"Vattenfall handelt verantwortungsbewusst"

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
svenska-nyheter
-bot-
Beiträge: 16218
Registriert: 9. Juli 1998 17:00

"Vattenfall handelt verantwortungsbewusst"

Beitragvon svenska-nyheter » 4. Dezember 2013 12:15

Die schwedische Regierung hat dem staatlichen Energiekonzern Vattenfall ihre Unterstützung für die Gerichtsklagen gegen Deutschland ausgesprochen.

Mehr...
(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1265
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon Petergillarsverige » 4. Dezember 2013 15:04

Eine erfreuliche Nachricht. Deutschland hat Vattenfall den Reaktor Krümmel einfach geschlossen. Vorher hat Vattenfall über 350 Mill. Euro in die Erneuerung gesteckt. Dann wurde der Reaktor auf Grund einer politischen Entscheidung still gelegt. Vattenfall hat jetzt einen Verlust von etwa 2 Mrd. Euro, da der Reaktor noch lange hätte laufen können. Damit stellt der deutsche Entschluss eine Enteignung dar.
Diese 2 Mrd. mag Vattenfall einklagen. Sie werden Recht bekommen. Es gibt bereits das erste Urteil wegen Neckarwestheim I, hier bekam der Betreiber mehrere hundert Mill Ersatz. Da Krümmel neuer ist, wird der Betrag höher sein.

Wir hams Geld dicke in Deutschland und können deshalb das Geld auch abdrücken.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

Benutzeravatar
Gottfried
ist schon ewig hier
ist schon ewig hier
Beiträge: 1010
Registriert: 24. November 1999 14:54
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Deutschland
Kontaktdaten:

Re:

Beitragvon Gottfried » 4. Dezember 2013 16:01

Vattenfall darf Krümmel gerne mitnehmen....... :D
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1265
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon Petergillarsverige » 4. Dezember 2013 17:04

Leider ist diese Art von Kernkraftwerken nicht transportabel. :D
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

vibackup
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1171
Registriert: 26. Januar 2013 19:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Re:

Beitragvon vibackup » 4. Dezember 2013 18:26

Petergillarsverige hat geschrieben:Eine erfreuliche Nachricht. ...
Wir hams Geld dicke in Deutschland und können deshalb das Geld auch abdrücken.

Richtig sehe ich nicht, was du daran erfreulich findest... es sei denn, du bist ein Gegner der Energiewende?
Und so könnte die Frustration über die Energiewende wachsen?
Das wäre dann, wenn ich recht rechne, die dritte Kehrtwendung der derzeitigen deutschen Regierung in dieser Frage... Rot-Grün hatte ja die Laufzeiten begrenzt. Dann hat die derzeitige Regierung das aufgehoben (Nr 1), diesen Beschluss dann hastig zurückgenommen nach Fukushima (Nr 2)...
Tatsächlich sind ja dumme Fehler gemacht worden; statt den ersten Beschluss von Rot-Grün einfach laufen zu lassen (der ja politisch durchgesetzt und relativ unangreifbar war) hat man, um sich bei der entsprechenden Industrie anzudienern, diesen Entschluss widerrufen. Dass das weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll war, war ja schon da klar; mit Fukushima war es aber politisch auch kurzfristig nicht mehr haltbar.
Und da hat man dann eben versucht, kurzfristig Kapital zu schlagen und eben Fehler gemacht, die jetzt angreifbar sind.
Eigentlich wusste Vattenfall, was gilt, und natürlich auch, dass die Kraftwerke auf Dauer in D nicht betreibbar sind.
Und natürlich muss man ein KKW, wenn man sich denn entscheidet, eines zu betreiben (niemand zwingt einen) auch auf de neusten Stand halten. Wenn man das nicht will, darf man eben keines betreiben.
Und natürlich weiß Vattenfall, dass eine solche Entscheidung nur eine Zeitfrage war (ein Ereignis wie Tschernobyl oder Fukushima kommt statistisch bei den derzeitigen Risikokalkülen und Anzahl von KKW alle 25 Jahre vor, und diese Zahlen kennen auch die Chefs von Vattenfall).
So eigentlich, bei einem vernünftigen Vorgehen der Bundesregierung, hätte Vattenfall keine Chance.
Das aber hat es von der Seite der derzeitigen Bundesregierung nicht gegeben.
Erfreulich kann ich das aber nicht finden.
Auch wenn ich die V nicht mag: diese Anfrage beweist Ehrgefühl (oder, was vielleicht wahrscheinlicher ist, die Bereitschaft, Ehrgefühl zu simulieren, um Kapital zu schlagen).
Es wäre der richtige Schritt, ökologisch und ökonomisch.
Denn den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, fossile Energien (und Uran gehört dazu) sind begrenzt, die Endlagerfrage des Kernabfalls ist in keinem Land befriedigend gelöst, und je länger wir in Europa daran festhalten, desto mehr verlieren wir die führende Rolle; China, Indien und andere Länder können so auch neue Technologien entwickeln, aber dann sind wir die Rückständigen. Wollen wir das?

