Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
Joerg
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 169
Registriert: 1. Januar 2007 22:32

Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Joerg » 27. Februar 2007 17:54

Hallo ihr Lieben,
die einwanderung nach Schweden nimmt auch bei uns immer konkretere Formen an, und somit häufen sich auch die Fragen.
Ich schaue ja nun auch alle möglichen seiten durch mit Anzeigen von Hausverkäufen. Da gibt es ja auch die unterschiedlichsten Arten der Preise. Aber wie geht es von statten, wenn ein haus ein Ausgangsbebot hat.
Wie lange dauert es bis das Haus verkauft wird?
Oder noch mal anders gefragt (mit einem Beispiel) Da gibt es ein Haus mit einem Ausgangsgebot von 400000 Skr. Ich biete 420000 Skr und bin z.Zt. der einzige Bieter. Wie lange dauert es, bis geklärt ist, ob der Verkaäufer nun verkauft oder nicht? Ich frage, weil ich immer wieder solche Häuser finde, aber die schon seit Monaten im Angebot stehen. Bietet da keiner drauf? Ist es dem Verkäufer zu wenig? Wie läuft das da?

Gruß Jörg
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
Bild

Volker L.

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Volker L. » 27. Februar 2007 20:21

Hallo,

das ist das sogenannte budgivning, also die Gebotsabgabe, das Spiel von Angebot von Nachfrage, was vom Makler per Telefon (oder manchmal per Internet) koordiniert wird. Meistens ist die Gebotsabgabe nach einer Woche abgeschlossen, weil sich dann keiner mehr findet, der höher bietet. Man kann also bei dem Spiel mehrmals vom Makler angerufen werden, was die Nerven ganz schön strapazieren kann. Das Gebotsabgabe ist allerdings nicht juristisch bindend. Steht das Haus in Ballungszentren, wird der Preis oft um bis zu 20% nach oben getrieben. Damit muss man besonders dann rechnen, wenn bei der Hausbesichtigung (visning) besonders viele Interessenten erscheinen, wie das in Städten die Regel ist. Auf dem Lande sieht die Marktlage allerdings oft anders aus. Da ist man froh, wenn sich ein Interessent meldet. Theoretisch könnte man den Ausgangspreis auch unterbieten. Ob der Kauf zu Stande kommt, hängt davon ab, ob der Eigentümer auch an die diejenige Person verkaufen möchte.

Bevor man den Kaufvertrag beim Makler unterschreibt, sollte man sich das Haus noch von einem Sachverständigen beurteilen lassen (besiktning). Das machen fast alle potentiellen Käufer. Manchmal ist es auch so, dass im Kaufvertrag eine Klausel steht, dass man innerhalb einer bestimmten Frist das Haus begutachten darf und man dann bei Überschreiten einer bestimmten Schadenssumme von Kaufvertrag zurücktreten darf. Das Gutachten zahlt in jedem Fall der pontentielle Käufer. Schließlich treffen sich Makler, Käufer und Verkäufer gemeinsam bei der Bank des Käufers, um das Finanzielle zu regeln und den Grundbucheintrag (lagfart) in die Wege zu leiten. Das Grundbuchamt liegt zentral in Växjö. Ach so - Nach Unterzeichnen des Kaufvertrages ist eine Anzahlung (handpenning) von 10% des Kaufpreises (köpskilling) fällig. Dann kommen noch Steuern und Gebühren drauf. So 10% kann man auf den Kaufpreis noch einmal draufschlagen, wenn ich mich recht erinnere. Die Maklergebühren zahlt der Verkäufer.

Viele Grüße
Volker

Benutzeravatar
Joerg
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 169
Registriert: 1. Januar 2007 22:32

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Joerg » 27. Februar 2007 22:31

Das war super informativ, danke. Dann weiß ich ja bescheid. Ich habe mich immer nur gewundert das es Häuser gibt mit Anfangsgebot die schon 1-2 Monate drin waren. Deshalb war ich verunsichert wie lange die Abwicklung dauert.

