Vattenfall fährt Windkraft zurück

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knut245
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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon knut245 » 19. März 2014 10:10

Also die 5 Windkraftwerke, auf die ich täglich aus meinem Büro schaue - in 10 km Entfernung auf dem fränkischen Jura mitten im Wald - sind bereits die "kleine, dezentrale" Lösung. Die hat die Gemeinde mit einem Beratungsbüro unter Beteiligung von Einwohnern errichtet, so profitieren auch die Bürger davon. Klein im Sinne von 20m hoch gibts nicht, weil die so erzielbare Strommenge viel zu gering für den Aufwand ist. Der richtige Wind geht nunmal in einer Nabenhöhe von 150m ab.

Die großen Offshore-Windparks auf dem Meer hingegen sind Renommierprojekte der großen Versorgungsunternehmen, die leider aufgrund des technischen Aufwands völlig untrentabel sind, wenn sie nicht großzügig subventioniert werden. Nicht ohne Grund erhalten die ersten Anlagen in Deutschland, die bereits fertig sind, Geld für die Stromproduktion, obwohl sie den Strom noch gar nicht abliefern können, da die Kabel dorthin noch nicht liegen. Die Kabelnetzbetreiber hingegen haben noch keine Lust, sie anzuschließen, weil ihnen die versprochenen Subventionen noch nicht hoch genug sind. Sie betreiben weiter fleißig Lobbyismus, damit die Bürger für die Kasse ihrer Aktionäre noch mehr gemolken werden.

Derweil wird Stimmung gemacht für neue große Stromautobahnen, weil sie angeblich essentiell seien für die Energiewende. Dabei dienen sie nur dazu, die Existenz der großen Versorger zu sichern. Denn eine dezentrale Stromversorgung wäre deren Ende. die Argumentation geht derzeit klar in die Richtung: "wir brauchen die großen Trassen, um den Windstrom von der Nordsee nach Bayern zu schicken", und wenn die erstmal stehen, wird es heißen "jetzt können wir keine kleinen Windparks bauen, weil sonst die großen Trassen nicht ausgelastet werden und dann die Subventionen an die Betreiber ohne Gegenleistung bleiben".

RWE, eon und Vattenfall haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet. :(
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon Petergillarsverige » 19. März 2014 10:27

Ich glaube die Sache ist komplizierter.
Erstens bekommen auch die 5 WEA eine Subvention. Dann die Frage wie viel Strom erzeugen die denn im Jahr? Müssen Kohlekraftwerke als Schattenkraftwerke abgeregelt werden, wenn die WEA erzeugen? Falls ja erzeugen die pro kWh mehr CO2, wegen der Abregelung, was insgesamt möglicherweise einen höheren CO2 Ausstoss hervorbringt.
In der Heimat meiner Eltern sind die Milane selten geworden. Sie kämpfen mit den Windanlagenflügeln und ziehen oft den kürzeren. Fledermäuse sind auch mit dem Tode bedroht. Man sollte einige tausend km² frei von WEA halten, damit die Milane geschützt werden. Von 34.000 Paaren auf der Erde leben 24.000 in Deutschland.
Offshore Windenergie ist Sache der großen 4, ist sie deshalb von vornherein böse? Oder sollten wir das wesentlich größere Windenergiepotential auf dem Meer nutzen.
Immerhin erzeugen die onshore WEA an der Nordseeküste viel Strom, den wir im Süden brauchen und damit die Freileitungen.
Wir ersetzen wegen der Energiewende die konventionelle Erzeugungsart durch eine andere. Der Strom wird damit wesentlich teurer. Damit müssen wir uns abfinden, das akzeptieren - oder nach Schweden auswandern.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon vinbergssnäcka » 19. März 2014 16:20

EuraGerhard hat geschrieben:
Allgemein gilt aber: Jede, aber auch wirklich jede Form der Energiegewinnung hat nicht nur Vor- sondern auch Nachteile, und belastet in irgendeiner Form die Umwelt. Die allerwichtigste Maßnahme ist daher, den Energieverbrauch insgesamt zu reduzieren, sprich die Energieeffizienz zu erhöhen.

MfG
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Selbst die Energie aus dem Wasser kann ich nicht als umweltfreundlich bezeichnen, wenn man sieht, wieviel Natur dabei zerstört wird/wurde und welchen Arten die Lebensgrundlage entzogen wird. Die Massnahmen, die hier inzwischen ergriffen werden sind ja auch nur mehr oder weniger erfolgreich und auch nicht richtig konsequent umgesetzt.
liebe Grüsse

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon HeikeBlekinge » 19. März 2014 17:22

Fakt ist ja nun, das man technisch so weit ist Häuser zu bauen die wenig Energie verbrauchen, ja sogar autarke eigene Kläranlagen besitzen. Kleinere Windkraftanlagen direkt am Haus, Sonnenkollektoren, verbesserte Verbrennungstechniken, Erdwärme tragen dazu bei, das man eigentlich - oder zusammengefasste, kleinere Siedlungen, je nach Voraussetzung und Technik - selbstversorgend werden könnte(n). Und das sogar nicht auf Kosten schwächerer Erdenmitbewohner!

Fakt ist, dann verdienen Vattenfall, Eon und Co nix mehr.
Fakt ist, der Staat selbst wirft Leuten die so etwas machen wollen regelmäsig Steine vor die Fuesse Warum, duerfte jedem klar sein.

Ich glaube eigentlich nicht an Gott als Person, aber an den Teufel, an den glaub ich tatsächlich manchmal ;-)

lg
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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon vinbergssnäcka » 19. März 2014 17:40

HeikeBlekinge hat geschrieben:Fakt ist, der Staat selbst wirft Leuten die so etwas machen wollen regelmäsig Steine vor die Fuesse Warum, duerfte jedem klar sein.


Das stimmt, mein Freund wollte sich unbedingt eine Solaranlage, also Solarcellen auf sein Garagendach montieren. (Kollektoren für Warmwasser hat er bereits). Er war sogar bereit soweit zu gehen, damit kein Geld gutzumachen. Aber die Sache ist so kompliziert, das er es schliesslich aufgegeben hat. Wenn sich nämlich jemand an den (vermutlich nicht vorhandenen) Reflektionen gestört hätte, hätte er es wieder abbauen müssen......
liebe Grüsse

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon EuraGerhard » 19. März 2014 17:46

Hallo Heike,

ich muss wohl mal wieder meinem Spitznamen "Desillusionator" Ehre machen: :wink:

HeikeBlekinge hat geschrieben:Fakt ist ja nun, das man technisch so weit ist Häuser zu bauen die wenig Energie verbrauchen, ja sogar autarke eigene Kläranlagen besitzen. Kleinere Windkraftanlagen direkt am Haus, Sonnenkollektoren, verbesserte Verbrennungstechniken, Erdwärme tragen dazu bei, das man eigentlich - oder zusammengefasste, kleinere Siedlungen, je nach Voraussetzung und Technik - selbstversorgend werden könnte(n). Und das sogar nicht auf Kosten schwächerer Erdenmitbewohner!

Ganz so paradiesisch ist es leider nicht:
  • Häuser zu bauen die wenig Energie verbrauchen:
    Ja, das geht. Problematisch sind allerdings die ganzen Altbauten. In manchen Fällen bleibt da nur Abreißen und neu bauen, wenn man wirklich die neuesten Standards einhalten will. Kostet aber auch Energie.
  • Autarke eigene Kläranlagen:
    Auch bei Kläranlagen gilt: Je größer, desto energieeffizienter. Moderne Großkläranlagen können (oder könnten zumindest) energetisch völlig autark arbeiten. Je kleiner die Anlage, desto schwieriger wird das.
  • Kleinere Windkraftanlagen direkt am Haus:
    Wie ich schon sagte: Je größer, vor allem je höher die Windkraftanlage ist, desto effizienter arbeitet sie. Und desto weniger gefährdet sie - bezogen auf die Energieausbeute - Vögel oder Fledermäuse. Überdies sollte man den Standort einer Windanlage eher nach den Kriterien Windverfügbarkeit und Nähe zu Brutgebieten/Fledermausrevieren wählen, anstatt sie direkt am Haus aufzustellen.
  • Sonnenkollektoren:
    Falls Du damit Photovoltaikzellen zur Stromerzeugung meinst: Deren Herstellung verbraucht viel Energie, und die benötigten Seltenen Erden werden nahezu ausschließlich in China unter sehr umweltbelastenden und menschenverachtenden Bedingungen gefördert. Auch ist ihre Lebensdauer begrenzt und unter schwedischen Bedingungen ist es zweifelhaft, ob sie während ihrer Lebensdauer überhaupt so viel Energie produzieren, wie zu ihrer Herstellung aufgebracht werden musste.
    Und Sonnenwärmekollektoren bringen in Schweden im tiefen Winter so gut wie nichts.
  • Verbesserte Verbrennungstechniken:
    Da ist inzwischen so ziemlich das Ende der Fahnenstange erreicht.
  • Erdwärme:
    In Schweden? Kannst Du vergessen.

Hinzu kommt noch etwas: Gerade lokal erzeugte regenerative Energie steht ja nicht immer dann zur Verfügung, wenn man sie gerade braucht. Und dezentrale Speichertechniken sind längst noch nicht weit genug entwickelt, um die Lücken füllen zu können. Stell Dir vor, es ist Dezember, bestenfalls ein paar Stunden Sonnenschein am Tag, es ist windstill und klirrend kalt. Da ist dann der Netzanschluss bei Vattenfall und Co. doch nicht sooo schlecht. :wink:

MfG
Gerhard

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon HeikeBlekinge » 19. März 2014 18:14

Naja, da scheiden sich halt unsere Geister ;-)

Erdwärme:
In Schweden? Kannst Du vergessen.


Warum?
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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon vinbergssnäcka » 19. März 2014 18:46

Habe auch Bergwärme, funktioniert sehr gut, natürlich nicht ohne Strom, aber mit viel weniger.
liebe Grüsse

Heike

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon vibackup » 19. März 2014 19:10

EuraGerhard hat geschrieben:
  • Erdwärme:
    In Schweden? Kannst Du vergessen.

Hallo desillusionator!
;-)

Doch, gerade Bergwärme (die ja wohl in D als Erdwärme gehandelt wird) funktioniert hier sehr gut.
Wir und eine Reihe Nachbarn haben das, was in der Regel den Stromverbrauch halbiert.

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Re: Vattenfall fährt Windkraft zurück

Beitragvon Rallaren » 20. März 2014 07:29

HeikeBlekinge hat geschrieben:Fakt ist ja nun, das man technisch so weit ist Häuser zu bauen die wenig Energie verbrauchen, ja sogar autarke eigene Kläranlagen besitzen. Kleinere Windkraftanlagen direkt am Haus, Sonnenkollektoren, verbesserte Verbrennungstechniken, Erdwärme tragen dazu bei, das man eigentlich - oder zusammengefasste, kleinere Siedlungen, je nach Voraussetzung und Technik - selbstversorgend werden könnte(n). Und das sogar nicht auf Kosten schwächerer Erdenmitbewohner!

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Genau so sehe ich das auch. Es ist durchaus möglich, teilweise Selbstversorger zu sein. Ob man es zu 100% schafft, ist von den Gegebenheiten abhängig. Wahrscheinlich schwer.
Das ist aber nicht gewollt.
Ein kleines Hofwindkraftwerk muss sicher nicht weit ueber die Bäume herausragen. Es kann nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes sein. Sonne und Erdwärme gehören dazu.
Ich wäre froh, wenn man so eywas auf dem Lande fördern wuerde als diese riesigen, hässlichen Windkraftparks.


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