Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

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nysn

Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon nysn » 28. November 2008 21:19

Hej Lisa,
dache ich schreib das in einen neuen Thread, weil deine Frage in dem anderen irgendwie untergegangen ist und vielleicht weiß auch der eine oder andere noch mehr zu diesem Thema:

S-nina hat geschrieben:

Man muss damit rechnen, dass sich das anfänglich so schöne Häuschen zur größten gesundheitlichen Katastrophe entpuppt - viele Häuser haben in Schweden Radonwerte (so ziemlich alles, was zwischen 1960 und 1979 gebaut wurde), da kann man sich noch so oft an der frischen Luft aufhalten - im Haus, im langen dunklen Winter, hat man ein Klima, als wäre man Kettenraucher. Radonwerte, auch unter 200 Bequerel sind immer noch äußerst gesundheitsschädlich - das sagt man in Schweden nur nicht!

Das Holzhäuschen besteht in der Regel auch gar nicht aus dem so natürlichen Baustoff Holz - es kommen Spanplatten, Plastik und sonstige merkwürdigen künstliche Dämmstoffe zum Einsatz. Ist das Objekt der Begierde dann auch noch älter als 10 Jahre - dann schimmelt es womöglich an allen Ecken und Enden - im schönen Torpargrund z. B. oder in der Bodenplatte aus den 70ern - mikrobiell tillväxt.

Woran kann ich erkennen dass das in meinem Haus so ist?? Wer könnte da helfen?? Gibt es in Schweden so eine Arte Umweltpolizei?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bei so einer Frage habe (die ich sicherlich nicht stellen würde, wenn das Thema hier nicht aufgekommen wäre) Aber genau dafür finde ich, ist das Forum da. Denn darüber mache ich mir in Norddeutschland keine Gedanken - Radonbelastung im Wohnhaus.


Es gibt in Schweden keine Umweltpolizei, wenn es darum geht, Häuser zu kaufen - beim Hauskauf ist es in Schweden dagegen außerordentlich wichtig, dass man das gewünschte Objekt vor dem Kauf besichtigt - das kann man selber tun - aber es wird dringend empfohlen, einen Fachmann hinzuzuziehen.
Eine Firma, die solche fachmännischen Besichtigungen in Schweden ausführen - heißt z. B. Anticimex.

Für eventuelle Fehler, z. B. auch Feuchtigkeisschäden, die bei einer solchen Besichtigung dann übersehen werden oder nicht sichtbar waren, für die haftet dann der Verkäufer noch 10 Jahre lang nach dem Verkauf - d. h. in Schweden "dolda fel" und ist auch gesetzlich geregelt - allerdings nur wenn der Käufer eine sog. "överlåtelsebesiktning" durchgeführt hat.

Die Sache mit dem Radon ist etwas tückischer - denn Radon ist von dieser Verpflichtung ausgenommen - d. h. auch wenn man einen Besichtigungsfachmann beauftragt, muss der nicht unbedingt auf Radon hinweisen. Der Verkäufer muss dich nicht unbedingt darauf aufmerksam machen - und ich habe auch noch nie erlebt, dass das irgendwo schon mal der Fall gewesen wäre.
Über Radon muss man sich im Prinzip selbst informieren.

Es gibt zwei Arten von Radon in Schweden:

1. Markradon - also Radon, das nütürlich im Boden vorhanden ist. Es gibt Gegenden in Schweden, wo es sehr hohe Werte gibt - sog. Hochrisiko-Radongebiete - in Göteborg ist das z. B. ein Gebiet um Ängberget und in Mölndal Eklanda/Balltorp. In Västra Götaland ist auch die Region um Skövde stark betroffen - in Skövde selbst z. B. das "feinere Gebiet" um Billingen.
Hierbei drängt das Radon durch Undichtigkeiten ins Haus und es können je nach Region/Gebiet recht hohe Werte entstehen - vor allem im Winter, wenn man nicht so oft lüftet.

Die Schweden sind äußerst verschwiegen, wenn es um das Thema Radon geht - wenn man z. B. bei einer Hausbesichtigung den Makler danach fragt, dann kann es schon mal passieren, dass man einfach nicht mehr als Käufer in Frage kommt - einfach weil man dann einfach zu "unbequem" ist.

Die Kommunen müssen auf Anfrage Karten herausgeben, wo es betroffene Gebiete gibt - in meiner Kommune habe ich allerdings ein paar Mal hinlaufen müssen, um dann die gewünschten Karten zu bekommen. Man muss dann ggf. schon mal hartnäckig sein.

2. Dann gibt es Radon, das in der Bausubstanz enthalten ist - d. h. wurde in Schweden in vielen Steinhäusern aus den Jahren 1929 bis 1975 verwendt, und heißt Blaubeton ( Blåbetong). Wurde sowohl für Innen- und Außenwände verwndet und kann zu Radonwerten bis zu 1000 Bq/m3 führen.

Um das festzustellen, muss man das Haus auch selbst untersuchen.

Dann gibt es noch Radon im Wasser - das ist aber nur für Freizeithäuser und Häuser mit nicht kommunalem Wasser interessant.

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Thema:

http://www.stralsakerhetsmyndigheten.se ... donkallor/

Bei Radon wird einem in Schweden auch gesagt, dass es unter 200 Bq/m3 keine Probleme gibt - denn das ist moment der Grenzwert. Persönlich halte ich das für untertrieben bis nicht korrekt, denn ich habe schon gelesen, dass z. B. in den USA schon bei 60 Bq/m3 gewarnt wird (und sogar in Italien, wo man eigentlich davon ausgeht, dass dort nicht alles so genau genommen wird).

Das größte Gesundheitsrisiko bei Radon in der Innenluft ist Lungenkrebs - und besonders schlimm finde ich es, wenn man dann kleine Kinder diesem Risiko aussetzt.

Es gibt in Schweden - und auch in meiner Kommune - z. B. Dagis (Kindergärten), wo höhere Werte als der Grenzwert gemessen wurde, und dort dürfen weiterhin Kinder "aufbewahrt" werden. Man spricht halt nicht darüber!

Über Radon habe ich vor meinem Umzug nach Schweden auch nie was gehört und auch gar nichts gewusst. Ich wurde erst darauf aufmerksam, als Freunde von uns ein Haus mit Radonbelastung kauften - und ich war dann recht erstaunt darüber, wie im so "öffentlichkeitsorientierten und gesundheitsbewussten" Schweden gerade diese Thematik so verschwiegen wurde.

Der Grund: Würde man zu sehr damit an die Öffentlichkeit gehen, wären sehr, sehr viele Leute wirtschaftlich davon betroffen - d. h. die Werte ihrer Häuser/Bostadsrätter würden möglicherweise sinken - und das will man doch nicht - oder?

S-nina

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon blueII » 28. November 2008 22:36

Hej Nina,

mamamia, das ist aber sehr gut recherchiert. Dem gibt es nichts hinzuzufügen!

Mein Eindruck ist, dass es nicht nur verschwiegen wird sondern wenn es zur Sprache kommt es auch sehr pragmatisch gehandhabt wird.
Mit einer entsprechenden Belüftung ist angelblich alles in Ordnung. :shock:
Nachdem ich den ganzen Pragmatismus in Sachen Hausbau der Schweden verstanden habe, wundert es mich auch nicht besonders. Ich glaube, es ist noch nicht mal bös gemeint. :roll:
Gab es nicht - sozusagen als Schadensersatz - eine Steuerminderung, Nina? Oder habe ich es falsch in Erinnerung.

Schwierig ist dem Zeug auf dem Grund zu gehen.
Ich kenne mich nicht so genau aus, aber überall im Haus müssen über mehrere Monate bestimmte Messboxen aufgestellt werden. Dies auch nur zu einer bestimmten Jahreszeit.
Das ist natürlich ziemlich langwierig und leider ist diese Messung nicht ganz manipulationsfrei
Natürlich überprüft niemand, ob diese Boxen wirklich so lange wie vorgeschrieben an ihrem Platz standen.

Wenn die Wahl besteht, möglichst diese Gebiete meiden.
Unser Nachbar hat sein Grundstück vor Neubau geprüft, obwohl wir in keinem "gefährdeten" Gebiet wohnen.
Hat mir schon zu denken gegeben, aber die Werte waren wohl gut.

LG
Heike

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon Litelisa » 28. November 2008 22:43

Hej Nina,

vielen Dank für die ausführliche Info. HAtte auch ein bisschen im I-Net gestöbert aber ausführliche Texte habe ich nirgendwo gefunden.
Einen Hinweis habe ich auch erhalten, dass man beim Hauskauf den Antisimex-Man mitnehmen soll wg. evtl. Bauschäden etc. OK das mit dem Radon soll hauptsächlich dort sein, wo Granitboden ist. Aber da werde ich mich in den entsprechenden Bezirken schlaumachen.

Das war auf jedenfall ein sehr hilfreicher Hinweis

LG Lisa

nysn

Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon nysn » 28. November 2008 23:29

Hej Lisa,
nichts zu Danken.

Hier noch eine Broschüre auf Deutsch - vor allem bezüglich Kauf und Untersuchungspflicht
(... ich kenne den Übersetzer :) ...)

http://www.fastighetsmaklarnamnden.se/S ... obilie.pdf

oder

http://www.fastighetsmaklarnamnden.se/d ... 885&ptid=0

Mit Radon hatte ich mich mal vor einigen Jahren intensiver beschäftigt, daher hatte ich noch einiges im Kopf.
Kommt in Schweden recht häufig vor, vor allem wo es Granit, Alaunschiefer (?) oder uranhaltigen Grund gibt (z. B. in der Region Skövde) - aber auch an der Westküste, vor allem Lysekil.
Hier noch ein Link der Kommune Skövde:

http://www.vgregion.se/upload/SU/omrade ... %B6vde.pdf

S-nina

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon Fanny » 28. November 2008 23:30

Das Verschweigen von negativen Erscheinungen ist in Schweden scheinbar Standard.
Auch die Giftwolke von Tschernobyl wird heute kaum noch besprochen, obwohl die Gebiete, die diese Wolke getroffen hat immer noch stark belastet sind. 32 Jahre Halbwertzeit lassen sich nun mal nicht wegdiskutieren und wir haben erst 22 Jahre danach.
Die Menschen sammeln dort Pilze, essen Ren und keiner macht sich mehr den Kopf darüber. Ist ja schon so lange her.
Ich finde das ein bisschen bedenklich, aber in Deutschland ist das ja auch kein Thema mehr.
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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon blueII » 28. November 2008 23:35

Da hast Du recht, Fanny.

Auch speziell dieses Thema ist mir erst vor kurzem Eingefallen und habe meinen Männe gefragt, inwieweit "unser" Gebiet eigentlich davon betroffen war oder ist.
Zu schnell reagiert die eigenen Verdrängungstaktik.

Heike

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon Fanny » 28. November 2008 23:40

Hallo Heike,

euer Gebiet ist meines Wissens nicht betroffen, die Wolke ist ab Stockholm über die Höga Kusten und nach Lappland. Es gibt Karten darüber, finde jetzt auf die Schnelle aber nichts.

LG
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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon nysn » 29. November 2008 00:00

Gab es nicht - sozusagen als Schadensersatz - eine Steuerminderung, Nina? Oder habe ich es falsch in Erinnerung.


Hej Heike,
war gerade mit einer Antwort fertig und alles ist vom Bildschirm plötzlich verschwunden - hier also nochmals kurz:

Geld gibt es für Sanierungsmaßnahmen, wie Einbau einer Lüftung usw., wenn man über 200 Bq/m3 hat - aber nur wenn man selbst im Haus wohnt. Gilt also nicht für Mietshäuser/Bostadsrätter usw. - dort gibt es aber auch Radon. Lt. diesem Bericht der Kommune Skövde sind in ganz Schweden ca. 850.000 Menschen/ca. 400.000 Häuser mehr oder weniger von Radon betroffen.

Dann kann man wohl auch eine Minderung des Steuerwertes (taxeringsvärde) bekommen.

Problem: dann steht das auch in den Akten bei Skatteverket und das ist nicht immer gewünscht.

Mir kommt es inzwischen schon auch etwas "doof" vor, dass ich ausgerechnet immer nur über nicht so schöne Dinge schreibe - doch das regt mich halt in meinem Gastland am meisten auf - und es sind halt oft auch Dinge, über die ich im meinem "früheren Leben" eigentlich nie nachgedacht hatte. :oops:

S-nina

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon blueII » 29. November 2008 00:09

S-nina hat geschrieben:
Mir kommt es inzwischen schon auch etwas "doof" vor, dass ich ausgerechnet immer nur über nicht so schöne Dinge schreibe - doch das regt mich halt in meinem Gastland am meisten auf - und es sind halt oft auch Dinge, über die ich im meinem "früheren Leben" eigentlich nie nachgedacht hatte. :oops:

S-nina


Nun dass das Gras grün und das Meer blau, kann ja auch jeder gut selber festestellen, oder?

:wink: LG
Heike

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Re: Warnungen: für Litelisa bezüglich Hauskauf in Schweden

Beitragvon Litelisa » 29. November 2008 10:00

@Nina

und nochmal :danke: für die Infos. Sind schon ausgedruckt und liegen bei unseren anderen "Schweden-Unterlagen"

Schönes Wochenende wünscht
Lisa


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