Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

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Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon svenska-nyheter » 20. November 2008 12:57

Im so genannten „Rödeby-Fall“, bei dem ein Vater einen Jugendlichen erschossen und einen anderen schwer verletzt hatte, ist am Donnerstag das Urteil gefallen. Die Richter des Oberlandesgerichts Skåne und Blekinge erkannten auf Totschlag. Allerdings sei eine Gefängnisstrafe für den Angeklagten ausgeschlossen, weil der Mann zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen sei, so die Richter. Stattdessen verurteilten sie den Täter zu Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 18.000 Euro.


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(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

priscilla
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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon priscilla » 25. November 2008 12:52

Ich habe mir sagen lassen, daß der Vater die Schikanen und das Mobbing auch angezeigt hat, aber keine Hilfe bekommen hat. Ist glaube ich in Deutschland ähnlich, da ist Mobbing zwar ein Thema, was in den Medien präsent ist, aber richtig was dagegen tun ist auch noch nicht in Mode gekommen... Aber wie dem auch sei, ich kann den Mann gut verstehen. Wenn ich mir vorstelle, daß meinen Kindern so übel mitgespielt wird, ich kann nicht garantieren, daß ich nicht ähnlich handeln würde...

Manty

Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon Manty » 26. November 2008 10:42

priscilla hat geschrieben:Ich habe mir sagen lassen, daß der Vater die Schikanen und das Mobbing auch angezeigt hat, aber keine Hilfe bekommen hat.


Genauso ist es. Ich habe den Fall verfolgt und kann den Vater auch sehr gut verstehen und somit auch das Urteil des Gerichts. Der Vater hatte Angst, die ganze Familie hatte Angst. Irgendwann mußten ihm ja "die Sicherungen durchbrennen." Könnte mir vorstellen, daß auch mein Mann nicht anders gehandelt hätte. Es war eigentlich vorauszusehen, daß die Situation irgenwo so eskalieren mußte.
Dazu sei noch gesagt, daß sein Sohn behindert ist und somit nicht einmal in der Lage war, sich selbst gegen diese Heinis zu wehren.

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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon Aelve » 26. November 2008 11:06

Hallo,

habe auch von meinen Bekannten, die in Schweden wohnen, ähnliches erfahren.
Die Polizei hat nicht eingegriffen, es war bekannt, dass die Familie ein Mobbingopfer war und die Jugendlichen es arg getrieben haben.
Das ist dann wieder typisch, das Opfer wird alleine gelassen, die Mobbingtäter können machen, was sie wollen, bis dem Vater dann die Sicherungen durchgebrannt sind. Dann will keiner die Schuld haben, dass es so eskaliert ist.

Grüße Aelve
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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon janaquinn » 26. November 2008 11:13

Guten Morgen,
ich hatte mich eigentlich absichtlich hier nicht zu Wort gemeldet, wegen meiner persönlichen Situation.

Jaa, ich kann den Vater verstehen. Und JA, mein Mann und ich hätten, irgendwann, genauso reagiert, wenn unser Sohn davon betroffen gewesen wäre.

Natürlich kann und darf die persönliche Situation nicht in Selbstjustiz ausarten, aber wenn niemand, wirklich niemand auf die Bitten und Forderungen reagiert, man starr vor Angst ist..muss etwas geschehen. Das dabei ein Mensch umgekommen ist, dass ist furchtbar. Allerdings wäre es gut, wenn er freigesprochen worden wäre, bezgl. der vorhergehenden Situation.

Ich bin froh, dass er nicht ins Gefängniss kommt und weiterhin für seine Familie da sein kann.

LG JANA
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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon Aelve » 26. November 2008 11:35

Liebe Jana,

ich kann Dich gut verstehen und teile Deine Ansicht. Es ist so feige und fies, wenn man gerade Behinderten, die durch ihre Situation ohnehin schon sehr arg gestraft sind, dann gegenüber solch Verhalten an den Tisch legt. Solche Jugendlichen wollen ihre Macht dann ausspielen gegen einen Schwächeren, an gleich Starke trauen sie sich nicht ran.
Verstehen kann ich nicht, dass es nicht als Notwehr angesehen wurde, denn wenn die Jugendlichen mit Stöcken usw. auf das Grundstück kommen und auch schon Angriffe erfolgt waren, dann ist es doch eher Selbstschutz gewesen, was den Vater angetrieben hat. Aber Richter schätzen meiner Meinung nach auch nicht jede Handlung richtig ein, solange es sie nicht selbst getroffen hat.

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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon janaquinn » 26. November 2008 11:42

Hej Christa,

ich finde dein Posting gut, allerdings stösst mir ein Satz extrem bitter auf:
" Es ist so feige und fies, wenn man gerade Behinderten, die durch ihre Situation ohnehin schon sehr arg gestraft sind..." :smt064 :smt064

Behinderte finden sich, normalerweise, nicht arg gestraft, auch ihre Familien nicht. Unsere Kinder sind glücklich und zufrieden, für uns ist es ein normales Leben und wir lieben es....ohne Einschränkungen.
Aber, da ich dich gut kenne, denke ich mal, du hast dich wahrscheinlich einfach nur "unglücklich" ausgedrückt....oder??

In unserer Familie wird wahrscheinlich mehr und öfter gelacht, als in anderen Familien, weil wir einfach rundum glücklich, zufrieden und mit unserem Leben im Reinen sind....so wie die allermeisten Familien, die in der gleichen Situation wie wir sind :wink:

Nix für ungut und LG
JANA, die sich mit ihrem besonderen Kind mehr als nur gesegnet fühlt
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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon Aelve » 26. November 2008 12:12

Hallo Jana,

ich finde es toll, wie Du Dein und das Deines Kindes Schicksal annimmst.

Ich meine wirklich damit, dass ein Behinderter sich weniger wehren kann als ein Mensch ohne Behinderungen. Sei es, dass er nicht so stark ist oder dass seine Behinderung ihn einfach einige Dinge nicht ermöglicht, evtl. weil er im Rollstuhl sitzt oder weil er sich aufgrund seiner Behinderung auch nicht traut. Es kommt vielleicht auch auf die Art der Behinderung an. Ich meine auf keinen Fall, dass er nicht so glücklich sein kann wie jeder andere auch, denn jeder Mensch hat etwas, was er aushalten muß. Aber meistens legen es ja solche Jugendliche, von denen hier die Rede ist oder auch Leute, die ihre Macht ausüben wollen darauf an, jemanden gerade wegen seiner Schwäche zu hänseln oder zu ärgern. So wie ein Kind mit Brille ja auch manchmal von Kindern, die keine Sehbeeinträchtigung haben, damit geärgert werden.
Wir haben es ja in der Form erlebt, dass unser Sohn wegen seiner unsichtbaren Behinderung nämlich Legasthenie schweren Vorwürfen ausgesetzt war. Und unsere Tochter wegen ihrer Schwerhörigkeit. Sie ist jetzt 24 Jahre alt, kann wunderbar sprechen und sich toll ausdrücken. Aber früher hatte sie einen Sprachfehler und hörte auch nicht alles, was so ausgelegt wurde, als wenn sie bewußt einiges nicht hören wollte oder nicht korrekt aussprechen wollte. Da kommen dann noch Selbstzweifel und Sensibilität dazu. Unser Sohn war sehr sensibel und fühlte sich lange Zeit als minderwertig, weil er die Rechtschreibung nicht beherrschte. Es hat mich unheimlich viel Überredungskunst gekostet, ihm begreiflich zu machen, dass er andere sehr gute Begabungen hat und wegen seiner Rechtschreibschwäche nicht weniger wert ist als andere Kinder.
Deshalb würde ich nie jemanden eine Behinderung vorhalten oder darüber abwertende Äußerungen machen, es zeigt von Charakterschwäche, wenn man Behinderten ihr Unvermögen aufgrund irgendeiner Behinderung vorhält anstatt ihm Hilfestellungen zu geben, damit er nicht behindert wird durch seine Schwäche oder seine Krankheit, sondern dass er damit gut umgehen kann.

Grüße Aelve
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Re: Vater im „Rödeby-Fall“ wegen Totschlags verurteilt

Beitragvon janaquinn » 26. November 2008 12:17

Hej Christa,
sag ich doch, du hast dich nur etwas unglücklich ausgedrückt.....brauchst dich also nicht entschuldigen oder ähnliches.

LG JANA, deren Mann auch Legastheniker ist :wink:
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