Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

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Hans

Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 15. Oktober 2008 11:22

Ein neues Thema zur Sache

Zum Schulwesen:
Glaube mir - es wird nicht besser. Bis zur Uni nicht. Unterforderung ist in der schwedischen Schule, ganz besonders in der Grundschule, an der Tagesordnung, jedenfalls für die Kinder, die von ausserhalb Schwedens kommen. Das Bitten um anspruchsvollere Aufgaben seitens der Eltern ist verpönt und wird in Schweden als Eingebildetsein betrachtet.


Ich finde es wichtig dieses mal richtig zu diskutieren.
Ob es wirklich so ist.

Grüsst
H :smt006 ans

blueII
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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon blueII » 15. Oktober 2008 11:35

Gerne Hans!!! Ich kann zwar (noch) nichts zur Schule beitragen, da meine Tochter noch im Kiga Alter ist, aber ich stehe gerade vor der Entscheidung welche Schule wir ansteuern sollen und bin gespannt auf die Diskussion.

Im Kiga -Alter wird schon einiges weniger gemacht als in D.
Muß aber sagen, dass ich selber nicht so ein Freund davon bin allmöglichen pädagogischen Kram zu machen, um mein Kind in jeglicher Hinsicht bestmögliche Förderung schon im Kiga-Alter zukommen zu lassen.
Hier vertraue ich noch mehr auf die natürliche Neugier und Antrieb des Kindes, sich das in der Erwachsenenwelt einzufordern, was seinem Alter entspricht.
Diesbezüglich finde ich die Förderung/Forderung im Daggi noch sehr altergerecht und gut. Es wird nicht so fürchterlich geeifert wie in D, aber wie geht es in der Schule weiter.
Bin gespannt auf Eure Meinungen.

LG
Heike

nysn

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon nysn » 15. Oktober 2008 11:59

Diesbezüglich finde ich die Förderung/Forderung im Daggi noch sehr altergerecht und gut. Es wird nicht so fürchterlich geeifert wie in D, aber wie geht es in der Schule weiter.
Bin gespannt auf Eure Meinungen.


Leider muss ich gleich "arbeiten" und darf nicht zu lange auf dem Forum "rumhängen".

Wir sind gerade in einer Phase, wo die schwedische Schule sich plötzlich einer 180 Grad-Wendung unterziehen muss. Für manche Kinder und dazu zählt auch mein Sohn, der sein bisheriges Schülderdasein (seit 2000) in der eher noch spaßigen Variante (ohne Noten, ohne Leistungsdruck) verbracht hat und nun vor Lehrern steht, die von oben gerade wieder die Auflage erhalten haben - Noten zu vergeben und Anforderungen zu stellen.

Das ist meines Erachtens das Problem der schwedischen "Grund"-Schule - diese Hü-hott-Politik der letzten Jahre - die irgendwann wohl Anfang der 90er eingesetzt haben muss. Die schwedische Schule, wie sie wahrscheinlich Hans selbst erlebt hat, und wie sie auch mein Mann (Generation 1960) durchlaufen hat, war viel ähnlicher dem heute noch gängigen deutschen Schulsystem.

In den Jahren seit ich hier bin, wurde das Notensystem schon mindestens 4 Mal geändert - nur das.

Wie es momentan ausschaut, so gibt es für Euch, die ihr noch Kindergarten-Kinder habt, auch wieder bessere Aussichten. Es geht der Trend eindeutig wieder hin zu mehr Leistung und Disziplin und hoffentlich hält es eine Weile an.

S-nina

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 12:09

Hallo,

wie schön, lieber Hans, dass Du als Schwede das Thema Kindergarten, Schule und Schulanforderungen mal angeschnitten hast. Vielleicht läßt sich so doch einiges besser verstehen, was hier so an Fragen aufgetaucht ist.
Wir kennen Deutsche, die wohnen mit der 5 jährigen Tochter in der Mark Kommune bei Öxabäck. Die Tochter geht jetzt bereits in die Vorschule und wird schon langsam auf die Schulzeit vorbereitet. Das System Vorschule gefällt mir persönlich außerordentlich, habe ich es doch hier in Deutschland sehr vermißt, dass es schulischerseits aufgegeben wurde. Bei uns gab es nur Einschulung oder Rückstellung, nur bei Rückstellung eines Kindes gab es eine Art Vorschule. Im Kindergarten unserer Kinder haben wir zwei ganz verschiedene Betreuungen kennen gelernt. Die Kindergärtnerin unseres Sohnes hat die Kinder spielen lassen und sich nicht groß um kindgerechtes Lernen gekümmert. Dabei zog sie noch die Mädchen vor.
Unsere Tochter hatte eine sehr engagierte Kindergartenbetreuerin, sie hat versucht, den Kindern schon viel für die Schule mitzugeben. Es fand auch ein nettes Abschlußgespräch statt, anders als bei unserem Sohn, wo die Kindergärtnerin nur meinte, er wäre zu ruhig, so dass er in der Schule Probleme bekommen könnte aufgrund mangelndem Durchsetzungsvermögen.
Ideal finde ich, wenn man die Lernbereitschaft der Kinder nutzen würde, um spielerisch den Kindern beizubringen, zählen zu lernen, Reime aufsagen zu können, Lust am Lesen und Erzählen zu wecken. Spielen soll dabei natürlich nicht zu kurz kommen, aber malen, musizieren und basteln sind ja auch wichtige Dinge, die man möglichst früh fördern sollte. Und ich bin der Meinung, dass die Betreuerinnen soweit geschult sein müßten, dass sie Defizite bei Kindern erkennen können und es den Eltern auch diplomatisch rüberbringen können, dass man diese Dinge abstellen und verbessern kann. Es ist keinem geholfen, wenn man nur auf Defizite hinweist, ohne Eltern Ratschläge für Verbesserungen mit auf den Weg zu geben.
Wie seht Ihr die Dagisbetreuung, was ist Euch wichtig?

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 15. Oktober 2008 14:50

Voraussetzungen

Man muss damit anfangen, welche Voraussetzungen gelten.

1. In welchem Alter fangen die Kinder in der Schule an?
In Schweden mit 7. Wie ist es in D und Ö?

2. Was meint man mit Unterforderung?
Gilt es für alle Fächer?
Oder wie hier angedeutet wird Mathematik?

3.Unterforderungen gelten diese auch für das Gymnasium?
Inwiefern?

Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Imrhien » 15. Oktober 2008 15:42

Hej,
dieses Thema ist wirklich schwer anzugehen. Jeder spricht ja von eigenen Erfahrungen und die sind oft veraltet oder beziehen sich auf einen begrenzten Raum (Wohngebiet).
Aelve: In Deutschland gibt es mittlerweile (vielleicht je nach Ecke) viele Vorschulen bzw. Kindergärten die die Kinder auch sehr gut auf den Schulebetrieb und die Anforderungen vorbereiten. Sie tun das ebenso spielend wie ich es hier in Schweden sehe. Ich denke, da hat sich in den letzten 10-15 Jahren sehr sehr viel getan. Was ich noch aus meiner AUsbildung (habe damals ein Praktikum im Kindergarten gemacht) kenne, war nach meinem Studium schon halb veraltet und überholt.
Zur Schule hier kann ich noch keine persönlichen Erfahrungen beisteuern. Bzw. nein, das stimmt ja nicht. Halt nur nicht mit meinen Kindern..
Eine Mathematiklehrerin die ich hier kenne, meinte, dass sie den gleichen Stoff in Deutschland etwa 2 Schuljahre früher gemacht hätte. Sie ist Gymnasiallehrerin in Mathe, hat in Deutschland mehrere Jahre gearbeitet und macht das nun eben an einem schwedischen Gymnasium. Sie meinte, dass es ihr schwer fallen würde sich wieder auf das deutsche Niveau einstellen zu müssen, sollte sie nach Deutschland zurückgehen. Ähnliches habe ich von einem aderen Lehrer gehört, da allerdings in anderen Fächern.
Ich merke, dass meine Schüler, die ja noch teilweise keine Noten bekommen, auch nicht wissen weshalb sie was tun sollen. Klar, man sagt so schön, man lerne nicht für die Schule und die guten Noten. Aber mal ehrlich, die Motivation ein VG zu bekommen ist dohc bei einigen recht hoch und sie quälen sich so eher durch den Stoff. Wenn ihc in der 8. einen Vokalbtest oder wie diese WOche einen Grammatiktest ankündige, sind sie entsetzt, arbeiten aber plötzlich ganz anders. Ähnlich in der 7. obwohl die noch keine Noten bekommen. Sie wissen aber schon, dass sich das ändern wird...
In der 6. ist es so, dass ich als Fremdsprachenlehrer null komma null Handhabe habe. Ich kann rein gar nichts tun wenn die keine Lust haben. Ausser beim Klassenlehrer "petzen". Denn Gespräche und Motivation sind in dem Alter noch schwerer... Irgendwelche Spiele um den Spaß am Lernen zu heben, wie bei den 7ern, ist mit den 6ern schwer. Sie können noch nicht genug Deutsch und finden gerade viele Spiele voll peinlich. Da müssten sie sich ja vor den Kameraden zeigen und was sagen was alle hören könnten. In dem Fall würde es manchmal helfen, wenn ich wenigstens die die keine Lust haben und nur stören auch bestrafen könnte. Es motiviert sie nicht, hält sie aber wenigstens so ruhig, dass die anderen in Ruhe arbeiten können.
Schlagt mich, aber ich finde das schwedische System für Lehrer echt die Hölle.
Wenn ich in der studiehandledning andere Klassen besuche und merke wie die sich verbiegen um auch wirklich jedem gerecht zu werden... Das mag ja toll aussehen, für die Eltern und alles. Aber für die Lehrer ist es der reinste Stress. Sie werden nicht mal gescheit bezahlt dafür. Und am Ende bleiben manchmal die auf der Strecke die etwas schneller sind als der rest der Klasse, denn wenn der Lehrer es nicht schafft genug Extraarbeit bereitzustellen, dann wirds langweilig. Richtig gute Lehrer schaffen das sogar. Und für die Kinder ist das toll. Aber ich finde, dass man etwas besser unterteilen müsste, damit die Lehrer weniger gestresst wären und somit dem Einzelnen besser gerecht werden könnten...
Meine Meinung, nach vielen Besuchen in unterschiedlichen Stunden und bei unterschiedlichen Lehrern.
Kann allerdings nur vom Västmanland sprechen...
Allerdings ist es auch nicht gerade so, dass ich mich um die Schulzeit meiner Kinder sorge. Sie sind nicht auf den Kopf gefallen und wer weiss wie sich das in den nächsten Jahren noch ändert oder wo wir dann leben...

Ach ja, sollte es nicht richtig rübergekommen sein:
Ich finde das schwedische Schulsystem nicht grundsätzlich schlecht. Das tue ich aber auch beim Deutschen nicht. Beide haben ihre Vor- und Nachteile und bei beiden wird die Diskussion meiener Meinung nach völlig übertrieben von Gefühlen gesteuert angeheizt. Jeder will recht haben und entweder ein System extrem schlecht und das andere besonder gut dastehen lassen oder eben umgekehrt...
Das soll jetzt kein Angriff sein, einfach meine persönliche Beobachtung im Laufe der Zeit, wenn es um dieses Thema geht, egal wo.

Grüße
Wiebke

nysn

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon nysn » 15. Oktober 2008 18:03

Ausgehend von meinen Erfahrungen mit einem 14-jährigen, jetzt in der 8. Klasse, möchte ich zuerst Wiebke recht geben.

Es kann für einen schwedischen Lehrer - ab der 5. Klasse würde ich sagen - definitiv nicht leicht sein, allen gerecht zu werden, wenn er sich immer am schwächsten Glied orientieren soll. Das war auch für die Klassenlehrerin bei meinem Sohn einigermaßen ein Problem, obwohl sie eine Klasse hatte, in der alle Kinder ungefähr immer alle ganz gut waren. Es gab nur ein oder zwei Kinder, die im Lesen hinten dran waren.

Meine Erfahrungen bisher sind:

Dagis - war ich immer sehr zufrieden in Schweden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass man die Kinder dort irgendwie vernachlässigen würde. Es hat mir halt nur manchmal leid getan, dass es für manche Kinder so viele Stunden waren. Insgesamt gesehen, war der Dagis SEHR GUT.

0. bis 4. Klasse Grundschule - (ab 6 Jahren) - fand ich eigentlich auch noch in Ordnung. Teilweise fand ich das System ganz gut, dass die Kinder in ihrem eigenen Takt lernen konnten und sie keinem Stress ausgesetzt waren. Meine Freundinnen in Deutschland berichteten mir damals immer von dem Stress, der in der 3. Klasse anfängt, um eben eine Grundschulempfehlung fürs Gymnasium zu bekommen. Diesen Stress hat man natürlich hier nicht. Positiv: DIE KINDER GEHEN WIRKLCH GERNE ZUR SCHULE.

5. Klasse Grundschule - hier hätte ich mir zum ersten Mal erwartet, dass man etwas mehr Anforderungen stellt. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich auch mal wieder nach Deutschland zurück gehen und wir haben dann Abstand davon genommen, weil wir unseren Sohn dann tatsächlich um 1 bis 2 Klassen zurückstufen hätten müssen.

Der Grund war vor allem Mathematik - die schwedischen Schüler waren einfach noch nicht so weit im Stoff vorangekommen und machten in der 5. Klasse noch teilweise Aufgaben, die man in D in der 3. Klasse schon abgeschlossen hatte.

Dieses Problem ist eigentlich geblieben - und teilweise auch neu hinzugekommen in der 7. u. 8. Klasse unterscheidet sich auch der Chemie- und Physikunterricht von dem eines deutschen Gymnasiums - hier werden die Fächer irgendwie mehr zusammengefasst und dann natürlich stoffmäßig in einer anderen Reihenfolge prioritiert. Ob das insgesamt "schlechter" wäre, würde ich aber nicht sagen, einiges kommt hier halt früher, anderes später. Insgesamt gehe ich davon aus, dass es sich bis zum schwedischen Gymnasium ausgleichen wird.

Es ist nur ein Nachteil/Problem, wenn man eben gerade in dieser Klassenstufe nach Deutschland zurückkehren würde, diese Kinder wären dann in D hinten dran.

Schwedische Gymnasien schauen wir uns zurzeit an - dazu kann ich nichts sagen.

Wir merken nur jetzt in der 8. Klasse, dass die Anforderungen steigen - und beim letzten Elternabend wurde von allen Eltern (auch den schwedischen) kritisiert, dass die Kinder in den niedrigeren Klassen nicht genügend vorbereitet wurden, um den jetzigen, neuen Regeln vollauf gerecht zu werden. Kritisiert wurde da aber vor allem das System, das in Schweden in den letzten 10 Jahren praktiziert wurde und alle begrüßten, dass es in Zukunft wieder früher Noten geben wird.

Ich denke auch man muss sich einfach bewusst sein, wenn man mit Kindern nach Schweden auswandert, dass es hier eben dieses Gesamtschulensystem gibt mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Ich würde sagen, es liegt nicht nur am "schwedischen System" sondern eher am System der Gesamtschule an sich, dass es hierbei dann Kinder gibt, die "unterfordert" sind.

Wenn man aus Süddeutschland (Bayern oder Baden-Württemberg) und auch aus Österreich kommt, dann kennt man in der Regel keine Gesamtschule und daher ist es möglicherweise schwieriger das System zu akzeptieren.

Selbst sage ich mir dann immer, meinem Mann ist es ja als Schwede - und vielen, vielen anderen Schweden mit ihm, auch gelungen, ein Universitätsstudium erfolgreich durchzuziehen. An der Uni - er hat u. a. ein Jahr in Wien studiert - sind die schwedischen Studenten eher positiv aufgefallen, die waren jünger als ihre Wiener Kollegen und die Schweden haben ihr Studium im Vergleich schneller abgeschlossen.

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 18:07

Hallo Hans,

nach meiner Kenntnis beginnt die Schulzeit in D mit 6 Jahren. Es sind Bestrebungen in Gange, dass Kinder bereits mit 5 Jahren eingeschult werden sollen.

Meine Meinung dazu ist folgendes: es kommt darauf an :D
Es gibt Kinder, die sind mit 5 oder 6 Jahren schon sehr weit entwickelt. Manche sind körperlich wie geistig bereits schulreif.
Dann gibt es Kinder, die sind körperlich noch sehr schmächtig, verspielt, noch nicht ernsthaft genug.
Ich bin ein Gegner davon, alle Kinder in eine Schablone stecken zu wollen.
Mir selber wäre es bei unserem Sohn lieber gewesen, er wäre erst mit 7 Jahren eingeschult worden und hätte aber vorher eine Vorschule besuchen können. Es gab aber, als unser Sohn 1987 in die Schule kam, Vorschulförderung nur für Kinder, die den Schultest nicht bestanden hatten, nicht generell für alle Kinder. Ich weiß aber nicht, ob das für alle Bundesländer in Deutschland gilt, da hier jedes Bundesland seine eigenen Brötchen backt.
Leider ist es in D so, dass die Einschulung eines Kindes sich danach richtet, ob die Schule Kinder für ihre Klassen benötigt oder ob erst die Vorschule für diejenigen voll sein soll, die den Test nicht bestehen.
In meinen Augen ist es ein erhebliches Manko, wenn sich diese Dinge nicht nach den Kindern und ihre Entwicklung richtet, sondern nach dem Willen der Lehrerschaft bzw. Schulleiter.
Unsere Tochter mußte erst mit 7 Jahren in die Schule, da sie erst im August Geburtstag hatte und deshalb noch nicht pflichtgemäß eingeschult werden mußte. Das war sehr gut für sie, denn sie war genau wie unser Sohn sehr zierlich und wäre mit knapp 6 Jahren noch viel zu schmächtig, um zur Schule gehen zu können. Darüber hinaus hatte sie einen Sprachfehler durch häufige Mittelohrentzündungen und schlechtes Hörvermögen. Ich war deshalb sehr froh, dass sie erst mit 7 Jahren eingeschult wurde.
Unser Sohn dagegen, der eingeschult wurde, weil er den Schultest gut bestand, war immer ziemlich verspielt und immer der Kleinste in der Klasse. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass er stets unterschätzt wurde und dadurch verkannt wurde.
Ich habe mich später immer sehr darüber geärgert, dass die Schule ihn so früh eingeschult hat, meine Bedenken hatte ich angemeldet, aber da wurde keine Rücksicht drauf genommen.

Wie ist Eure allgemeine Meinung zum Einschulungsalter?

Hallo S-Nina, noch ein Nachsatz, da mein posting sich mit Deinem Beitrag überschnitten hat. Deine Ausführung kann ich bestens verstehen. Zum einen gibt es kein System, was für alle Personen gleich gut ist, es wird immer so sein, dass einer etwas unterfordert und der andere etwas überfordert ist. Ideal wäre es, wenn jeder so gefördert und gefordert wird, dass er genau richtig beschult wird. Eine gute Lehrkraft wird einem Kind, welches etwas noch nicht so gut kann, Hilfestellung geben und dem unterforderten Kind zusätzliche schwierigere und anspruchsvollere Aufgaben.

Am besten hat mir der letzte Absatz gefallen, dass Dein Mann auch alles geschafft hat und dass die Schweden sogar in Österreich mit die jüngsten waren, die es am frühesten geschafft haben. Das würde meine Theorie bestätigen, dass man Schüler die ermutigt werden, zu guten Leistungen bringen kann. Und ich bin sogar davon überzeugt, dass die Schweden in vielen Dingen anderen Ländern weit voraus sind. Man merkt es ihnen vielleicht nicht so an, weil sie damit nicht so angeben, was sie wissen und können.


Grüße Aelve
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Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 15. Oktober 2008 19:12

Ach, ja die Mathematik

Es ist mir auch klar dass dieses Fach Stiefmütterlich behandelt wird.
Leider.

Auf der anderen Seite wird anderes gut gemacht.
Auch wir versuchen das Rechnen zu verbessern, aber es fällt uns schwer
da man von Anfang an zu wenig drauf achtet in der Schule.
Dazu kommt noch dass moderne Kinder oft viel in Bildern sehen .
Dies funktioniert ja nicht bei Mathematik.
Die Kinder können die Aufgaben auswendigt und können sie.
Glaubt man.
Aber wenn man die Ziffern umtauscht - wips ein anderes Bild und da stimmt es dann nicht.

Am Gedächtnis hapert es nicht.
Grüsst
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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Aelve » 15. Oktober 2008 20:10

Lieber Hans,

man kann auch versuchen, Zahlen in Bilder zu verpacken. 5 + 7 kann man aufmalen, z.B. 5 Männer und 7 Frauen ergeben 12 Personen. Oder 8 - 3, male 8 Äpfel und Du nimmst 3 Äpfel davon weg.
Es ist immer wichtig, mehrere Lernkanäle zu nutzen, dazu gehören Sehen, Hören, Anfassen. Man kann Zahlen z.B.anfassen, indem man eine Zahl plastisch abbildet, zum Beispiel eine Sieben aus Knetgummi formen. Hat Eure Tochter Schwierigkeiten mit Zahlen? Es gibt Kinder, die können nicht auf Anhieb eine Summe aus mehreren Punkten bilden. Die müssen erst nachzählen, z.B. bei einem Würfel sehen sie nicht auf Anhieb, ob sie ein Fünf gewürfelt haben, sondern sie zählen die einzelnen Punkte dann erst nach. Das kostet natürlich Zeit und man muß es trainieren.

Mädchen haben eher Probleme mit Mathematik, Jungen eher mit der Sprache.

Liebe Grüße Aelve
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