Wanderbericht: Schweden 2007

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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 20. September 2008 08:12

Da mir nicht ganz klar war, ob es nicht doch noch eine 2. Watstelle hinter dem felsigen Hügel auf der anderen Seite geben würde, der die beiden Seen voneinander trennte, zog ich diesmal zum Waten meine Teva-Sandalen an, die ich mir bereits beim letzten Rucksackpacken in greifbarer Nähe platziert hatte. L. war gerade angekommen, kurz bevor ich aufs Wasser zustapfte. Letztendlich war der zu durchquerende Flussabschnitt ganz harmlos und ich erreichte schnell die andere Uferseite. Dort lief ich gleich weiter, drehte mich jedoch mehrmals nach L. um, der gerade das Waten in Angriff genommen hatte. Als er so gut wie durch war, verschwand ich auf der anderen Seite des Hügels und lief nun zügig auf die nächste Schutzhütte am anderen Ende des Sees zu, die man zu Beginn bereits von weitem kurz hatte sehen können und die sich nun ideal für eine längere Pause anbot.
Der Weg am Seeufer zog sich dann doch noch in die Länge und als ich kurz vor der Hütte ankam, tat sich vor mir plötzlich noch ein riesiges Schneefeld auf. Ich hatte immer noch die Sandalen an und musste diese nun doch wieder gegen die Bergstiefel austauschen. Da L. immer noch nicht da war, beschloss ich, einfach mal ohne Gepäck vorsichtig über den Schnee zu stapfen, um dann mit den Stöcken schon etwas zu testen, wie dieser sich anfühlt. Das Schneefeld war allerdings etwas gewölbt und erst als ich ca. in der Mitte angekommen war, konnte ich sehen, dass vor der Hütte noch eine große Spalte zu überwinden war! Erschrocken stapfte ich zurück und beschloss, das riesige Feld zu umgehen.
Ich zog den Rucksack wieder auf und kraxelte rechts nach oben, in vorwiegend gerölligem Gelände, bis ich endlich das obere Ende der Schneemasse erreicht hatte. In der Zwischenzeit war L. unten am Weg angekommen und marschierte zielstrebig über den Schnee. Ich rief ihm von oben zu, dass dort ein Spalte komme, aber er ging trotzdem weiter und schaffte es tatsächlich, über die Spalte zu springen. Ich stieg mittlerweile auf der anderen Seite wieder ab und so kamen wir ungefähr gleichzeitig an der Valfojåkka-Hütte an, d.h. um 15:40 Uhr. Somit hatte ich für die 10 km auch fast 6 Stunden gebraucht, wenn man davon ausgeht, dass die Summe der Pausen insgesamt nicht weit unter 2 Stunden lag. Das Hüttchen sah innen anders aus als das vorherige, es gab keine Schlafpritschen, dafür war es insgesamt größer und die Einrichtung noch neuer. L. war mittlerweile völlig fertig und beschloss, seinen Tagesmarsch hier zu beenden und schaute sich schon mal nach einem geeigneten Platz für’s Zelt um. Ich hatte zwar eigentlich auch genug „geleistet“ für den Tag, war aber durchaus noch in der Lage, die letzten 8 km wie geplant zur Unna-Allakas-Hütte zu laufen, zumal ab hier zunehmend leichteres Gelände zu erwarten war.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 20. September 2008 08:14

Also marschierte ich um 16:25 Uhr weiter, d.h. zunächst etwas bergab, wo mich schon bald wieder ein kleines Schneefeld erwartete, das ich abermals umging. Anschließend musste ich noch einen steilen Aufstieg durch Geröll bewältigen, danach wurde der Pfad schon besser und ich konnte schon bald den Skángalanjávri erblicken, zu dem ein steiler Pfad durch Gras herabführte. Der See liegt auf 918m und am gegenüberliegenden Ufer stehen einige Hütten und Kotas.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 20. September 2008 08:18

