Unterricht in Muttersprache

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Nanna
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Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Nanna » 23. Februar 2008 22:04

Ihr, die Ihr ausgewandert seid und Kinder habt. Werden Eure Kinder in ihrer Muttersprache (deutsch) unterrichtet, d.h. nehmen sie am "modersmålsundervisning" teil? Gilt vor allem ja für Schulkinder. Es würde mich mal interessieren, wie Eure Erfahrungen da so sind und was Ihr darüber denkt.

Daher schreibe ich nicts weiter, sondern warte gespannt auf Eure Antworten :)


Nanna

karlskronit
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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon karlskronit » 23. Februar 2008 22:40

hej nanna,
also unsere tochter ist direkt in den normalen unterricht gegangen, ohne ein wort schwedisch zu können. mittlerweile ist sie besser, als einige schweden selbst in ihrer klasse. sie hat dann anstatt deutsch, spanisch gewählt. ich kann mir vorstellen, dass ihr der deutschunterricht langweilig geworden wäre. wir haben sie aber auch nicht gedrängt, deutsch machen zu muessen, es war ihre entscheidung. gruss torsten.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Nanna » 23. Februar 2008 22:49

Hi Torsten!
Ich meine nicht den normalen Schulunterricht, sondern den Unterricht in der Muttersprache, auf den man ein Anrecht hat. Egal ob man chinesisch oder bosnisch spricht. Findet oft ausserhalb des normalen Unterrichts statt, manchmal nachmittags, aber das unterscheidet sich stark von Kommune zu KOmmune.
Also, es geht nicht um die Sprachen, die jedes Kind in der Schule wählen kann, so wie deutsch/französisch/spanisch in der 6. oder 7. Klasse (kann mich jetzt echt nicht erinnern in welchem Jahr :D ).
Das hier heisst "modersmålsundervisning" und ist nur für Kinder, die eine andere Mutterspache als schwedisch haben.

Nanna

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon karlskronit » 23. Februar 2008 22:57

hab mich vielleicht etwas komisch ausgedrueckt. ich meinte ja auch, dass sie keinen extraunterricht macht. weder in der schulzeit noch danach. ich weiss, dass man ein recht darauf hat, aber unsere tochter macht es nicht. es wäre bei uns auch in einer anderen schule, nicht in ihrer. torsten :)

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon floweh » 24. Februar 2008 00:01

also ich hab leider keine tochter und auch keinen sohn..schade schade...
aber eine 12jährige schwägerin ;) vielleicht lässt du mir das ja durchgehen
und auch sie hat in der schule lieber noch fremdsprachen belegt (englisch und spanisch) weil sie ja zuhause deutsch spricht...und interessanterweise haben die andren deutschen kinder in ihrem jahrgang, bzw aus der nachbarschaft auch nicht...
da gibt es noch ein paar familien mit insgesamt...lass mich nachrechnen...ich glaube 8 kinder ausser ihr in ihrem jahrgang und von denen haben gerademal 2 den muttersprach-unterricht belegt weil die eltern das wollten (die sind erst vor 3 monaten hergezogen) aber einer von den beiden jungs hat damit schon wieder aufgehört soweit ich weiss...

wie ist das bei euch? nehmen das viele in anspruch?
bei mir im sfi muss ich sagen hab ich ein paar holländer deutsche und aus litauen und verschiedenen arabischen ländern die ich mir nicht merken konnte (ich habs nicht so mit geographie ^^) und die wussten zu 80% nichtmal dass ihre kinder das machen könnten und ein anrecht drauf haben

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 24. Februar 2008 11:41

Muss nicht eine gewisse Anzahl von betreffenden Kindern in der Schule/bzw. Schuleinzugsbebiet vorhanden sein damit ein Unterricht gegeben werden muss?
Ich meine es ging da um 5 Kinder oder so.

Für unsere zwei Älteren erwäge ich das nicht. Für den Jüngsten, der in die erste Klasse geht schon. Aber da sind wir gerade dabei mit anderen Eltern zu kommunizieren ;-)

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Zschirli » 24. Februar 2008 11:57

ja, bei uns ist das auch so - mindestens 5 Kinder einer "Sprache" muessen es sein.

Ich hätte das auch nicht gewollt - mein Sohn kommt inzwischen sehr gut klar. Was das Lernen betrifft (Wissenserwerb) und auch die Sprache (Verständigung) ... es reicht sogar schon fuer kleine Streiche ... :lol:

er hat hier die 1. Klasse wiederholt - wurde angeraten, wegen der sprachlichen Barriere, hätten wir auch selbst so gewollt. Wenn er sich weiter so gut entwickelt und so gut lernt, darf er dann zum nächsten Schuljahr eine Klasse ueberspringen - wäre dann also wieder "normal".