//M

knut245
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 301
Registriert: 26. Juni 2010 13:53
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon knut245 » 5. Dezember 2013 10:31

Man muss vielleicht dazu sagen, dass Vattenfall das Geld nicht zum Spaß investiert hatte, sondern, um das völlig veraltete, mehrfach wegen Störfaällen abgeschaltete und deshalb ohnehin vor der Stillegung gestanden habende KKW Krümmel auf einen halbwegs aktuellen Stand zu bringen und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Zuvor hatte diese hoch subventionierte alte Gurke aber schon jahrzehntelang Strom billiger produziert und zum gleichen Preis wie modernere Kraftwerke verkauft... Man könnte ja auch mal auf die Idee kommen, festzustellen, dass hier enormer Zusatzgewinn zu Lasten der Allgemeinheit - durch das höhere Risiko - erzielt wurde.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1265
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon Petergillarsverige » 5. Dezember 2013 11:23

Zunächst einmal die Richtigstellung:
Es gab in Krümmel bislang noch keinen einzigen Störfall. (INES 2 oder höher) (International Nuclear Event Scale) Diese Tatsache ist sogar in Wikipedia dokumentiert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Kr%C3%BCmmel

Im Kernkraftwerk Krümmel gab es seit der Inbetriebnahme insgesamt 313 meldepflichtige Ereignisse und damit etwa 12,5 Ereignisse pro Jahr (Stand: 31. Dezember 2008).[29] Störfälle oder Unfälle (Stufe 2 oder höher auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse) traten bislang nicht auf. Im Folgenden werden die wichtigsten meldepflichtigen Ereignisse der letzten Jahre aufgezählt.

Ein Ereignis welches lediglich nur meldepflichtig ist, aber nicht systemrelevant, ist kein Störfall.
Als Vergleich: Ihr fahrt mit eurem Auto zur Werkstatt, weil der Scheibenwischer nicht richtig funktioniert. Die Stufe geht nicht. Das ist eine Abweichung vom eigentlichen Betriebszustand. Das wäre INES 1 entsprechend. Der Mechaniker schaut sich das Auto an und stellt fest, ein Schlauch der Kühlmittelanlage tropft, das wäre INES 0, weil keinerlei Bedeutung.
Dann sieht er, dass die Bremsscheibe zu weit abgelaufen ist, die minimale Dicke ist um 0,5 mm unterschritten. Das hat eine sicherheitstechnische Bedeutung und wäre analog INES 2, eine Störung.
Eine Störung kam in Krümmel nie vor!
Krümmel hätte noch viele Jahre einwandfrei laufen können. Es gab dafür eine Betriebsgenehmigung. Es erzeugte pro Jahr ca. 11 Mrd. kWh Strom und erspart dadurch der Atmosphäre viel CO2, Dieses Gas hat das Meer so aufgewärmt, dass in den Phillipinen durch einen noch nie dagewesenen Sturm tausende von Menschen umgekommen sind.
Fakt ist: Bei allen Risiken die wir bei der Kernenergie eingehen, hätten wir drauf verzichtet und stattdessen noch mehr Braunkohle gefördert, wir Deutschen sind darin mit Abstand Weltweister, wir hätten noch mehr CO2 in die Luft gepustet. Pro kWh etwa 1 kg!

Wir möchten die Energiewende, ich auch. Ich arbeite auch beruflich in dem Thema, seit 9 Jahren. Die CDU Landesregierung von Baden Württemberg hat uns 5 Mill. Euro zur Verfügung gestellt um im Bereich Brennstoffzellen, Wasserstoff, Batterien, Blockheizkraftwerken, Speichertechnologien etc. Informationsarbeit zu machen. Außerdem bin ich in Projekten an deren Realisierung beteiligt. Für die Öffentlichkeitsarbeit bekamen wir jährlich einen Zuschuss. Derzeit schule ich z.B. über 60 Studenten in etlichen Praktika.
Die grün-rote Landesregierung hat den Zuschuss für Öffentlichkeitsarbeit gestrichen, die ich aber trotzdem leiste. Wir werden unseren Verein zum Ende des Jahres auflösen und werden übernommen. Dem Herrn Ministerpräsident habe ich persönlich geschrieben, er hat nichtmal geantwortet. Soviel zu den angelblich "Grünen".