Ab hier ging es auf einem normalen Pfad weiter, zunächst eben, dann begann der letzte große Abstieg, der sich natürlich extrem fußsohlenschädigend ausnahm. Unten angekommen traf ich auf einen nicht allzu breiten Fluss, der jedoch nicht genügend Steine zum überqueren bot, so dass ich abermals die Schuhe ausziehen musste. Auf der anderen Seite sah ich links in etwas weiterer Entfernung bereits ein Zelt stehen und nahm an, dass es nun nicht mehr weit bis zur Hütte sein müsste. Von den Schuhen geplagt und einfach zu faul, den Rucksack wieder ab- und aufzusetzen sowie die Füße umständlich zu säubern, lief ich nun einfach barfuß weiter. Man konnte ja auch nie wissen, ob hinter der Kurve nicht noch eine weitere Watstelle warten würde. Die etwas höher gelegene Hütte konnte ich auch zwischendurch kurz erspähen, doch zog sich der Weg dorthin doch noch mehr in die Länge als erwartet. Ich kam in der Nähe von 2 Zelten vorbei, an denen sich auch Menschen aufhielten, aber danach machte der Weg noch einen Bogen – auch ein kleiner Bach lief noch darüber -, bevor er endlich auf dem letzten Stück zur Hütte anstieg, die ich nach ca. 2 km Barfußlaufen völlig erschöpft erreichte. Seit der letzten Schutzhütte hatte ich insgesamt 30 min. Rast gemacht und kam nun um 20:05 Uhr am Tagesziel an.

(Fortsetzung folgt)
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon amarok » 20. September 2008 13:01

Hej Sápmi,

ich kann Deinen lappländischen Alleingängen immer wieder große Anerkennung zollen. Zwar warst Du ja nicht ganz so allein auf dem Trail, aber trotzdem Einzelwanderin.
Einen 20 kg schweren Rucksack als Frau auf einer Fjälltour durch bergiges sowie z.T. unwegsames Gelände zu schleppen, dazu gehört auch schon einiges an Kraft, Kondition und Ehrgeiz. Alle Achtung! :smt023

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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Lapplandinfiziert » 20. September 2008 13:13

Ja, es gibt ja einen alten Spruch "Er ist hart wie Krupp-Stahl", hier muß es wohl heißen: "Sie ist hart wie Krupp-Stahl".
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 22. September 2008 15:53

Haha, sehr witzig. Ich hab jedenfalls schon (alleinwandernde :wink: ) Frauen mit mehr Gepäck auf dem Rücken getroffen. :D
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 22. September 2008 15:56

Weiter geht's:

Ich stellte meinen Rucksack auf der Bank an der Hüttenwand ab und schlüpfte gleich in die Sandalen. Mittlerweile war es schon recht kühl geworden und die Landschaft war gigantisch. Im Hintergrund waren höhere Berge auf der norwegischen Seite zu sehen.
Der Hüttenwart kam als erstes heraus und zeigte mir etwas weiter unten einen schönen Platz für mein Zelt.
Den Aufbau hob ich mir jedoch für später auf und brachte erst mal mein Gepäck in die Hütte, wo 2 Schweden mittleren Alters gerade am Tisch saßen. Wir unterhielten uns kurz, während ich meine Kochutensilien auspackte – sie sprachen auch etwas Deutsch – und kurz darauf kam ein jüngerer Mann aus dem kleinen Schlafraum in die „Küche“, der kein geringerer als der Deutsche aus dem Kiruna-Taxi war. Er hatte seine Pläne umgeworfen und war doch nicht zum Sarek gefahren, sondern nach Abisko, von wo er ohne weitere Übernachtung auf dem Kungsleden losgewandert war und nach ein paar Kilometern das Zelt aufgeschlagen hatte. Bei ihm waren wohl einige Widrigkeiten zusammen gekommen: sein Zelt hielt er irgendwie doch nicht für Sarek-tauglich und sein Schuhmacher hatte ihm statt Vibram- andere Sohlen auf die Schuhe gezogen, die sich nun zu lösen begannen, usw. Er hatte dann den Weg über Abiskojaure direkt nach Unna Allakas genommen und wollte über Alesjaure zurück laufen und dann weiter sehen.
Ich bereitete mir mein Essen und wir unterhielten uns etwas zu viert.
Als ich gegessen und mich einigermaßen erholt hatte, begann es draußen zu nieseln und ich machte mich schleunigst daran, mein Zelt aufzubauen. Zum Glück wurde der Regen nicht wesentlich stärker, dennoch trug ich meine Schlafutensilien dann in die Regenjacke gewickelt zum Zelt, da war es schon nach 22 Uhr. Die anderen 3 schliefen alle in der Hütte; mir war der Preis von ca. 240 SEK zu hoch im Vergleich zu 40 SEK für’s Zelten in Hüttennähe, inklusive Hüttenbenutzung.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 22. September 2008 16:00

