Waldorfschulen in Schweden?

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Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Pink_Panther » 6. Februar 2011 09:35

Hallo,

aus Mobbinggründen (ja, das gibt es auch in Schweden) möchte ich meinen 10-jährigen Sohn auf eine andere Schule schicken.
Einzige in Frage kommende Schule ist allerdings eine Waldorfschule. Diese haben in Deutschland ja einige Kritik einstecken müssen.
Weiss jemand hier im Forum etwas, wie diese in Schweden sind?

Vielen Dank,

Paul

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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon blueII » 6. Februar 2011 11:20

Mobbing nicht nur in S und nicht nur bei Euch. Wir haben gerade zwei Schueler aus der Kommunalen wegen Mobbing bekommen.

Unsere Tochter ging in einen Waldorfdagis und ist nun in der 1 Klasse einer W.S.

Da sie nicht wie in D privat finanziert werden sondern nur durch den Schulpfennig ist manchmal die ökonomische Seite sehr angespannt.
Ansonsten haben wir sehr sehr gute Erfahrungen, gerade was die soziale Kompetenz betrifft.
Es wird sehr darauf geschaut, dass die Klassendynamik stimmt und selbst die grossen Schueler kuemmern sich fast ruehrend um die Kleineren.
Es ist aber auch eine sehr klitzekleine Schule, gerade mal 55 Schueler von Klasse 1-9.

Das Lernniveau ist in Klasse 1-3 super langsam aber ab Klasse 4/5 ist es fuer meine Begriffe auf dem selben Niveau wie die kommunalen. Sie muessen auch die normalen Lernstandserhebungen in gewissen Schuljahren durchlaufen.

Schaut Euch die Schule an und sprecht mit denen....ist wie ueberall auch immer sehr Personenabhängig.

LG
Heike

PS irgendwo auf der Seite des Skolvekert kannst du Dir auch die Abschluesse des Jahrgangs 9 abrufen, falls Du Dir Sorgen das Lernniveau machst.
Zuletzt geändert von blueII am 6. Februar 2011 11:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 6. Februar 2011 11:22

Hej Paul,
mein Sohn geht hier in Järna auf eine Waldorfschule. Ich bin, eigentlich, ganz zufrieden damit, kann mich aber irgendwie mit der Schulform nicht anfreunden.
Die Schule in Järna ist sehr klein, ca. 50 Schüler, kleine Klassen, max 5 Kinder, aber es ist eben eine Schule für behinderte Kinder.
Hier erstmal ein Link: http://www.waldorf.se/index.php?option= ... &Itemid=17

Für meinen Sohn ist die Schule in Ordnung, er wird im August auf eine kommunale Schule wechseln, aber meine Tochter würde ich nicht dorthin schicken. Ich finde die Schulform, zumindest in Järna, einfach zu kuschelig, die kommunalen Schulen in Järna sind besser. Unsere Friskola musste einiges an Kritik einstecken, nicht von der Schulbehörde sondern von den Eltern.
Ich würde mir die Schule erstmal anschauen und vielleicht, wenn möglich, einen Schnuppertag machen. Die Frage ist auch, wie weit ist die Schule von euren Wohnort weg und würde die Kommune den Schulbus zahlen? Wir bekommen, trotz Schwerbehinderung meines Sohnes, keinen Schulbus, sondern zahlen 50:50 zusammen mit der Schule, sonst müssten wir täglich 4km mit dem Rolli zur Schule laufen.

Grüsse JANA
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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon blueII » 6. Februar 2011 11:32

janaquinn hat geschrieben:Hej Paul,
Die Frage ist auch, wie weit ist die Schule von euren Wohnort weg und würde die Kommune den Schulbus zahlen? Wir bekommen, trotz Schwerbehinderung meines Sohnes, keinen Schulbus, sondern zahlen 50:50 zusammen mit der Schule, sonst müssten wir täglich 4km mit dem Rolli zur Schule laufen.

Grüsse JANA

Hej Jana

ändert sich da nicht gerade was?

Bei uns erheben sie gerade die Schuelerzahlen wer ab Sommer 2011 mit einen kommunalen Bus fahren will.

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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon janaquinn » 6. Februar 2011 11:52

schön wäre es, Heike, Södertälje Kommune übernimmt den Schulbus nie, wenn es eine Privatschule ist. Wir sind durch alle Instanzen gegangen.
Yannic wird wechseln, kommt dann auf eine kommunale Schule, wo nach Petö gearbeitet wird und er dann hoffentlich mehr Fortschritte macht.
Es ist einfach doof, dass es kein einheitliches Gesetz gibt, was die Schulbusregelung gibt. Würden wir, z.B., direkt in Södertälje leben, dann bekämen wir den Bus, aber weil wir in Järna leben, wird er uns verweigert.
Da ist es der Schulbehörde absolut egal, wie schwer die Behinderung ist. Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf...Scheuklappen hoch 10....

LG JANA
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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Pink_Panther » 6. Februar 2011 12:12

Vielen herzlichen Dank für die hilfreichen Antworten!
Ich hatte eigentlich einen sehr guten ersten Eindruck vom Personal der Schule. Dann begann ich zu forschen und stieß auf die Wurzeln der Waldorfpädagogik. Gerade die Teile, welche bis hin zur Metaphysik gehen, stießen mir etwas auf, sowie das mit der Eurythmie und Heileurythmie, welche offenbar auch als Disziplinarmethode misbraucht wird. Aber das muß ja in Schweden nicht gleich sein.
Um so schön hier einige positive Worte zu lesen. Mir geht es vor Allem erst einmal darum, meinen Sohn in einer harmonischen Umgebung zu wissen. Dabei sollte er nicht allzu sehr den Anschluß an das kommunale Leistungsniveau verlieren. Das Letztere scheint ja nicht der Fall zu sein. Am Mittwoch haben wir ein erstes Treffen - ich werde mich anschließend melden :-)

Nochmals vielen Dank!!!

/Paul

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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Tulipa » 6. Februar 2011 23:12

Hallo lieber Pink Panther,

würde dir gern helfen, kann aber leider keine eigenen Erfahrungen beisteuern.

Wir kennen flüchtig zwei Familien, deren Kinder auf unserer örtlichen Waldorfschule sind. Die loben diese auch als "mycket, mycket bra". Solche Aussagen werte ich persönlich meist sogar weniger nach Argumenten, als danach, wie glaubwürdig und sympathisch mir die Leute sind. Ob sie ähnliche Ansichten und Wertvorstellungen haben wie wir.

Daher empfehle ich euch, redet nicht nur mit der Schule, sondern auch mit SchülerInnen und deren Familien. Und deutet die Antworten danach, wie weit diese Menschen auf eurer Linie liegen oder ob sie vielleicht ganz andere Zielsetzungen haben als ihr.

LG
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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Imrhien » 7. Februar 2011 10:44

Hej Paul,
Du musst bei Waldorf stark trennen: Ideologie und Schule. Je nach Wohngebiet, also Bundesland in Deutschland, ist das eng verknüpft oder eben sehr lose. Die Ideologie ist sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht selber auf der Welle schwimmt. Anthrposophen haben schon einen anderen Blick auf die Welt. Manches davon ist für mein Denken gut, anderes passt garnicht zu mir. Scheint bei Dir ebenso zu sein. Ich fand auch dei Einteilung der Kinder nach Gemütsgruppen sehr bedenklich. Aber das ist eben Steiner. Die Waldorfschule ist zwar Steiners Erbe aber nicht alle Schulen arbeiten so streng danach. Da gibt es anscheinend sehr grosse Unterschiede. Ich würde mir daher die Schule anschauen und nach dem Bauch gehen. Grundsätzlich passt mir Montessori eher aber auch da muss man sich die Schule anschauen. Waldorf hat aber auf alle Fälle einen Vorteil gegenüber der Kommunalen. Die sind kleiner und achten mehr auf den Zusammenhalt. Mobbing wird es da deutlich seltener geben. Ein Nachteil bei allen solcher Privaten Schulen kann sein, dass die Kinder eventuell in einer Luftblase leben. Wenn der Unterschied zur "normalen" Schule viel zu gross ist, kann der Wechsel später, wenn die andere Schulform nicht mehr greift, schwer werden. Das ist aber auch sehr Persönlichkeitsabhängig. Waldorf kann aber genau das Richtige sein und das muss sich eben jeder selber überlegen. Hängt wohl auch vom Kind ab. Wie es sich da fühlt.
Für Deinen Sohn wünsche ich jedenfalls, egal welche Schule es wird, dass es ihm da besser geht.

Grüsse
Wiebke

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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Tulipa » 7. Februar 2011 12:39

Hallo lieber Pink Panther,

ich hoffe, meine Frage ist nicht zu persönlich: Mich würde interessieren, warum euer Sohn gemobbt wird.
Hat es mit seiner deutschen Herkunft zu tun? Oder deswegen, weil er mehr oder anderes lernt / lernen will als die Mitschüler? Oder ...?

LG
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Re: Waldorfschulen in Schweden?

Beitragvon Pink_Panther » 7. Februar 2011 15:19

Hallo Tulipa,

nein, ich nehme die Sache überhaupt nicht persönlich :-)

Mein Sohn wird gemobbt, weil er einfach etwas ... anders ist. Er ist sehr sensibel, hat auch Probleme bei Konfliktbewältigungen. Kann auch mal in Tränen ausbrechen. Das ist natürlich gefundenes Fressen für gewisse andere Kinder. Als ich dann erfahren habe, dass er (auch wenn es vermutlich nur aus Spaß war) "Hitler" genannt wurde, gingen für mich die Lichter aus. Die Schulleitung ist seit einiger Zeit eingeschaltet, aber man kann grob sagen, dass Disziplinarmaßnahmen gegen gewisse andere Schüler (mit denen im Übrigen auch andere Kinder Probleme haben) einfach zu spät und zu zaghaft kamen. Wir haben jedenfalls die Nase voll :-(

@Wiebke:
Vielen Dank für Deinen Zuspruch! Insgeheim habe ich mir das mit der Ideologie schon so vorgestellt. Würde - rein aus dem Bauch heraus - eigentlich gar nicht zu den Schweden passen, das mit der Antroposophie so 1:1 zu übernehmen :-)
Liebe Grüße,

Paul


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