive oder nur negative Dinge eines bestimmten Landes aufgeführt werden. Denn wo Licht, da auch Schatten. Wenn man sich auf ein Land einlässt, ist es selbstverständlich, das man sich informiert, aber 2 Länder gegeneinander zu stellen,das geht nicht. Wir haben im Vorfeld viele positive Sachen, aber auch viele negative Sachen von Schweden gelesen und gehört, vorallem hier im Forum, aber dies hat uns nicht von uns unserem Entschluss abgebracht, dort ein anderes Leben zu führen, denn ein neues Leben wird es eigentlich nicht, denn man kann sein altes Leben nicht abstreifen, wie ein altes Hemd. Denn man wird ja nicht ein anderer Mensch, nur weil man die Landesgrenzen wechselt, hat auch ein anderer User geschrieben. Es wird anders, einfacher aber auch schwerer. Letztendlich liegt es im Auge des Betrachters, jedes Einzelnen, wie positiv oder negativ ein Land ist.
Es gibt einfach zu viele Auswanderer, welche einfach nur die positiven Sachen D. und die positiven Seiten ihres "Auswanderlandes" kombinieren wollen, und dann aus allen Wolken fallen, daß alles sooo anders ist. Viele glauben, daß sich das Land,wenn man ständig dort lebt, genauso darstellt, wie im Urlaub und vergessen, das dies eine ganz andere Situation ist. Mir wurde in einem Forum vorgehalten, beziehuungsweise wurde darüber gelästert, daß wir nie das Geld hatten in Schweden Urlaub zu machen und trotzdem dorthin gehen, aber vielleicht ist dies auch ein Vorteil, weil wir so nicht nur die positiven sondern gerade auch die negativen Seiten Schwedens kennenlernen werden.
Es gibt viele Menschen, die nach Amerika auswandern, um den "grossen Amerikanischen Traum" zu leben und erfahren dann den "grossen amerikanischen Alptraum", weil einfach alles anderes ist, als im Urlaub. Weil es in vieler Hinsicht keinerlei soziale Absicherung gibt, man die Krankenversicherung teilweise selber zahlen muss und es eine "Hire and Fire"-Politik gibt, wo man sich ein Krank werden nicht erlauben darf. Man klann über D. viele sachen sagen und auch wir sind nicht immer zufrieden in diesem Lande, aber gibt nunmal eine soziale Absicherung, welche in anderen Ländern dieser Welt nicht vorhanden ist, auch wenn daran gesägt wird.
Wir werden einfach sehen, was in Schweden besser ist, aber eines haben wir schon gelesen und auch persönlich erfahren, die Behindertenpolitik ist besser als in Deutschland, sie ist einfacher und ist auch die Bedürfnisse des behinderten Menschen zuigeschnitten und nicht auf die Bedürfnisse der Krankenkasse.Alles andere wird sich zeigen, auch was die neue Regierung betrifft, entweder die Schweden sind mit der neuen Regierung zufrieden und sie wird nach 4 Jahren wiedergewählt, oder aber nicht, und es kommt eine neue Regierung.
LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Skogstroll » 21. November 2006 09:19

Hej allihopa,

also prinzipiell gebe ich Jana natürlich recht. Trotzdem möchte ich auf die Liste direkt eingehen, manches bietet sicher viel Diskussionsstoff. Um mich nicht völlig in Zitaten und Formatierungen zu verlaufen, kennzeichne ich meine Anmerkungen einfach mal mit einem Anstrich (-):

Die erste Liste:


Filme und Fernsehen im Original mit Untertiteln
- ohne Einschränkungen einverstanden

Jedermansrecht
- ja, aber es gibt leider viel Missbrauch, der schon zu Debatten um eine Einschränkung geführt hat

mehr Rauchverbote
- jepp!

Systembolaget
- Kann man so oder so sehen. Sicher fliesst viel Alkohol über die Grenzen rein (und nach Norwegen raus). Trotzdem ist der Preis ein gewisses Regulativ und man hat ein ausgezeichnetes Angebot auf einem Platz konzentriert. Ich persönlich neige auch dazu, es als Vorteil zu sehen.

Schlangen mit Nummern überall statt krampfhaft in der Schlange,
womöglich am langsamen Schalter, stehen zu müssen
- Dafür gibt es auch immer und überall endlose Schlangen! Wie es ein Kollege von mir mal sagte: Sverige är ett kösamhälle.

Öffentlichkeitsprinzip (Zugang zu behördlicher Information,
taxeringskatalog usw.)
- ja

billigerer Strom
- Erstens war das einmal, und zweitens hat es zu ungeheurer Verschwendung geführt, viele Häuser werden immer noch elektrisch beheizt!

billigeres Wohnen
- Schon mal in Stockholm nach dem Preis einer Wohnung geschaut?

weniger Vandalismus, Graffiti usw.
- Heute früh habe ich erst in der Zeitung gelesen, dass die Sprayerwelle nun Kalix erreicht hat.

weniger "verrückte Strömungen" wie z.B. Impfgegner
- Aber auch mehr Konformismus. Und welche Strömung nun verrückt ist weiss man vielleicht erst in 100 Jahren.

freundlichere und Hilfreichere Behörden
- Kann ich persönlich bestätigen, aber es gibt offenbar auch gegenteilige Erfahrungen.

ombudsmän

besseres Verhältnis zur Nation (gesunder Patriotismus)
- Im Prinzip ja, aber vergessen wir die Sverigedemokraten nicht.

kaum Einfluss der Kirche(n) im öffentlichen Leben
- Kann ein Vorteil sein, muss aber nicht.


Die zweite Liste, wobei sehr gut für uns wäre, für jeden Punkt zu
wissen, ob die neue Regierung Änderungen plant und wenn ja welche (aus
der Länge sieht ihr, wieviele Bedenken ich wegen der neuen Regierung
habe):


keine NATO-Mitgliedschaft
- JAAA!

höhere Geburtenrate
- Ja, aber sie ist immer noch zu niedrig.

weniger Zusammenhang zwischen Einkommen der Eltern und Bildungschancen der Kinder
- Das ist noch so, aber z.B. Privatschulen sind auch hier auf dem Vormarsch.

weniger Unterschiede zwischen arm und reich
- Nein, auch wenn Reichtum eher verpönt ist, die Unterschiede gibt es, und die neue Regierung gibt sich grosse Mühe, sie zu vergrössern.

eigene Währung
- Unbedingt!

bessere Umwelt- und Verbraucherschutz
- Ganz und gar nicht. Umweltschutz (nicht zu reden von Umweltbewusstsein) ist weitestgehend Fehlanzeige. Dass es so viel scheinbar unberührte Natur gibt liegt einzig an der geringen Bevölkerungsdichte. Aktuell gibt es eine Debatte über den Ausbau der Flüsse für die Wasserkraft, einschliesslich der geschützten wie dem Vindelälven. Die Sache hat sogar Aussicht auf Erfolg, und mit dem Argument sinkender Strompreise (wer's glaubt!) hat man sogar das Volk mit auf der seite der Ausbauer. Gleiches gilt übrigens für die Kernenergie.
Heute früh habe ich erst in der Zeitung gelesen (sinngemäss): Sicher kommt die Klimakatastrophe, aber mit guter Technik und Politik schaffen wir auch das. So viel zum Umweltschutz.

bessere und billigere Kinderbetreuung für Vorschulkinder
- Ja, wenn auch nicht viel billiger.

Ganztagsschulen
- ok

kostenloses Mittagessen in der Schule

keine Studiengebühren

bessere Schulen
- Njein. Der Trend ist der gleiche wie in Deutschland und durch Kostendruck geprägt. Viele kleine Schulen stehen trotz Elternprotest vor der Schliessung.

bessere Krankenversorgung
- Ganz entschieden nein. Die Wartezeiten sind erheblich, die Zahnmedizin beschränkt sich weitgehend auf Notversorgungen. Will ich einfach nur einen richtigen Check beim Zahnarzt, muss ich 5-6 Jahre (!) darauf warten. Der Zahnarzt muss voll bezahlt werden. Die wenigen Privatärzte haben jahrelange Wartelisten.

gerechtere Steuern und einfacheres Steuersystem
- Einfach ist es, aber die neue Regierung verteilt gerade kräftig um. Aufwärts natürlich.

bessere Rentenversicherung
- Einfach aufgrund der gesünderen Altersstruktur. Aber auch hier ist private Vorsorge gefragt.

kein Ehegattensplitting

es ist leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren
- Stimmt.

die Gesellschaft ist insgesamt kinderfreundlicher
- Unterschrieben und bekräftigt! Aber letzte Woche in der Zeitung: Die Spielplätze der Kommune sind in einem erbärnlichen Zustand (stimmt). Die Lösung: Schliessung.

die Eisenbahn ist nicht privatisiert worden
- Bei uns in Norrbotten fährt Connex. Sind die jetzt staatlich?

bessere Integration von Einwanderern

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Gottfried » 21. November 2006 09:57

Hej Auswanderer!
Erst mal kann ich Jörg, Skogstroll und Jana nur zustimmen! Aber ich muss ja auch noch meinen Meinung ausdrücken……
Filme und Fernsehen im Original mit Untertiteln finde ich blöd! Ich kann entweder lesen oder Bilder schauen. Beides kann ich nicht! Leider lese ich auch bei deutschen Filmen die schwedischen Untertitel, was den Ablauf doch erheblich stört.
Jedermansrecht wird vielfach und zunehmend missbraucht!
Billigerer Strom ….wo gibt es den denn noch?
Weniger Vandalismus, Graffiti usw. ………wir haben genug Schäden durch klotterer
Freundlichere und Hilfreichere Behörden ….und viel langsamer, da alle Montags krank sind, in der Lunchtid…auf möte…..auf Weiterbildung…Elchjagd!
Keine NATO-Mitgliedschaft aber Großexporteur von Waffen und Munition!
Bessere Krankenversorgung ….ich musste mal 8 Wochen auf ein Langzeit-EKG warten, weil keine Geräte zur Verfügung standen…. Weiter Kommentare erwünscht?
Bessere Integration von Einwanderern… da musst du was falsch verstanden haben! Wir haben hier eine ausgeprägte, wenn auch gut versteckte, Ausländerfeindlichkeit!
So nun reichts………..he… wann wird denn Dein Geheimnis gelüftet?

Viele Grüsse

Gottfried
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Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 21. November 2006 10:20

Hej, ich habe mal wieder mit Vergnügen die Beiträge von Skogstroll und Gottfried, natürlich auch von Jörg gelesen. Und gerade, was das billigere wohnen und die Wohnungs-bzw. Haussuche im Grossraum Stockholm betrifft, kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, unter 2-3 mill. ist nix vernünftiges zu finden. Man muss sehr tief in die Tasche greifen und lange suchen, in der Hoffnung ein Schnäppchen zu machen. Was die Untertitel betrifft, da bin ich zwiegespalten, auf der einen Seite wunderbar um das Englisch aufzufrischen und zu verbessern, auf der anderen Seite geht es mir wie Gottfried, ich konzentriere mich entweder auf das eine oder das andere. Und gerade Englischanfänger dürften mit beidem überfordert sein, allerdings können wir ja privat üben.))!
Integration von Einwandern? Ich glaube es kommt immer auf den einzelnen an, will er sich anpassen oder nicht? Ist er gewillt die Sprache zu sprechen und sich auf die Mentalität des Landes einzulassen, ja oder nein? Ist ein Zweischneidiges Schwert. Es gibt ja auch in D. viele Ausländische Mitbürger, welchen man garnicht ansieht oder es hören und spüren würde, daß sie keine Deutschen sind, weil sie sich einfach angepasst haben und trotzdem, im privaten Bereich ihre Sitten und Bräuche pflegen, und das ist auch gut so. Allerdings gibt es auch viele, welche nicht mal im Traum daran denken, wenigstens ein wenig die Sprache zu lernen und diese auch zu nutzen. Meinem Mann sieht man es weder an, noch würde man es hören, daß er Ausländer ist, es äußert sich halt nur durch seinen Pass.
Ausländerfeindlichkeit, auch wenn sie versteckt ist, gibt es überall, und ich denke, es ist an denjenigen, welche als Dauergast und Arbeitskraft, als neue Mitbürger ins Land kommen, den Einheimischen zu zeigen, das man eine Integration wünscht und sich ebenso verhält. Wie heißt es so schön: Angriff ist die beste Verteidigung. Ich glaube, wenn man, auch wenn es vielleicht holprig ist, sein gegenüber auf schwedisch ansprechen wird, nimmt man ihm zumindest für den Augenblick erstmal den Wind aus den Segeln.
LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

tofta

Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon tofta » 21. November 2006 10:29

Danke Gottfried,
besser hätte ich es nicht schreiben können.
Ich wohne nicht in Schweden bin aber 5-6 Monate im Jahr oben und habe ausschließlich Kontakt zu Schweden.
Ich kann Gottfried nur bestätigen, in den letzten 13 Jahren, in denen wir sehr viel in Schweden sind, hat sich das Land und die Menschen sehr verändert :?

Seit Gestern war ich am Überlegen, wie schreib Ich es richtig.
Du hast es mir abgenommen :wink:

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Gottfried » 21. November 2006 11:02

Hej Marion!

Das tut mir ja fast schon leid! Bei uns hier im Forum hat sich ja so eine Art "Norrland-Poesie" eingebürgert und es ist einfach toll die Beiträge zu lesen!
Unglaublich mit welcher sprachlichen und inhaltlicher Tiefe unsere "Forenbenutzer" hier schreiben.... das ist ein echter Unterschied zu anderen Foren!
Info: vor ein paar Tagen hat ein ahnungsloser "Gast" in einem "anderen" Schwedenforum die harmlose Frage gestellt: wie ist das mit einer Auswanderung, wenn ich schwanger bin? Wen das interessiert wird das leicht finden! Die Antworten waren echt der Hammer und die Frau hat sich schnell dem ganzen Anfeindungen entzogen! So kann es auch gehen……….
Auf viele gute Beiträge….viele Grüsse

Gottfried
Viele Grüsse

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Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)

Mone81

Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Mone81 » 21. November 2006 11:18

Hallo Gottfried,

magst Du mir mal den Link geben zu dem anderen Forum, wo die schwangere Frau gefragt hat?
Diese Thematik wäre für mich nämlich auch interessant...

Danke!


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