Was ist besser in Schweden?

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Aelve
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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Aelve » 7. Oktober 2010 08:39

Hallo,

viele Punkte meines Vorschreibers Ivory kann ich unterstreichen, da ich diese Vorteile in Schweden auch so erlebe.
Auch wenn ich nicht ausgewandert bin, so fallen mir noch weiterhin folgende Dinge auf, die nach meiner Ansicht in Schweden viel besser und vor allem lockerer laufen.

1. Bankangelegenheiten wie auch Finanzierung
Obwohl wir nicht in Schweden wohnen, waren die Formalitäten bei Inanspruchnahme unseres Hausdarlehns lange nicht so streng wie in Deutschland. Wir mußten keine ellenlangen Listen und Formulare ausfüllen, sondern die Bankangestellte hat uns die Summe gesagt, die sie bei dem besagten Haus finanzieren würden und alles klappte dann problemlos. Die Häuser werden nicht überbewertet, sondern die Summe, die die Bank als Wert ermittelt, wird dann auch ausgeliehen.
Der Zinssatz ist übrigens in Schweden niedriger als die deutschen Banken einem einräumen trotz der Niedrigzinsphase zur Zeit.
2. Steuerrecht ist viel unkomplizierter als in Deutschland.
3. Der Lebensstandard ist in Schweden allgemein höher als in Deutschland, es gibt nicht diesen krassen Unterschied
zwischen ganz arm und ganz reich. Dazu zählt auch, dass es nicht solche niedrigen Hungerlöhne wie in Deutschland gibt.
4. In Schweden zählt eher der Mensch anstatt das, was er hat oder nur vorgibt zu haben. Ich habe das Gefühl,
dass die Schweden eher bescheiden sind und zufrieden mit ihrem Lebensstandard.

Mir würden sicherlich noch mehr Sachen einfallen, was mir an Schweden besser gefällt, natürlich gibt es auch ein paar ganz wenige Dinge, die ich in Deutschland besser finde. Aber wenn ich alles gegeneinander aufwiege, dann fällt die Waage zugunsten von Schweden aus.

Liebe Grüße Aelve
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Speedy
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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Speedy » 7. Oktober 2010 09:46

Hi Aelve,

ich kann verstehen, dass Dir viele Dinge einfacher und besser "erscheinen" als in Deutschland. Aber wenn Du hier lebst und vor allem selbstständig bist, dann wirst sehr schnell eines besseren belehrt. Die Buerokratie hier ist um einiges schlimmer als in D. Mit den Banken vor allem mit Svedbank haben wir auch so einige sehr merkwuerdige Erfahrungen gemacht. Ganz mal abgesehen von Länsförsäkrings Bank, wo jeden Monat wieder ein Påminnelse kommt, weil eine Hand nicht weiss was die andere tut. Vieles hängt damit zusammen, dass Du hier in Schweden z.B. nicht unbedingt Bankaufmann gelernt hast (3 Jahre Lehre) wie in Deutschland, d.h. Du wirst von einem Kollegen angelernt, der vom Kollegen angelernt wurde usw. d.h. alle Fehler werden munter weitergegeben. Der das ausbadet ist der dumme Kunde. Da werden Fonder verkauft ohne Deine Zustimmung. Da wird der Ex meines schwedischen Mannes Kredite bewilligt und er wird einfach als Buerge eingesetzt, Pfand ist seine Lebensversicherung und das 3 Jahre nach der Scheidung. Ich bitte um Entschuldigung, aber so etwas habe ich in Deutschland nicht erlebt. Das Steuerrecht ist fuer den einfachen Buerger der "nur" Arbeitnehmer ist wesentlich einfacher, aber dann......sei selbstständig und es wird beschwerlich. Das der Lebensstandart höher ist möchte ich auch anzweifeln. Es gibt hier vielleicht nicht diese krassen Unterschiede wie in D aber wenn ich die deutschen Preise mit den hiesigen vergleiche, dann muss ich sagen, dass in D vieles billiger ist als hier. Hier sind eigentlich alle Ehepaare/Sambos gezwungen beide zu arbeiten.

Hier zählt der Mensch, weil hier z.T. immer noch der Volksheim (Volkhem) Gedanke hochgehalten wird. Was das im einzelnen bedeutet kann man gut bei Wikipedia nachlesen oder im Buch Albtraum Schweden. Die Schweden scheinen zufriedener aber was es hier an Neid und Missgunst gibt, das ist mindestens so schlimm wie in Deutschland, nur das es nicht so offen zu Tage tritt.

Wenn man beide Staaten zusammenlegen wuerde und schuettelt, dann kommt vielleicht ein nahezu perfekter Staat heraus. Aber ich meine man muss auch hier in Schweden hinter die Fassaden sehen und das geht nur wenn man hier lebt.

Gruss aus Varberg

Speedy

blueII
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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon blueII » 7. Oktober 2010 09:52

Ivory hat geschrieben:
1.) Die schwedische Gelassenheit ist sicher das auffälligste. Sicherlich gibts da auch mal Druck, aber die Schweden machen Längen weniger Hektik.


Das mag auch sehr angenehm sein und ich finde auch hier die einen oder anderen "gelassenen Situationen" als sehr angenehm, aber bedenke dass sich die "Ruhe" durch alle Sparten zieht. Bis Du mal angewiesen auf zuegige Reaktion (Stichwort Handwerker, Ärzte) kann das Dir sehr uebel aufstossen und auch gehörige Schwierigkeiten bereiten. Aus dieser Gelassenheit heraus, kommt leider auch eine gewisse unzuverlässigkeit, die mich schon öfters hier zum Wahnsinn treibt.

Ivory hat geschrieben:2.) Freundlichkeit: Weiß nicht, die Deutschen sind irgendwie eigen und biss mufflig. Die Schweden sind da nicht so patzig, eher offener und zugänglich.


Ja da stimme ich Dir zu. Es wird freundlich gegruesst und gewinkt, aber.....dann kommt erstmal lange nichts und entspricht leider nicht immer dem was der lächelnde Mensch ueber Dich denkt.
Das zu zeigen, verbietet sich nämlich aufgrund der schwedischen Freundlichkeit :roll:

Ivory hat geschrieben:3.) Verkehr: Sicherlich dem Tempolimit geschuldet - aber wer mal den Realvergleich Autobahn Schweden/Autobahn Deutschland erlebt hat, weiß, was ich meine.


Vollste Zustimmung, wenn ich nach D fahre bin ich erstmal die ersten 100 km im Hochstress weil ich mich stark umgewöhnen muss. :x

Ivory hat geschrieben:4.) Natur und Fortschrittlichkeit: ursprünglich leben, aber sich nicht gegen Neues verwehren.


Du warst auf Orust?? Nun wundert es mich nicht warum Du so begeistert bist. Unsere Inselbewohner sind schon sehr speziell, im positiven Sinne :wink:

Deine Festellung finde ich aber eher als Widerspruch.
Dieses "uspruengliche" Leben was Du erwähnst, interpretiere ich mal als eine Beschreibung der Wohnsituationen und Bedingungen?
Ich glaube aber nicht, dass man aus Ueberzeungung und naturnähe noch in diesem Jahrzehnt auf solche Wohnsituationen trifft.
Nicht wenige meiner Bekannten heizen noch komplett ihre Häuser mit Holz (auch Warmwasser)!!!! :roll:
Das bedeutet, bevor man duscht bitte erst einer raus und feuern um Warmwasser zu zubereiten, das mag ja romatisch sein aber will man wirklich im Winter erstmal den KEssel anheizen bevor die Dusche laufen kann? :roll:
Schlichte Bauweise der Häuser die bestimmt ihren Charme haben, aber alle Kraft von den Besitzern abfordern.
Stromausfälle im Winter (damit auch kein Wasserzugriff), schlechte Strassensituationen. Viele, viele Häuser liegen abseits in den Wäldern, das ein befahren in den Monaten Nov bis März zum Abenteur macht. :shock:

All dies ist nicht, weil der Schwede so romatisch und naturnah ist, sondern weil einfach die finanziellen Mittel fehlen.
Man darf einfach nicht die Augen verschliessen, dass auch trotz Vollbeschäftigung beider Ehepartner meist nicht viel in der Haushaltskasse ist!!!

Ich gebe Dir recht....in Sachen Vernetzung/elektronik sind die Schweden uns um Längen voraus.
Negativpunkt....wenn man den Arzt benötigt muss man sich auch erstmal mit einen Sprachcomputer zu frieden geben, der einem einen menschlichen Rueckruf in 1-2 Stunden verspricht.
Und leider ist die Kommunikation - auch der Erwachsenen - stark auf Facebook konzentriert :roll:

Ivory hat geschrieben:5.) Und generell irgendwie das, was man nicht sagen kann. Es ist schwierig zu erklären, aber wir sind zB Leute, denen Geld im Leben nicht extrem wichtig ist. .......- die schaffen genauso viel, machen sich aber weniger Stress und haben noch Zeit das Leben zu genießen.


Das empfinde ich hier - gerade auf Orust - sehr zweigeteilt.
Als noch Einzuggebiet von Göteborg, gibt es viele Wohngegegenden in denen Karriere, Luxeriöses Haus und dickes Auto eine grosse Rolle spielt. Der Fokus ist hier sehr eindeutig. :lol:
Dann gibt es die ländlichen Regionen die relativ "normal" erscheinen, aber in denen z.Bsp. gerade die Frauen gleich mehrere unterbezahlte Jobs, neben Haushalt oder gar Bauernhof mit Tieren absolvieren (nach dem Wasserheizen), um ueber die Runden zu kommen!!

Ja sie sind trotzdem gelassen und ja sie verfolgen keinen Luxus, aber in Anbetracht der "härte" ihrer Lebensbedingungen, wollte ich nicht mit ihnen tauschen.

Mir erscheint dieses Leben manchmal wie vor 50 Jahren. :(

Ivory hat geschrieben:Wie gesagt, es ist vieles schwer zu erklären, weil das eher auf einer emotionalen Ebene abläuft.


..und es ist auch sehr schwer zu beantworten ohne nörgelnd oder schwarzsehend zu wirken, aber ich habs einfach mal versucht.
Es sind halt wirklich wenn auch scheinbar nur zaghafte Unterschiede zu bemerken, die mal negativ oder positv zu Buche schlagen.Hauptsache in der Summe stimmt es wieder :wink

Unterm Strich kann ich sagen, ich geniesse es in Schweden zu leben WEIL ich aus Deutschland komme und dadurch auch gewisse "Vorteile" geniese.
Als Schwede wollte ich hier nicht unbedingt leben, und ich möchte im Erwachsenenleben nicht mit meiner Tochter tauschen wollen. :|

LG
Heike

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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Aelve » 7. Oktober 2010 11:31

Wenn man beide Staaten zusammenlegen wuerde und schuettelt, dann kommt vielleicht ein nahezu perfekter Staat heraus. Aber ich meine man muss auch hier in Schweden hinter die Fassaden sehen und das geht nur wenn man hier lebt.

Hallo Speedy,

der Spruch ist gut, werde ich mir mal merken. Tatsache ist aber, dass jedes Ding seine zwei Seiten hat, da beißt die Maus keinen Faden ab. Was für das eine gut, ist für das andere schädlich. Ich gebe auch BlueII Recht, dass es beschwerlicher ist, jeden Tag mit Holz den Kamin einheizen zu müssen, als wenn man bequem die Gasheizung nutzen kann. Ich bin noch mit einem einfachen Kachelofen ohne Zentralheizung groß geworden und weiß deshalb den Luxus einer Zentralheizung zu schätzen, möchte ihn auch nicht missen. Aber ich denke, dass man auch in Schweden nicht auf diesen Luxus verzichten muß, eher denke ich, dass viele mit Holz heizen, weil sie es gerne möchten, es anheimelnder ist oder auch einfach nur günstiger und man das gesparte Geld für etwas anderes benötigt. Wenn in Deutschland nicht beide Partner arbeiten, dann geht das nur, wenn ein Partner extrem viel Geld verdient. Da ich dafür bin, dass beide Partner arbeiten, stört es mich weniger als vielleicht jemand, der mehr für die Aufteilung ist, Mann geht zur Arbeit, Frau bleibt zuhause. In Schweden ist es aber wenigstens möglich, dass beide arbeiten gehen dürfen, ich würde es viel mehr als Vorteil sehen anstatt als Nachteil, dass man die Kinder gut aufbewahrt weiß, anstatt dass man den schweren Balanceakt wie in Deutschland hinlegen muß, wenn man kaum einen Kindergartenplatz bekommt und falls ja, dann die Hälfte eines Gehalts schon dafür weggeht.

Vieles hängt deshalb von den eigenen Vorlieben ab, ob einem Schweden gefällt oder eben doch nicht so sehr. Auch in Deutschland kann es einem passieren, dass man für seinen geschiedenen Partner oder auch Eltern aufkommen muß, weil der Staat versucht, sich an Verwandte zu halten, um nicht selber einstehen zu müssen. Der Staat will sich gerne überall aus der Verantwortung ziehen, wenn es darum geht, dass jemand in eine finanzielle Zwangslage kommt, selbst wenn derjenige vorher jahrelang ins Sozialsystem eingezahlt hat. Wie das in Eurem speziellen Fall, liebe Speedy sich mit der Bürgschaft und der Lebensvers. zugetragen hat, ist mir unklar, jedoch würde ich, falls es nicht korrekt war, mir nicht gefallen lassen. Vielleicht war die geschiedene Frau ja bei der LV mit beteiligt, so dass es rechtens war. In D kann man auch ganz schnell in irgend etwas reinrutschen, was ungerecht ist und man bezahlen muß, ohne dass man meint, dass es richtig sei. Auf jeden Fall spart man ja schon erheblich viel Geld bei Scheidungen in Schweden, in D wird man arm, wenn man sich scheiden läßt. Das sollte man auch wieder als Vorteil sehen, dass ein Partner nach einer Scheidung nicht für den anderen aufkommen muß, da jeder für seine Versorgung selber verantwortlich ist. Und natürlich wird auch in dem Punkt der eine froh sein, weil es keine Unterhaltsregelung gibt, ein anderer jedoch wird darüber erbost sein, weil er dadurch Nachteile für sich hat. Ich meine deshalb, dass man nicht erwarten kann, dass alles, was in einem Land gilt, gleichermaßen für alle gut ist, für den einen ist es ein Vorteil, für den anderen wiederum ein Nachteil. Solange es einigermaßen ausgewogen ist, wie es in einem Land geregelt ist, umso eher wird man zufrieden sein; schwer wird es erst, wenn viele Nachteile eines Landes auf einen selber zutreffen, so dass man dann versuchen sollte, seine Situation zu verändern oder seine Einstellung.

Grüße Aelve
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Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Imrhien » 7. Oktober 2010 16:32

Ivory hat geschrieben: Eigentlich geht die Frage an die, die in Schweden leben und mir sagen können, ob meine "Rosa Brille" wirklich so rosa ist oder wir uns nicht getrügt haben. Ich zähle mal eben auf, was uns an Schweden gefällt:


Da schau ich mal was ich machen kann :)
Aus meiner Sicht:

Ivory hat geschrieben:
1.) Die schwedische Gelassenheit ist sicher das auffälligste.


Da hast Du recht. Das ist wirklich so. In Schweden ist man in vielen Situationen gelassener. Warum und wieso? keine Ahnung. Es ist allerdings nicht immer nur vorteilhaft, es kann einem nach einigen Jahren auch richtig auf die Nerven gehen. Im Urlaub ist das super entspannend und manche finden es auch später toll. Das ist wohl Einstellungssache. Ich finde es manchmal super, manchmal treibt es meinen Blutdruck nur noch mehr in die Höhe und macht mich irre. Das muss man also selber erleben und für sich bestimmen.

Ivory hat geschrieben:
2.) Freundlichkeit: Weiß nicht, die Deutschen sind irgendwie eigen und biss mufflig. Die Schweden sind da nicht so patzig, eher offener und zugänglich.


Hm, da habe ich, um ehrlich zu sein, hier genau so viele schwarze Schafe erlebt wie in Deutschland. Es hängt ja auch in Deutschland davon ab wo man lebt, finde ich. Aber in Schweden hab ich schon genau so viele Sauertöpfe gefunden. Es leben halt weniger Menschen hier, daher ist es in der Masse weniger. Aber in Prozent würd ich sagen, hält sich das die Waage. Ausserdem kann es einem hier viel mehr so ergehen, dass manche nur vordergründig nett sind aber hintenrum was anderes denken. Ein Schwede (um es mal provokant über einen Kamm zu scheren) sagt nichts unfreundliches oder beschwert sich offen. Das geschieht eher selten. Ob man das gut oder schlecht findet muss jeder für sich ausmachen. Bei mir ist auch das sehr gemischt... Ach ja, offen und zugänglich ist man oft zu Touristen mehr. Auch in Deutschland. Es ist schon ein Unterschied ob man da lebt oder nur mal kurz zu Besuch ist. Ausländer, die wieder gehen und nur Geld da lassen, sind in fast allen Ländern gern gesehen und werden offen empfangen. [/quote]


Ivory hat geschrieben:
3.) Verkehr: Sicherlich dem Tempolimit geschuldet - aber wer mal den Realvergleich Autobahn Schweden/Autobahn Deutschland erlebt hat, weiß, was ich meine.


Tempolimit und vor allem weniger Autos. Ganz klar. Der medelsvensson ist kein besserer oder besonnenerer Fahrer, er hat einfach mehr Platz. Da passieren allein deswegen weniger Sachen. Ausserdem ist es hier viel teurer...

Ivory hat geschrieben:
4.) Natur und Fortschrittlichkeit: Wir waren wirklich am Arsch der Welt und selbst auf den kleinsten Inseln bei Orust hat der Pfarrer eine Mailadresse. Ich persönlich finde das absolut sympathisch - ursprünglich leben, aber sich nicht gegen Neues verwehren. Im Gegenteil. Wäre genau mein Ding!


Hm, da kenne ich in Deutschland auch immer mehr, die es genau so halten, mit email und so...
Aber Du hast schon recht. Schweden ist sugen på teknik. Die lieben Technik. Alles was modern und neu ist, am Besten aus USA kommt, wird erst mal als gut angesehen. Nicht schlecht. Wirklich nicht. Nur manchmal übertrieben unkritisch. Der Umgang mit medien findet hier deutlich unkritischer statt. Kinder dürfen mehr und konsumieren mehr TV und PC als in Deutschland. Soll man kaum glauben, bei der Landschaft, gelle? Ist aber so. Schon Kindergarten, Schule und Hort bieten da ein gutes (ironie) Angebot an Spielen und Filmen. Sicherlich ist nicht alles schlecht was da läuft, meine Kinder schauen und spielen auch. Aber die Menge machts...

Ivory hat geschrieben:
5.) Und generell irgendwie das, was man nicht sagen kann. Es ist schwierig zu erklären, aber wir sind zB Leute, denen Geld im Leben nicht extrem wichtig ist. Wir arbeiten, arbeiten viel - ich bin zB als Webdesigner selbstständig. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass man im Schweden mehr Fokus auf das Leben legt - das fehlt mir in Deutschland.


Hm, Geld ist in Schweden wichtiger als man denkt. Für viele ist es besonders wichtig, dass das Haus toll aussieht, der Garten topp ist und vor allem das Auto neu und teuer ist. Man glaubt es nicht und es ist natürlich nicht jeder Schwede so. Aber je nach Gegend, kann es schon mal vorkommen, dass sich einer ein neues Auto kauft und dann in den nächsten Monaten alle in der Strasse nachziehen. Lächerlich, aber schon vorgekommen. Mein Haus, mein Boot, meine Stuga... Die Werbung würde hier auch passen...
Klar, die Schweden leben gerne. Die machen extrem lange Urlaub und so. Das liegt aber auch daran, dass es hier so kurze Sommer gibt. Da muss man die Zeit nutzen. Oder im November noch schnell nach Thailand fliegen um etwas Sonne zu tanken. Und dass hier beide voll arbeiten und den ganzen Tag unterwegs sind, ist normal. So viel mehr Zeit für die Familie hat der Durchschnittsschwede gar nicht. Für Kinder hat die Familie in der Regel eher weniger Zeit als in Deutschland. Wenn beide Elternteile gleich viel arbeiten, ist das Kind entsprechend lang im Kindergarten. Oder allein daheim, oder bei Freunden vorm TV oder im Verein, wo sie oft alleine hin gehen.

Interessanterweise kenne ich mehr Ausländer, die versuchen zu leben. Also, so wie Du das meinst. Mit Spazieren und Wandern in der Natur. Das Leben geniessen und so. Klar ,das machen auch Schweden. logisch. Bei der Natur und überhaupt. Aber ich höre das öfter von Ausländern, vor allem den eingewanderten Deutschen, als von den Schweden.

Das mein Senf. DU liegst also nicht falsch mit Deinen Beobachtungen. Die Dinge haben aber eben meist 2 Seiten und im Urlaub sieht man oft nur eine Seite. Die Schönere.
Ich liebe es hier zu leben. Aber manchmal fehlt mir Deutschland und ich liebe auch manche Dinge am Deutschsein!
Beide Länder haben Vor- und Nachteile. Leg die rosa Brille ab, schau es Dir an und dann zu Plan C :)
Auswandern schadet nicht, wenn man sich vorbereitet und weiss dass es anders laufen kann als man denkt. Spannend und lehrreich ist es immer.

Grüße
Wiebke

Ivory

Re: Was ist besser in Schweden?

Beitragvon Ivory » 8. Oktober 2010 14:08

Naja, ich genieße auch hier die Natur und versuche so zu leben, dass eine Balance da ist.
Wenn ich mir im Schnitt meine Kunden und Partner anschaue, schätze ich mal, dass ca. 75% meinen, dass alles OK ist, aber das nur ein Schein ist. Die Gesellschaft suggeriert uns hier zu viel, denn die meint, man ist ein guter Mensch, wenn man konsumiert und Leistung bringt. Die Balance zwischen Arbeit und Leben finden die wenigsten und sowas spielt ja auch keine Rolle. Schaue Dir doch mal die katasrophalen Zahlen der Depressionen, Burnouts, etc. an - das ist nur das Sinnbild dessen. Heute hat niemand mehr Zeit. Habe um 11:00 einen Anruf für eine Programmieraufgabe erhalten mit der Frage, ob es diese Woche noch fertig wird. "Häää? Wie diese Woche? Die ist mit dem heutigen Tag (Freitag) beendet oder stimmt mein Kalender nicht mehr??"

Soviel zur Vorrede: Ich suche für den "Plan B" mehr oder weniger einen Ausstieg aus dieser Sache. Ob es Schweden ist oder wird und wann das sein wird, ist lange nicht entschieden. Ich weiß, dass Schweden keineswegs das Schlaraffenland darstellt, aber die Mentalität käme mir zumindest ein wenig entgegen und entschärft das alles etwas. Göteborg fand ich zB auch ganz schrecklich. Ich komme vom "Land" und würde wenn dann in Gegenden ziehen, die ähnlich sind - wie zB Stenungssund o.ä. - nicht der Arsch der Welt, aber auch keine Großstadt. Zumindest auf Orust tickten die Uhren irgendwie langsamer und diese Entschleunigung war wie das Abklingen von Kopfschmerzen.

Ich versuche das dann schon nicht aus der üblichen Touri-Sicht zu sehen. Uns haben selbst die Schweden gefragt, was wir "am Ende der Welt" möchten. Ja, eben, um alles so kennenzulernen, wie es tatsächlich ist. Sicherlich hat die Landschaft ihren Teil beigetragen zum schönen Bild, aber eben auch das Gesamtbild. Da gibts so viele kleine Stories: Das Wetter war nicht immer gut, und die Schweden hat das absolut nicht gejuckt. Die stehen im Regen trotzdem an der Imbissbude. In Deutschland wären wieder alle wie aufgescheuchte Hühner rumgelaufen. Auf der Rückfahrt von Trelleborg konnte man förmlich diese Unruhe der deutschen Heimreiser spüren. Die Omas und Opas mit ihren Stullenpaketen auf der Fähre, der benzfahrende Schnösel, etc. - die ganzen Schubladen haben da gepasst. Auf der Hintour mit den Schweden auf der Fähre war das völlig entspannter. Die haben mit ihrer Palette Bier irgendwo gesessen und gut war.


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