Wanderbericht: Schweden 2007

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Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 22:48

So, ich hab mich nun auch endlich mal dazu entschlossen, nach und nach einzelne Teile meiner gesammelten Skandinavienurlaubsberichte hier reinzustellen. Die jeweils ganzen Berichte wären viel zu lang, die Einzelteile werden aber auch schon viel Ausdauer erfordern. :wink:
Ich fang mal mit einer 5-Tages-Wanderung im vergangenen Sommer in Schweden an, inklusive Einleitung, zum besseren Verständnis.

Sommer 2007

Am 19. Juli fuhr ich gleich morgens mit dem Zug nach Frankfurt, von wo ich mit SAS nach Stockholm flog. Am Flughafen Arlanda musste ich zunächst mein Gepäck abholen und durch den Zoll schleppen,hatte dann noch eine längere Wartezeit und kannte die diversen Terminals fast auswendig, als ich mich zum Gate für den Weiterflug nach Kiruna begab. Dort sprach ich eine allein wartende Frau an, da ich immer noch keine Auskunft über einen eventuellen Flughafenbus in Kiruna bekommen hatte. Die Amerikanerin aus New Mexico namens S. wusste selbst noch weniger als ich, musste aber auch irgendwie vom Flughafen ins Zentrum gelangen. Sie erzählte kurz, dass sie vorhabe, den ganzen (nördlichen) Kungsleden von Abisko bis Hemavan zu laufen und wir machten aus, dass wir uns am Gepäckband wieder treffen würden, um uns ggf. ein Taxi in die City von Kiruna zu teilen.
Nach einer etwas magenunfreundlichen Landung kamen wir um ca. 20:45 Uhr an und draußen war es angenehm kühl.
Wie geplant, traf ich S. bei der Gepäckausgabe und brachte an einem der wenigen Schalter im Flughafen in Erfahrung, dass es wohl keinen Flughafenbus geben würde. In der Zwischenzeit hatte sich noch ein jüngerer alleinreisender Deutscher zu uns gesellt, der ebenfalls ins Zentrum von Kiruna musste. Er war auch mit Rucksack unterwegs, wollte in den Sarek-NP und stellte gerade fest, dass ihm die am Rucksack befestigte Angel zwischen Stockholm und Kiruna abhanden gekommen war. Nachdem wir also beschlossen hatten, uns zu dritt ein Taxi zu teilen, trafen wir am Taxistand noch eine junge Schwedin, die auch in Richtung Kiruna unterwegs war, so dass wir letztendlich zu viert im Taxi saßen. Jeder hatte ein anderes Ziel und der Taxifahrer lud uns nach und nach ab. S. würde ich am nächsten Tag in Abisko wieder über den Weg laufen. So kam ich kurz vor 22 Uhr am STF-Hostel an, das ich bereits von früheren Aufenthalten kannte. Eigentlich hatte ich vorgehabt, diesmal das SVIF-Hostel auszuprobieren, doch war ich mit der Reservierung zu spät dran gewesen und hatte dort kein Bett mehr bekommen. Unglücklicherweise war die STF-Herberge auch randvoll und das von mir reservierte Bett befand sich in einem kleinen 4-Bett-Zimmer (Nr. 330) ohne Fenster! Als ich dieses betrat und natürlich das Licht einschalten musste, lagen dort bereits 2 Schlafende, die durch mich geweckt wurden. An der Rezeption versuchte ich, ein anderes Zimmer zu bekommen, doch vergebens. Ferner gab es nur ein WC inkl. Dusche für alle Zimmer auf demselben Flur. Nachdem ich draußen noch etwas Nordluft bei max. 10°C geschnuppert hatte und mich kurz in den Aufenthaltsraum gesetzt hatte, legte ich mich – zum Glück todmüde – bald hin und aufgrund der großen Müdigkeit konnte ich dann doch etwas schlafen.
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(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 22:50

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, natürlich mit etwas Kopf- und Halsschmerzen aufgrund der schlechten Luft. Am WC traf ich eine Dänin namens B., die im selben Zimmer übernachtet hatte. Sie lästerte auch über diesen „lousy place“ und sagte, sie würde sich an der Rezeption darüber beschweren. Bereits um halb 8 stapfte ich los in Richtung Zentrum, um nach den diversen Öffnungszeiten zu schauen und am Bankautomat die nötigen Schwedenkronen für die nächsten Tage abzuheben. Als ich zurückkam, packte ich meine Sachen, verließ das Zimmer und brachte meinen großen Rucksack zur Rezeption, bevor ich abermals in die City spazierte, wo ich als erstes die Touristen-Information ansteuerte und noch ein paar Läden abklapperte. Da ich ziemlich schnell die Runde aller Geschäfte gemacht hatte, war ich doch früher fertig als erwartet und konnte den Zug statt dem späteren Bus nach Abisko nehmen. Ich holte meinen Rucksack im Hostel ab und lief zum Bahnhof. Um 10:44 Uhr fuhr der Zug los und kam kurz vor 12 in Abisko an. Das Wetter war durchwachsen, doch nicht völlig verhangen, so dass sich auf der Fahrt doch einige nette Ausblicke aus den Fenstern boten.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 22:52

An der Turiststation bekam ich nicht sofort den Zimmerschlüssel, sondern musste meinen Rucksack zunächst in den Gepäckraum bringen und bis 14 Uhr warten. In der Zwischenzeit lief ich etwas herum und sah mir an, was sich seit meinem letzten Besuch 6 Jahre zuvor so alles verändert hatte. Als ich das 4-Bett-Zimmer im Keron-Gebäude schließlich beziehen konnte, lag dort ein Typ in einem der Betten. Aha. Ich legte meine Sachen auf das noch freie untere Bett und lief wieder zur Rezeption, da ich eigentlich davon ausgegangen war, dass die Zimmer nach wie vor nach Geschlecht getrennt seien. Die junge Frau sah nach, konnte mir dann aber nicht weiterhelfen, da alles ausgebucht sei und sie sich deshalb nicht mehr an die Trennung halten könnten. Nun gut, es war ja nur für eine Nacht. Also ging ich wieder zurück, packte ein paar Sachen aus und ging dann wieder hinaus.
Nachdem ich mich etwas im Naturum umgesehen und mich über den geplanten Wanderweg informiert hatte, lief ich noch etwas in Richtung Canyon, mit der Absicht, von dort über die kleine Brücke in Richtung Nuolja-Pfad zu gelangen. Doch bald stellte ich fest, dass es die Holzbrücke ja gar nicht mehr gab. Ich stapfte noch ein bisschen auf diversen Pfaden in der Umgebung herum und ging dann wieder zurück zur Turiststation. Am Laden gegenüber der Rezeption traf ich S. wieder und wir machten aus, dass wir uns gegen halb 8 treffen würden.
Ich ging zurück in mein Zimmer und unterhielt mich dort etwas mit dem Typen vom Nachbarbett. Es handelte sich um einen Deutschen aus Hamburg namens L., der von Kilpisjärvi nach Abisko gewandert war und hier nun 2 Ruhetage machte, um dann auf dem Nordkalottleden weiter in Richtung Süden zu laufen (nach Ritsem oder so). Er kam dann auch in den Aufenthaltsraum, als ich mir dort mein Abendessen bereitete und wir unterhielten uns noch ein bisschen.
Nach dem Duschen traf ich S. wie vereinbart um halb 8 im Hauptgebäude. Wir setzten uns ins Kaminzimmer und unterhielten uns eine Weile. Sie schreibt Bücher sowie Reiseartikel in Zeitschriften. Für eine lokale Zeitung in New Mexico schrieb sie auch regelmäßig Artikel über ihre diversen Reiseabschnitte per E-mail. Später liefen wir noch kurz raus und unter der Brücke durch, wo ich ihr den Eingang zum Kungsleden zeigte. Sie wollte am nächsten Tag direkt dort starten.
Später am noch hellen Abend ging ich zurück in mein Zimmer und unterhielt mich noch etwas mit L., dem Hamburger. Der schwedische Computerfreak, über den L. bereits gelästert hatte, war nun auch anwesend und sagte erwartungsgemäß kein Wort, sondern glotzte nur in sein Laptop, das auf dem einzigen Tisch, direkt neben meinem Bett, stand. Glücklicherweise machte er die Kiste bald zu, als ich mich schlafen legte, d.h. nicht vor 23 Uhr. Mittlerweile war auch der 4. Gast gekommen, ein junger Australier, der das Bett über mir belegte.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 22:59

Am Samstag früh stand ich gegen 7 Uhr auf und begann, meine Sachen zu packen. L. hatte mittlerweile beschlossen, auch in Katterjåkk einzusteigen statt in Abisko direkt, da er diese Variante noch nicht kannte, so dass wir die ersten beiden Tagesetappen bis Unna Allakas denselben Weg gehen würden. Also liefen wir, nachdem wir die Rucksäcke gewogen hatten (ich hatte 20 kg, er ca. 30) zusammen zur Bushaltestelle, wo der Bus um kurz vor 9 abfuhr und uns kurz nach halb 10 in Katterjåkk rausließ. Als wir von der Straße zur Turiststation hoch stapften, nieselte es schon ein bisschen; auch ansonsten war das Wetter eher grau, dafür aber die Temperatur angenehm zum Wandern. Um 10 vor 10 schlugen wir den Pfad in Richtung Unna Allakas ein, der zunächst als breiter Schotterweg begann und dann bald schmaler wurde.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 23:02

Jeder lief im eigenen Rhythmus, aber wir trafen uns immer wieder und pausierten oft zusammen. Ca. 4 km hinter der Turiststation führte eine wenig Vertrauen erweckende Stahl-Hängebrücke über den Gatterjohka zur Katterjaurestugan, einer privaten und demnach verschlossenen Hütte. Auf die Brücke mit durchgehendem Metallrostboden gelangte man über eine recht steile Rampe, bei der auf beiden Seiten die Geländerstangen halb abgerissen waren, d.h. nur noch am oberen Ende befestigt waren und nach unten hingen. Da ich ohne Geländer mit dem schweren Gepäck nicht hoch gekommen wäre, packte ich eine der Stangen und hangelte mich auf das wackelnde Gerüst. Als ich zitternd und stur nach vorne blickend über den an dieser Stelle relativ tief verlaufenden Fluss gewankt war und wieder festen Boden erreichte, stand fest, dass ich unter keinen Umständen umkehren, sondern auf jeden Fall die restlichen 79 km der Wanderung durchziehen würde. An einem großen Stein setzte ich den Rucksack ab, um eine erste Rast zu machen. Ich lief auf das WC-Häuschen zu, das jedoch auch verschlossen war. In der Zwischenzeit war auch L. angekommen und rastete ebenfalls dort.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 23:04

Da es jedoch nach wie vor recht nasskalt war, brach ich bald wieder auf, L. folgte kurz darauf nach. Nun wurde der Pfad bald zunehmend steinig und felsig. Als wir am Gatterjávri vorbei waren, zweigte eine neue Wegmarkierung vom herkömmlichen Pfad ab. Davon hatte mir bereits eine Angestellte im Naturum berichtet: Die alte Strecke sei wegen Steinschlags nicht mehr begehbar, kürzlich sei eine Frau dort ums Leben gekommen, daher sei der Weg umgelegt worden. L. wollte dies erst nicht richtig ernst nehmen und hatte keine Lust, die neue Route über den felsigen Berg zu nehmen, also stapften wir zunächst auf dem alten Pfad weiter, wo wir bald kurz rasteten und beratschlagten, was zu tun sei. Denn ab hier sah der weitere Wegverlauf in meinen Augen doch etwas zweifelhaft aus und ich zog es vor, doch die Warnung ernst zu nehmen und quer zu dem neuen Pfad hinüber zu laufen (das war problemlos querfeldein möglich, man musste also nicht den ganzen Weg zurück gehen). L. folgte etwas widerwillig und kurz bevor ich die neue Markierung erreicht hatte, die relativ steil den Hang hinauf führte, drehte ich mich um und L. war nicht mehr zu sehen. Ich ging langsam weiter und sah noch mehrmals zurück, doch er hatte sich wohl für irgendeine andere Variante entschieden. Nun ging es immer steiler bergauf, in sehr felsigem Gelände. Wie auch auf dem Rest der Etappe kamen recht oft die Hände zum Einsatz. Kurz bevor ich schweißtriefend den höchsten Punkt erreicht hatte, war ich froh, hier nicht wieder absteigen zu müssen. Allerdings sah es auf der anderen Seite auch nicht viel besser aus und der Abstieg war ebenso steil, z. T. rutschte ich auf dem Hosenboden von einer Stufe zur nächsten. Einige luftige Stellen gab’s natürlich auch.
Als ich wieder unten auf dem Pfad ankam, war L. nicht zu sehen. Ich setzte mich auf einen Stein und nach ca. 10 Minuten kam er angestapft, auf dem alten Weg. Ich vermutete erst, er habe mal wieder lang pausiert, da er so viel Zeit gebraucht hatte, aber er erzählte mir dann, der Weg sei wirklich sehr schlimm gewesen und die Steinschlaggefahr habe er direkt über sich gesehen. Er hätte wohl doch besser den neuen Pfad genommen...
Kurz danach kamen 2 Leute entgegen – die einzigen an diesem Tag, von einem Zelt etwas später abgesehen. Nun ging es immer am Wasser entlang weiter und die Strecke blieb felsig, teilweise von Schneefeldern durchsetzt, bei denen ich L. immer vorschickte, um zu sehen, ob ihn die Schneedecke mit seinem höheren Gewicht trägt. Der Grund für meine Skepsis waren hier wie auch später noch mehrmals die fehlenden frischen Fußspuren. Wir liefen eigentlich getrennt, jeder im eigenen Rhythmus, der bei mir natürlich ziemlich langsam war, aber L. machte insgesamt öfter Pausen, so dass wir immer wieder zusammen trafen. Da es kaum „normale“ Wegabschnitte für gleichmäßiges Gehen gab, blieben meine Fußsohlen an diesem Tag immerhin völlig von den üblichen Schmerzen verschont.
Im letzten Abschnitt – ich lief gerade wieder ein Stück voraus – gab es noch einen kleineren Fluss zu überqueren, bei dem ich nach längerem Suchen einfach keine Möglichkeit fand, trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen. Also zog ich die Schuhe aus und watete schnell hinüber, wobei meine bis zu den Knien hochgekrempelten Hosen auch etwas nass wurden. Dies war bei der nasskalten Luft natürlich etwas ungünstig, auch bekam ich meine Füße nicht richtig trocken, bevor ich wieder in Strümpfe und Schuhe stieg. Die einzige Möglichkeit, hier einer Erkältung zu entgehen, sah ich darin, nun zügig weiter zu laufen, um nicht auszukühlen, und so schnell wie möglich die ca. 1,5 km entfernte Schutzhütte zu erreichen. Obwohl die Gesamtstrecke an diesem Tag nur 13 km betrug, traf ich dort erst um 17:10 Uhr ein, womit ich abzüglich der zahlreichen Pausen über 5 ½ Stunden gebraucht hatte.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 19. September 2008 23:05

In der kleinen Stuor Kärpel-Hütte gab es je eine Holzpritsche auf jeder Seite, dazwischen einen kleinen Tisch unter dem Fenster. Ich legte meine Sachen ab und machte mich gleich am Ofen zu schaffen. Es war zwar nicht viel, aber noch ausreichend Holz vorhanden. Eine halbe Stunde später kam auch L. an und wir heizten als erstes die Hütte ein, was trotz ihrer geringen Größe eine ganze Weile dauerte. Das Thermometer zeigte abends vor der Hütte immerhin nur 3°C an. Da es draußen nieselte, warf L. seinen Spirituskocher innen auf dem Tisch an, während ich meine nassen Füße schon mal in den Schlafsack wickelte. Vorher hatte ich bereits die Fleecehosen angezogen, um die Wanderhosen – nebst Socken, usw. – zum Trocknen aufzuhängen. Nachdem wir was gegessen hatten, legten wir uns bald auf die Pritschen und schliefen relativ früh ein.