Gruß und Danke

Jörg
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Bild

Peter i Klackbua

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Peter i Klackbua » 27. Februar 2007 22:34

Aber achung bei den "Versteigerungen" - Ich habe jetzt schon von mehreren Fälle aus verlässlicher Quelle gehört dass da z.T. böse mit "mitbietenden Phantomen" getrickst wird.

Ich persönlich halte diese Art der Preisfindung bei Immobilien für unseriös. Ein kompetenter Makler sollte eigentlich ziemlich genau sagen können welche Preisspanne bei einer Immobilie auf dem Markt zu erzielen ist.
Am oberen Limit sollte man eigentlich einen Kaufpreis festmachen können - um sich bei mauem Käuferinteresse notfalls ja innerhalb der Spanne noch nach Unten bewegen zu können.

Ich vermute hier macht man ganz gerne Käufer mit einem billig erscheinenden Angebot "heiss" - um dann je nach Taxierung des Interessenten durch die Maklerfirma den Preis hochzutreiben.

Für den Käufer ist das m.E. sehr nervig - da er sich unnötig viele Immobilien genau ansehen muss. Eine einfache und schnelle Vorselektion anhand der Preisvorstellungen ist ja quasi unmöglich.

Der Gipfel einer solchen Versteigerung war folgendes:
Ein Bekannter bietet fleissig mit und mit und mit. Irgendwann war dann der Punkt erreicht an dem er aufgegeben hatte. Tags darauf kam ein Anruf vom Makler mit dem Hinweis der höchstbietende Käufer sei abgesprungen oder wäre dem Verkäufer nicht seriös genug erschienen.
Aha! Welch ein Zufall... Und dann noch ein größerer Zufall: Der Dritthöchst-Bietende ist dann auch noch abgesprungen wie der Vierthöchstbietende. Der Einzige der sich wohl überhaupt für das Haus interessierte war mein Bekannter - und der sollte offensichtlich so stark wie möglich ausgenommen werden.

Nicht die feine schwedische Art.

Gast

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Gast » 27. Februar 2007 23:04

Das ist eine gängige Praxis, HAupsächlich bei Scheidungen und Teilerben.Ist also ganz normal.

Normal ist aber nicht das "Abspringen". Denn normaler Weise mußt Du einen Gewissen Betrag ,gesetzlich 10% des Verkehrswertes , vor Angebotsabgabe hinterlegt haben, ansonsten kannst du gar kein Angebot abgeben. Zusätzlich kommt dann noch für den Zuschlag ebenfalls eine Gebühr die du zahlen mußt.
So ist es jedenfalls in Deutschland.
Die Augen sollte man immer offen haben,den sollten auch noch Banken mitbieten oder Immobilienmakler , stehst du sowieso auf verlorenen Posten. Gegen die ist "Billy the Kid" ein Scheißdreck!

Ich schreibe vom anderen Computer
Nobse

jörgT
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1793
Registriert: 14. Oktober 2006 14:48
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon jörgT » 27. Februar 2007 23:37

Naja, ganz so wie in Deutschland ist der Hauskauf doch nicht, Nobse.
Wie schon gesagt, 10% handpenning werden bei "Zuschlag" fällig, nicht vorher, eine Gebühr für den Zuschlag muss man auch nicht bezahlen.
Das Häuser z.T. lange im Internet stehen, hat meist mit Problemen bezüglich der Lage, des Zustandes oder ganz allgemein des Preis-Wert-
Verhältnisses zu tuen.
Interessante Immobilien sind oft schnell weg und mittlerweile gibt es auch in attraktiven Gebieten auf dem Lande eher einen Mangel an (geeigneten)
Häusern, der die Preise hochtreibt. :wink:
Jörg

Benutzeravatar
Joerg
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 169
Registriert: 1. Januar 2007 22:32

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Joerg » 27. Februar 2007 23:48

Hallo zusammen,
ja das mit den mehreren Häusern anschauen habe ich mir schon gedacht. Deshalb wollen wir, wie in einem anderen Thread geschrieben, in Schweden Urlaub machen allein zum Zweck die möglichen Immobilien anschauen und die entsprechende Infrastuktur.

Gruß Jörg
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Bild

Benutzeravatar
janaquinn
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2206
Registriert: 5. Oktober 2006 09:29
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon janaquinn » 28. Februar 2007 07:04

God Morgon,
kann JörgT nur zustimmen, mein Mann hat ja auch einige Besichtigungen hinter sich, in den für uns geeigneten Objekten, haben sich beim Visning, sehr viele Leute "gestapelt", allerdings stehen diese Häuser noch immer drin, denn sie hatten alle irgendeinen mangel, der auf den ersten Blick nicht zu sehen waren. Feuchte Keller, Mängel am Fundament, oder sehr "problematische" Lage, oder ein halber Rohbau
Das Haus, welches wir jetzt kaufen, war ein reiner Glücksgriff, kein Ausgangspreis, sondern Festpreis, keine Reservierung und keine anderen Interessenten.Dazu eine Traumlage und ein Preis der für die Lage sehr günstig ist.
Aber, Joerg, nicht verzweifeln, soviel ich von Gottfried weiss, habt ihr sowieso eine Besichtigungspflicht, da sonst der Makler für irgendwelche Mängel haftet. Sucht euch die Häuser raus, die euch interessieren, geht zum Visning und dann entscheidet, für welches Haus ihr ein Gebot abgebt. Und wundert euch nicht, wenn aus heiteren Himmel plötzlich irgendwelche Familien auftauchen, die einen geringeren Preis zahlen will als ihr, das haben nämlich auch erlebt. Damit wollte uns der Makler ein wenig unter Druck setzen fest zu zusagen.
Ihr werdet euer Traumhaus finden, keine Sorge!
LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

Peter i Klackbua

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Peter i Klackbua » 28. Februar 2007 09:24

Richtig ist dass preisgünstige gute Objekte irre schnell weg gehen. Ich hatte im letzten Sommer einen Fall in dem war das Ding tatsächlich schon verkauft noch bevor ich für einen Bekannten die Besichtigung klar machen konnte. Also innerhalb von 2 Tagen tatsächlich verkauft.

Andererseits trifft das für extrem wenige Immos so zu. Der Regelfall ist immer noch der klassische Ladenhüter mit irgendwelchen "Macken" - Macken die jedoch meist nicht mit der Substanz des Hauses zu tun haben sondern lediglich bedeuten dass das Haus aktuell nicht auf dem "Traumzustand" des verwöhnten Käufers ist, der "schlüsselfertig" einziehen möchte und allenfalls noch bei der Möblierung Hand anlegen will.

Viele Verkäufer haben auch vollkommen irreale Preisvorstellungen. Und da dauert es einfach immer bis die Gier von der Einsicht eingeholt wird. Da lohnt es sich tatsächlich auch höflich aber bestimmt abwartend dranzubleiben und die Sache in aller Ruhe gemeinsam mit dem Verkäufer und dem Makler sachlich zu diskutieren.
In so einem Fall macht man ein realistisches Angebot und fragt einfach nach ein paar Monaten wieder nach.

Was manchmal hilft: Wenn möglich mit runden Beträgen "arbeiten" - Also nicht 240.000 bieten - sondern eine Viertel-Million - oder bei mehreren Verkäufern mit Zahlen die für jeden Teilhaber einen schönen runden Betrag ergeben. 96.000 Kr. pro Kopf erscheinen nun einmal weniger als 100.000 - und für den Käufer dreht es sich unter dem Strich selbst in der Summe noch um "Kleckerbeträge". Viele Schweden haben die großen Abwertungen nämlich noch nicht wirklich in ihrem Geldwertgefühl realisiert.
Mit den runden Beträgen bekommt man meist den Kauf spontaner also schneller abgewickelt.

Benutzeravatar
Joerg
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 169
Registriert: 1. Januar 2007 22:32

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Joerg » 28. Februar 2007 23:00

Danke für die Tipps. Aber jetz noch eine Frage ;-) . Wenn ich meine, mein schwedisch reicht nicht für das Gespräch mit dem Verkäufer, kann da der Makler helfen? Sind in den großen Maklerbüros deutschsprachige Makler?
Gruß Jörg
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Bild


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste