Vergleiche D - S

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
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nysn

Vergleiche D - S

Beitragvon nysn » 7. April 2008 16:28

Ich las, dass Frauen in Schweden gut gefördert werden, gerade bei Führungsjobs?!
Ist man geächtet als Tagesvater oder Hausmann bzw. Familienmanager, wie man es entsprechend verpackt?!
Ich fände es für die Kinder besser, wenn einer von uns Zeit für sie hat oder ist das in Schweden nicht üblich?


Erst mal ist es in Schweden als Ausländer nicht ganz einfach, einen Job zu finden - es sei denn, man zählt zu den besonders nachgefragten Berufsgruppen, in denen hier zurzeit noch ein Mangel herrscht - dazu zählen vor allem Ärzte, Pflegepersonal oder Handwerker.

Im IT-Bereich gibt es zwar genügend Stellen, doch werden bevorzugt Berufserfahrene gesucht. Hinzu kommt, dass auch sehr gute bis perfekte Schwedischkenntnisse gefordert werden, obwohl in den meisten Firmen Englisch Konzernsprache ist.

Dazu gibt es heute in der Wirtschaftzeitung Dagens Industri einen interessanten Artikel:

http://di.se/Avdelningar/Artikel.aspx?s ... /07/278093

In diesem Interview werden drei bestausgebildetste Leute aus Deutschland, Frankreich und England zur Arbeitssuche und Integration in Schweden befragt. Alle sind sich unisono einig: Schweden zählt zu den Ländern in Europa, in denen es am allerschwierigsten ist, sich zu integrieren. Der befragte deutsche Ingenieur mit Diplom und Doktortitel hat nach 80 erfolglosen Bewerbungen aufgegeben und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Den anderen beiden, beides Frauen, ist es nach langem Suchen gelungen, einen Job zu finden.

Wenn man dann gleich nach seinem Umzug eine Führungsposition anstrebt, ist es wohl am besten, sich von seinem deutschen Unternehmen nach Schweden entsenden zu lassen - einen Führungsjob hier vor Ort suchen, halte ich für ein unmögliches Unterfangen (es sei denn man ist Arzt).

Dass Frauen besonders gefördert werden sollen? Es gab neulich auch mal wieder eine Aufstellung in einer Zeitung darüber (habe den Link jetzt leider nicht mehr parat), dass in Schweden zwar immer wieder von der Gleichstellung der Frau die Rede ist, aber in der Wirklichkeit wohl Schweden zu den Ländern Europas zählt, wo es tatsächlich die wenigsten Frauen in Führungspositionen gibt.

In Schweden sind in 80 % der Fälle beide Elternteile berufstätig - bei größeren Kindern - sogar beide zu 100 %. Das liegt zum großen Teil daran, dass eine normale Svensson-Familie schlichtweg zu wenig Geld hat, um es sich leisten zu können, dass einer zu Hause bleibt. Die Lebenshaltungskosten sind höher als in Deutschland, die Einkommen für Ingenieure sind niedriger als in D, es gibt keine steuerlichen Vorteile für Familien in Form des Familiensplittings und die Frau/der Mann erwirbt während seiner Zuhause-Zeit auch keine Rentenansprüche - denn hier ist jeder für sich selber verantwortlich.

Auch wenn es hier in Schweden auf dem Papier mal wieder so aussieht, als wäre es egal, ob der Mann oder die Frau zu Hause bleibt, während die Kinder klein sind (bis 18 Monate) und der "Pappa"-Monat inzwischen nur noch bezahlt wird, wenn der Vater auch tatsächlich zu Hause ist, bleiben doch fast immer die Mütter zu Hause, weil die Frauen in der Regel das niedrigere Einkommen haben und auch den Job mit dem niedrigeren "Status".
Dein Mann würde zwar als Familienmanager/Hausmann nicht geächtet, doch kann ich mir denken, dass er einer von wenigen sein wird.

Ich weiß nicht, woher immer diese überaus positiven Berichte über Schweden stammen und auf was die sich tatsächlich gründen sollen. Nach 13 Jahren hier im Lande erstaunt es mich immer wieder, warum Schweden in Diskussionen immer als "Vorzeigeland" herhalten soll? Die Realität entspricht oft ganz und gar nicht dieser "Vorzeige-Theorie"!
Persönlich würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass Deutschland in vieler Hinsicht zu einem der besten Länder Europas zählt, was die soziale Versorgung und Chancengleichheit anbelangt. Auch ist man in Deutschland weniger "ausländerfeindlich" und viel "offener" als in Schweden.

S-nina
Zuletzt geändert von Dietmar am 8. April 2008 23:43, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Abgeteilt -- handelt nicht mehr von Arbeitsmoral

Sabine

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Sabine » 7. April 2008 18:54

S-nina hat geschrieben:
Ich weiß nicht, woher immer diese überaus positiven Berichte über Schweden stammen und auf was die sich tatsächlich gründen sollen. Nach 13 Jahren hier im Lande erstaunt es mich immer wieder, warum Schweden in Diskussionen immer als "Vorzeigeland" herhalten soll? Die Realität entspricht oft ganz und gar nicht dieser "Vorzeige-Theorie"!


S-nina


Weil sich genau diese "Theorien (noch) sehr gut verkaufen lassen(TV) und es leider immer wieder Menschen gibt,die das glauben wollen!
Eine gründliche Information ist eben unabdinglich.Es sei denn,man will den Bach runtergehen...

Manty

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Manty » 7. April 2008 19:29

S-nina hat geschrieben:Persönlich würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass Deutschland in vieler Hinsicht zu einem der besten Länder Europas zählt, was die soziale Versorgung und Chancengleichheit anbelangt. Auch ist man in Deutschland weniger "ausländerfeindlich" und viel "offener" als in Schweden.



Nach 13 Jahren im jetzigen Deutschland würdest du das bestimmt nicht mehr behaupten. S-Nina tut mir leid, daß ich das so sage, aber es wirkt immer so auf mich, daß das superpositive Bild, was manche über Schweden haben, du über Deutschland hast. In Deuschland hat sich seit 13 Jahren auch so einiges verändert.

nysn

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon nysn » 7. April 2008 19:50

S-Nina tut mir leid, daß ich das so sage, aber es wirkt immer so auf mich, daß das superpositive Bild, was manche über Schweden haben, du über Deutschland hast. In Deuschland hat sich seit 13 Jahren auch so einiges verändert.


Ja Manty, eventuell stimmt das sogar - ich gebe schon zu, dass ich mittlerweile ziemlich müde auf das Leben hier in Schweden bin. Vielleicht sollte ich ja nicht Deutschland, sondern Bayern oder Baden-Württemberg schreiben/nennen, denn das sind eigentlich die Länder, in denen ich mich am besten auskenne, wo ich regelmäßig (mindestens alle 2-3 Monate einmal) hinfahre und auch noch intensive Kontakte habe.

Hast du den von mir genannten Artikel in Dagens Industri denn gelesen und die jeweiligen Kommentare der Schweden dazu? Diese Meinungen sind ja nun nicht meine eigenen.

Ich gebe auch zu, dass ich den "Rest" von Deutschland ziemlich schlecht/bis gar nicht kenne. Danke jedenfalls für deinen Eindruck.

Gruß,
S-nina

karlskronit
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon karlskronit » 7. April 2008 20:53

@s-nina
Persönlich würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass Deutschland in vieler Hinsicht zu einem der besten Länder Europas zählt, was die soziale Versorgung und Chancengleichheit anbelangt. Auch ist man in Deutschland weniger "ausländerfeindlich" und viel "offener" als in Schweden.

das meinst du nicht wirklich im ernst, oder???

sicher ist in schweden auch nicht alles gold was glänzt, da hast du absolut recht und die geschichte vom friedlichen bullerbueschweden ist auch ein wenig verzerrt dargestellt aber da muss ich sagen du wuerdest es unter den umständen wie sie zur zeit in deutschland herrschen, glaub ich, keine 13 monate aushalten. :wink:

Hans

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Hans » 7. April 2008 21:14

[quote="S-nina"][quote]I
Auch ist man in Deutschland weniger "ausländerfeindlich" und viel "offener" als in Schweden.

Huh. Ojojojoj. Det var som fan.
Wie man so hier in Schweden sagt.
Kann es so sein wie:
Surt sa räven om rönnbären?
Man kann wie bekannt den Kuchen nicht aufessen und die Rosinen behalten.

Also S-nina auf zum Beweis.

Grüsst ein
? unoffener
und "ausländerfeindlicher"?
Ausländer in Schweden
H :smt006 ans

nysn

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon nysn » 7. April 2008 21:43

Doch, Karlskronik, das meine ich im Ernst!
Allerdings mit der Einschränkung - wie oben gesagt - dass ich anstatt "Deutschland" eher Bayern/Baden-Württemberg sagen sollte.

da muss ich sagen du wuerdest es unter den umständen wie sie zur zeit in deutschland herrschen, glaub ich, keine 13 monate aushalten.


Ich weiß nicht, welche "Umstände" du meinst? Nach 13 Jahren Schweden (hier mit der Einschränkung - Einzugsgebiet Göteborg) denke ich, dass ich mittlerweile überall mehr als 13 Monate leben kann. Wenn man in Schweden etwas lernt, dann ist es, sich anzupassen, egal, wie widrig die Umstände sind. :D

Natürlich habe ich auch verstanden, dass es Unterschiede in Deutschland gibt und dass es für manche Leute tatsächlich eine berufliche/einkommensmäßige Verbesserung sein kann, nach Schweden auszuwandern.

In meinen obigen Ausführungen habe ich eigentlich versucht, objektiv zu sein und habe ja auch nicht mich selbst zitiert, sondern auf einen Artikel hingewiesen, der speziell zum Thema "Arbeitssuche/Integration in Schweden" heute in der Dagens Industri erschienen ist.

Die im Artikel genannten Personen haben alle IT-Hintergrund - sind also ausgebildete Fachleute mit Spezialkompetenz und diese haben in Schweden nicht unbedingt viele Vorteile. Das Gehaltsniveau ist verglichen mit Deutschland ca. 1/3 niedriger (je nach Bundesland), die Arbeitsmöglichkeiten für IT-ler konzentrieren sich auf die Großstädte, wo die Lebenshaltungskosten höher sind (versuch mal, hier in Göteborg oder in Stockholm eine Wohnung/Haus zu mieten bzw. überhaupt erst zu finden).

Die Arbeit ist nicht unbedingt stressfrei - mein Mann arbeitet in dieser Branche - er ist sehr, sehr viel unterwegs. Sein Arbeitsplatz ist dort, wo die Projekte sind, und die können überall in Schweden sein. Z. B. arbeitet er derzeit seit über einem Jahr in Nordschweden (fliegt montags hin und donnerstags zurück).

Vor zwei Jahren war sein Projekt in Trollhättan, was den Vorteil hatte, dass er "nur" 4 Stunden Fahrt zum/vom Arbeitsplatz hatte, dafür aber jeden Tag abends zu Hause sein konnte. Er kann zwar an manchen Tagen/Wochen von zu Hause aus arbeiten, doch da klingelt ständig das Telefon - er ist permanent online und regelmäßige Pausen mit gemütlichem Plausch unter Kollegen - das kennt der nicht. Auch Arbeit an den Wo-Enden gehört dazu - selbstverständlich werden für "höhere" Einkommen keine Überstunden mehr gezahlt, dafür darf man aber in Schweden neben der kommunalen und der staatlichen Steuer auch noch eine dritte "Strafsteuer", sog. "värnskatt" bezahlen.

So nun möchte ich dich und die anderen nicht länger damit langweilen, zumal ich ja nun auch vom Thema abgewichen bin.

Gruß
S-nina

P. S. Hans: Du, der du des Schwedischen mächtig bist, lies doch bitte den Artikel in DI - ist das etwa nicht "ausländerfeindlich", wenn Menschen aufgrund Ihres Namens/ihres Akzentes/ihrer Religion usw. auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden?
Mein Mann - Schwede und in Bayern AUSLÄNDER - hatte übrigens keine derartigen Probleme.

karlskronit
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon karlskronit » 7. April 2008 21:57

@s-nina, du hast ja auch recht, ich verstehe was du damit sagen willst. es kommt schon darauf an, wo und was man macht. doch ausländerfeindlich ist deutschland allemal mehr als schweden. und gerade die bayern sind ja wohl das intolleranteste volk in ganz deutschland, die dulden ja noch nicht mal die leute aus anderen bundesländern. als schwede ist man vielleicht ein exot in bayern aber nicht wenn du aus anderen teilen deutschlands kommst wirst du nicht mal gegruesst auf der strasse. ausser natuerlich ihr verlogenes gruess gott. ich will um himmelswillen natuerlich nicht alle ueber einen kamm scheren. es gibt auch ein paar andere, wie ueberall. und dann die soziale versorgung ist auch ein witz. aber gut, jedem seine meinung.

:smt006

Hans

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Hans » 7. April 2008 23:40

quote="S-nina"][quote]I
Auch ist man in Deutschland weniger "ausländerfeindlich" und viel "offener" als in Schweden.


Geschrieben ist geschrieben.
Gesagt ist gesagt.
Gemeint ist gemeint.
Oder?

S-nina hat noch keine Beweise geliefert was die Zitate unterstützt.
So einfach kan man sich die Sache nicht machen.

Was hast du eigentlich gemeint?
Sind wir in Schweden mehr "ausländerfeindlich" und weniger "offener".
Ich sehe einer Antwort in der Sache voller Erwartung entgen.
Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon trollebjär » 8. April 2008 05:31

Hans hat geschrieben:S-nina hat noch keine Beweise geliefert was die Zitate unterstützt.
So einfach kan man sich die Sache nicht machen.
Was hast du eigentlich gemeint?
Sind wir in Schweden mehr "ausländerfeindlich" und weniger "offener".
Ich sehe einer Antwort in der Sache voller Erwartung entgen.
Grüsst
H :smt006 ans


Hej an alle
1. Jeder macht seine Erfahrungen mit Schweden. Diese werden hier im Forum ausgetauscht.
2. Aufgrund der Erfahrungen, die man macht, bildet man sich eine Auffassung über Schweden.

Warum muss man für eine gewisse Auffassung Beweise liefern (S-ninas) und für die anderen nicht (die, die hier eine andere Auffassung haben)? Wenn einer sagt, dass Schweden so schön und das beste Land der Welt ist, sagt doch auch keiner : Her mit den Beweisen!

Wieviele Leute sind hier im Forum, die in der gleichen Situation sind wie S-Nina (mehr als ein Jahrzehnt in Schweden ansässig und und mit schwedischem Partner), die diametral anders denken- das wäre doch mal interessant. Hans, fühlst Du Dich vielleicht angesprochen? Da kann man doch mal überlegen, welche Erfahrungen zu unterschiedlichen Meinungen geführt haben und sich darüber Gedanken machen und daraus lernen!
Das Leben in Schweden mit dem in Deutschland von A bis Z zu vergleichen ist schwierig, die meisten leben ja nur in einem von den beiden Ländern, oder.

Deutschland und Schweden sind zwei unterschiedliche Länder, beide mit Vor- und Nachteilen. Warum ist es so schwer, das zu akzeptieren? Muss eines von beiden besser sein?
:hmm:
Martina


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