(Fortsetzung folgt später)
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Lapplandinfiziert » 20. September 2008 08:05

.......einfach toll, was soll man da noch schreiben? Animiert zur sofortiger Reiseplanung. Leider fehlt mir die Kondition.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 20. September 2008 08:09

Am nächsten Morgen standen wir beide gegen 6 Uhr auf und ich hängte erst mal wieder das Thermometer an die Außenwand, wo es bald auf 2°C sank. L. musste morgens unbedingt noch Kaffee kochen, wiederum in der Hütte. Dabei gab der Kocher plötzlich eine Stichflamme ab und ein paar Sachen auf dem Tisch fingen Feuer. Als erstes schnappte ich das angesengte Hüttenbuch und warf es durch das geöffnete Fenster nach draußen ins nasse Gras (ich holte es natürlich später wieder rein...). Den Topf mit bereits gekochtem Wasser leerte ich über den Sachen auf dem Tisch aus und L. schaffte es glücklicherweise, auch den Kocher selbst auszumachen.
Um kurz vor 8 marschierten wir los, wieder jeder im eigenen Tempo. Der Weg wurde bald sehr steil und ich kroch völlig klapprig im Schneckentempo bergan, traf L. jedoch bald wieder beim Rasten an. Es gab abermals einige Kletterstellen, auch recht heikle, sowie diverse Schneefelder. Nach einiger Zeit lief ich jedoch wieder voran und wenn ich an einem Schneefeld keine Lust hatte, auf L. zu warten, fand ich irgendwo einen Weg, um dieses zu umgehen. Der Verlauf des Sommerpfades wich auch immer wieder von der Wintermarkierung ab und war dann meist nur durch Steinmännchen gekennzeichnet, so dass man in dem felsigen und gerölligen Gelände vielerorts nach den am besten zu passierenden Stellen suchen musste. Der Himmel klarte nun bald auf und wenn die Sonne schien, war es eindeutig zu heiß, wenn auch dadurch die Landschaft natürlich noch schöner wirkte.
Trotz der permanenten Anstrengungen fühlte ich mich nach einiger Zeit wieder fitter, d. h. ich hatte mich wohl einigermaßen einge“laufen“. Als ich nach ca. 7 km an dem bereits herbeigesehnten See auf 1016 m ankam, wurden sowieso sämtliche Strapazen belohnt. Ein herrlicher Anblick bot sich mir nach den letzten Metern Steigung, weißer Schneestrand inklusive (das Foto ist leider billiger Abklatsch wegen der sich spiegelnden Wolken).
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 20. September 2008 08:10

Ich warf den Rucksack ab und wartete auf L. bzw. ging ihm ein Stück entgegen, um ihm die tolle Aussicht bereits anzukündigen. Er kam auch kurz danach an, allerdings völlig erschöpft und irgendwie nur eingeschränkt begeisterungsfähig. Dass es teilweise sehr heiß war, machte mir ja selbst genauso zu schaffen, aber er hatte natürlich auch viel mehr Gepäck zu schleppen
Nachdem wir eine Weile gerastet und fotografiert hatten, lief er voraus, am Seeufer entlang über Holzplanken, rastete aber schon bald wieder, so dass ich ihn abermals überholte.
Es folgten weitere schwierige Passagen, wo wir uns auch immer wieder mal trafen, bis der Weg hinunter zu 2 Seen führte, zwischen denen es eine Watstelle gab, die sogar in der Karte als solche eingezeichnet ist. Bei strahlendem Sonnenschein erreichte ich die gar nicht so breite Strömung, die kurz darunter in einen teils von Schneewächten verdeckten Wasserfall überging.
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