Zur Enegiewende: Ich bin dafür, denn alle fossilen Energiequellen sind endlich, auch Uran. Deshalb müssen wir was anderes machen. Kernenergie ist deshalb eine Brückentechnologie, weil sie die Option bietet Strom kostengünstig dort herzustellen wo er gebraucht wird, zudem auch zuverlässig. Finnland hat das erkannt und baut ein Kernkraftwerk und plant zwei weitere. In Deutschland ist diese Technologie im Bereich Leistungsreaktoren mit einer Förderung von nicht ganz 8 Mrd. Euro ausgekommen. Eine Summe die die EE in weniger als 6 Monaten auffressen. Es ist richtig die EE über eine Startfinanzierung zu fördern. Auf Dauer muss das aber finanzierbar sein. Wir geben in Deutschland für EEG Umlage, KWK Zuschuss, Windenergieumlage etc. etwa 10 ct pro kWh aus. Zu dem Preis könnt ihr in Schweden den Strom beziehen (allerdings plus Durchleitungsgebühr)
Meine Kernaussage zur Energiewende: Eine solche muss organisiert sein und sich an der Machbarkeit orientieren. Derzeit ist in Deutschland jede Pommesbude besser organisiert als die Energiewende. Jeder darf Windenergieanlagen (WEA) ins Meer bauen, ob ein Stromanschluss besteht oder nicht. Besteht er noch nicht, so bekommt der Betreiber 95% der verlorenen Einnahmen erstattet. Durch Umlage auf den Strompreis wird das Geld eingetrieben. Die WEA werden mittels Dieselaggregaten in Bewegung gehalten damit sie nicht einrosten. und so weiter

Inzwischen können die ersten Familien ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen. Ein Vater hat sich deshalb vor Scham selber umgebracht.

Finnland baut derzeit ein Endlager für hochaktive und wärmeerzeugende Abfälle. Das Lager wird 2018 fertig sein, 2020 wird eingelagert. Wir hier in Deutschland lagern deutlich gefährlichere chemische Gifte seit Jahren sicher in Bergwerken ein. Sie haben eine Halbwertszeit von unendlich, sind wasserlöslich und deutlich chemisch toxischer als die verglasten Spaltprodukte radiotoxisch sind und schwerer nachzuweisen.

Energiewende ist ein extrem komplexes Thema, welches mit Fachwissen angegangen werden muss. Wir haben hier schon viel erreicht. Wir brauchen aber Speicher für den Strom aus Wind und PV. Nach dem Abschalten der Kernkraftwerke fehlt und deren gewaltige Regelleistung. Das wird 2022 sein. Ein Bekannter entwickelt Power to Gas Anlagen, eine gute Möglichkeit. Die Grünen haben ihm für die Entwicklung noch keinen Euro - keinen Cent zur Verfügung gestellt.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

Petergillarsverige
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1265
Registriert: 4. Oktober 2011 16:15
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon Petergillarsverige » 5. Dezember 2013 16:41

Hier noch ein netter Link. Der Text zeigt wie wenig koordiniert die Energiewende ist.
http://www.vbw-bayern.de/vbw/Pressemitt ... %A4rft.jsp
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

knut245
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 301
Registriert: 26. Juni 2010 13:53
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re:

Beitragvon knut245 » 6. Dezember 2013 11:00

Naja, die Energiewende wird ja ohnehin nur zu einer halben. Was wir eigentlich bräuchten, wäre eine ganz andere Struktur, nämlich eine dezentrale. Kleine Einheiten, kurze Wege. Dadurch, dass Stromerzeugung durch erneuerbare Energien endlich auch in kleinen Einheiten möglich ist, brauchen wir keine Riesenkraftwerke mehr, die ganze Bundesländer versorgen. Es gibt vereinzelt Pilotprojekte, die das vormachen, ganze Dörfer, die stromautark sehr gut zurecht kommen. Mit verbesserter Speichertechnologie wird es noch einfacher.

Das wird aber von interessierter Seite torpediert. Klar: wenn der Strom dezentral erzeugt wird, braucht man kein eon, kein EnBW und kein Vattenfall mehr. Das wollen die natürlich nicht, und sie haben (Geld-)Mittel und Wege, ihre Interessen in Berlin an den Mann zu bringen. Unternehmerverbände wie der vbw stehen da gern zur Seite. weswegen Dein Link leider etwas in die Irre führt: denn das sind nur interessengeleitete Aussagen von Leuten, die wollen, dass alles so bleibt wie es ist.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast