Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

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Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 15. Oktober 2008 21:11

Bilder und Zahlen

9X7 ist ein Bild und 7X9 ein anderes .
Aber beide haben die selbe Antwort doch sieht das Kind den
Zusammenhang der Zahlen nicht.

Man kann die 9 Tabelle als 9er sehen.
Innerhalb der 9 sind die Zahlen nicht austauschbar.

Die 7 Tabelle als 7ene.
Und genau dasselbe Problem.
oder 20+30= 50 ein Bild
dann 30+20 das neue Bild hat man sich nicht gelernt.

Das wird dann zu einem Problem wenn man alles auswendig lernt
ohne zu den Zusammenhang zuverstehen.

Grüsst
H :smt006 ans

swedenlive

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon swedenlive » 15. Oktober 2008 22:04

Hej Hans,

es ist ja ganz einfach: Das allgegenwärtige Jantelagen in Schweden bestimmt, dass keiner besser sein soll/darf als der andere. Auch nicht in der Schule. Also müssen alle gleich (gut) sein.

Wohlgemerkt: Ich halte nichts davon, Kinder in der Schule zu stressen. Aber ich halte viel davon, Kinder nach ihrem jeweiligen individuellen Lern- und Leistungsvermögen zu fördern.Und das geschieht in Schweden nicht. Aufgrund irgendeiner überalteten sozialistisch und vom Jantelagen geprägten Weltanschauung müssen alle Kinder in schwedischen Schulen sich nach dem Schwächsten in der Klasse richten und unter Umständen ein ganzes Jahr lang z.B. 50 + 2 ausrechnen, weil es der Schwächste in der Klasse noch nicht kann. Egal, wie weit und lernhungrig die anderen Kinder in der Klasse sind. Manche werden auch bestraft, wenn sie weiter sind oder zuhause aus eigenem Antrieb mehr lernen. Auch die Eltern können dann richtig Ärger bekommen.

Ich finde das total verrückt.

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Aelve
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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Aelve » 16. Oktober 2008 08:14

Hallo Hans,

wie alt ist Eure Tochter? In welche Klasse geht sie denn?
Wenn sie es nicht versteht warum 7 x 9 genausoviel ist wie 9 x 7, dann mußt Du ihr es per Bild erklären.

Lege mehrere Häufchen mit Steichhölzern oder mit Murmeln, Bonbons oder ähnliches auf den Tisch. Immer ein Häufchen mit 7 Stück. Das legst Du dann 9 x dahin, um ihr zu erklären, dass sie 9 x ein Bonbonhäufchen von jeweils 7 Stück essen kann, dann hat sie 63 Bonbons gegessen. Dann wiederum legst Du ein Häufchen mit 9 Stück auf den Tisch und sagst zu ihr, sie kann 7 x den Haufen mit 9 Stück in ihr Zimmer nehmen. Sie muß es praktisch ausprobieren, dass sie 7 mal in ihr Zimmer gehen muß und jedesmal 9 Bonbons mitnimmt, dann hat sie am Ende 63 Bonbons, Streichhölzer oder Kugeln in ihrem Zimmer. Dann erklärst Du ihr, dass sie genauso auch 63 Bonbons hat, wenn sie immer Häufchen von 7 Stück hat und dann 9 mal das Häufchen wegnimmt.
Das Gleiche kannst Du natürlich auch mit den Eiern Eurer schöne Hühner praktizieren, kannst ja immer 2 Eier nehmen und dann muß die Tochter z.b. 5 mal welche in die Küche bringen, so lernt sie das Malnehmen spielerisch und praktisch.
So würde ich versuchen, an sie ranzukommen, indem sie es sich praktisch erarbeitet.
Es gibt Kinder, die haben eine Dyskalkulie, das bedeutet, dass sie eine Zahlengröße nicht sehen können, kein Gefühl haben, ob 6 mehr oder weniger ist als 8 zum Beispiel.
Für solche Kinder sind Zahlen wie für uns Hieroglyphen, mit denen sie nichts anfangen können. Da muß man dann andere Methoden anwenden.
Frage ruhig weiter, wenn ich Dir helfen kann, dann tue ich es gerne. Ich habe mich mit Lernschwierigkeiten besonders eben Legasthenie sowie Dyskalkulie ziemlich auseinander gesetzt. Und diese Methoden helfen auch Kindern, die nur normale Schwierigkeiten haben.

Liebe Grüße sendet Dir Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 16. Oktober 2008 09:24

Jante schon wieder?

swedenlive

Egal, wie weit und lernhungrig die anderen Kinder in der Klasse sind. Manche werden auch bestraft, wenn sie weiter sind oder zuhause aus eigenem Antrieb mehr lernen. Auch die Eltern können dann richtig Ärger bekommen.


Nu sehe ich die Sache nicht so.
Das mehr Lernen ist kein Problem.
Das weniger können ist schlimmer.
Aber lassen wir den Jante doch in diesen Draht in Ruhe
Grüsst
H :smt006 ans.

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Aelve » 16. Oktober 2008 09:51

Hallo lieber Hans,

das sehe ich genauso wie Du. Eine Unterforderung ist nicht schön, da man dann abschaltet und dann auch irgendwann nicht mehr aufpaßt, wenn es plötzlich schwieriger wird. Langeweile kann auch sehr ätzend sein.
Ich kenne da einen guten Spruch:
der Mensch ist am glücklichsten, wenn er so hohe Anforderungen hat, die er aber aufgrund seiner Intelligenz gut schaffen kann. Selbst gelegentliche Überforderung kann ein intelligenter Mensch mit Anstrengung schaffen, dadurch ist er dann ausgeglichen und glücklich.

Aber laufend überfordert zu sein, immer etwas nicht zu kapieren, das entmutigt ungemein. Das kann zu Versagensängsten führen, zu Schulverweigerung bis hin zur Selbstaufgabe, völlige Mutlosigkeit, zur seelischen Behinderung. Schlimm wird es, wenn der überforderte Schüler von keiner Seite eine Anerkennung erhält, sondern immer mehr drangsaliert wird.
In solchen Fällen hilft nur Verständnis für den Schüler und Methoden, dass er dem Unterricht folgen kann. Manch einer muß es eben dreimal hören, bis es sitzt.
Ein anderer kann mit hören nicht viel kapieren, der muß es auch sehen, aufschreiben, malen und praktisch ausführen. Jeder hat da seine eigene Methode, etwas sich merken zu können, etwas aufnehmen zu können und es wiedergeben zu können. Jeder muß für sich seine eigene Lehrmethode herausfinden, sich Eselsbrücken schaffen, wie er sich etwas merken kann. Es gibt sehr viel Literatur dafür und wenn man sich damit ausgiebig beschäftigt, dann wird alles nachher leichter. Wichtig ist in meinen Augen aber, dass jeder eine Begabung hat, diese muß gefördert werden, damit das Selbstbewusstsein erhalten bleibt und man ein Wertgefühl von sich hat.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 16. Oktober 2008 10:53

Modernes Problem

Ich sehe es auch als modernes Problem.
Splitvision.
Kinder sehen zu viel Fragmente, die dann zusammengelegt werden in ein neues Bild.

Wie beim Fernsehen.
Man saust in allen Kanälen rum und hat letztenendes einen neuen Film
der aus Teilen von allen zusammengesetzt ist.

Für ein Teil besteht dann das Können aus Bildern, die nicht aufgeteilt werden können.
Das ist schwer zu entdecken, weil die Kinder sich halbe Bücher auswenig lernen.

Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Skogstroll » 16. Oktober 2008 11:08

Die schwedische Schule erzeugt in letzter Konsequenz eine furchtbare Servicementalität. Man lernt, Forderungen zu stellen, aber nicht, selbst Forderungen nachzukommen.
Selbst einen Bleistift in die Schule mitbringen? Welche Zumutung! Das soll mal der Lehrer machen. Nun studiert mich mal!
Sich anstrengen? Sich selbst Bildung verschaffen? Dazu gibt's doch den Staat!
Das zieht sich konsequent weiter ins Arbeitsleben. Eigeninitiative, Verantwortung? Dazu gibt es doch andere, den Lehrer, den Chef, die Kommune, den Staat... irgendwer wird sich schon drum kümmern. Nur nicht ich. Nicht mein Job. Werd' ich nicht für bezahlt.
Die, die das auch zum k... finden und versuchen, was zu bewegen, werdens schnell plattgemacht. Wie in der Champignonzucht: Sowie sich ein heller Kopf zeigt, wir er abgeschnitten. Tut mit leid, wenn ich farbror Jante wieder ins Spiel bringe, aber speziell im Norden ist das ganz schlimm.
Manchmal steht mir das bis Oberkante Unterlippe!

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon blueII » 16. Oktober 2008 12:08

Hans hat geschrieben:Modernes Problem

Ich sehe es auch als modernes Problem.
Splitvision.
Kinder sehen zu viel Fragmente, die dann zusammengelegt werden in ein neues Bild.

Wie beim Fernsehen.
Man saust in allen Kanälen rum und hat letztenendes einen neuen Film
der aus Teilen von allen zusammengesetzt ist.

Für ein Teil besteht dann das Können aus Bildern, die nicht aufgeteilt werden können.
Das ist schwer zu entdecken, weil die Kinder sich halbe Bücher auswenig lernen.

Grüsst
H :smt006 ans


Hans, ich kann Deinem Faden nicht Folgen.
Ich verstehe Dich nicht was Du sagst.
Ist es was Dich stört, dass die Kinder nur auswendig lernen, aber nicht die Zusammenhänge erklärt bekommen? Oder ist es was anderes?
Wie passen Aelves antworten mit der Unterforderung dazu??
Ich steh im Moment echt auf dem Schlauch und kann der Diskussion nicht folgen.

LG
Heike

Hans

Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Hans » 16. Oktober 2008 17:32

Bilder anstatt Zusammenhang

Ist es was Dich stört, dass die Kinder nur auswendig lernen, aber nicht die Zusammenhänge erklärt bekommen?


Es stört mich nicht dass sie gut auswendig was können.

Aber wenn 8 x 7 nicht in 7 x 8 umgewandelt werden kann ist es ein Problem.
Die 7 Tabelle ist ein Bild.
Von 1 x 7 angefangen.
Aber wenn die 7 Tabelle nur von 1 angefangen werden kann und nicht von 10 x 7
oder in der Mitte dann kann die 7 Tabelle aus 1+1+10+10 Bilder sein.
22 Bilder.

Darum sind die Zusammenhänge und das Verstehen die wichtigsten Punkte.

Dieses Problem kan man als Concentrate splitvision syndrom bezeichnen.

Grüsst
H :smt006 ans

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Re: Unterforderungen/Überforderungen in der Schule?

Beitragvon Imrhien » 17. Oktober 2008 11:25

Skogstroll hat geschrieben: Eigeninitiative, Verantwortung?


Hej,
ich muss sagen, ich bin in dieser Beziehung etwas verwirrt. Einerseits sehe und kenne ich genau Deine Erfahrung damit, und merke, dass manche das nicht gelernt haben. Aber andererseits sehe ich gerade in vielen Schulen, dass das durchaus gelehrt wird. In den Klassen die ich öfter besuche, das sind jetzt gerade 2. und 5. Schulklasse, müssen die Kinder recht genau wissen was sie üben sollen. Sehr oft ist es so, dass an der Tafel steht was gerade zu tun ist. Dann kann da stehen: Wochenplan. Dann schauen die Kinder in ihren Wochenplan und erledigen die Aufgaben die ihnen fehlen. Während der eine mit Kopfhörer in der Ecke sitzt und ein Buch liest, bastelt der andere an einer Matheaufgabe rum oder malt gerade das Bild zur "Forschungsarbeit" Tier oder Pilz oder was auch immer. Manche spielen auch ein Kartenspiel (da bin ich noch nicht durchgestiegen was das dann sein soll...) oder machen mal eine Fika.
Ich habe das Gefühl, dass es durchaus geordnet verläuft, alle was tun, auch wenn sie kurze Pause machen und vor allem fällt mir auf, dass es sehr leise zugeht. Ich bin wie gesagt, verwirrt.
Wieso habe ich bei so vielen das Gefühl, das Du beschreibst, dass sie nicht die Verantwortung übernehmen können und wieso lernen sie es doch in der Schule? Könnte es sein, dass ich da eine neue Art von Schule erlebe? Wenn ja, es würde mir gefallen.
Für die Klassen ab der 6. muss ich aber sagen, dass es ein einziger Stress für den Lehrer ist.
Diejenigen die mehr können, dürfen das auch ausleben. Sie arbeiten selbstsändig daheim und ich habe nicht das Gefühl, dass sie dafür bestraft werden. Allerdings muss man ihnen Stoff geben, denn sonst machen sie das Buch durch und langweilen sich, wenn man mit der Klasse bei dem Kapitel ankommt.
In der 6. Klasse habe ich welche, die nicht einmal im Ansatz verstehen was ich von ihnen will. In der gleichen Klasse sitzen aber einige, die die Arbeitsblätter durcharbeiten wie ein ICE und ich komme nicht hinterher das zu korrigieren, geschweige denn ihnen Neue auszuteilen. Die Kunst, den langsamen alles zu erklären und die schnellen so zu füttern, dass sie sich nicht langweilen ist unglaublich schwer. Kein Wunder, dass viele Lehrer sich am langsameren Schüler orientieren. Alles andere wäre ja auch gemein. Wie soll er jemals hinterher kommen??? Aber ich sehe, dass viele Lehrer sehrwohl sehen was da geht und sich sehr bemühen, dass die anderen genug Lern- und Arbeitsstoff bekommen. Ob es gelingt hängt auch vom Können des Lehrers ab. Manchmal aber auch davon wie groß die Unterschiede sind. Ich bin sicherlich nicht dazu ausgebildet und auch wenn die Arbeit mir großen Spaß macht, ich bin froh wenn die eigentliche Lehrerin wieder aus der Elternzeit zurück kommt.

Grüße
Wiebke


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