Unterricht in Muttersprache

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Manty

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Manty » 26. Februar 2008 11:27

Bis jetzt ist Muttersprachenunterricht für uns auch noch kein Thema, aber ich mache mir jetzt auch schon Gedanken, was ist, wenn wir keinen Unterricht bekommen, weil zu wenig Kinder oder kein Lehrer. Habe meiner Schwester schon gesagt, daß sie das ganze Unterrichtsmaterial aufheben soll, was meine Nichte jetzt so in der 1./2. Klasse bekommt.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 26. Februar 2008 12:15

Am Schlimmsten finde ich persönlich Familien, wo die Sätze aus halb schwedischen, halb deutschen Wörtern bestehen. Wie sollen die Kinder denn da korrekt reden lernen? Dass man mal ein schwedisches Wort einfliessen lässt, kann sicher mal vorkommen, aber immer so zu reden? Ich denke, da tut man seinen Kindern keinen Gefallen mit. Irgendwann können sie keine Sprache mehr richtig oder das Deutsche gerät dermassen ins Hintertreffen, dass es verkümmert


Och ja da muss man sehr aufpassen!

Wie geht es euch selbst dabei?
Teilweise stelle ich fest, das ich manchmal für schwedische Wörter nicht ad hoc das deutsche finden kann.
Ist dann wie ein Blackout :? .
Neulich t.ex. "fastighet" - ich wußte um was es ging, die deutsche Übersetzung war weg, futsch, finito :roll: .
Die Wörter kommen zwar schnell wieder, aber irritierend ist das schon.
Und da erzählt mir gestern mein Ältester, dass er auch
solche "Ausfälle" hat!

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Imrhien » 26. Februar 2008 13:21

Solche Ausfälle sind glaube ich normal. Es dauert ja auch ein wenig bis das Hirn sich wieder auf die richtige Sprache eingestellt hat :)
Bei mir ist es gerade so, dass ich alle Sprachen mische. Ich denke deutsch, englisch und nun so langsam auch schwedisch. Dabei kommt manchmal ein Unsinn raus :roll:
Und es gibt Menschen die deutsch mit mir reden, ich will aber unbedingt englisch mit ihnen reden, weil ich denke, dass ich es müsste... ? Was soll das? Mein Hirn versucht mich irre zu machen :lol:

Grüße
Wiebke

Zum Glück ist es beim Schreiben noch relativ eindeutig. Obwohl mir selbst da manchmal schon englische Wörter einfallen, das liegt aber am Job.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Skogstroll » 26. Februar 2008 13:29

So richtig schlimm wird es bei mir, wenn wir z.B. englischsprachigen Besuch in der Firma haben. Dann ist bei mir die babylonische Sprachverwirrung perfekt. Aber - um zum Ausgangspunkt zurückzukehren - man muss bei den Kindern sehr darauf achten, dass es nicht so wird, und das heisst zuallererst, dass man selbst sauber spricht. Der Mix ist tödlich!

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Nanna » 26. Februar 2008 13:37

Blackouts haben wir alle, egal wie gut wir die Sprachen beherrschen :D

Klassisch bei mir ist es, wenn mir das entsprechende Wort in 4 Sprachen einfällt, aber nicht in der fünften Sprache, die ich gerade brauche *seufz*.
Gut ist aber, wenn man als Elternteil sich gegenseitig auch ein bisschen "kontrolliert", daran erinnert, dass man nicht mischen soll, dass es so und so heisst usw. Nach 12 Jahren hier schleicht sich sonst leicht ein Fehler ein.

Auch wir schauen deutsches Fernsehen auch der Sprache wegen. Die ersten Jahre haben wir nur schwedisches gehabt, um die Sprache richtig zu lernen und danach haben wir dann bewusst eine Satellitenschüssel gekauft, um öfter gesprochenes Deutsch wieder mitzukriegen :)
Genauso kaufen wir Bücher, wenn wir in Deutschland sind, hier ab und zu mal eine Zeitschrift usw.
Ich bin damit aufgewachsen, verhalte mich jetzt so, wie meine Mutter damals als ich Kind war, habe ich so festgestellt :D . Aber das nur am Rande :)

Geht man bewusst mit der Sprache um, dann funktioniert die Mehrsprachigkeit auch gut. Damit werden auch viele Fehler vermieden.


Nanna

Manty

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Manty » 26. Februar 2008 14:53

Mir passiert es auch ab und an, daß ich deutsch spreche, aber plötzlich ersetze ich einzelne Wörte im Satz mit den entsprechenden schwedischen.
Das schlimme ist ja, daß, wenn man sich mit Deutschen unterhält, die eben auch schwedsich sprechen, diese darauf gar nicht reagieren und man sich einfach weiterunterhält. So finde ich das nicht schlimm, aber wenn Kinder dabei sind, sollte man sich schon "zusammenreißen."

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Imrhien » 26. Februar 2008 15:38

Ein positives Beispiel aus meiner Warte, ich versuche nun immer mehr schwedisch zu sprechen kann aber ja noch lange nicht alles.
Also bin ich ganz dankbar dafür, dass ich mich mit Schweden unterhalte die deutsch oder englisch können. So mache ich dann öfter mal einen schwedischen Satz in dem ein Wort oder so englisch bzw. deutsch ist. :) Irgendwie kommt man damit immer durch...

Bei meinen Kindern lasse ich derzeit aber noch alles schwedisch durchgehen und auch ich sage immer mal wieder ein paar schwedische Worte zu ihnen. Allerdings ist das eher so nebenbei und meist nur als Wiederholung von dem was bsp. eine der fröken in der dagis gesagt hat. Dann wiederhole ich es, übersetze es und hoffe, dass die Kinder somit zum einen verstehen wie das schwedische klingt und auch verstehen was es bedeutet. Das passiert aber ganz automatisch, ich hab auch früher schon in Deutschland immer wieder mal Sachen wiederholt...
Und wenn sie was auf schwedisch sagen, dann lob ich sie und reagiere entsprechend auch wieder deutsch/schwedisch darauf. Sobald sie mal fitter sind werde ich nur noch deutsch reden (wollen) aber da sie jetzt noch so klein sind verstehen sie das eh noch nicht. Sie kennen ja nicht mal, oder mein SOhn grade erst, das Konzept Sprache und er versteht immerhin, dass es verschiedene gibt. Aber irgendwie ist ihm noch nicht klar, dass er gerade dabei ist eine neue Sprache zu lernen. Er tut es ohne es zu verstehen und daher will ich ihn auch nicht belasten und sagen, das darfst Du daheim nicht so und so sagen, das musst Du in der dagis sagen und daheim anders...
Wenn sie älter sind kann man da wert drauf legen. Bzw. es wird vermutlich schleichend dahin kommen. So ist das ja immer mit Kindern und auch mit dem Erwerb einer Sprache. Es ist ein Prozeß und man kann nicht sagen ab wann er welchen Zustand hat. Denn dann ist er womöglich schon wieder anders :) Das machts doch erst spannend.

Grüße Wiebke

nysn

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon nysn » 27. Februar 2008 09:13

@Wiebke
... zu deiner Frage aus dem anderen Thread: Doch, ich bin mir schon sicher, dass es näher zu Göteborg als nach Västerås ist, wo wir wohnen. Lustig aber, dass es noch so eine "Unangepasste" gibt - geschieht denen ganz recht, den Västeråsern ... :)

Zum Thema Muttersprache haben wir es so gemacht: Mein Sohn und ich wir sind ungefähr gleichzeitig hier in Schweden gelandet. Daher fand ich es irgendwie unnatürlich mit einem Baby eine Fremdsprache zu sprechen und meinen Mann kannte ich ja aus Deutschland - also die ersten 2 Jahre hatten wir Deutsch als Familiensprache. Als mein Sohn mit ca. zwei im Dagis anfing, sagte er dort die ersten 3 Monate keinen "pieps" - die Erzieherinnen meinten aber, er mache den Eindruck als würder er verstehen. Und nach 3 Monaten fing er dann wie aus heiterem Himmel von selbst an mit seinem Vater Schwedisch zu plappern und mit mir nur Deutsch. Von mir hat er bis heute kein Schwedisch akzeptiert - irgendwie gefiel/gefällt ihm mein Akzent wohl nicht.

Wir haben viele Kinderbücher gelesen - schwedische - die ich dann alle, quasi simultan übersetzt, auf Deutsch vorgelesen habe. Für mich war das eine gute Übung Schwedisch zu lernen und so sind wir beide in die Sprache reingewachsen. Leider mit unterschiedlichem Erfolg - d. h. er ist richtig zweisprachig, er kann mitten im Satz von einer in die andere Sprache umschalten, mischt aber keine schwedischen Worte mehr ins Deutsche und umgekehrt.

Er musste ("auf Befehl" der Mutter) auch immer zum angebotenen Muttersprachenunterricht der Kommune gehen - egal, wie gut oder schlecht der jeweils war.

Man muss wirklich dazu sagen, dass diese Muttersprachen-Gruppen von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein können und auch sind - mal kommen neue Kinder hinzu oder einige hören auf. Und wenn es nicht genügend Kinder in der gleichen Altersstufe gibt, dann kann die Zusammensetzung schon mal so sein, dass ein vernünftiger Unterricht nur erschwert möglich ist. Bei uns gibt es ganz ambitiöse Eltern, die darauf bestehen, dass ihre 3-Jährigen schon am Unterricht teilnehmen, auch wenn sie dann in eine Gruppe mit 7-10-Jährigen kommen. Dann leiden natürlich beide darunter - die Großen und die Kleinen. Der Unterricht findet ja nur einmal die Woche - ca. 1 Stunde - statt. Da kann man sich ja selber ausdenken, dass das nicht ausreicht und man als Eltern auch selbst gefragt ist, wenn das mit der Zweisprachigkeit klappen soll.

Wie schon gesagt, mein Dank richtet sich in dieser Hinsicht wirklich auch an ARD/ZDF - das Kinderprogramm war/ist qualitativ auch höher/anspruchsvoller als das schwedische Pendant "Bollibompa". :wink:

Aurora

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Aurora » 27. Februar 2008 22:06

Nanna hat geschrieben:Blackouts haben wir alle, egal wie gut wir die Sprachen beherrschen :D
Klassisch bei mir ist es, wenn mir das entsprechende Wort in 4 Sprachen einfällt, aber nicht in der fünften Sprache, die ich gerade brauche *seufz*.
Nanna


Nanna, du sprichst mir voll aus dem Herzen.Aber bestimmt geht es vielen so. Zum Glück helfen mir dann manchmal auch andere Sprachkenntnisse.

Aurora

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Aurora » 27. Februar 2008 22:28

Zschirli hat geschrieben:
er hat hier die 1. Klasse wiederholt - wurde angeraten, wegen der sprachlichen Barriere, hätten wir auch selbst so gewollt. Wenn er sich weiter so gut entwickelt und so gut lernt, darf er dann zum nächsten Schuljahr eine Klasse ueberspringen - wäre dann also wieder "normal".


Da habt ihr wirklich total richtig entschieden. Auf dieses eine Jahr kommt es wirklich nicht an und das Kind kann mit Erfolgen starten und ist motiviert.
Super Entscheidung!
Rate ich hier auch allen Eltern, die aus anderen Ländern neu kommen. (Migranten)
In einem Jahr haben die Kinder Deutsch gelernt, nun müssen die Eltern nachziehen. :lol:
Jetzt helfen die Kinder bei den Elterngesprächen und
übersetzen. :rolleyes:


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