Unterricht in Muttersprache

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nysn

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon nysn » 24. Februar 2008 13:44

Skogstroll hat geschrieben:Ich kann allen nur dringend raten, grossen Wert auf die Pflege der Muttersprache zu legen. Gerade bei kleinen Kindern liegt das Problem der Zweisprachigkeit nicht im Erlernen der neuen Sprache, sondern im Beibehalten der Muttersprache.
Skogstroll


Da kann ich dir nur ABSOLUT zustimmen. Es ist zwar ganz schön, Schwedisch zu können und selbstverständlich, dass man, wenn man hier wohnt auch die Sprache nach einger Zeit beherrschen sollte.

Echte Zweisprachigkeit ist für ein Kind ein GESCHENK, nie mehr später bekommt man eine zweite Chance, so leicht, per Automatik, eine Sprache richtig zu erlernen.

Mein Sohn geht hier auch in den "hemspråk"-Unterricht - und das nicht immer gerne, weil die Qualität von Jahr Jahr unterschiedlich ist. Seine Lehrerinnen haben immer gewechselt und es waren auch welche dabei, die z. B. keine ausgebildeten Pädagogen waren. aber TROTZDEM - er muss dorthin gehen.

Nach vier Jahren in Schweden haben wir uns dann auch eine Satellitenschüssel geholt und mein Sohn hat angefangen den Kinderkanal, die Sendung mit der Maus, Planet Wissen usw. zu schauen.

Ich bin mir bewusst, dass jetzt sicher viele, die das lesen, mit der "Nase rümpfen" werden oder ... noch schlimmer :) ... aber dennoch - er hat viel vom deutschen Fernsehen gelernt. In der 2. Klasse fiel er in der Schule auf, dass er sich so gut ausdrücken konnte - auf Schwedisch - in der 5. Klasse waren die Lehrer erstaunt, dass er über ein so gutes Allgemeinwissen verfügt. Als Mutter habe ich mich dann "in diesem Glanz" :wink: schon etwas "gesonnt" - musste mir aber eingestehen, dass einiges davon tatsächlich auf ARD/ZDF zurückzuführen ist ... :D

Wir haben es in unserer schwedisch/deutschen Mischfamilie auch immer so praktiziert, dass jeder nur die Sprache spricht, die er auch wirklich kann, d. h. mein Mann Schwedisch mit meinem Sohn und ich Deutsch.

Nach einiger Zeit hat er dann eh gemerkt, dass die Mamma nicht so klingt, wie die anderen schwedischen Mammas ... :D

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon HeikeBlekinge » 24. Februar 2008 19:26

Ich bin mir bewusst, dass jetzt sicher viele, die das lesen, mit der "Nase rümpfen" werden oder ... noch schlimmer ... aber dennoch - er hat viel vom deutschen Fernsehen gelernt. In der 2. Klasse fiel er in der Schule auf, dass er sich so gut ausdrücken konnte - auf Schwedisch - in der 5. Klasse waren die Lehrer erstaunt, dass er über ein so gutes Allgemeinwissen verfügt. Als Mutter habe ich mich dann "in diesem Glanz" schon etwas "gesonnt" - musste mir aber eingestehen, dass einiges davon tatsächlich auf ARD/ZDF zurückzuführen ist ...


Absolut nicht!
Es kommt immer darauf an, was geguckt wird ;-)

Zu Anfang habe ich immer versucht auch zuhause schwedisch mit meinen Kindern zu sprechen, bloß:
1. Nach kürzester Zeit können die das besser als ich (grins)
2. Ist es nicht gerade förderlich die Muttersprache korrekt beizubehalten
Von Fachleuten wird sogar empfohlen in der Familie die Muttersprache untereinander beizubehalten. (Supi für zweisprachige Familien!)

Vorgelesen werden unserem Jüngsten nur Bücher auf Deutsch (so z.Zt. "Lederstrumpf", den man glaube ich doch zu den Klassikern zählen darf!?)
Er lernt ja gerade lesen und schreiben (schwedisch) und ich habe festgestellt, das er trotzdem in der Lage ist deutsche Wörter zu entziffern. Schreiben ist da schon schwieriger. Buchstaben wie o und u oder j, y bereiten da logischerweise Schwierigkeiten.
Also für junge Kinder ist da der Muttersprachliche Unterricht sicher nicht unwichtig! Meinen Älteren (13, 14 J.) brauch ich damit aber nicht mehr zu kommen...

Hälsningar
Heike

nysn

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon nysn » 24. Februar 2008 19:47

HeikeBlekinge hat geschrieben:Es kommt immer darauf an, was geguckt wird ;-)


das von mir vorhin beschriebene Fernsehkonsum meines Sohnes bezog sich auf das Alter von ca. 5 bis 10 - er ist inzwischen 13 und was er jetzt so guckt :roll: ... "Familiengeheimnis" :)

Aurora

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Aurora » 24. Februar 2008 20:00

S-nina hat geschrieben:

Echte Zweisprachigkeit ist für ein Kind ein GESCHENK, nie mehr später bekommt man eine zweite Chance, so leicht, per Automatik, eine Sprache richtig zu erlernen.

:D

Wohl wahr. Kann dem nur zustimmen.Die Idee mit dem TV finde ich auch gut als Unterstützung, d. h. unbewusstes Lernen und noch Spaß dabei, insbesondere bei den kleineren Kindern, denn diese müssen ihre"Muttersprache" ja auch erst mal erlernen.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Nanna » 25. Februar 2008 22:27

Ich danke für Eure Antworten. Interessant die Bandbreite der Meinungen zu lesen :)

Persönlich beugen wir uns den "Fachleuten" (ich habe einige Bücher über Mehrsprachigkeit gelesen) und finden den Unterricht in der Vatersprache (in unserem Fall :D ) wichtig. Auch wenn das für uns bedeutet, einmal in der Woche 45 km einfache Fahrt dafür zu machen. Aber für die Kinder ist es wichtig, ich merke z.B. an der Grossen, die schon ganz gut liest, dass jetzt auch die Hemmungen im Deutschen verschwinden. Sie nimmt seit letztem Sommer am Unterricht teil, vorher war kein Lehrer da :(

Ich habe zwar mal Deutsch unterrichtet als "modersmålsundervsining", aber die eigene Tochter will ich nicht unterrichten. Aber ich kann passendes Material besorgen, ihr Hilfestellungen geben und sie zum Unterricht fahren usw. Ab Sommer werden die beiden Grossen beide dort hingehen, so ist zumindest der Plan.

Die Sprache, die gesprochene, kann ich auch vermitteln. Aber deutsche Grammatik, Impulse von anderen die deutsch sprechen, Impulse von einem Lehrer der aussenstehend ist, das kann ich nicht geben. Und da die eigene Sprache grundlegend für die Erlernung weiterer Sprachen und wir als Erwachsene/Elternteile für unsere Kinder entschieden haben, dass zu Hause deutsch gesprochen wird, dann müssen wir ihnen auch dabei helfen, alla Sprachen korrekt zu lernen.

Auch bei uns flimmert´s, am liebsten (zur Freude der Eltern :D ) Tiersendungen über Zootiere bei ARD/ZDF oder Tierarzt-Sendungen bei privaten Sendern. Aber natürlich auch andere Sachen, auch schwedische Programme. Die sind ja auch wichtig, damit sie in der Schule mitreden können (z.B. der Weihnachtskalender) ;) .

Aber jetzt schweife ich ab :D

Ich empfehle allen, die mit Zweisprachigkeit zu tun haben, dementsprechende Litteratur zu lesen und nicht nur aus dem Bauchgefühl zu agieren.

Am Schlimmsten finde ich persönlich Familien, wo die Sätze aus halb schwedischen, halb deutschen Wörtern bestehen. Wie sollen die Kinder denn da korrekt reden lernen? Dass man mal ein schwedisches Wort einfliessen lässt, kann sicher mal vorkommen, aber immer so zu reden? Ich denke, da tut man seinen Kindern keinen Gefallen mit. Irgendwann können sie keine Sprache mehr richtig oder das Deutsche gerät dermassen ins Hintertreffen, dass es verkümmert. Dabei kann Zweisprachigkeit eine tolle Gabe sein, die man seinen Kindern mitgeben kann.

So, genug geschwafelt, auch wenn ich das Thema noch viel weiter ausführen könnte :D
Und ein Lob an diejenigen, die es schaffen, alles durchzulesen :lol:


Nanna

Manty

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Manty » 26. Februar 2008 08:39

"Ich empfehle allen, die mit Zweisprachigkeit zu tun haben, dementsprechende Literatur zu lesen und nicht nur aus dem Bauchgefühl zu agieren."

:smt023 Wir liegen wieder auf einer Wellenlänge! :D

Ich habe mich auch umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt und die Erfahrung, die einige hier mit ihren mehrsprachigen Kindern berichten, sind genau die, die sich in diversen Büchern wiederfinden. Ich dachte anfangs, daß dieses Thema völlig einfach und lapidar ist, aber nachdem ich mich damit ausführlich auseinandergesetzt habe, habe ich doch festgestellt, daß man Zweisprachigkeit auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen sollte. Es gibt schon gewisse Regeln, an die man sich als zweisprachig betroffene Familie halten sollte und die mittlerweile auch wissenschaftlich belegt sind. Also ich kann auch nur empfehlen, sich entsprechendes Material zu besorgen und auch mit anderen Eltern auszutauschen. Informierte Eltern sind für die betroffenen Kinder auf jeden Fall von Vorteil.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Imrhien » 26. Februar 2008 10:29

Manty hat geschrieben: Informierte Eltern sind für die betroffenen Kinder auf jeden Fall von Vorteil.


Schöner Satz, man kann ihn nämlich auf fast alle Lebenslagen mit Kindern anweden :)

Grüße Wiebke

Manty

Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Manty » 26. Februar 2008 10:33

"kann ihn nämlich auf fast alle Lebenslagen mit Kindern anweden"

Ja, das habe ich dann auch gedacht, nachdem ich ihn geschrieben hatte. :D

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Skogstroll » 26. Februar 2008 10:44

Zum Thema noch eine Radiomeldung von heute früh:
Die Hälfte aller Kommunen hat Schwierigkeiten, den Muttersprachenunterricht in den anerkannten fünf Minoritätssprachen (Samisch, Finnisch, Meänkieli, Romani und Jiddisch) sicherzustellen. Selbst im samischen Kernland - in Arjeplog - gibt es zur Zeit keinen Samisch-Unterricht.
Dann geht mal zum Rektor eurer Dorfschule und fragt nach Deutschunterricht für Muttersprachler. In vielen Fällen wird also nur Selbsthilfe funktionieren.

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Re: Unterricht in Muttersprache

Beitragvon Imrhien » 26. Februar 2008 11:01

Skogstroll hat geschrieben:Dann geht mal zum Rektor eurer Dorfschule und fragt nach Deutschunterricht für Muttersprachler. In vielen Fällen wird also nur Selbsthilfe funktionieren.

Skogstroll


Dann hab ich wohl wieder Glück, wenn es so bleibt die nächsten Jahre... das weiss man ja nie.
Ich kenne Deutsche die hier grade für das kommende Jahr einen Lehrer angeboten bekommen haben.
Aber hier wohnen auch erstaunlich viele Deutsche... Bin schon etwas erschrocken... nicht dass man sich ständig über den Weg läuft, aber man könnte durchaus nur Kontakte dahin haben, wenn man das wollte...

Für schwedische Verhältnisse sind wir aber auch ein sehr dicht besiedeltes Gebiet. Da ist die Chance größer, dass man einen Lehrer findet. Wie das allerdings für andere Sprachen aussieht, das weiss ich jetzt auch nicht.
Hoffe aber, dass es für uns so gut bleibt bis meine Kinder in die Schule kommen.

Grüße
Wiebke


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