Ivory hat geschrieben:
1.) Die schwedische Gelassenheit ist sicher das auffälligste. Sicherlich gibts da auch mal Druck, aber die Schweden machen Längen weniger Hektik.
Das mag auch sehr angenehm sein und ich finde auch hier die einen oder anderen "gelassenen Situationen" als sehr angenehm, aber bedenke dass sich die "Ruhe" durch alle Sparten zieht. Bis Du mal angewiesen auf zuegige Reaktion (Stichwort Handwerker, Ärzte) kann das Dir sehr uebel aufstossen und auch gehörige Schwierigkeiten bereiten. Aus dieser Gelassenheit heraus, kommt leider auch eine gewisse unzuverlässigkeit, die mich schon öfters hier zum Wahnsinn treibt.
Ivory hat geschrieben:
2.) Freundlichkeit: Weiß nicht, die Deutschen sind irgendwie eigen und biss mufflig. Die Schweden sind da nicht so patzig, eher offener und zugänglich.
Ja da stimme ich Dir zu. Es wird freundlich gegruesst und gewinkt, aber.....dann kommt erstmal lange nichts und entspricht leider nicht immer dem was der lächelnde Mensch ueber Dich denkt.
Das zu zeigen, verbietet sich nämlich aufgrund der schwedischen Freundlichkeit
Ivory hat geschrieben:
3.) Verkehr: Sicherlich dem Tempolimit geschuldet - aber wer mal den Realvergleich Autobahn Schweden/Autobahn Deutschland erlebt hat, weiß, was ich meine.
Vollste Zustimmung, wenn ich nach D fahre bin ich erstmal die ersten 100 km im Hochstress weil ich mich stark umgewöhnen muss.
Ivory hat geschrieben:
4.) Natur und Fortschrittlichkeit: ursprünglich leben, aber sich nicht gegen Neues verwehren.
Du warst auf Orust?? Nun wundert es mich nicht warum Du so begeistert bist. Unsere Inselbewohner sind schon sehr speziell, im positiven Sinne
Deine Festellung finde ich aber eher als Widerspruch.
Dieses "uspruengliche" Leben was Du erwähnst, interpretiere ich mal als eine Beschreibung der Wohnsituationen und Bedingungen?
Ich glaube aber nicht, dass man aus Ueberzeungung und naturnähe noch in diesem Jahrzehnt auf
solche Wohnsituationen trifft.
Nicht wenige meiner Bekannten heizen noch komplett ihre Häuser mit Holz (auch Warmwasser)!!!!
Das bedeutet, bevor man duscht bitte erst einer raus und feuern um Warmwasser zu zubereiten, das mag ja romatisch sein aber will man wirklich im Winter erstmal den KEssel anheizen bevor die Dusche laufen kann?
Schlichte Bauweise der Häuser die bestimmt ihren Charme haben, aber alle Kraft von den Besitzern abfordern.
Stromausfälle im Winter (damit auch kein Wasserzugriff), schlechte Strassensituationen. Viele, viele Häuser liegen abseits in den Wäldern, das ein befahren in den Monaten Nov bis März zum Abenteur macht.
All dies ist nicht, weil der Schwede so romatisch und naturnah ist, sondern weil einfach die finanziellen Mittel fehlen.
Man darf einfach nicht die Augen verschliessen, dass auch trotz Vollbeschäftigung beider Ehepartner meist nicht viel in der Haushaltskasse ist!!!
Ich gebe Dir recht....in Sachen Vernetzung/elektronik sind die Schweden uns um Längen voraus.
Negativpunkt....wenn man den Arzt benötigt muss man sich auch erstmal mit einen Sprachcomputer zu frieden geben, der einem einen menschlichen Rueckruf in 1-2 Stunden verspricht.
Und leider ist die Kommunikation - auch der Erwachsenen - stark auf Facebook konzentriert
Ivory hat geschrieben:
5.) Und generell irgendwie das, was man nicht sagen kann. Es ist schwierig zu erklären, aber wir sind zB Leute, denen Geld im Leben nicht extrem wichtig ist. .......- die schaffen genauso viel, machen sich aber weniger Stress und haben noch Zeit das Leben zu genießen.
Das empfinde ich hier - gerade auf Orust - sehr zweigeteilt.
Als noch Einzuggebiet von Göteborg, gibt es viele Wohngegegenden in denen Karriere, Luxeriöses Haus und dickes Auto eine grosse Rolle spielt. Der Fokus ist hier sehr eindeutig.
Dann gibt es die ländlichen Regionen die relativ "normal" erscheinen, aber in denen z.Bsp. gerade die Frauen gleich mehrere unterbezahlte Jobs, neben Haushalt oder gar Bauernhof mit Tieren absolvieren (nach dem Wasserheizen), um ueber die Runden zu kommen!!
Ja sie sind trotzdem gelassen und ja sie verfolgen keinen Luxus, aber in Anbetracht der "härte" ihrer Lebensbedingungen, wollte ich nicht mit ihnen tauschen.
Mir erscheint dieses Leben manchmal wie vor 50 Jahren.
Ivory hat geschrieben:
Wie gesagt, es ist vieles schwer zu erklären, weil das eher auf einer emotionalen Ebene abläuft.
..und es ist auch sehr schwer zu beantworten ohne nörgelnd oder schwarzsehend zu wirken, aber ich habs einfach mal versucht.
Es sind halt wirklich wenn auch scheinbar nur zaghafte Unterschiede zu bemerken, die mal negativ oder positv zu Buche schlagen.Hauptsache in der Summe stimmt es wieder :wink
Unterm Strich kann ich sagen, ich geniesse es in Schweden zu leben
WEIL ich aus Deutschland komme und dadurch auch gewisse "Vorteile" geniese.
Als Schwede wollte ich hier nicht unbedingt leben, und ich möchte im Erwachsenenleben nicht mit meiner Tochter tauschen wollen.
LG
Heike