Am nächsten Morgen stand ich nach halb 8 auf und es war sonnig. Der Regen hatte über Nacht ganz aufgehört, an der Hütte maß das Thermometer um 8 Uhr 11 Grad.
Ich baute langsam mein Zelt ab und machte noch einige Fotos von der schönen Gegend, bevor ich um 10:15 Uhr abmarschierte, vor den anderen, die alle auch in dieselbe Richtung unterwegs waren, nämlich zu den 14 km entfernten Alesjaurestugorna. Gleich am Anfang hatte ich einen sehr steilen Anstieg zu bewältigen und die Sonne zeigte sich bereits sehr kompromisslos. Auf dem darauffolgenden ebenen Stück überholte mich der Deutsche und ward seitdem nie wieder gesehen. Die beiden Schweden folgten kurz danach und waren natürlich auch schneller als ich, doch waren sie insgesamt etwas gemütlicher unterwegs und rasteten viel, so dass ich ihnen immer wieder begegnete. Bald ging es wieder nach rechts einen steilen Hang hoch, wobei der Pfad jedoch nicht eindeutig sichtbar war, aber die Schweden waren gerade dabei, ihn ausfindig zu machen, als ich die Stelle erreichte.
Mittlerweile war es bereits extrem heiß und kaum windig und ich quälte mich mehr schlecht als recht den Berg hinauf. Kurz vor dem höchsten Punkt des Weges rastete ich an einem Felsbrocken, um den Schweiß etwas zu trocknen und jede Menge zu trinken. Kurz danach traf ich die beiden Schweden wieder, die etwas weiter oben ausgiebig pausierten. Ich lief gleich weiter und kurz danach kam mir ein Paar entgegen und dann ein Mann aus Alesjaure, mit dem ich mich kurz unterhielt. Wenig später begann ein leichter Abstieg, zeitweise verlief der Pfad wieder eben.
Es gab auch wieder Schneefelder zu überqueren, auf denen sich nebst eindeutiger Markierungen von nun an ganz frische Fußspuren befanden, so dass ich keine Bedenken mehr hatte, diesen zu folgen. Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichte ich eine kleine Ansammlung von Seen mit dem Namen Bajip Snárapjávri, zwischen denen ein flacher Fluss problemlos zu überwinden war, es fanden sich ausreichend Steine. Nach einem weiteren Schneefeld begann nun der letzte brutale Aufstieg unter gnadenlos brennender Sonnenhitze. Ich schlich völlig überhitzt hinauf und drehte mich etliche Male nach der herrlichen Aussicht um.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 22. September 2008 16:02

Als ich etwa 2/3 der Steigung überwunden hatte, legte ich noch eine Rast ein und stieg dann das letzte Stück zu dem auf 1236 m liegenden Joch zwischen Čoalmmioaivi und Gárdečohkka hinauf. Dort verweilte ich etwas länger, da die Landschaft einfach gigantisch war und sich in fast alle Richtungen wunderschöne Aussichten boten.
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Re: Wanderbericht: Schweden 2007

Beitragvon Sápmi » 22. September 2008 16:05

Die beiden Schweden hatte ich zum letzten Mal nahe des letzten Schneefeldes erspäht, sie machten wohl irgendwo eine längere Mittagspause (wie sie mir später erzählten, hatten sie dort sogar was gekocht).
Nun ging es zunächst auf ebenem Weg weiter und bald begann der letzte Abstieg, zunächst gemäßigt und dann immer steiler. Bei einem der Schneefelder sank ich dann doch nach ca. 1 m bis zu den Oberschenkeln ein, konnte mich aber schnell seitlich aufs Geröll retten und den Rest umgehen. Kurz darauf erschienen auch plötzlich die beiden Schweden wieder hinter mir, überholten mich, rasteten jedoch abermals hinter dem darauffolgenden Schneefeld. Ich lief an ihnen vorbei und nahm den letzten, extrem steilen Abstieg in Angriff, der nicht nur meine Fußsohlen demolierte, sondern auch in der anhaltenden Hitze und dem hier sogar zunehmenden Mückenaufkommen den ganzen Körper in Mitleidenschaft zog. Ich musste zwischendurch noch eine Rast einlegen, bevor ich hinunter zu dem letzten, eher ebenen Stück tippelte, von wo man schon das Alesjaure Samidorf am anderen Seeufer sehen kann.
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