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Skogstroll » 24. Februar 2008 12:39

Das mit mindestens fünf Kindern gibt es eigentlich nicht, jedes Kind hat ein Recht auf Unterricht in seiner Muttersprache, egal, ob es noch vier andere gibt.
Die Praxis sieht natürlich anders aus. Viele Schulen sind schlicht überfordert, woher sollen sie auch einen Lehrer nehmen, der Hindi, Deutsch oder Swaheli auf Muttersprachniveau unterrichten kann? Und die Teilnahme am Unterricht in Deutsch als Fremdsprache dürfte nur in den wenigsten Fällen sinnvoll sein. Ich kenne eigentlich nur einen Fall eines Kindes, bei dem die deutsche Muttersprache bereits soweit zurückentwickelt ist, dass es Deutsch wie eine Fremdsprache lernt.

Der Unterricht in der Muttersprache ist andererseits dringend notwendig, das sehe ich täglich an meiner Tochter. Ihr Deutsch ist gelegentlich für Deutsche, die des Schwedischen nicht mächtig sind, kaum noch verständlich. Und das Sprechen ist eine Sache, das Lesen und Schreiben eine ganz andere. Das lernen die meisten Kinder auch in Deutschland schliesslich in der Schule.

Wir haben das Glück, dass meine Frau Deutschlehrerin ist. Sie hat an der Schule hier eine 5%-Anstellung bekommen, damit sie einmal pro Woche mit unserer Tochter Deutschunterricht macht. Das ist nicht die optimale Lösung, aber die einzig mögliche.

Ich kann allen nur dringend raten, grossen Wert auf die Pflege der Muttersprache zu legen. Gerade bei kleinen Kindern liegt das Problem der Zweisprachigkeit nicht im Erlernen der neuen Sprache, sondern im Beibehalten der Muttersprache.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon vinbär » 24. Februar 2008 13:07

Hej,
ich habe berufsbedingt mit mehrsprachigen "Einwanderer"kindern zu tun. Der Spracherwerb, auch der zweiten oder dritten Sprache geht um so leichter vor sich, je besser die Muttersprache gefestigt ist und praktiziert wird.
Deutsche und ebenso anderssprachige Kinder haben keine Schwierigkeiten schwedisch zu lernen, nur muss aktiv auch die Muttersprache gefördert werden, denn die geht sonst ueber die Jahre verloren, was ich sehr schade finde, denn damit ist den Kindern eine Sprache genommen. Das merkt man schon nach kurzer Zeit an Satzstrukturen, Vokabeln etc, die verdreht werden....
Muss aber auch jeder selber wissen. Ich finde es gut, dass es diese Möglichkeit gibt, die Kinder lernen grammatikalische Grundbegriffe und den Umgang mit Sprache, dieses hilft beim Erlernen weiterer Sprachen. Abgesehen davon treffen sie andere Kinder mit dergleichen Muttersprache und haben die Möglichkeit ihre Sprache zu pflegen, was ja sonst eher schwer möglich ist. Insofern tut der muttersprachlige Unterricht eines Einwandererkindes auch dem Schwedischen gut.
mvh
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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Imrhien » 24. Februar 2008 13:41

Skogstroll hat geschrieben:Ich kann allen nur dringend raten, grossen Wert auf die Pflege der Muttersprache zu legen. Gerade bei kleinen Kindern liegt das Problem der Zweisprachigkeit nicht im Erlernen der neuen Sprache, sondern im Beibehalten der Muttersprache.

Skogstroll


Das kann ich voll unterschreiben. Und ich habe auch manchmal das Gefühl, dass der Unterricht in Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Fremdsprache für manche gleich gesetzt wird. Dabei ist das ein himmerlweiter Unterschied oder sagen wir, das sollte es sein, wenn es sinnvoll bleiben soll.
Wir werden versuchen unseren Kindern Deutsch als Muttersprache zu ermöglichen. Denn ich sehe noch nicht, dass ich in der Lage bin ihnen Schreiben und Lesen so beizubringen wie sie es in der Schule lernen würden. Und wohlgemerkt, ich komme aus dem pädagogischen Bereich und habe auch diesbezüglich schon mit Kindern gearbeitet.
Es ist aber auch was anderes die eigenen Kinder zu unterrichten. Daher kann ich mir vorstellen, weshalb Du schreibst, dass das bei Euch nicht die beste Regelung ist, wenn die Mutter dafür angestellt ist. Immerhin ist sie wenigstens Deutschlehrerin und das bringt Ihr einen Vorteil, den die meisten Eltern nicht haben. Nur weil man selber die Sprache von Klein an gelernt hat, heisst das noch nicht, dass man sie unterrichten kann... so, dass es vielleicht mal zu einer Ausbildung in Deutschland befähigen würde oder einem Studium.
Was auch fehlt, wenn man den Muttersprachunterricht nicht bekommt, sind die ganzen Klassiker der Literatur. Man kann darüber streiten ob man sie braucht :)
Aber wenn man möchte, dass die Kinder diesen Teil ihrer Herkunft lernen, dann muss man ihnen den Muttersprachunterricht ermöglichen. Im Fremdsprachenunterricht kann darauf gar nicht sooo viel Wert gelegt werden.

Grüße
Wiebke


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