Über Schweden als Einwanderungsland

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hansbaer

Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon hansbaer » 3. März 2009 09:56

Dagens Nyheter hat derzeit eine sehr interessante Serie über Schweden als Einwanderungsland, geschrieben von Maciej Zaremba, einem polnischstämmigen Schweden.
Was dort zum Vorschein kommt, ist gelinde gesagt beschämend für die Integrationsbestrebungen des schwedischen Staates: hochqualifizierte Ausländer warten ewig auf ihren SFI-Kurs, um dann nach einem Jahr auf Kindergartenniveau diskutieren zu können. Es wird berichtet von schlecht informierten Beamten und bedenklichen Lücken in der Datenerfassung.

Ingesamt hat die Serie acht Teile. Heute morgen war der zweite Teil in der Zeitung, und der erste steht schon online:
http://www.dn.se/kultur-noje/debatt-essa/svensk-var-god-droj-1.810524

Leider ist der Text nur auf schwedisch.

BettinaZ
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Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon BettinaZ » 3. März 2009 11:00

Ich habe den "lebenden Beweis" im Nebenzimmer sitzen. Unser IT Administrator kam vor über 20 Jahren nach Schweden und ist gegenüber jeglichen Verbbeugungen und anderen grammatikalischen Feinheiten resistent. Das ist wirklich traurig, da schwedisch mittlerweile seine Erstsprache ist.

Leider habe ich selbst auch ähnliches Pech - ich wurde vor 1 1/2 Jahren von meiner Firma in diese Region versetzt und versuche seither vergeblich, einen niveavollen Abendkurs zu bekommen. Ich sitze nun im SAS neben - meist arbeitslosen - Einwanderern und eine wenig motivierte Lehrerin diskutiert stundenlang, was ein Verb ist... Wenn meine Thailändische Nachbarin redet, verstehe ich kein Wort und wenn wir beim Sprechen Fehler machen, werden diese grundsätzlich nicht korrigiert.

Vermutlich ist mein Kollege daher auch auf diesem Niveau steckengeblieben. Sicherlich haben manche Einwanderer auch Glück und erwischen einen guten SFI Kurs, aber das scheint mir sehr vom persönlichen Einsatz der Lehrer abzuhängen. Zum Glück hilft mir mein (schwedischer) Mann viel - aber welcher Einwanderer aus dem Iran hat diese Option?

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Imrhien
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Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon Imrhien » 3. März 2009 14:20

BettinaZ hat geschrieben:aber das scheint mir sehr vom persönlichen Einsatz der Lehrer abzuhängen.


Das kannst Du echt laut sagen. Ich kenne hier von Komvux auch ein paar verschiedene Lehrer und die sind sehr sehr unterschiedlich in ihrer Art zu unterrichten und somit schwankt auch das Ergebnis und der Spass an der Sache. Ich hatte zum Glück meist gute Lehrer und zwei davon waren richtig hervorragend. Mein jetztiger Lehrer ist genial. Er redet normal schnell aber er ist doch super gut zu verstehen. Er spricht sauberes schwedisch. Die Grammatik schüttelt er einfach so aus dem Ärmel und egal nach was man fragt er malt ein verständliches und einprägsames Schaubild an die Tafel. Was ich nicht kann liegt nicht an ihm sondern an mir.. Ich kann mir einfach nciht einprägen welches Verb zu welcher Gruppe gehört. Daher kommen natürlich Folgefehler und die nerven mich. Aber der Leher ist echt genial. Schade, dass nicht alle so sind.
Mein SAS endet dann im Mai. Eigentlich wäre ich schneller fertig, brauche nur noch 2 Kapitelprüfungen und die sind nicht viel aber ich möchte die rausschieben damit ich noch bis Mai bis der Kurs offiziell endet bei ihm sein kann. Ich weiss ja nicht wer danach kommt...

Grüsse
Wiebke

tilmann

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon tilmann » 3. März 2009 17:19

Hej!
Ich nutze ja gerne jede Gelegenheit von meinen positiven Erfahrungen mit den Svenska som andraspråk-Kursen zu berichten.
Also ich habe sechs SAS-Lehrerinnen mehr oder minder kennengelernt und nur zwei waren eher nicht so überragend. Die anderen waren fantastisch. Immer motiviert, wunderbar fachkompetent und meistens gut gelaunt. Egal ob sie in einem Sommerintensivkurs unterrichteten oder bei Abendkursen.
Die LehrerInnen, die Svenska som andraspråk unterrichten, das steht ja auch im Artikel, arbeiten unter schlechteren Bedingungen als ihre KollegInnen an Regelschulen und ihr Studium dauert länger.
Weiss eigentlich jemand, wie die Verhältnisse in Deutschland bei Deutsch als Fremdsprache sind? Vermutlich schlechter als hier.

Ich bin mir nicht so sicher, was ich von den Artikeln halten soll: Im ersten Teil wird ja der schlafende Schüler dem turbo Schwedisch-im-Gesundheitswesen-Kurs entgegengehalten und das scheint mir eher populistisch zu sein. Weil man ja nicht genau weiss, warum der Kollege eingeschlafen ist und ob dieser andere Kurs wirklich so gut war. In meinem ersten SAS-Kurs war beispielsweise eine offensichtlich psychisch kranke Mitschülerin aus Korea, eine junge Irakerin, die Schwierigkeiten hatte zu schreiben und ein rebellischer irakischer Jungspunt und viele andere beeindruckende Leute - mir hat das Spaß gemacht. Gut, die waren vielleicht nicht so strebsam, wie die zwei iranischen Ärzte, die nach einem Jahr auf SAS-A-Nivå waren (alle Achtung! und ein Gegenbeispiel zu dem Arzt aus dem ersten Artikel).

Generell kritisiert der Autor wohl weniger die einzelnen SFI-Kurse, vielmehr die verwaltungstechnischen Strukturen.

Naja, der zweite Teil der Reportage ist jetzt auch online lesbar: http://dn.se/kultur-noje/debatt-essa/ma ... e-1.811655

Grüße,
Tilmann

hansbaer

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon hansbaer » 3. März 2009 18:37

tilmann hat geschrieben:Generell kritisiert der Autor wohl weniger die einzelnen SFI-Kurse, vielmehr die verwaltungstechnischen Strukturen.


Das ist in der Tat der Tenor - dass Leute einfach nur aufs Abstellgleis geschoben werden.

Meine Freundin war von SAS eigentlich auch recht begeistert.

nysn

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon nysn » 4. März 2009 11:52

Living and learning Swedish in Sweden, when you name is Ali: :D

http://www.youtube.com/watch?v=et9d1uePVrs&NR=1

tilmann

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon tilmann » 5. März 2009 09:38

Der dritte Teil ist heute erschienen und kann auch online gelesen werden:
http://dn.se/kultur-noje/debatt-essa/vi ... n-1.813433

Grüße,
Tilmann

schwedenoma

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon schwedenoma » 6. März 2009 00:27

Wie ist es mir ergangen?
1999 belegte ich einen Kurs beim Västra Vux Lärcentrum in Tranas. Schon damals war ich Rentner. Wir waren 20 Leute im Kurs aus 16 Nationen. Ich war bei allen der Älteste. Durchschnitt war so um die 25 Jahre. Ich hatte die größten Probleme. Ich hatte nur Russisch in der Schule zum Gegenatz aller anderen, die Englisch-Kenntnisse hatten und sich auch dadurch miteinander Unterhalten konnten. So saß ich recht Abseits und habe auch viele Male nur Bahnhof verstanden. Auch war mein Problem, das ich wenig Kontakt zu Schweden hatte. Für mich war aber von Vorteil, das meine Nachbarin Deutsch konnte. Ich kann mich nicht mit Einwanderen vergleichen, die noch Jung sind und hier auch Arbeiten müssen. Es ist alles bei denen etwas anders. Immer war es aber für mich von Vorteil, das ich mich in Menschen versetzen kann und viele Dinge auch nur Erahnen kann, bzw. von den Augen ablesen kann. So auch beim Bau meines Nachbarn, der 110 qm auf sein Haus aufgestockt hatte. Schon von den Augen habe ich vom Zimmermann abgelesen, was er meinte. Ich bin kein Theoretiker. Gerade das macht mir zu Schaffen. Man sollte also keinen Menschen kritisieren, egal wo er herkommt. Auch bei einem, der hier ins Land kommt und einen Neuanfang wagen will.
Wichtig ist für mich, das man auf die Leute zugeht. Auch mal etwas macht, wo man eventuell keine Anerkennung bekommt. Irgend wann kommt das zurück. Ich wohne im Wald und kann nicht darüber sprechen, wie es in der Stadt ist. Aber durch mein Leben hier habe ich mir unter meinen Nachbarn eine hohe Anerkennung erworben. Früher hat man nur vom Deutschen gesprochen. Heute bin ich einer von ihnen. Und sie haben mir auch zu verstehen gegeben, das es Zeit wurde, das ich den letzten Schritt der Integration vollzogen habe, ganz nach Schweden zu ziehen. Und das habe ich am 01.01.2009 vollzogen.
Ich bin Glücklich.
Schwedenoma oder Peter

rollohraale

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon rollohraale » 6. März 2009 06:33

Hej Schwedenoma,
ich muss dir voll und ganz beipflichten,nur habe ich mein schwedisch mit der suggestopedie methode begonnen.
Ich muss sagen das war ein Traum leider wird nur der erste Teil 3 monate in suggestopedie gelernt. Wir waren auch 16 elever,unddavon 4 aus dem westlichen Teil der Erde, davon hat keiner geschlafen, bei der Methode muss man einfach mitmachen. Wir haben in Kbk.eine Lehrerin, das ist ein Energiebuendel, die war auch morgens vor Unterrichtsbeginn in der Klasse,die geht auf fuer Ihren Beruf.Und ist nicht erst 5 min nach Unterrichtsbeginn anwesend.Ich kann nur jedem raten,wenn er die möglichkeit hat solche Kurse zu besuchen wenn er s lernen will. Alles unter Komvux Kungsbacka Sfi Suggestopedie.
Anders giebts auch Lehrerinnen die erwarten nach jedem Satz beifall,OiOi
gruss rollohraale

Speedy

Re: Über Schweden als Einwanderungsland

Beitragvon Speedy » 11. März 2009 21:20

Hej Bettina,

Du wohnst in halland?!? Wo genau. Ich bin seit letzter Woche in Varberg wohnhaft und wuerde gerne mal jemanden aus D treffen u.a. zwecks Erfahrungsaustausch und evtl. Tips und Tricks die man aus Nordschweden nicht so kennt.

Danke im voraus

Speedy


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