Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 708
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Volker » 1. März 2007 00:32

Hallo,

du redest anfangs nicht mit dem Verkäufer, sondern hauptsächlich mit dem Makler. Dazu ist er ja da. Wer in Schweden übrigens Makler werden will, muss im Gegensatz zu Deutschland eine entsprechende Ausbildung nachweisen. In Schweden hat der Makler auch eine ähnliche Funktion wie der Notar in Deutschland, in dem er sich in vielen Fällen um den Grundbucheintrag kümmert. Manchmal macht es auch die finanzierende Bank (, wenn du eine solche als frisch Eingewanderter findest).

Wenn es sich in Småland um Ferienhäuschen handelt, kann ich es mir schon vorstellen, dass es dort viele Makler gibt, die sich auf die deutsche Kundschaft eingestellt haben.

Bei dir ist es aber etwas anderes. Du willst arbeiten und wo Arbeit ist, da sind die Häuser knapp. Deshalb sehe ich das pessimistisch, denn der Makler muss sich vergewissern, dass der Verkäufer auch sein Geld bekommt, da sonst das Verfahren neu aufgerollt werden muss. Wenn sich der Makler wegen Sprachhürden unsicher ist und ihm das alles zu kompliziert erscheint, wird er sich lieber nach einem anderen Käufer umsehen, wenn es von denen genug gibt.

Der Makler ist auch per Gesetz verpflichtet, mit dem potentiellen Käufer durchzusprechen, ob er sich das Haus überhaupt leisten kann. Es ist mir auch mindestens ein Fall bekannt, da wollte der Verkäufer aus Unsicherheit nicht an Deutsche verkaufen. Oder du wirst bei der Gebotsabgabe einfach übergangen. Der Makler wird auch keinen Kollegen heranziehen, der Deutsch kann. Das ist dem alles zu aufwändig. Wer bekommt dann die Provision oder den Provisionsanteil?

Der Maklerberuf genießt in Schweden keinen besonders guten Ruf. Vor einigen Monaten lief im Fernsehen mit großem Erfolg die mehrteilige Komödie "Mäklaren", die einigen Lesern sicher bekannt sein wird. Mit der Realität hatte sie aber nicht viel zu tun gehabt.

Man kann sich aber auf das Gespräch vorbereiten und in die Thematik einarbeiten. Im Internet gibt es genügend schwedische Seiten, um sich das Vokabular anzueignen. Ich denke, wenn man in das Land auswandern will, muss man das hinkriegen und in der Lage sein, einen Kaufvertrag einigermaßen verstehen zu können. Da hilft der Makler schon, weil auch nicht alle Schweden so ohne weiteres Vertragstexte verstehen. Oft kümmert sich der Makler auch noch darum, dass Strom, Wasser, Müllabfuhr u.s.w. geregelt ist.

OK - meine Worte klingen vielleicht etwas hart. Meine Rede ist, dass die Sprachkenntnisse in jeder Beziehung überlebenswichtig sind. Man will ja einen glücklichen Start in dem Land seiner Träume haben. Ohne die Sprache kann man auch nicht die Mentalität der Schweden verstehen.

jörgT
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1794
Registriert: 14. Oktober 2006 14:48
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon jörgT » 1. März 2007 10:10

Ich stimme Dir prinzipiell zu, Volker. Wo Arbeit ist, ist Wohnraum oft knapp.
Dazu kommt, dass in Südschweden Wohnraum z.T. durch (auch deutsche!) Ferienhausbesitzer blockiert wird.
Such Dir erst eine mögliche Arbeit und dann ein Haus/eine Wohnung, Jörg.
Wenn Du Dich unsicher fühlst, bitte einen Mitarbeiter der Personalabteilung um Hilfe, da findest Du oft Leute, die dazu bereit sind.
Generell warne ich vor Maklern, die sich auf deutsche Käufer "spezialisiert" haben. Auch in Schweden ist bekannt, dass in Deutschland die Immobilienpreise höher sind und da werden die Preise hier schon mal deutlich nach oben "angapasst"!
Jörg

Tommy
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 52
Registriert: 18. März 2007 16:59

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Tommy » 23. März 2007 13:00

Du brauchst garnicht mit dem Verkäufer sprechen, dazu gibt es den Makler.
Der Verkäufer ist übrigens nicht verpflichtet, an den Meistbietenden zu verkaufen. Er kann ganz allein frei wählen, an wen und zu welchem Preis er verkauft.
Der Makler haftet normal auch nicht für irgendwelche Mängel. Es obliegt dem Käufer, sich ein klares Bild über den Zustand des Objekts zu verschaffen. Der Käufer sollte da unbedingt einen Gutachter zuziehen, das ist gut investiertes Geld, gerade, wenn man nicht so mit der schwedischen Bauweise vertraut ist. Später Mängel geltend zu machen ist so gut wie aussichtslos, da von den jurstischen Instanzen erwartet wird, dass man sich äusserst gründlich über das Objekt informiert. Bei älteren Objekten kann man sogar erwarten, dass der Käufer den Fussboden öffnet, um den Feuchtezustand dadrunter zu prüfen.

Die Lage ist sehr wichtig, weil sie das einzige ist, was man nicht ändern kann. Natürlich sollte man die Nähe von Industrieanlagen, Kläranlagen, Müllkippen, Schiessübungsplätzen usw. meiden. Ich persönlich würde auch Sportanlagen und Schulen weiträumig meiden, weil die oft Anziehungspunkte für die Mopedgangs sind, und man oft lauter Müll und leere Dosen im Vorgarten findet.
Eine Papierfabrik kann 20 km weit stinken.

Benutzeravatar
Skogstroll
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1383
Registriert: 30. August 2006 11:42

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Skogstroll » 23. März 2007 13:48

Wenn der Makler plötzlich hervorragend deutsch spricht, würden bei mir sämtliche Alarmglocken läuten, denn dann könnte es einer der eher berüchtigten Vertreter der Zunft sein, die sich auf deutsche Kunden spezialisiert haben. Womit wir wieder bei der Wichtigkeit der Sprache wären, und da stimme ich Volker voll zu.
Zum Verkaufsprozess selbst: Das Ausgangsgebot kann sehr wohl unterboten werden, je nach Angebot und Nachfrage. Noch vor zwei Jahren konnte man z.B. hier in der Region davon ausgehen, 10-15% unter das Ausgangsgebot zu kommen. Manche Häuser standen jahrelang zum Verkauf, die absolute Preisobergrenze lag etwa bei 900000kr.
Jetzt haben wir auch hier die zwei Milionen erreicht, Besichtigungen gleichen einem Volksauflauf, und die Häuser sind innerhalb von höchstens zwei Wochen weg.

Skogstroll

Peter i Klackbua

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Peter i Klackbua » 23. März 2007 14:34

Wenn man regional festgelegt sein sollte - beschreitet man auch oft den umgekehrten Weg und wendet sich mit seinen Wünschen und Vorstellungen an einen Makler.
Ein sehr guter Makler leitet dann die in Frage kommenden Angebote an seine Interessenten weiter - verschont den Interessenten jedoch "mit jedem dahergelaufenen Müll" und damit vor vielen unnützen Besichtigungen.

Wenn man so will gelangen viele besonders attraktive Angebote auf diese Weise gar nicht ins Internet oder den "breiten Markt".

Um einen guten Preis zu realisieren braucht der Verkäufer nicht besonders viele Interessenten - es reichen wenige "richige" Interessenten.
Wir sprechen dabei aber nicht von der Klasse "Freizeitimmobilie für < 300.000 Spänn" sondern von "ernsthaften" Immobilien.

Der perfekt deutschsprechende Makler muss kein Grund sein skeptisch zu sein - in manchen Gegenden sind nun einmal Kunden aus Deutschland eine so entscheidend wichtige Gruppe, dass jedes bessere Maklerbüro einfach Wert auf Mitarbeiter mit guten Deutschkenntnissen legt.

Man ist ja nicht mit einem Makler "verheiratet" - letztendlich wird immer der den Abschluss machen der die passendere Immobilie zum angemesserenen Preis "raunschaffen" kann.

Viele Deutsche zahlen nur deshalb zu viel weil sie nicht lange genug suchen/wählen. Wenn ich mal eben in einer Woche ins Blaue hinein ein Haus kaufen möchte - ist das ebenso "teuer" wie wenn ich mir von heute auf Morgen irgendein neues Auto kaufen gehe oder mein Cola im erstenbesten Laden kaufe. Beim Cola schaffe ich auch problemlos hohe zweistellige Prozentunterschiede - beim Haus ist das ähnlich - nur dass es hier nicht um die Frage 9,9 kr. oder 15 kr. geht - sondern um ein paar Nullen mehr hinter dem Komma.

Benutzeravatar
Frank
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 24
Registriert: 25. Januar 2007 13:47
Kontaktdaten:

Re: Und noch eine Frage zum Thema Hauskauf

Beitragvon Frank » 11. Mai 2007 21:14

Peter i Klackbua hat geschrieben:Der perfekt deutschsprechende Makler muss kein Grund sein skeptisch zu sein - in manchen Gegenden sind nun einmal Kunden aus Deutschland eine so entscheidend wichtige Gruppe, dass jedes bessere Maklerbüro einfach Wert auf Mitarbeiter mit guten Deutschkenntnissen legt.


Es soll sogar welche geben die von Deutschland nach Schweden ausgewandert sind und diesen Beruf hier seit jahrzehnten seriös ausüben :)

vH

Frank


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast