Über das deutsche Wesen

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Mark
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Über das deutsche Wesen

Beitragvon Mark » 1. Februar 2011 15:47

So sind sie halt die Deutschen: Es wird gemotzt über die ESC-Gewinnerin Lena, beispielsweise über ihre Aussprache, obwohl sie ein hervorragendes Englisch im Vergleich zum deutschen Durchschnitt spricht. Dass sie mit ihrem Lied gewonnen hatte vor einem Jahr und hübsch aussieht kann man ihr zwar nicht direkt verübeln, aber es gibt genug die sich trotzdem beschweren... nach dem Motto so gut ist sie auch wieder nicht und soll sich bloß nichts einbilden. In Ägypten findet gerade eine Volksrevolution statt, ach denen geht es noch schlechter, na da kann man ja beruhigt sein.

Es kommt in Deutschland scheinbar immer weniger darauf an dass man selbst oder mit anderen Spaß hat, sondern mehr dass man allen mitteilt wie schlimm das eigene Leben sei. Dabei ist der Fokus häufiger auf reden, weniger auf anfassen und verbessern. Eins der beliebtesten Themen wenn sich mehrere Deutsche in Schweden treffen ist was alles schlechter ist in Schweden, darüber wurde bei uns letzten Sommer solange diskutiert dass eine Schwedin kommentierte, ihr habt die Möglichkeit das Land zu verlassen wenn es denn so schlimm sei. Tja sie hat Recht, für Außenstehende ist leidenschaftliches Gemotze um Kleinigkeiten und persönliche Ansichten unerträglich. Vielleicht lebe ich schon zulange im Ausland, ich frage mich wie weit diese Art eine Deutsche Krankheit ist? Ich glaube es ist ein bekanntes Vorurteil in Deutschland dass man es dem Nachbarn (oder Verwandten und Kollegen) nicht gönnt wenn er etwas Schönes oder Erfolg hat. Wir haben im Forum auch schon erwähnt dass es kein ausgesprochen positives Erlebnis ist, wenn man deutsche Touristen in Schweden anspricht. Hallo auch aus Deutschland - Knurrrr! Wir sind scheinbar die einzige Nation die ihre Landsleute in der Fremde weniger mögen als andere.

Wie erlebt ihr Deutschland nach ein paar Jahren in Schweden, wo lebt ihr zufriedener?

Anders gefragt, wie erlebt ihr das Deutsche Wesen: Sind die Deutschen in erster Linie depressiv, neidisch, besserwisserisch und unsozial geworden?

/Mark

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon janaquinn » 1. Februar 2011 16:40

Hej Mark,
nun, dann werde ich mal als erste in die(kommende) Schlangengrube werfen.
Zu Lena: Ich mochte sie im letzten Jahr nicht, mochte das Lied nicht und habe auch für sie nicht gestimmt. Mein Mann war vollkommen von den Socken und hat für sie gestimmt. Ich fand auch die Entscheidung, ein zweites Mal anzutreten eher schlecht, denn wievielen ist es denn wirklich geglückt mehr als einmal zu gewinnen? Da fällt mir eigentlich nur Johnny Logan ein, der 1980 und 1987 gewonnen hat. Dazu kommt, dass die Jahre davor die Mehrheit entscheiden konnte, wer zum Grand Prix fährt, heute darf man max. das Lied wählen...irgendwie nicht sehr nett. Man wird sehen, gewinnt Deutschland "gut" wenn nicht, dann nicht...ist mir persönlich eigentlich egal. Wie geschrieben, wirkliche Weltkarrieren entstehen kaum mehr aus der Geschichte.

Ägypten: Es geht diesen Leuten tausendmal schlechter als uns. Ich habe das Elend in Hurghada gesehen, es war furchtbar. Umso mehr ist es wichtig, dass diese Revolution wirklich erfolgreich ist, das Land reformiert wird und in eine bessere Zukinft schauen kann. Meine Befürchtung ist, dass die Islamische Bruderschaft an Macht gewinnt und ElBaradei sie nicht im Griff haben wird. Einen zweiten "Gottestaat" braucht die Welt nicht, der Iran meistert die "Angst-mache-Strategie" sehr gut allein..Achtung Ironie

Deutsche Touris in Schweden: kommt einfach auf den Mensch drauf an. Nur weil jemand zufällig den gleichen Pass besitzt, muss er mir nicht automatisch sympatisch sein. Manchmal ist ne´Menge "Fremdschämen" dabei, da bleibt man lieber stumm und outet sich nicht.
So mache ich es nicht nur in Schweden, sondern auch in anderen Ländern. Ich habe umgekehrt sehr viele sympatische und nette Menschen kennengelernt, z.B. in Ägypten, zu denen wir auch weiterhin Kontakt haben. Es kommt einfach auf die Chemie an, entweder sie stimmt oder sie stimmt nicht.

Nörgeln und Motzen: Die Deutschen nölen und nörgeln gerne, es ist einfach so. Wahrscheinlich liegt es uns einfach in den Genen. Und nur weil man freiwillig hier lebt, hat man nicht einfach alles gut zu heissen. Sorry, auch den Schweden liegt es mittlerweile frei woanders zu leben, sollte es ihnen nicht passen. Aber einfach sagen: Klappe halten, du Ausländer"...sorry, geht garnicht. Ach übrigens: die Schweden jammern auch gerne...nur so in den Raum gestellt;-)

Ich lebe in Schweden zufriedener, teilweise ruhiger, aber nur bedingt stressfreier.
Warum die Deutschen so sind wie sie sind? Nun vielleicht durch die Gechichte, durch 2 Weltkriege und die daraus entstehende Geschichte. Ich weiss nicht, wie es vor der Wende in Westdeutschland war, aber ich glaube, die DDR-bürger haben auch gerne gejammert, mal begründet und mal unbegründet...Brot gab es übrigens immer, Bananen weniger :D

Unterm Strich: Es gibt viele Motz-Deutsche, die bekommen schon eine Krise, wenn das Wasser im Roten Meer im Februar keine 35 grad hat und es gibt Deutsche, die geniessen einfach ihr Leben, meckern und nörgeln auch mal, aber sind eigentlich ganz nette verträgliche Menschen.

Grüsse JANA, hat auch ihre Motz-Tage :twisted:
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Lussekatt » 1. Februar 2011 16:51

Ich empfinde das nicht so. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mich mit Menschen umgebe, die mir zusagen und mit denen ich mich gut verstehe. Da spielt es keine Rolle ob Deutscher oder Schwede.
Ebensowenig reagiere ich bissig, wenn ich hier in Schweden andere Deutsche treffe. Ob ich Kontakt aufnehme hängt auch hier von der jeweiligen Situation ab, nicht von der Nationalität.

"Das deutsche Wesen" ist für mich etwas ebenso nichtexistent wie "das schwedische Wesen". Es gibt sicherlich Verhaltensunterschiede im Alltag, der schwedische Kodex unterscheidet sich vom deutschen in einigen grundlegenden Dingen. Dennoch ist mir diese Art der Kategorisierung fremd, ich sehe eher Menschen als Staatsangehörigkeiten.

Auch das Diskutieren von "besser" oder "schlechter" habe ich in der von Dir beschriebenen Art so noch nicht erlebt. Auch ich spreche mit meinen hiesigen deutschen Bekannten über den Alltag und natürlich kann dabei auch mal Negatives zur Sprache kommen. Aber dass jemand "alles Scheiße" findet oder grundsätzlich in Frage stellt, habe ich noch nicht erlebt. Schließlich hat man ja freiwillig die Entscheidung getroffen, hier zu leben.

Wie ich persönlich Schweden nach einigen Jahren erlebe? Rundum positiv. Ich bin der Liebe wegen hergezogen, niemand hat mich dazu gezwungen. Natürlich lief nicht immer alles rund und geradeaus, aber wann tut es das schon? Ob ich hier zufriedener bin? Nein, ich bin hier ebenso glücklich wie in Deutschland. Und Neid und Missgunst gibt es hier wie dort.

Gruß von Lussekatt :smt006

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon ekorre » 1. Februar 2011 17:28

Hej!

Entschuldigt, dass ich meinen Senf dazugebe, obwohl ich (noch) nicht in Schweden lebe...

Auch ich weigere mich, irgendwelche Verhaltenweisen oder Ansichten als "typisch deutsch" zu bezeichnen. Allerdings habe ich bei meinen letzten beiden Schweden-Reisen immer wieder mal gestaunt:

Ich bestreite meine Reisen mit irgendwie selbst gelerntem Schwedisch. Und ich bin wirklich kein sprachlicher Überflieger, eher einfach ein neugieriger gerne (schwed.) Krimis lesender Mensch. Schwedische Gespräche waren für mich immer eine spannende, aber durchaus schweisstreibende Tätigkeit... Vokabelgesuche, Grammatikgefehlere.... Hilfee! Keineswegs ein "lockerer Zeitvertreib". (Aber Spass gemacht hat´s natürlich.)
Trotzdem ist es immer wieder passiert, dass mich Schweden gefragt haben, wo ich denn wohne... also "Wo in Schweden denn eigentlich?" Wollten nicht glauben, dass ich bloss im Urlaub mal vorbeikomme...

Daraus schliesse ich, dass die deutsche "Koloniebildung" in Schweden sehr ausgeprägt sein muss. In Småland fiel es mir zum Beispiel besonders auf. Dort scheinen die deutschen Auswanderer oft mehr oder weniger unter sich zu leben und auch nach Jahren nicht viel mehr als das Schwedisch zu sprechen, was man bei ICA so braucht. Das ist ja nun grundsätzlich nicht schlimm. Das muss jeder so machen wie er es für richtig hält. Ich werde es aber sicherlich sehr anders machen.

Allerdings wundere ich mich hier im Forum auch manchmal wie viele Leute dem deutschn Bier, dem deutschen Brot, der deutschen Wurst, dem deutschen Quark etc nachtrauern. Diese Beiträge klingen wirklich manchmal recht unzufrieden. Vielleicht muntert es Euch auf, wenn ich Euch sage, dass ich hier in Deutschland Ekströms Blåbärssoppa, Pågens längtan, Filmjölk und Bregott vermisse! Es gibt eben nicht überall alles zu kaufen! Dann muss man eben im Urlaub dass besonders geniessen, was einem zu Hause im Alltag (egal ob chweden oder Deutschland) fehlt. Und man kann sich ja immer für besondere Anlässe ein paar Fläschchen mitbringen.
Bin mal gespannt, was ich dann so vermissen werde, wenn ich nach Stockholm ziehe. Ihr dürft mich dann gerne auslachen, falls ich dann anfange "typisch deutsch" zu nörgeln. Ich hoffe aber, dass das nicht passieren wird!
;-P

Många hälsningar,
Regina

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon janaquinn » 1. Februar 2011 17:34

das mit dem Brot und der Wurst wird man erst dann wirklich verstehen, wenn man es nicht täglich haben kann. Es fehlt mir einfach, ist aber kein Grund wieder nach Deutschland zu gehen.
Ich habe die ganze Sache übrigens vor unserem Umzug nach Schweden auch nicht verstanden und unter "Unzufriedenheit" abgelegt. Ich habe eine Freundin, die 25 Jahre in Schweden lebt, hier glücklich verheiratet ist und Kinder hat..dem deutschen Brot weint sie heute noch hinter her.
Und die Wurst? Naja, bin durch meine Thüringer Herkunft einfach besseres gewöhnt und lechze einfach nach diesem Stück Kindheitserinnerungen.

JANA
Nachtrag: In Stockholm sieht es übrigens gut aus mit halbwegs vernünftigen Brot. Es gibt ein deutsches brothaus, die sehr lecker backen, in Järna hat eine Bäckerei aufgemacht, die im Steinofen backen und Sålta Kvarn gibt es auch noch...wann willst du denn nach Stockholm ziehen?
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon ekorre » 1. Februar 2011 17:48

Naja, vielleicht gehöre ich auch einfach zu den Menschen, die dem Essen recht wenig Bedeutung beimessen....
Ich esse tatsächlich nur sehr wenig Brot und eigentlich nie so richtiges "deutsches" vom Bäcker. Da fällts mir sicher leicht, ganz drauf zu verzichten.
Wer es natürlich so richtig gerne hat, der hat es in Schweden echt schwer. Freunde von mir (Schweden) backen ihr Brot daher selbst und lechzen auch nach deutschem Brot. So kanns gehen.
Alkohol trinke ich eigentlich gar nicht, und Fleisch esse ich kaum.
Ich fürchte eher, dass mir andere Sachen in Schweden fehlen werden. Ich weiss bloss noch nicht genau was. Hoffentlich überwiegen dann aber die positiven Seiten von Schweden. Aber das werde ich nur herausfinden, wenn ich wirklich nach Schweden ziehe. Und wie´s aussieht, kann ich im Sommer tatsächlich umziehen (erst mal für ein Jahr)!
Många hälsningar,
Reg

PS: @jana: Ich fahre Anfang April sehr wahrscheinlich nach Stockholm. Soll ich Dir ein paar Thüringer mirbringen? Mache ich doch gerne.... Du wohnst doch in Järna (also südl. Södertälje)?

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon janaquinn » 1. Februar 2011 17:58

Jap, Järna ist südlich von Södertälje, klein und fein. Warum fragst du, zieht es dich in unsere kleine Stadt??

Essen ist in unserer Familie sehr wichtig, bin mit einem Koch verheiratet, kommt also einfach daher. Es muss gesund sein, schmecken und sättigen.
Wir haben auch schon selber Sauerteig angesetzt oder uns welchen aus München schicken lassen, aber irgendwie wird es nichts.

Alkohol? Mein Mann liebt sein Münchner Bier, meine Schwester trinkt gern mal ein Glas Rotwein und ich habe eine Flasche Baileys im Kühlschrank, die fast Altertumswert hat...2 Jahre alt, mind.


Es gibt schon Sachen, die mir hier in Schweden fehlen: Sauerkirschen im Glas als Beispiel..ist zumindest hier kaum zu bekommen. Eine Freundin hat mal welche im ÖoB bekommen, das Glas für 25,-kr... :shock: aber die Schwarzwälder Kirschtorte war genial.
Was dir fehlen wird, kommt ganz auf dich an, meist sind es Kleinigkeiten.

LG JANA
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon ekorre » 1. Februar 2011 18:06

:D Ich fragte hauptsächlich wegen der Würstchen-Lieferung! :P
Järna läge also auf meinem Weg nach Stockholm. Vad bra!
Also musst Du nur noch rechtzeitig die Bestellung aufgeben.
Lg, Reg

PS: Die Sache mit den Kirschen klingt für mich schon wesentlich besorgniserregender als Bier, Wurst, Brot... :P Aber daran solls nicht scheitern!

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Nanna » 1. Februar 2011 19:22

@ janaquinn:
Wie habt Ihr den Sauerteig angesetzt? Ich backe selber mit Sauerteig und finde, dass es gut wird (auf alle Fälle behauptet das die Familie sowie Freunde :D ). Gröberes Brot, gerne mit Körnern. Falls Du Willst, maile ich Dir gerne mein Rezept zu ;)

Gruss
Nanna

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Imrhien » 1. Februar 2011 19:31

Hej,
erst mal zum Thema:
Ich bin typisch deutsch. Warum auch nicht? ich bin doch Deutsche! Dafür brauche ich mich nicht schämen und muss aber auch nicht stolzer sein als andere. Ich nörgel gerne. Ja manchmal schon. Na und?
Heisst aber nicht, dass ich nicht glücklihc bin. Man kann auch sagen, wenn ich sonst keine Sorgen habe, ist doch alles in Butter. Ja, manches hier in Schweden stört mich. Das Gesundheistssystem, manche sagen auch das den-Arzt-treff-Vermeidungssystem stört mich. Auch stört mich vielerorts die Schule, also, dass nach dem Langsamsten geschaut wird. Ja, manches stört mich. Aber manches stört mich auch in Deutschland. Dort hab ich ebenso gejammert oder gemeckert.
Und ich mach was dagegen, wenn es geht. Ich versuche nicht nur zu jammern, sondern da wo ich kann, zu ändern. In Deutschland wie in Schweden. Und ehrlich? Manchmal tut es einfach gut sich so schön schlecht zu fühlen. Nicht ernsthaft schlecht. Einfach nur mal hängen lassen.
Im Grunde bin ich aber ein positiver Mensch, sonst würde ich wohl kaum jeden Tag aufstehen und mich an meinen drei Kindern und meiner 3 Arbeitsstellen erfreuen. Das Leben bringt seine Probleme mit sich und jeder hat seine Päckchen zu tragen. Aber man kann es auch geniessen. Trotz gejammer hin und wieder.

Dann: Wir sind übrigens nicht allein damit. In Deutschland kenne ich einige Ausländer, die auch über Ihr Leben dort jammern und schimpfen. Und es gibt Schweden, die auch in Deutschland oder der Schweiz leben und dort jammern. Eine Deutsche erzählte mir gerade am Wochenende, dass sie in der Schweiz in einem Laden eine Schwedin gehört hat, die da auf schwedisch total abgelästert hat. Die machen das auch, nicht nur wir.

Nur zu Ekorre. Als ich noch im Urlaub in Schweden war, ist mir aufgefallen, dass mir was fehlen könnte. Wie Jana sagt, das merkt man erst, wenn man hier lebt. Aber manche haben da auch weniger das Problem. Das ist aber das was ich oben meinte. Ich jammer dann auch gerne mal auf hohem Niveau. Eben, wenn ich sonst keine Probleme hab :)
Ich vermisse dann eben die Wurst und gehe zu Lidl. Aber das finde ich auch nicht schlimm. Ich weiss ziemlich sicher, dass ich, wenn ich in Deutschland leben würde, vieles aus Schweden vermissen würde. Das ist nun so. Ich denke, das ist der Preis davon, dass ich hier lebe. Ich werde für immer Schweden vermissen, wenn ich weggehe, so wie ich nun Deutschland vermisse. Das heisst nicht, dass ich hier sitze und traurig bin. Ich will auch nicht hier weg. Aber wenn ich nun nach Frankreich ginge oder England, was gar nicht unwahrscheinlich ist bei uns, dann würde ich dort sitzen und darüber jammern was in Deutschland und in Schweden besser ist :) Aber ich würde ebenso die tollen Dinge dort wahrnehmen. So wie jetzt auch. Ob das typisch deutsch ist? Glaub nicht. MEin schwedischer Bekannter, der in England lebte, hatte das auch. Und der Ami den ich hier kenne und die Japanerin... eigentlich haben alle was zu meckern wenn ich es recht überlege.... So lange es ausgewogen bleibt ist doch gut.

Grüsse
Wiebke


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