Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 15. Oktober 2008 15:37

Wandertag 3:

Am nächsten Morgen stand ich um ca. halb 6 auf und stellte beim Blick aus dem kleinen Fenster freudig fest, dass draußen die Sonne schien. Ich schritt vor die Tür und wurde abermals von dem tollen Panorama überwältigt, das ich nun – im Gegensatz zum Vortag – ganz für mich alleine hatte. Weiter unten war noch ein Teil des Tals unter Wolken versteckt, auch ein Stück Tuolpagorni sowie der Sattel waren in Watte gehüllt, die zunächst etwas hochstieg, doch dann langsam nach Osten abzog. Die Aussicht war nun wirklich genial, im Hintergrund diverse Berggipfel, und dazu die Stille. Über Nacht muss es deutlichen Frost gegeben haben, denn der Schnee war überall stark vereist.
Ich packte bald meine Sachen und marschierte um halb 7 los, zunächst hinüber zur neuen Toppstugan, wobei die Fußstapfen vom Vortag auf den Schneefeldern auch ganz glatt gefroren waren, so dass ich nicht ganz so zügig hinüber kam und z. T. auf’s Geröll auswich. 10 Minuten später hatte ich jedoch die andere Hütte erreicht und begab mich nun gleich an den bald steiler werdenden Abstieg.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 15. Oktober 2008 15:38

Noch bevor ich die Wasserstelle oberhalb des Kaffedalen erreicht hatte, kamen mir bereits die ersten Gipfelstürmer entgegen. An besagtem Plätscherbach rastete ich ziemlich lange, trank viel und füllte die Flaschen wieder auf. Auf der anderen Seite des Kaffedalen musste ich nun natürlich nochmal 200 Höhenmeter hochkraxeln, was zwar meine Fußsohlen etwas entlastete, mich dafür aber wieder ganz schön aus der Puste brachte, immerhin brannte auch heute wieder die Sonne uneingeschränkt vom wolkenlosen Himmel. Von der anderen Seite kamen nun immer mal wieder Wanderer in Richtung Gipfel entgegegen. Kurz bevor ich wieder die Steinmännchen-Clique erreichte, entdeckt ich noch eine Art „Wasserhahn“ mitten in der Felswüste, den ich am Vortag völlig übersehen hatte. Hier machte ich natürlich abermals eine Trinkrast.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 15. Oktober 2008 15:39

Hinter der Bergkuppe wartete dann schon wieder der nächste, extrem steile Abstieg auf meine bereits mittelmäßig geplagten Fußsohlen. Über große Strecken musste an diesen Hängen wirklich jeder Tritt sitzen, auf dem gesamten Weg bin ich dennoch insgesamt 4 mal gerutscht, natürlich immer beim Bergabgehen, 2 mal davon auch mehr oder weniger auf dem Boden gelandet, aber glücklicherweise immer sanft genug und ohne den geringsten Kratzer. Als ich den Sattel erreicht hatte, beschloss ich, nicht über das steile Schneefeld abzusteigen, sondern rechts davon über Fels und Geröll nach unten zu kraxeln – genau genommen verlief auch dort die Wegmarkierung. Stellenweise war diese Variante dann auch ziemlich anstrengend, zwar nicht so steil wie vorher, da man z. T. eher schräg nach rechts queren konnte, aber dafür gab es ein paar heikle Stufen. Am Ende ging es durch etwas leichteres Geröll, nun wieder auf demselben Pfad wie beim Aufstieg, zum Fluss hinunter. Diesmal schaffte ich es, diesen mit Schuhen zu überqueren, ohne dabei allzu nass zu werden.
Nun wurde das Gelände wieder flacher, aber meine Fußsohlen hätten wohl auch nicht mehr viele weitere steile Abstiege mitgemacht. An einem der Seitenflüsse legte ich noch eine gemütliche Pause ein, doch die Hitze war natürlich mittlerweile auch unerträglich. Das letzte Stück zur Fjällstation zog sich dann noch ziemlich in die Länge, aber ich hatte ja genügend Zeit und kam insgesamt wieder auf 90 Minuten Pause.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 15. Oktober 2008 15:41

Die Fjällstation erreichte ich um 10 nach 1 und flüchtete gleich unter’s Dach des Servicegebäudes, denn Sonne hatte ich nun wirklich genug abbekommen. Und hier unten im windstillen Tal und um die Mittagszeit brannte der Stern ganz besonders gnadenlos herab. Ich stellte meinen Rucksack ab und zog als erstes die Stiefel aus und die Sandalen an. Meine Isomatte brachte ich schon ins Zelt., danach lief ich hinunter ins Hauptgebäude, stellte meine Stiefel wieder im Vorraum ab und holte meine Tüte aus dem Gepäckraum. An der Rezeption bezahlte ich abermals die Servicegebühr von 90 Kronen, bevor ich alle meine Sachen in den Eingang zur Selbstversorgerküche im Servicegebäude schleppte. Dort konnte ich nun in Ruhe meine Sachen sortieren und begab mich dann als erstes in die Dusche! Bei dieser Gelegenheit wusch ich auch mein Wanderhemd und hängte es zusammen mit dem Handtuch im Trockenraum auf, bevor ich mich ans Essenkochen machte. Diesmal verschlang ich gleich ein ganzes Tütengericht (Spaghetteria oder so) auf einmal.
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Zeltplatz
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 15. Oktober 2008 15:43

Ein Ehepaar, das am Vortag noch etwas nach mir zum Gipfel aufstieg (die Frau, die vorher Schwierigkeiten hatte, den einen Fluss zu überqueren) begegnete mir dort wieder. Wir unterhielten uns etwas und es stellte sich heraus, dass sie aus Finnland kamen. Sie erzählten, dass sie letztendlich erst um 3 Uhr morgens die Fjällstation erreicht hatten. Dann hatten sie natürlich nochmal hier übernachtet und würden sich gegen Abend mit dem Helikopter zurück nach Nikkaluokta fliegen lassen.
Als ich mit dem Essen fertig war, deponierte ich meinen Rucksack wieder im Gepäckraum des Hauptgebäudes. Danach machte ich noch einen kleinen Spaziergang zur Brücke „Elsas Bro“ weiter unten, anschließend schnappte ich mir meine restlichen Schlafutensilien und legte mich bereits gegen halb 9 ins Zelt.

(Fortsetzung folgt)
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 16. Oktober 2008 17:59

Wandertag 4:

Am nächsten Morgen maß ich 8 Grad im Zelt und stand bereits um 5:15 Uhr auf, da ich einen einigermaßen straffen Zeitplan für diesen Tag hatte. Ich wollte auf jeden Fall den ersten Bus von Nikkaluokta nach Kiruna bekommen, um noch am selben Tag weiter nach Karesuando fahren zu können. Um dies halbwegs stressfrei zu schaffen, hatte ich beschlossen, den 19 km weiten Wanderweg um gut 5 km abzukürzen, indem ich die Bootsfahrt über den Laddjujávre in Anspruch nahm. Ich begann also gleich, das Zelt auszuräumen, brachte einen Teil der Sachen bereits in den Gepäckraum und nahm dann den Rucksack mit hoch, zog im Vorraum die Stiefel an und deponierte erst mal das ganze Gepäck am Servicegebäude, wo ich auf einer Bank nach und nach alles in den Rucksack packte. Vorher baute ich das Zelt ab, die leicht feuchten Zeltplanen breitete ich auf einem Tisch in der Sonne aus, bevor ich es als Letztes an den Rucksack packte. Auch ein paar vereinzelte andere Wanderer waren schon am Packen und zogen z. T. in die andere Richtung los.
Um 6:45 Uhr schlug ich also den Weg in Richtung Nikkaluokta bzw. in Richtung Bootssteg ein. Schon von Anfang an war es mal wieder zu heiß. Zunächst war ich ganz allein unterwegs, doch bei der zweiten Rast wurde ich schon von ein paar Leuten überholt.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 16. Oktober 2008 18:03

Schon gegen halb 10 kam ich am Bootssteg an. Dort standen bereits einige Leute am Seeufer und ich hoffte, dass das Schiffchen auch groß genug für alle sein würde, denn nach und nach erreichten immer mehr Wanderer den Steg. Kurz vor 10 kam das Boot an, eine ganze Menge Leute stiegen aus und wir gleich ein – wobei eine Handvoll dann doch zurück bleiben musste, denn das Schiff war inkl. Gepäck bald proppenvoll.
Bei anhaltend blauem Himmel schipperten wir durch die Buchten und dann über den offenen See und kamen kurz nach halb 11 am anderen Ufer an. Mittlerweile war es wirklich sauheiß und die Zeit wurde knapp, da ich nun noch gut 5 ½ km zurückzulegen hatte. Den Rentierburger bei LapDånalds konnte ich mir allerdings trotzdem nicht verkneifen, soviel Zeit musste sein.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 16. Oktober 2008 18:06

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LapDånalds (ganz rechts)
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 16. Oktober 2008 18:07

Doch länger hielt ich mich nicht auf, sondern marschierte bereits um 10:45 Uhr weiter. Ich machte nun nur noch 2 kurze Trinkpausen und um 12:15 Uhr kam ich endlich in Nikkaluokta an. Ich steuerte sofort auf die Rezeption zu, stellte innen den Rucksack ab, holte den Schlüssel für’s Gepäckfach, bezahlte die Aufbewahrungsgebühr, kaufte nebenan noch schnell ein paar Postkarten, lief zum Gebäude mit den Schließfächern hinüber, holte meine Sachen heraus und brachte den Schlüssel wieder zurück. Dann ging ich noch schnell auf die Toilette und füllte am Waschbecken eine Trinkflasche auf, bevor ich den Rucksack wieder aufsetzte und zur Bushaltestelle stapfte. Der Bus stand schon da und war bereits voll. Doch ein zweiter Bus kam kurz darauf an und auch hier stiegen ziemlich viele Passagiere zu, das Warten in der Schlange war aufgrund der Gruselhitze eine echte Tortur.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2008: Kebnekaise

Beitragvon Sápmi » 16. Oktober 2008 18:11

Um 12:40 Uhr fuhr er endlich planmäßig ab und kam etwas nach halb 2 am Busbahnhof von Kiruna an, wo ich mein Gepäck nur noch zur anderen Haltestelle schleppen musste, wo der nächste Bus um 14 Uhr in Richtung Karesuando startete. Zum Glück befindet sich das Busterminal in Karesuando direkt neben dem Hotel, in dem man die Schlüssel für das gegenüberliegende Wanderheim bekommt. Etwas nach 17 Uhr stieg ich dort aus und kurz darauf konnte ich endlich meine Sachen im Zimmer abladen. Ich hatte diesmal ein 4-Bett-Zimmer, aber wie immer war ich dort allein. Es gab allerdings tatsächlich noch mehrere andere Gäste in der Herberge. Ich breitete meine Sachen aus, u.a. wickelte ich die Zeltplanen nochmals auf, da ich diese am Morgen noch halb feucht hatte einpacken müssen. Der nächste Weg ging in die Dusche, dann in die Küche, usw. Alles in allem wurde ich an diesem Abend nicht mehr sonderlich alt, sondern legte mich schon kurz nach 8 schlafen.

Bild

Am nächsten Tag ging die Reise weiter über Finnland nach Kautokeino, wo ich ein paar Tage ausspannte und mich wie üblich mit Rentierfleisch mästen ließ. :lol:
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